»Wie geht es denn nun weiter mit den Gottesdiensten?« Diese Frage beschäftigt in diesen Tagen viele Menschen. In den Medien ist fast täglich davon die Rede, in anderen Bundesländern sind öffentliche Gottesdienste bereits wieder möglich, und Bischof Franz-Josef Bode hat für unser Bistum die Möglichkeit dazu zum 11. Mai eröffnet. Er schreibt in seinem Brief an die Gemeinden vom 5. Mai:

»Nach Wochen schmerzlicher Entbehrung dürfen wir wieder öffentliche Gottesdienste feiern. Das ist wirklich ein Grund zur Freude. Auf der anderen Seite müssen wir die Gefahren, die unvermindert von dem Coronavirus ausgehen, weiter sehr ernst nehmen. Daraus ergeben sich trotz der Lockerungen deutliche Einschränkungen für die Liturgie und die Pastoral. Es wird keine schnelle ‚Normalisierung‘ geben. Priorität haben weiterhin der Gesundheitsschutz und die Eindämmung der Pandemie. Auch der Verzicht auf Gottesdienste kann aus der Grundhaltung christlicher Nächstenliebe weiter ein Gebot der Stunde sein. Vor Ort müssen verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen werden in nüchternem Abwägen und kreativem Gestalten. Dabei sind die [angeordneten] Maßgaben unbedingt einzuhalten.«

Wir haben im Pastoralen Team, im Pfarrgemeinderat und im Kirchenvorstand ausführlich über diese Fragen beraten. Darüber hinaus hat es im Vorfeld viele Gespräche mit einzelnen und Gruppen gegeben. Auf dieser Homepage finden Sie auch weiterhin eine Zusammenstellung von Texten, Gedanken, Erfahrungsberichten, theologischen Einordnungen und ganz praktischen Erwägungen, die als Grundlage solcher Entscheidungen dienen.

Der Pfarrgemeinderat hat nun in seiner Sitzung vom 6. Mai entschieden – nach Abwägung aller Argumente und im Wissen darum, dass andere Gemeinden zu anderen Entscheidungen gekommen sind oder kommen werden –, auch weiterhin keine öffentlichen Gottesdienste zu feiern. Vielmehr wollen wir aus Solidarität mit all jenen und als Ausdruck unserer Fürsorgepflicht für alle, die – weil sie zur Risikogruppe der älteren und kranken Menschen gehören – nicht zum Gottesdienst kommen können, darauf verzichten.

Uns ist sehr bewusst, dass wir damit die Erwartungen mancher, vielleicht sogar vieler Menschen enttäuschen. Wir sind aber dennoch – und ich wiederhole es noch einmal – nach langen Gesprächen und einem intensiven Ringen davon überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung ist.

Neben der erwähnten Solidarität und Fürsorge haben wir als weiteres Kriterium eine liturgietheologische Frage gestellt: Ist unter diesen Hygieneauflagen und logistischen Bestimmungen (Sicherheitsabstand, Höchstzahl der Teilnehmer, ggf. sogar nur nach Anmeldung, de facto Verbot von Gesang, sehr komplizierte Form der Kommunionausteilung usw.) wirklich das erfahrbar, was die Liturgie zu einem wahren Erlebnisort macht? Konkret: Wie kann unter diesen Bedingungen wirklich Gemeinschaft gelingen? Wie frei kann ich mich fühlen, wie viel Angst belastet mich? Und ist ein gemeinsames Mahl wirklich möglich? Diese Fragen sind nicht rein theoretisch und auch keine theologische Elfenbeinturmdiskussion. Vielmehr spiegeln sie Fragen und Eindrücke von Menschen wider, die sich damit auseinandergesetzt haben.

Wie aber soll es denn nun weiter gehen? Wir haben einen Weg mit drei Schritten beraten und darüber entschieden:

Schritt 1:
Wir verzichten bis auf weiteres auf öffentliche Gottesdienste.

Schritt 2:
Wenn sich neue Perspektiven eröffnen (z.B. keine Teilnehmerbeschränkung mehr oder andere Erleichterungen), werden wir wieder öffentliche Gottesdienste feiern, allerdings nicht die Eucharistie, sondern Wort-Gottes-Feiern, Vespern oder ähnliche Liturgien (Pfingstnovene etc.).

Schritt 3:
Wenn ein Kommunionempfang unter erheblich leichteren Bedingungen möglich ist als heute, werden wir sehr gerne auch wieder die Messe feiern.

Es ist schwer, schon konkrete Zeiträume zu nennen. Eine Möglichkeit wäre: Schritt 1 bis zu den Sommerferien, Schritt 2 während der Sommerferien, Schritt 3 nach den Sommerferien.

Wir werden die Lage sehr genau im Blick behalten und kurzfristig reagieren. Wenn sich also zeigt, dass Lockerungen vertretbar und möglich sind, können wir sehr schnell zur Feier der Gottesdienste zurückkehren (Schritt 2 bzw. 3).

Ich danke allen Beteiligten sehr, die sich im Vorfeld intensiv mit all diesen Fragen auseinandergesetzt haben. Wir haben mit sehr viel Herzblut und Leidenschaft diskutiert, gerungen und dann auch entschieden. Auch bin ich in den letzten Wochen vielen Menschen begegnet, die teils sehr berührend von ihren Erlebnissen rund um dieses sonderbare Osterfest berichtet haben, die dankbar waren für unsere liturgischen Angebote in lang, kurz und für Familien mit Kindern, die sich danach sehnen, dass wir wieder gemeinsam feiern können – die aber auch die Grenzen nicht ignorieren.

Ich bitte Sie alle sehr, diesen Weg mitzutragen und mit uns darauf zu hoffen, dass wir Wege finden, wieder zusammenzukommen!

Ein letzter Gedanke noch: Kirche lebt ja nicht nur aus der Liturgie heraus. Kirche lebt da und wird dort erfahrbar, wo Menschen sich einander zuwenden und helfen, durchs Leben zu kommen. Christus-Begegnung findet – nicht nur in diesen Zeiten – auch auf der Straße statt. Viele haben es möglich gemacht, dass wir dies neu lernen konnten und können.

Wenn Sie Fragen haben oder Ihre Meinung sagen möchten – melden Sie sich unbedingt!

Alexander Bergel
Pfarrer.