Es ist einer der vielen legendären Sätze, die er geprägt hat: Loriot, der Großmeister des feinsinnigen Humors. Der von ihm selbst gespielte Heinrich Lohse, unerwartet frisch gebackener Rentner, der nun Zeit genug hat, nicht nur die völlig überrumpelte Gattin, sondern sein komplettes Umfeld in den Wahnsinn zu treiben, sagt diesen Satz an der Theke eines Einzelhandelsgeschäfts ziemlich am Anfang des Kultfilms Pappa ante portas aus dem Jahr 1991.

Der leicht genervte Ton der Verkäuferin, und er war wirklich nur leicht genervt, wenn man bedenkt, dass Herr Lohse minutenlang den Oberlehrer gibt, provoziert ihn zu eben jenem Satz: »In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« Der Einkaufsvorgang wird dann doch noch zu einem guten Ende geführt. Zur Freude des Geschäftsinhabers liefert dieser mehrere Paletten Senf ins Haus Lohse. Aber das ist eine andere Geschichte.

»In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« So manches Mal habe ich das in den letzten Tagen, Wochen und Monaten auch gedacht. Diskussion, Debatte, Auseinandersetzung, Richtungskämpfe – all das gibt es, ja, und all das muss es geben in einer Demokratie! Und in der Kirche natürlich auch! Die Frage aber, die sich mir stellt bei all den Diskussionen in der Öffentlichkeit (Corona-Notbremse, Künstlerprotest #allesdichtmachen und die Reaktionen darauf) und im Raum der Kirche (Synodaler Weg, Maria 2.0 gegen Maria 1.0 und manches mehr), ist: Warum wird der Ton immer schärfer? Warum wird die andere Seite immer mehr zum Feind? Warum spricht man dem Gegenüber immer öfter den »wahren« Glauben ab?

»In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« Ich glaube, wir sollten das wieder mehr beachten, auch wenn es naiv klingt. Was wäre gewonnen, wenn wir sprachlich abrüsten würden? Wenn wir im anderen auch den sehen könnten, der sein Bestes versucht? Nur so hat das alles doch eine Zukunft! Wie sollen wir in dieser Gesellschaft, wie sollen wir in unserer Kirche denn Wege in eine gute Zukunft finden, wenn das Klima total vergiftet ist, wenn sich keiner mehr traut, etwas zu sagen, weil er, weil sie niedergemacht wird? »In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« Bei Loriot führt dieser Satz zum Schmunzeln. In unseren Tagen könnte er vielleicht nachdenklich machen. Und beim Handeln helfen.

Alexander Bergel

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Bild: Peter Weidemann
Loriot-Figur auf einer Parkbank in der Loriot-Straße in Bremen
In: Pfarrbriefservice.de