Ökumene interessiert. Das zeigte jetzt der ökumenische Neujahrsempfang der rum-orthodoxen, katholischen und evangelischen Gemeinden im Stadtteil. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche sprach im vollbesetzten Pfarrsaal Domkapitular Reinhard Molitor über die Zusammenarbeit und den Austausch der christlichen Religionen – die Ökumene eben. Denn an ihr führe heute kein Weg mehr vorbei, betonte Molitor, der auch offizieller Beauftragter des Bischofs für die Ökumene ist.

„Die Einheit ist wesentlich“, sagte er und verwies auf viele praktische Beispiele, wo die Kirchen heute hervorragend zusammenarbeiteten. So seien zum Beispiel die Bahnhofsmission oder die Tafel schon lange ökumenisch organisiert. Er ermunterte, diese vielen bunten gemeinsamen Aufgaben als Bereicherung zu sehen. Auch Papst Franziskus fordere die Christen auf, Wege zur Einheit zu finden und sich miteinander auszutauschen.

Oft sei Ökumene heute aber eher eine Sehnsucht der älteren Menschen, die die Trennung der Konfessionen noch viel stärker als belastend erlebt hätten. Für die jüngere Generation sei Ökumene oft „kein großes Thema mehr“, bestätigten auch die Gespräche an den Tischen. Dennoch dürfe die „ökumenische Ungeduld“ in den Gemeinden nicht nachlassen, so Molitor. „Es ist wichtig, dass Dinge vor Ort geschehen und selbstverständlich werden.
Ökumene muss werden, von oben und von unten.“

Das betreffe auch die gegenseitige gastweise Einladung zum Abendmahl, die katholische und evangelische Theologen in einer Studie ausgearbeitet haben. Molitor ist überzeugt: „Natürlich bleiben Unterschiede in der Theologie der Kirchen. Sie sind aber nicht so trennend, dass wir nicht gemeinsam das Abendmahl feiern können.“

Vom anderen wissen – dafür sind Treffen wie der ökumenische Neujahrsemfang wichtig. So erzählten sich die Teilnehmer im Anschluss an den elfminütigen Vortrag gegenseitig, warum sie sich zum Beispiel bekreuzigen oder auch nicht, was noch trennt und was schon möglich ist und was sie an Aufbrüchen erlebt haben. Molitor: „Wir sind auf einem guten Weg. Das macht Motivation, nicht locker zu lassen.“

Fotos vom Neujahrsempfang finden Sie hier.

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Bericht: Astrid Fleute
Fotos: Marion Lahrmann