Seit vielen Jahren schon beschäftigen wir uns in der Pfarrei mit der Frage: Wie können wir angesichts sich verändernder Zeiten und sich wandelnder Lebensgewohnheiten, angesichts sinkender Mitgliederzahlen und finanzieller Mittel dennoch in eine gute Zukunft gehen? Und wie können wir am Kirchort St. Franziskus, einem Ort, an dem schon viel verändert werden musste, nun aber eine Kirche steht, die immer seltener gut gefüllt ist, perspektivisch weiterkommen? In diese Fragestellung hinein hat sich nun eine Projektidee ergeben, über die auf einer Gemeindeversammlung am 12. Mai informiert wurde.

Was wird aus der St.-Franziskus-Kirche?

Das Bistum Osnabrück und der Verein für Baukultur haben die Idee entwickelt, die St.-Franziskus-Kirche zu einem „Haus für Baukultur“ umzunutzen. Mit dieser Idee sind sie an unsere Pfarrei herangetreten. Der noch recht junge Verein aus Architekten und an Baukultur sowie Stadtentwicklung Interessierten aus Osnabrück sucht einen Raum für seine Veranstaltungen und Ausstellungen und ist mit dem Wunsch an das Bistum herangetreten, ob das vielleicht eine Kirche sein könnte. Als Nutzer würden sie den Kirchraum sozusagen mieten. Dass Baukultur sich für Kirchengebäude interessiert, ist nichts Ungewöhnliches. In vielen Bundesländern helfen die Vereine mit verschiedenen Projekten, Kirchengebäude zu erhalten und angemessen weiter zu nutzen, da sie wichtiger Bestandteil der Baukultur sind.

Ist alles entschieden?

Die Idee ist der Beginn eines Weges, den die Gemeinde gemeinsam mit dem Bistum und dem Verein für Baukultur gehen wird. Ob am Ende das „Haus für Baukultur“ wie auch immer entsteht oder ob alles beim Alten bleibt, ist nicht abschließend geklärt. Es ist nichts entschieden. Wir haben die Möglichkeit, mitzuentscheiden und mitzugestalten oder auch abzulehnen. Auf der Gemeindeversammlung gab es auch bereits erste Ideen zur Ausgestaltung des Projektes, aber natürlich auch jede Menge Bedenken.

Was wird mit den Gottesdiensten?

Sollte die St.-Franziskus-Kirche ein „Haus für Baukultur“ werden, wird sie „entweiht“, auf lateinisch: profaniert. Das bedeutet, dass neben Liturgie nun auch weltliche Veranstaltungen in der Kirche stattfinden können. Der Tabernakel wird voraussichtlich entfernt, das ewige Licht ausgelöscht. Der Altar aber wird stehen bleiben, da er wichtiger Bestandteil des Gebäudes ist und unter den Denkmalschutz fällt. Die Gemeinde könnte im Bereich des Taufbeckens einen kleinen Andachtsraum behalten, der für Gottesdienste und Andachten aber auch für Versammlungen genutzt werden kann. Die Wochenend-Gottesdienste werden dann aber wohl überwiegend in Christus König und Heilig Geist stattfinden. Wir hoffen, dass die Gemeindemitglieder aus St. Franziskus dort eine neue Heimat finden können.

Warum St. Franziskus?

Die St.-Franziskus-Kirche ist als Bau des berühmten Architektenehepaares Maria und Rudolf Schwarz eine besondere Kirche. Sie steht unter Denkmalschutz. Um diesen architektonischen Wert wissen auch die Mitglieder des Osnabrücker Vereins für Baukultur. „Diese Kirche ist ein Leuchtturm, den wir in Osnabrück gar nicht richtig zu schätzen wissen“, betont Hermann Kuhl, der zweite Vorsitzende des Vereins für Baukultur. Das Ehepaar Schwarz sei in Deutschland in Bezug auf den Kirchenbau der Nachkriegszeit das „Non plus Ultra“. Als Ausstellungsraum sei diese Hallenkirche mit ihrer schlichten Formsprache ein sehr „reizvoller Raum“, betont Kuhl. Neben dem normalen Programm des Vereins kann er sich auch gut eine Dauerausstellung zu Schwarz-Kirchen oder auch eine zur Baugeschichte von St. Franziskus vorstellen. Alle Veränderungen im Kirchraum werden reversibel sein, das gebietet allein der Denkmalschutz.

