Abschied und Aufbruch
Rückblick auf einen besonderen Tag

Es war eine kleine, fast unscheinbare Handlung, ein Moment unter vielen besonderen anlässlich der Profanierung der Franziskuskirche – zugleich war es für nicht wenige der Anwesenden der emotionalste während der bewegenden Feier: Nachdem er das Allerheiligste, die Schale mit den Hostien aus dem Tabernakel genommen hatte, bläst Pastor Bergel die Kerze am Tabernakel aus, das Ewige Licht. Sechs Jahrzehnte hat es in der Franziskuskirche gebrannt als Zeichen der Gegenwart Gottes im eucharistischen Brot. Ein kleines, fast unscheinbares Licht erlischt – und genau darin wird die große Veränderung greifbar. Hier geht heute etwas zu Ende.

In dem feierlichen Gottesdienst am 8. Februar nahm die Gemeinde Abschied von der Franziskuskirche in ihrer gewohnten Form. Viele verbinden Jahrzehnte an Glaubensleben und Erfahrungen in Gemeinde, im kirchlichen Raum und Miteinander mit dieser Kirche. Wenn man in die Gesichter der Mitfeiernden schaute, konnte man förmlich sehen, wie Erinnerungen mitschwangen. Alles hatte seinen Raum in diesem besonderen Gottesdienst: die Vergangenheit, unsere Gegenwart und die Zukunft.

Idee von St. Franziskus bleibt weiter prägend

Pastor Bergel erläuterte in seiner Predigt, dass die Franziskuskirche von Anfang an ein Ort in der Mitte dessen sein sollte, was da neu entstand: ein Stadtteil, eine Gemeinde – und mittendrin diese besondere Kirche, deren Architektur Offenheit in alle Richtungen signalisierte. Dieser Kirchbau sollte den Menschen helfen, zum Wesentlichen vorzudringen, den religiös Gebundenen, aber auch jenen, die es nicht sind. Von all dem, was über die Jahrzehnte prägend war, sei nichts verschwunden, so Pastor Bergel, und es werde weiter prägend sein.

So werde St. Franziskus auch ein lebendiger Ort unserer Pfarrei bleiben, weiterhin mittendrin, aber anders als bisher, dennoch in einem lebendigen Umfeld von Jugendheim, Seniorenzentrum, Kita und Schule. St. Franziskus werde auch als Kolumbarium ein Ort bleiben, an dem sich Gott finden lässt. Die biblischen Texte vom Tage passten wie eine Fügung in die Situation: Kirche als Stadt auf dem Berge, als Licht auf einem Leuchter, Gemeinde als Salz für die Erde.

So nahmen auch die Fürbitten das Gewesene, das Jetzt und das Kommende in den Blick, vor allem die Menschen, die durch die Jahrzehnte Gemeinde gelebt und St. Franziskus mit Leben erfüllt haben. Auch hier wird deutlich: Wir kommen aus einer Vergangenheit, die uns bis in die Gegenwart prägt, wir wollen als Gemeinde daraus – unter veränderten Vorzeichen – die Zukunft und diesen besonderen Ort gestalten. In diese Spur Jesu, in der auch der heilige Franziskus unterwegs war, wird der Kolumbariums-Weg tiefer hineinführen. Gerade auch dann, wenn die ehemalige Kirche für die Trauer und Hoffnung nicht nur der Menschen christlichen Glaubens in unserer Stadt geöffnet ist.

Eine würdige und emotionale Liturgie

Am Ende der Eucharistiefeier wurden die Kerzen gelöscht, der Altar abgedeckt, die Reliquien wurden herausgehoben, das Allerheiligste aus dem Tabernakel genommen. Beim Auszug aus der Kirche wurden das Reliquien-Kästchen und die Hostienschale aus der Kirche getragen, noch einmal läuteten alle Glocken. Es war eine würdige und emotionale Liturgie. Die Zeichen drückten deutlich aus, um was es dabei ging.

Nach dem Ende des Gottesdienstes ging es weiter, der Aufbruch war spür- und greifbar. Viele Mitfeiernde blieben noch über Stunden in St. Franziskus, um bei Essen und Trinken Erinnerungen auszutauschen und nach vorne zu schauen.

So waren die Stunden am Sonntagmorgen ein Blick zurück und ein Blick in die Zukunft: Wir wollen und können hier etwas gestalten, kirchliches Leben in veränderter Form, Lebende und Verstorbene an einem Ort, Offenheit für Nahe und Ferne, wir alle auf dem Weg. Es wird anders – aber es geht weiter.

Stefan Schweer
Simone Kassenbrock

Bild: Stefan Stärker
Der geöffnete Tabernakel am Ende des Profanierungsgottesdienstes

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Weitere Bilder des Profanierungsgottesdienstes
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Einen Bericht des NDR in der Sendung Hallo Niedersachsen vom 8. Februar
können Sie hier sehen.

Die Berichterstattung der NOZ vom 7. und 8. Februar
finden Sie hier und hier.

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Alles Wissenswerte über das künftige Kolumabrium
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