Ostern feiern

»Und wie feiern wir jetzt Ostern?« Diese Frage bewegt viele. Wie kann das denn gehen? Diese Große Heilige Woche feiern – so ganz ohne Gottesdienst in großer Runde? Sollen wir das in der Familie tun? Oder zu zweit? Oder gar ganz allein? Für viele, vermutlich sogar für alle, ist es ungewohnt. »Das trauen wir uns nicht!«, ist dann vielleicht auch der erste Impuls. Aber wenn Ostern nicht ausfallen soll – dann geht es eigentlich nur so …

Wir ermutigen Sie, es wirklich auszuprobieren. Darauf zu vertrauen, dass es möglich ist, in kleiner Runde oder auch allein diese Tage zu feiern, sich den Fragen dieser Tage zu stellen, Antworten zu finden – und zu entdecken, was plötzlich alles möglich ist.

Natürlich finden Sie auch im Fernsehen oder Internet gottesdienstliche Feiern an allen Österlichen Tagen. Auch aus dem Osnabrücker Dom werden die großen Liturgien mit dem Bischof übertragen. Auf diese Weise ist man mit vielen anderen verbunden. Wir haben uns bewusst entschieden, keine eigenen Gottesdienste in kleinster Besetzung in unserer Kirche zu feiern und dann live zu senden. Vielmehr sehen wir in den kleinen Gottesdiensten zu Hause auch eine Chance.

Sie finden dazu auf dieser Seite Anregungen für alle großen Tage dieser Woche: Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, die Osternacht. Es sind fertig ausgearbeitete Gottesdienste, die Sie in der Familie oder auch alleine feiern (oder auch einfach für sich lesen) können – Gottesdienste, wie wir sie sonst in ausführlicherer Form in St. Franziskus gefeiert hätten. In den Kirchen liegen auch einige gedruckte Exemplare aus. Neben einer ausführlichen Feier finden Sie hier eine kürzere Variante sowie Vorschläge, die sich speziell an Familien richten.

Jedes Manuskript enthält einen Ablauf mit einigen Regie-Anweisungen. Man kann diese Liturgie so feiern, wie sie aufgeschrieben ist. Oder man verändert es und passt es an die eigenen Bedürfnisse an. Daher ist es gut, sich das alles im Vorfeld genau anzuschauen und mit denen zu besprechen, die dabei sind.

Für jeden Gottesdienst gibt es verschiedene Rollen und Aufgaben: einer bereitet alles vor, deckt den Tisch, besorgt ein paar Blumen und eine Kerze (das ist etwas, das vielleicht vor allem Kinder gerne tun), eine übernimmt die Leitung, ein anderer liest die biblischen Texte, eine weitere kann vielleicht gut ein Lied anstimmen. All das gehört dazu. Es kann alles aber auch kleiner, zurückhaltender sein. Es ist Ihre Feier. Seien Sie erfinderisch!

Ein Gedanke zum Schluss: Was wäre, wenn alle, die sich entschließen, einen kleinen Gottesdienst zu feiern – in welcher Form auch immer –, dies zur selben Zeit täten? Gerade für die Hauptgottesdienste der Drei Österlichen Tage ist das ein starkes Zeichen! Gründonnerstag um 20:00 Uhr, Karfreitag um 15:00 Uhr und in der Osternacht (da sich evangelische und katholische Kirche auf eine gemeinsame Zeit geeinigt haben, zu der in der ganzen Stadt die Glocken läuten, nicht wie geplant um 22:00 Uhr, sondern) um 20:30 Uhr. Machen Sie mit?

Und eine allerletzte Info: Die Glocken aller Kirchen in Deutschland läuten auch zu Beginn der Heiligen Woche am Palmsonntag um 19:30 Uhr sowie am Ostersonntag und Ostermontag um 12:00 Uhr. Also: Nicht wundern, sondern freuen!

Bild: Marc Urhausen
In: Pfarrbriefservice.de

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Palmsonntag

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Wenn ein bedeutender oder uns liebgewordener Mensch gestorben ist, versuchen wir oft, uns an die letzten Tage zu erinnern und sie zu rekonstruieren. Genau das haben auch die ersten Christen getan – und wir tun es bis heute.

