Dieser Brief wurde Anfang November im Partnerschafts-Gottesdienst des Kuba-Kreises vorgetragen. Er wurde von einem katholischen Priester aus der Erzdiözese Camagüey auf Kuba geschrieben und dem Kuba-Kreis zur Verfügung gestellt.

Ich habe nachgedacht … Ich werde um einen Gefallen bitten.

Ich verstehe, dass die Menschen gute Absichten haben und dass sie es ohne Böswilligkeit tun, aber ich muss um etwas bitten, das mir wichtig ist:

Dass mir bitte niemand mehr sagen möge, dass sich dieses Land nicht ändern wird, oder dass es hier nichts zu tun gibt – oder dass alle Bemühungen um einen Wandel nutzlos sind.

Denn wenn man mir so etwas sagt, revoltiert mein ganzer Organismus und mein innerer Kampfgeist erwacht.

Ich gehöre zu den Menschen, die die Möglichkeit haben, dieses Land zu verlassen, aber ich habe mich entschieden, zu bleiben, weil ich glaube, dass jemand das Unglück dieses Volkes begleiten muss und dass den Forderungen nach Freiheit dieser so schönen wie leidenden Nation Stimmen hinzugefügt werden müssen.

Deshalb muss ich daran glauben, dass ein Wandel möglich ist.

Ich muss daran glauben, dass Freiheit möglich ist: Die Freiheit, uns auszudrücken, ohne unterdrückt, geschlagen und eingesperrt zu werden; die Freiheit, die dem Untergang geweihte Wirtschaft unseres Landes in die eigenen Hände zu nehmen; die Freiheit, die sich aus einer Vielzahl politischer Optionen ergibt.

Ich muss glauben, dass es möglich ist, von den Autoritäten nicht mehr als geistig Zurückgebliebene behandelt zu werden, als dumme Menschen, die nicht in der Lage sind zu denken und zu erkennen, dass der Grund für unser Elend weder in den Vereinigten Staaten, noch in der so praktischen Begründung der „Blockade“ liegt. Ich muss daran glauben, dass sie uns irgendwann keine leeren Versprechungen mehr machen werden. Ich muss glauben, dass es Autoritäten geben kann, die sich selbst respektieren und die aufhören zu lügen, wenn sie diesem Volk in die Augen schauen und wissen, dass das, was sie behaupten, nicht möglich ist und nicht möglich sein wird.

Ich muss daran glauben, dass die Zukunft dieser Insel nicht weiterhin eine Kette von „Besonderen Zeiten“ und ewigen Engpässen sein wird. Ich muss daran glauben, dass es möglich ist, in das 21. Jahrhundert einzutreten und mit erfüllten Grundbedürfnissen zu leben, Strom sowie menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen zu haben. Ich muss daran glauben, dass es die Möglichkeit gibt, zu lesen und den Geist zu kultivieren, weil es möglich ist, sich auszuruhen, und weil es Zeiten gibt, zu wachsen, zu schaffen und voranzukommen – anstatt jeden Tag als den Beginn eines weiteren anstrengenden Tages des Überlebenskampfes betrachten zu müssen.

Ich muss daran glauben, dass die gegenwärtige Situation unserer Eltern und Großeltern nicht auch unsere Zukunft sein wird und dass die harte Realität, ein Leben lang gearbeitet zu haben und im Alter manchmal nicht einmal genug zu essen zu haben, nicht das ist, was auch diejenigen von uns erwartet, die heute noch die Fähigkeit und die Möglichkeit haben, zu arbeiten.

Ich muss daran glauben, dass es möglich ist, in einem Land zu leben, in dem die Auswanderung nicht der kollektive Traum, das Ideal der Jugendlichen und die Fantasie der Kinder ist, und in dem der unerträgliche Schmerz der Familientrennungen und der unvermeidlichen Einsamkeit und Verlassenheit vorbei sein wird.

Ich muss daran glauben, dass die Angst nicht stärker ist als die Wahrheit, und dass wir nicht müde werden, nach dem Leben zu fragen, das wir verdienen – nach dem Leben, das uns gestohlen wurde.

Ich muss sogar daran glauben, dass die Bekehrung unserer Führer, unseres Militärs, all derer, die heute die Macht über diese Insel in Händen halten, möglich ist. Ich muss glauben, dass sie eine Seele haben und dass sie nicht blind sind gegenüber einem Land ohne Gegenwart und Zukunft, gegenüber einem Land, das zerfällt, dessen Kinder auswandern und wegziehen, gegenüber den täglichen Schwierigkeiten des Lebens, die auch sie erreichen. Ich muss glauben, dass auch sie in Frieden leben wollen, ohne die Angst zu haben, dass sie auf einem Pulverfass leben, inmitten eines Volkes, das sie zunehmend ablehnt. Ich muss glauben, dass auch sie irgendwie die Stimme Gottes hören können, die zu ihnen sagt: „Wo ist dein Bruder?“

Dafür, für all das, bitte ich um einen Gefallen:

Niemand soll mir sagen, dass eine Veränderung nicht möglich ist.