Entspricht das der Idee des Architekten?

Rudolf Schwarz hat immer gesagt, dass man eigentlich keinen Kirchraum benötigt, um Gottesdienste feiern zu können: „Die Liturgie braucht den Kirchenbau nicht. So wie man eine gültige Ehe in einer Blechhütte führen kann, kann man in einem Turnsaal oder im Freien Gottesdienst halten, und vielleicht ist er da inniger als in einem Dom; wenn man aber ein Wohnhaus baut, muß es dem Gesetz der Ehe entsprechen, und wenn man ein Haus baut, das für den Gottesdienst da ist […], muß man es als Kirche bauen, und das heißt sehr viel […] es gibt […] die Lee­re, in der die Gestalten der Schöpfung verstummen und die voll ist von Gottes Dasein, still-hei­liger Zustand der schweigenden Welt, und ich denke, das müßte der Zustand der Kirche sein, wenn keine Gemeinde darin ist“ (Rudolf Schwarz, Kirchenbau. Welt vor der Schwelle, Nachdr. der 1. Aufl. 1960, hg. v. Maria Schwarz/Albert Gerhards/Albert Rüenauver, Regensburg 2007, 43.45).

Warum kann nicht alles bleiben wie bisher?

Sämtliche Gebäude des Bistums werden in den nächsten Jahren fachmännisch auf den Prüfstand gestellt und auf ihre künftige Nutzung hin geprüft. Der Abteilung Kirchengemeinden im Generalvikariat stehen für den Erhalt der 1220 Gebäude künftig nur noch etwa acht Millionen Euro jährlich zur Verfügung. „Das reicht bei weitem nicht, um alle Gebäude, insbesondere die Sakralgebäude, instand zu halten“, betont Leiterin Christina Jaax. Neue Ideen müssen her, wie man Finanzierungen umschichten und dennoch den Gebäuden gerecht werden kann.  Mit dem Verein für Baukultur wird das Netzwerk derer, die sich um den Erhalt von St. Franziskus kümmern, erweitert. „Wir brauchen Partner, mit denen wir gemeinsam eine Finanzierung auf die Beine stellen.“

Was ist mit dem Jugendheim?

Das Jugendheim bleibt durch die Umnutzung der Kirche unangetastet. Das ist dem Bistum ganz wichtig. Die Jugend kann es weiterhin nutzen. Voraussichtlich würden im Erdgeschoss Toiletten und eine kleine Küche eingebaut, die auch dem Verein für Baukultur zu Verfügung stehen werden. Auch über eine Weiterentwicklung der vorhanden Räume zur Begegnung von Gruppen kann nachgedacht werden.

Wie wird das Projekt finanziert?

Das ist nicht abschließend geklärt, da dies alles nur erste Ideen sind, die weiterentwickelt werden müssen. Der Verein für Baukultur wird Sponsoren ansprechen, die den baukulturellen Bereich fördern. Auch andere Projekte können durch Förderungen mitfinanziert werden.

Welche Ideen zur Mitnutzung der Kirche durch die Gemeinde gibt es?

Auf der Gemeindeversammlung wurden erste Ideen ausgesprochen. Für Integrationsprojekte im Quartier oder multireligiöse Angebote könnte man die profanierte Kirche nutzen, meinten einige. Man könne auch Konzerte veranstalten und weitere Player ins Boot holen, lauteten andere Überlegungen. Der Verein für Baukultur zeigt sich hier offen: „Wir finden es notwendig, nicht nur ein ,Haus für Baukultur‘ zu schaffen, sondern ein Haus für ein Zusammenkommen. Das können Gemeindemitglieder sein, aber auch Menschen des Quartiers“, so Hermann Kuhl.

Im Verlauf der Gemeindeversammlung sind viele Fragen gestellt und Themen benannt worden. Diese Gedanken können Sie hier nachlesen. Wenn Sie selbst Fragen oder Ideen haben und sich an der weiteren Diskussion beteiligen möchten, wenden Sie sich gerne an die Mitglieder des Pastoralteams, an den Kirchenvorstand oder den Pfarrgemeinderat.

Einige Bilder des Abends finden Sie hier.

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Bericht: Astrid Fleute
Bild: Thomas Osterfeld