Seit Jahren, man muss ehrlicherweise sagen: seit Jahrzehnten erschüttern uns die Berichte über sexualisierte Gewalt im Raum der Kirche. Um die Jahrtausendwende deckten Journalisten das immense Ausmaß dieser Verbrechen in den USA auf, Irland und andere Länder folgten. In Deutschland schließlich machte der Jesuit Klaus Mertes im Jahr 2010 Verbrechen dieser Art an Kindern und Jugendlichen am Berliner Canisius-Kolleg seit den 1960er Jahren öffentlich.

Entsetzen ging durch unser Land, Aufklärungswillen wurde bekundet, Präventionsprogramme ins Leben gerufen, Menschen sensibilisiert für Strukturen, in denen und Gelegenheiten, wie Täter sich Menschen nähern und sie für ihre Zwecke demütigen und benutzen. Manches ist geschehen – doch immer noch warten viele Betroffene sexualisierter Gewalt darauf, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt. Immer noch bleiben Fragen offen, immer noch weichen Verantwortungsträger aus, weisen Schuld von sich.

Als 2018 die MHG-Studie über den Sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellt wurde, waren zum ersten Mal Zahlen in der Öffentlichkeit – unvorstellbar hohe Zahlen. Die Dunkelziffer wird ein Vielfaches höher sein. Auch dort wieder: Aufklärungswillen, Gespräche mit Betroffenenvertretern, finanzielle »Ausgleichszahlungen«. Man muss anerkennen, dass viele Verantwortliche sich mühen, wirklich Licht ins Dunkel bringen und den Betroffenen die Hilfe anbieten wollen, die sie brauchen.

Auch der Synodale Weg hat seinen Ursprung in diesen Vorgängen und fragt seit einem Jahr danach, was sich in der katholischen Kirche ändern muss, damit jedwedem missbräuchlichen Verhalten die Grundlage entzogen werden kann. In diesem Zusammenhang tauchen vermehrt Berichte auf, die von Machtmissbrauch und geistlichem Missbrauch von erwachsenen Menschen, Frauen und Männern, im Raum der Kirche, in Orden und geistlichen Gemeinschaften sprechen.

Seit vielen Wochen aber beschäftigen uns die Vorkommnisse im Erzbistum Köln mit Rainer Maria Kardinal Woelki an der Spitze. Was im Jahr 2018 als groß angekündigter Aufklärungswille begann, ist in zunehmendem Maße nicht nur zu einem Kommunikationsdesaster geworden. Ein Gutachten unter Verschluss, ein weiteres Gutachten, Menschen, die sich aus dem Betroffenenrat des Erzbistums zurückziehen, weil sie sich instrumentalisiert fühlen und manches mehr führt zu einer nie dagewesenen Austrittswelle in Köln. Aber nicht nur dort brodelt es. Überall im Land wird die Frage nach Verantwortlichen gestellt. Auch in unserem Bistum steht manche Antwort bisher aus. Viele Menschen treibt all das sehr um, auch in unserer Pfarrei.

Sie finden hier eine sicher unvollständige Zusammenstellung der Ereignisse der letzten Zeit, die regelmäßig erweitert wird und bei der Bewertung und der Analyse hilfreich sein kann. Darüber hinaus finden Sie – unten auf dieser Seite – Informationen zum Umgang mit dem Thema im Bistum Osnabrück wie auch in unserer Pfarrei Christus König. Wenn Sie darüber ins Gespräch kommen möchten, Fragen haben oder Kritik loswerden wollen, melden Sie sich gerne bei mir.

Alexander Bergel

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Warum bleibt das Vertuschen in der katholischen Kirche folgenlos? Die Sendung Kontrovers im Deutschlandfunk vom 15. Februar mit Christiane Florin, Journalistin beim Dlf, Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, und Wolfgang Picken, Stadtdechant in Bonn, finden Sie hier zum Nachhören.

»Da entblößt sich das hässliche Gesicht der Kirche.« Die Skandale rund um den Kölner Kardinal Woelki zeigten genau, wie das System der katholischen Kirche funktioniere, sagte Lisa Kötter, Mitgründerin der Bewegung Maria 2.0, im Deutschlandfunk. Es gehe um Macht, Geld und Einfluss. Ein Neuanfang bei Aufarbeitung könne nur durch die Erschütterung des ganzen Systems gelingen. Das Gespräch mit Rainer Brandes vom 13. Februar können Sie hier lesen und hören.

