Arbeitskreis Johannes Prassek2017-05-19T09:18:34+00:00

Arbeitskreis Johannes Prassek

Die Kirchengemeinde Christus König hat  ihrem 2005 eingeweihten Pfarr- und Jugendheim den Namen “Johannes-Prassek-Haus” gegeben. Der Johannes-Prassek-Arbeitskreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieser Namenswahl nachhaltig Impulse zu verleihen. Seine Schwerpunkte sieht er darin, die Erinnerung an das Leben und Wirken des seligen Johannes Prassek (siehe unten) wachzuhalten, Impulse zu setzen für ein aus dem Glauben motiviertes Eintreten für die Würde des Menschen, die ökumenische Offenheit und die Sensibilisierung der nachwachsenden Generation. Dies geschieht z. B. in jährlichen Vorträgen, Gestaltung von Gottesdiensten, durch die Patenschaft für den Stolperstein vor unserer Kirche und anderen Aktionen. Der Arbeitskreis trifft sich etwa fünf – bis sechsmal im Jahr.

Unsere bisherigen wichtigsten Aktionen:

25. Juni 2016: Gottesdienst „Geführte Wege“, Abschluss in der Kirche St. Franziskus

13. Februar 2016: Fahrt nach Leer – Besuch des Arbeitskreises „Hermann Lange“

20. November 2015: „Was ist der Mensch?“ – Szenisches Spiel der Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums in der Angelaschule

25. Juni 2015: „Geführte Wege“ – Vom Stolperstein zum Mahnmal „Verbrannte Bücher“ Abschluss in Christus König mit Vorstellung der limitierten Grafik von Dominikus Witte

10. November 2014: Lesung der Abschiedsbriefe der Lübecker Märtyrer im Dom mit dem Schauspieler Oliver Meskendahl – Kollekte für syrische Flüchtlinge: ca. 230,- €

25. Juni 2014: „Geführte Wege“ – Vesper mit Weihbischof Johannes Wübbe

Wer war Johannes Prassek?

1911: Johannes Prassek wurde am 13. August 1911 in Hamburg geboren. Während des Theologiestudiums an der Jesuiten-Hochschule St. Georgen in Frankfurt freundete er sich mit dem aus Osnabrück-Haste stammenden Kommilitonen Adolf Grothaus an. Dieser lud Prassek in seine Heimat ein, wo die Familie Grothaus für Johannes Prassek wie eine zweite Familie wurde. So kam es auch, dass Johannes Prassek nach seiner Priesterweihe im Jahr 1937 seine Primiz, d. h. die erste Heilige Messe, die ein Priester überhaupt feiert, in der Christus-König-Kirche in Haste zelebrierte.

1942: Später, während seiner Zeit als “erster Kaplan” in der Lübecker Propsteikirche Herz-Jesu, kümmerte sich Prassek auch gegen staatliche Verbote um ausgegrenzte, außenstehende und sorgenbelastete Menschen (z.B. polnische Zwangsarbeiter). Außerdem genoss er den Ruf eines ausgezeichneten Predigers. In seinen Ansprachen sowie in Gesprächskreisen mit Jugendlichen oder auch in Lübeck stationierten Soldaten versuchte er, seine Überzeugungen und seinen Protest gegen das Unrecht der nationalsozialistischen Herrschaft deutlich zu machen. Als Johannes Prassek einmal von besorgten Gemeindemitgliedern vor den Folgen seines Tuns gewarnt worden war, antwortete er:
“Wir Priester müssen wenigstens den Mut haben, die Wahrheit zu sagen. Sonst glauben die Leute, das alles wäre in Ordnung. Was können sie mir schon tun?”

1943: Verraten durch einen Spitzel wurde Johannes Prassek am 18. Mai 1942 durch die Gestapo abgeholt. Mit ihm kamen die Kapläne Eduard Müller und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink in Haft. In den Vernehmungen bewies Johannes Prassek seinen unnachgiebigen Bekennermut. Briefe aus dem Gefängnis sowie Berichte von Zeitzeugen lassen erkennen, dass Prassek trotz der harten, zermürbenden Haftbedingungen und der bevorstehenden Hinrichtung seine Glaubensgewissheit und seine Warmherzigkeit für die Mitgefangenen und die außerhalb der Gefängnismauern um ihn bangenden Menschen nicht verlor.

Am 22. Juni 1943 wurde Johannes Prassek wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Rundfunkverbrechen, Zersetzung der Wehrkraft und landesverräterischer Feindbegünstigung zum Tod verurteilt. An diesem Tag schrieb er in sein Neues Testament:
“Sit nomen Domini benedictum! [d.h. übersetzt: Der Name des Herrn sei gepriesen!] Heute wurde ich zum Tode verurteilt.”

1943: Zusammen mit den Lübecker Kaplänen Hermann Lange und Eduard Müller sowie dem evangelisch-lutherischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink gehört Kaplan Johannes Prassek zu den sogenannten Lübecker Märtyrern. Am 10. November 1943 wurden die vier Geistlichen um 18:20 Uhr, 18:23 Uhr, 18:26 Uhr und 18:29 Uhr im Hamburger Gefängnis Holstenglacis durch das Fallbeil enthauptet. Das Leben von Johannes Prassek war geprägt von großer Mitmenschlichkeit, ökumenischer Offenheit, sowie einem starken Glauben an Gott.

Die Heilige Messe, die Johannes Prassek in der Christus-König-Kirche in Haste als Neupriester das erste Mal gefeiert hat, war für ihn bis zu seinem Lebensende die innerste Quelle seiner Kraft. Davon zeugt ein aus seiner Gefangenschaft stammendes Schriftstück. Dort bedankt sich Prassek für Hostien und Wein, die man ihm in seine Zelle geschmuggelt hatte:
“Wenn Sie wüssten, wie ich mich gefreut habe! Über die Nahrung, ja, aber erst über Hostien und Wein. Ich habe geheult wie ein kleines Kind vor Freude. Jetzt feiere ich jeden Morgen hier das heilige Opfer, so einfach, wie es selbst in den Katakomben wohl nicht einfacher ging.”

 

Kontakt:
Wilfried Sondermann
0541 67534