Die Heilige Woche ist eine dicht gedrängte Zeit – in zweierlei Hinsicht. Zum einen scheinen sich die Ereignisse in Jerusalem zu überschlagen: Der Hass der Mächtigen gegen Jesus wird immer deutlicher, die Mordpläne gewinnen Konturen, und die Hilflosigkeit, das Unverständnis und das Versagen der Jünger kristallisiert sich umso mehr heraus, als klar wird, dass Jesus seinen Weg bis zum Ende gehen wird. Zum anderen merkt jeder, der sich auf diese Liebe einlässt: Wir begehen hier nicht nur vergangene Ereignisse. Wir erleben und feiern im Leiden und Sterben Jesu und seiner Auferstehung, wie Gott an uns handelt.

Am Anfang dieser Woche scheint noch alles in Ordnung zu sein: Jesus zieht als Friedensbringer in Jerusalem ein, auf einem Esel, dem alten Symboltier des Friedenskönigs. Die Jüngerinnen und Jünger jubeln ihm »Hosanna« zu, die Menge lässt sich davon anstecken, stimmt in den Jubel ein und legt ihm Kleider und Zweige zu Füßen. Am Ende der Woche wird aus dem »Hosanna« das »Kreuzige ihn!«, das Volk wird umgestimmt, die Mächtigen setzen sich durch.
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Den Ablauf des Gottesdienstes finden Sie hier.
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Gründonnerstag

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Am Vorabend des Karfreitags beginnen die Drei Österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und von der Auferstehung Jesu. Das »Triduum Sacrum«, die »heiligen drei Tage«, sind eigentlich ein einziger großer Gottesdienst. Er beginnt mit der Feier des Letzten Abendmahles, setzt sich am Karfreitag in der Feier des Leidens und Sterbens Jesu fort, hält am Karsamstag den Tod Jesu und die Verborgenheit Gottes aus und gipfelt in der Feier der Osternacht.

Woran wir uns in jeder Eucharistie erinnern, an die Lebenshingabe Jesu, das hat seinen Ursprung an diesem Abend. Jesus nimmt Brot und Wein, mehr nicht. Und sagt: »Das bin ich für euch. Und immer dann, wenn ihr euch meiner erinnert – dann bin da!« Indem wir dies tun, indem wir gemeinsam feiern, bleibt all das nicht nur eine bloße Erinnerung. Es wird hier und jetzt erlebbar, man kann es spüren und schmecken. Um es noch präziser auf den Punkt zu bringen, gibt es einen kleinen Satz, der an diesem Abend – und nur dort – ins Hochgebet eingefügt wird: »Das ist heute.«

Die Fußwaschung, die Jesus an seinen Jüngern vollzieht, bringt diese Hinagabe Jesu vielleicht noch drastischer zum Ausdruck. Wer so leben will wie er, muss sich klein machen. Sich in den Dreck hinabbeugen. Menschen nicht von oben herab begegnen, sondern von unten. Ihnen nicht den Kopf waschen wollen, sondern die Füße. Auch das gehört zur ganzen Wahrheit des Mannes aus Nazareth dazu.

In diesem so besonderen Jahr ist es uns leider nicht möglich, gemeinsam Eucharistie zu feiern. Aber in Erinnerung an das Abschiedsmahl Jesu können wir auch zu Hause Brot und Wein miteinander teilen. Und einander die Füße waschen. Und uns auch dort – da, wo wir leben – erinnern lassen: Das ist heute! Wie sich das wohl anfühlt – so ganz unmittelbar?

Die Nacht auf Karfreitag, jene Nacht, in der Jesus voller Angst im Kreis seiner schlafenden Jünger am Ölberg war, schenkt uns die Möglichkeit, unsere Wunden und Ängste anzuschauen – und die der ganzen Welt. Wenn wir der Bitte Jesu nachkommen: »Bleibt hier und wacht mit mir!«, stehen nicht nur wir an seiner Seite, auch er stellt sich an unsere. Vielleicht ziehen Sie sich an diesem Abend bewusst zurück an Ihren Ölberg oder machen einen Spaziergang durch die Nacht …
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Karfreitag

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Der Karfreitag ist ein Tag, an dem das Gotteslob schwer wird. Man merkt es den Kirchen an: Keine Glocke ruft zum Gottesdienst. Die Orgel bleibt stumm. Der Tabernakel steht offen, leer. Das Kreuz ist verhüllt. Keine Feier der Eucharistie. Es ist, als ob die Kirche innehielte, Raum schaffen wollte, in dem wir uns der unerträglichen Spannung bewusst werden zwischen der Wirklichkeit des Todes Jesu und dem (noch) nicht erlebten Eingreifen Gottes, der allem Glauben und Vertrauen zum Trotz stumm bleibt.

