Eigentlich sollte an diesem Tag die Welt untergehen. Zumindest wenn man der Wetterprognose Glauben geschenkt hätte. Nichts dergleichen ist jedoch passiert, im Gegenteil: Nach dem Beginn bei angenehmer Abendsonne, die von einer schönen Dämmerung abgelöst wurde, ging der Abend in eine laue Nacht über, in der man in entspannter Atmosphäre noch bis in die frühen Morgenstunden am Feuer sitzen und feiern konnte. Mit anderen Worten: Ein perfekter Start für die Sommerkirche!

Über 60 Menschen hatten am Abend des 24. Juni, dem Geburtstag Johannes des Täufers, den Weg zur Heilig-Geist-Kirche gefunden. Jugendliche und erwachsene Ehrenamtliche hatten alles vorbereitet, damit dieses Fest gefeiert werden konnte. Was wurde gefeiert? Sechs Monate vor der Geburt Jesu, so erzählt die Bibel, kam Johannes der Täufer auf die Welt. Als der erwachsen geworden war, machte er die vielen Suchenden seiner Zeit mit Jesus bekannt, von dem manche später sagen würden, er sei das Licht der Welt.

Als die frühe Kirche den Weihnachtstag auf die längste und das Johannesfest auf die kürzeste Nacht des Jahres legte, gab sie einem Wort des Johannes einen gleichsam kosmischen Rahmen: »Er muss wachsen, ich aber geringer werden!« (Joh 3,30). Jesus muss wachsen (die Tage werden nach Weihnachten wieder länger), Johannes aber geringer werden (die Tage werden nach dem Johannesfest wieder kürzer). So ging es in dem kleinen Gottesdienst auch um die Frage, was das denn heißen kann für uns heute: Vielleicht etwas weniger ich, etwas weniger: Hauptsache mir geht es gut!, dafür etwas mehr: Lass andere groß sein! Und gib Jesus einen Platz in deinem Leben!

Johannes war ein Prophet, einer, der den Finger in die Wunde legte. Der die Herzen von Menschen entzünden konnte, die sich gefragt haben, wie das gehen kann mit dem Leben. Und wie Gott in all dem zu finden ist. Auch dafür steht das Johannesfeuer, das den ganzen Abend hindurch leuchtete.

Nach dem Gottesdienst blieben viele noch bis tief in die Nacht, um zu essen und zu trinken, sich endlich mal wieder zu begegnen, mit alten Bekannten und neuen Gesichtern ins Gespräch zu kommen und einfach den Moment in der vielleicht schönsten Jahreszeit zu genießen – ohne dabei aus dem Blick zu verlieren, wie verletzlich das Leben und diese Welt sind. Die wieder kürzer werdenden Tage erinnern uns daran.

Einige Bilder des Abends finden Sie hier.

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Bericht: Alexander Bergel
Bild: Thomas Osterfeld