Schluss. Aus. Amen. Der Fall des Kölner Kardinals Woelki offenbart einmal mehr: Als klerikale Parallelgesellschaft passt die katholische Kirche nicht zur liberalen Demokratie. Der Staat darf nicht länger wegschauen. Den Kommentar von Raoul Löbbert in der Wochenzeitung Die Zeit vom 10. Februar können Sie hier lesen.

Der Missbrauch, der Speck und das rechte Maß. Aus dem Leben einer großen Figur der katholischen Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Werenfried van Straaten, sind schlimme Dinge ans Tageslicht gekommen. Daüber berichtet Christiane Florin auf ihrer Seite Weiberaufstand am 12. Februar.

Gut und Böse. Die Zeit-Beilage Christ & Welt hat diese Vorgänge öffentlich gemacht. Den Artikel von Raoul Löbert und Georg Löwitsch vom 10. Februar finden Sie hier.

»Katholische Kirche enthüllt nie proaktiv.« Ein Interview mit Georg Löwitsch über den Fall van Straaten im Deutschlandfunk vom 11. Februar können Sie hier nachlesen.

Wohl deutlich mehr Missbrauchstäter und -opfer im Erzbistum Köln. Nach einem Bericht des Spiegel kommt der neu von Kardinal Woelki beauftragte Gutachter Björn Gercke auf rund 300 Betroffene und 200 Beschuldigte seit 1975. Den Artikel der Münsteraner Kirchenzeitung Kirche + Leben vom 20. Februar können Sie hier lesen.

Bistum Osnabrück: Späterer Diakon missbrauchte Teenagerin jahrelang. Ein später zum Diakon geweihter Mann hat eine Jugendliche über mehrere Jahre sexuell missbraucht: Einen entsprechenden Zeitungsbericht bestätigte das Bistum Osnabrück nun – und erklärte, warum es auf eine Veröffentlichung der Vorwürfe verzichtete. Den Artikel auf katholisch.de vom 19. Februar finden Sie hier.

Die Stellungnahme des Bistums zur Berichterstattung in der Meppener Tagespost vom 19. Februar können Sie hier nachlesen.

»Es tut mir von Herzen leid Kardinal Woelki thematisiert in seinem Fastenhirtenbrief die Risse, die zurzeit durch das Erzbistum Köln gehen. Erneut räumt er Fehler bei der Aufarbeitung ein und bittet um Entschuldigung. Den Artikel vom 21. Februar auf domradio.de finden Sie hier.

Jesuit Mertes: Kardinal Woelki ist »nur die Spitze eines Eisbergs«. Die Kölner Debatte offenbare grundsätzliche Probleme bei der Missbrauchsaufarbeitung. Die Einschätzung des ehemaligen Leiters des Berliner Canisius-Kollegs Klaus Mertes vom 22. Februar können Sie hier lesen.

Anwalt Wastl weist Kritik an erstem Kölner Missbrauchsgutachten zurück. Wegen »methodischer Mängel« wurde das erste Kölner Missbrauchsgutachten bis heute nicht veröffentlicht. Der federführende Anwalt Ulrich Wastl weist diese Einschätzung zurück – und begründet das mit dem konkreten Auftrag an seine Kanzlei. Den ganzen Artikel vom 23. Februar finden Sie hier.

Opfer von geistlichem Missbrauch dringen auf Aufarbeitung. »Auch wenn es Reaktionen von Seiten der Kirche gibt, lassen diese in der Regel jede Form von mitmenschlichem Verständnis oder Anteilnahme vermissen«: In einem Offenen Brief fordern Betroffene geistlichen Missbrauchs eine gründlichere Aufarbeitung. Die Berichterstattung vom 23. Februar und den Brief finden Sie hier.

Bätzing: Können Missbrauchsaufarbeitung nicht allein leisten. »Wir können als Kirche die Aufarbeitung nicht allein leisten«, sagte Bischof Georg Bätzing bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Vollversammlung. Er glaube auch dem Aufklärungswillen von Kardinal Woelki. Den Artikel vom 23. Februar finden Sie hier.

