Diese Bilder gingen um die Welt. Frauen und Kinder, die sich verabschieden. Denn der Ehemann, der Papa muss in den Krieg ziehen. Wird er zurückkommen? Werden alle diese Ehemänner und Väter, diese Söhne und Brüder, diese Onkel und Cousins, werden all diese Männer je zurückkehren? Keiner weiß es. So wenig, wie irgendjemand weiß, wohin der Irrsinn des Krieges überhaupt führen soll. Was er schon geschafft hat, dieser Krieg, was Kriege immer schaffen: Menschen werden auseinandergerissen. Überall tiefer Schmerz. Ungewissheit. Nackte Angst. Und warum? Weil ein Mächtiger es so will.

Heute Abend denken wir auch an einen Abschied. Jesus von Nazareth feiert Abschied. Am Abend vor seinem Leiden. Er nimmt Abschied im Kreis der Freunde. Er isst und trinkt. Auge in Auge mit dem Tod. Weil die Machthaber in Jerusalem es so wollen. Bei allem Zweifel, aller Angst, ja Todesangst, bei allem Weglaufen-wollen vor diesem Abschied blickt Jesus dennoch in die Zukunft: „Ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken, bis zu jenem Tage, wo ich auf neue Weise davon trinken werde im Reich meines Vaters.“ Jesus hat keine Gewissheit, dass die Sache gut ausgeht. Im Gegenteil. Er weiß, dass nun der größte Abschied vor der Tür steht. Und doch hofft er, dass es nach diesem Abschied weiter gehen wird.

Es ist diese Hoffnung, fast kann man sagen: Gewissheit, die mir in einem Brief begegnet ist. Kurz vor der Hinrichtung durch die Nazis schreibt eine Frau ihrem zum Tode verurteilten Mann: „Ich verlasse dich nicht, denn meine Gefühle und alles, was lieben kann in mir, gehört ja Dir.“ Wer so liebt, der weiß, was Abschied nehmen im tiefsten bedeutet. Und der kann verstehen, wirklich verstehen, was wir heute feiern.