Karfreitag ist dennoch (oder gerade auch deswegen?) ein Tag des Vertrauens, der Tag durchgehaltener Liebe. In der »neunten Stunde«, um drei Uhr nachmittags, ist die Zeit der Erinnerung an Jesu Tod. Die Passionsgeschichte nach Johannes lässt von der Verhaftung über das Verhör vor Hannas, die Verleugnung des Petrus, die Verurteilung durch Pilatus bis zur Erhöhung des Herrn am Kreuz immer wieder das durchscheinen, was der Hauptmann unter dem Kreuz bekennt.

Die Mitte der Karfreitagsliturgie bildet die Kreuzverehrung. Jesus, der Herr ist Tod. Gestorben an den Wunden, die Menschen ihm geschlagen haben. Dieser unbegreifliche Tod aber schlägt eine Brücke hinüber in ein Leben ohne Ende, denn die Liebe ist stärker als der Tod.
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Karsamstag

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Der Tag danach. Viele können mit ihm nichts anfangen. Denn er stellt Fragen. Er stellt uns in Frage. Unsere Sicherheiten. Und unseren Drang, es müsse alles schnell weiter gehen. Aber das tut es nicht. Es geht nicht weiter. Nichts geht mehr. Nichts läuft. Und dann diese Stille! Die Stille dieses leeren Tages auszuhalten – das ist für manche schwerer als alles andere.

Die Karsamstage unseres Lebens sind meist viel schlimmer als die Karfreitage – weil sie oft nicht aufhören wollen und Wochen, Monate, Jahre dauern können. Nach der Beerdigung eines nahen Menschen ist das oft so. Und in diesem Jahr der Krise – da erleben es alle. Hautnah …

Gerade deshalb aber ist dieser Tag so wichtig: Wir denken an die Grabesruhe Jesu, müssen seinen Tod und die Verborgenheut Gottes aushalten und betrachten dabei unsere eigenen Gräber, unsere eigene Hoffnungslosigkeit, unsere eigene Angst und Trauer. Schön ist das nicht. Aber heilsam. Denn nur wer sich all dem stellt, wer wirklich hinabsteigt in seine Gräber, in seine Abgründe, in all das Verdrängte und Verkorkste – für den kann Ostern werden.

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Osternacht

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Mit der Osternacht ist schließlich jener Punkt erreicht, der den Kreislauf von Werden und Vergehen aus den Angeln gehoben hat. In dieser Nacht feiern wir Gott, der sich über alles Menschenbegreifen hinaus – neu und anders als je zuvor – erfahren lässt. Die Geschichte Jesu endet nicht mit dem Grab. Sie mündet in eine unendliche Zukunft.

»Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben!« So besingt das Exultet, das herrliche, Jahrtausende alte Osterlob, nach dem Einzug der Osterkerze in die dunkle Kirche diese Nacht, nachdem am Osterfeuer bereits die Ahnung aufsteigt, welche Kraft die Auferstehungsmacht Gottes besitzt. Allein dieses Gesanges willen lohnte es sich, die Osternacht mitzufeiern!

Das gesungene Exsultet aus der Kathedrale Notre-Dame de Paris finden Sie hier (ab min 10:58).
Eine lateinsche Fassung können Sie hier hören.
Den deutschen Text finden Sie hier.

In den Lesungen aus den Schriften des Ersten und des Neuen Bundes hören wir, Schritt für Schritt entfaltet, dass Gott das Leben will und immer wieder einen neuen Anfang setzt: der Beginn von allem, seine Schöpfung, der Regenbogen am Himmel als Zeichen des Bundes nach der Sintflut, die Befreiung Israels aus der Sklaverei der Ägypter, die neue Hoffnung, von der die Propheten immer und immer wieder sprechen, die Auferweckung Jesu von den Toten.

Wir erinnern uns in dieser Nacht unserer Taufe, denn wir alle, so schreibt es Paulus, »die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod. Und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.«

Normalerweise käme dann die Feier der Eucharistie. Der Auferstandene bricht das Brot mit uns – und verheißt uns ein Leben, das kein Ende kennt! Was erinnert uns in diesem Jahr daran und hilft uns, die Botschaft der Auferstehung an uns zu erfahren? Das Licht? Das Wasser? Die uralten Worte? Ein Gesang? Der Mensch, der neben mir sitzt? Am Grab damals war Jesus auch auf eine Weise zugegen, mit der keiner rechnete. Fragen Sie mal Maria Magdalena …
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