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Zum grundsätzlichen Umgang mit dem Thema Prävention und Missbrauch
im Bistum Osnabrück

»Der Bischof und das Bistum haben im Rahmen eines diözesanen Schutzprozesses bereits umfangreiche Maßnahmen in die Wege geleitet, um sexuelle Gewalt und geistlichen Missbrauch in der Kirche aufzuarbeiten und präventiv zu verhindern. Dieser Prozess unter Mitwirkung zahlreicher interner und externer Fachleute umfasst die Begleitung Betroffener, den Umgang mit Beschuldigten und Tätern, Präventionsmaßnahmen für alle kirchlichen Einrichtungen und die koordinierte Intervention in konkreten Fällen sowie die Behandlung systemischer Grundfragen.« So heißt es in der zuvor zitierten Stellungnahme des Bistums Osnabrück. Detailliertere Informationen zum diözesanen Schutzprozess finden sie hier.

Aktuelle Entwicklungen und Berichte zum diözesanen Schutzprozess
zu den Themen Prävention und Missbrauch in unserem Bistum finden Sie hier.

Kontaktdaten für Betroffene sexueller oder spiritueller Gewalt
Die Kontaktdaten der unabhängigen Ansprechpersonen für Betroffene von sexueller und spiritueller Gewalt im Bistum Osnabrück finden Sie hier.

Prävention in der Pfarrei Christus König
Auch wir in unserer Pfarrei beschäftigen uns seit 2017 intensiv mit der Prävention von grenzverletzendem Verhalten, sexualisierter Gewalt und geistlichem Missbrauch und haben ein eigenes institutionelles Schutzkonzept entwickelt. Einen Auszug finden Sie hier:

Das institutionelle Schutzkonzept (ISK) der Pfarrei Christus König
Die Pfarrei Christus König umfasst die drei Standorte St. Franziskus, Heilig Geist und Christus König in den Osnabrücker Stadtteilen Dodesheide, Sonnenhügel und Haste. Als Christen wollen wir die Botschaft von Jesus Christus, von Gottes Liebe zu den Menschen leben und weitergeben. Dabei ist das Leben unserer Gemeinde mit etwa 9000 Katholiken so vielfältig wie die Menschen, die bei uns mitmachen. Wir feiern kleine und große Gottesdienste sowie andere Gemeindefeste, treffen uns in zahlreichen Gruppen und Verbänden mit unterschiedlichen Zielen und Aufgaben.

Unser Selbstverständnis unseres Gemeindelebens ist geprägt durch eine Haltung, mit der wir alle Menschen bei uns willkommen heißen. Entscheidend ist dabei für uns, dass wir sichere Orte und Begegnungsräume bieten, in denen Wertschätzung, Respekt und Achtsamkeit erlebt werden. Aus dieser Grundhaltung sehen wir es als unsere Aufgabe, Erfahrungsräume zu schaffen, die für alle Menschen, besonders für Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene, eine größtmögliche Sicherheit bieten.

Daraus ergibt sich für uns die Motivation zu unserem ISK, in dem die Würde und das Wohl der uns anvertrauten Menschen, insbesondere der Schutz vor Grenzüberschreitungen und vor sexualisierter Gewalt, größtmöglich sichergestellt werden. Das Konzept bezieht sich ausnahmslos auf all unsere gemeindlichen Aktivitäten und Institutionen, die in unserer Verantwortung liegen.

Im vorliegenden Konzept finden neben den in der Präventionsordnung des Bischöflichen Gesetzes abgebildeten Regelungen und Vorgaben die Besonderheiten unserer Pfarrei Christus König und nicht zuletzt unsere Umsetzungsregelungen Berücksichtigung. Das Konzept wird verstanden als Grundlage für eine inhaltliche Auseinandersetzung, einen dauerhaften Prozess zur Sicherung der größtmöglichen Freiheit und Sicherheit aller Menschen in unserer Pfarrei: ein Arbeitspapier, das in Zukunft regelmäßig überprüft und weiterentwickelt wird.

Ansprechpartner innerhalb unserer Pfarrei
Alexander Bergel
Pfarrer
alexander.bergel@christus-koenig-os.de
0541 96293511

Dr. Ulrike Haucap-Osterhaus
stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes
kv@christus-koenig-os.de

Kerstin Kerperin
Sozialpädagogin im Gemeindedienst
kerstin.kerperin@christus-koenig-os.de
0160 94647573