Kreuzweg

Impulse

Worte können heilen. Und zum Nachdenken bringen. Worte können Mut machen. Und neue Wege aufzeigen. Worte bringen Gefühle zum Ausdruck. Und Sorgen. Und Nöte. Glück und Unglück zeigen sich in ihnen ebenso wie Glauben und Hoffnung. Und natürlich Zuneigung und Liebe. Besonders schön ist es, wenn einem jemand solche Worte sagt. Wenn wir sie persönlich hören. Wenn wir spüren: Der meint mich!

Wir leben in einem ständigen Auf und Ab, im Hin und Her. Versammeln, gemeinsam feiern, hören und sprechen und singen – das geht momentan nur in eingeschränkter Form. Viele vermissen das. Aber lesen – das geht. Im mittlerweile gar nicht mehr so ganz neuen Format »Impulse« finden Sie daher in loser Reihenfolge Gedanken, Erlebnisse, Deutungen, Diskussionsbeiträge, die uns im Pastoralen Team eingefallen sind. Oder die wir anderswo gefunden haben. Und die wir mit Ihnen teilen möchten. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich das bewährt, vielen Mut gemacht und Lust auf mehr. Das freut uns natürlich sehr. Und deshalb machen wir einfach weiter!

Essays, Geschichten & Gedanken

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20 Jahre ist es her, dass islamistische Terroristen Flugzeuge ins World Trade Center in New York steuerten und ins Pentagon. Und doch weiß noch fast jeder, wie es war an jenem Tag, an dem für viele das 21. Jahrhundert begann, mit dem Kampf der Kulturen und Religionen, den Samuel Huntington vorhergesagt hatte.

Tatsächlich wurden in der Folge Konflikte zunehmend religiös gedeutet: Es ging ums christliche Abendland und um die muslimische Weltgemeinschaft, um Identitäten, nicht mehr nur um Interessen. Sind Religionen Motor künftiger Konflikte – oder können sie zum Frieden beitragen?

Die Gedanken von Matthias Drobinski vom 5. September können Sie hier lesen und hören.
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Der erste Urlaubstag, das ausgedehnte Frühstück am Sonntagmorgen, Gottesdienste, Geburtstage, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen. Rituale prägen unser Leben und unseren Alltag. Sie strukturieren die Zeit, gestalten Übergänge, geben Sicherheit, stiften Sinn und Gemeinschaft. In Zeiten von Corona haben sich oft neue digitale Formen entwickelt. Keine Religion und Kultur kommen ohne Rituale aus, doch Konventionen können auch erstarren. Über die Chancen und Grenzen von Ritualen.

Die Gedanken von Karin Dzionara vom 8. August können Sie hier lesen und hören.
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In Zeiten des Umbruchs erwächst oft die Frage nach der Lebensführung in Umständen, die nicht aus einem Guss zu verstehen sind. Im Buch der Weisheit finden wir diese Suche nach praktikablen und lebensklugen Lösungen für unsere Lebensthemen, Max Weber zu Beginn des letzten Jahrhunderts frug danach, was es bedeute, ein Leben zu führen?

Ich glaube, Ignatius sah sich in seinen geistlichen Übungen einer ähnlichen Herausforderung gegenüber. Seine Genialität macht wohl aus, die Elemente der Lebensführung zunächst formal zu bestimmen in wenigen Axiomen: Mit Blick auf die je größere Ehre Gottes den Menschen zu dienen. Die Kontexte bleiben individuell offen, aber es gilt, ihnen jeweils eine Form zu geben.

Nicht die Konstanz, sondern die Folge der Bewährungen sind vielleicht die wirklichen Herausforderungen. Die Bewahrheitung des Lebens in der Erkenntnis und der Erfahrung, dass Lebensplan und Lebenslauf nicht immer identisch sind.

Vielleicht geht es auch nicht um das ständige Sich-Entscheiden, sondern um die Anerkennung, dass wir uns schon in vielfältigen Entschiedenheiten vorfinden, die es in einer Folge von Bewährungen zu ratifizieren gilt: mit offenem Blick auf das große Ziel, die Ehre Gottes und der Bereitschaft, sie in den jeweiligen Lebenskontexten zum „Heil der Seelen“ verantwortlich zu leben.

Zur Offenheit einer solchen Lebensführung gehört auch die Disziplin: sich zusammennehmen, das Verstreute und Vielfältige in eine Form bringen, manchmal auch sich zusammenreißen. Die Manuale der ignatianischen Lebensführung, ein spannendes Thema.

Freilich stimmt auch: Das Leben ist am lebendigsten, wenn es „einfach so“ gelingt. Das macht seine innere Heiterkeit aus. Im Denken kommt solche Selbstverständlichkeit aber nur vor, wenn ihm bewusst wird, dass gerade diese Selbstverständlichkeit sich nicht von selbst versteht. Keine Lebensführung ohne eine Prise Gnade, dem hätte Ignatius wohl zugestimmt.

P. Hermann Breulmann SJ
31. Juli
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Sie steigen nicht nur aus und verschwinden. Manche Hundertjährige tauchen wieder auf, steigen bei uns ein, melden sich zu Wort. Kurt Marti und Erich Fried, Friedrich Dürrenmatt und Wolfgang Borchert, Sophie Scholl und Ilse Aichinger. Oder Paul Watzlawick.

Sie waren Vorläufer und Vorbilder, Gesprächspartner und Influencer, Zwischenrufer und Provokateure. Sie vertraten eine oft sprachlose Elterngeneration. Ein vielstimmiger Chor, der den Autor, Jahrgang 1950, beeinflusste, ermutigte und noch heute in Mitleidenschaft zieht.

Die Gedanken von Christoph Störmer vom 25. Juli können Sie hier lesen und hören.
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Ob das ihr Name war?
So wirklich weiß es keiner.
Wie alt sie wurden?
Unbekannt.
Saß er bei ihnen
auf dem Schoß?
Auch das ist ungewiss.

Aber es gab sie.
Und sie waren da.
Haben Acht
auf ihn gegeben.
So wie Großeltern
es eben
tun.

Aufregende Zeiten
hatten sie schon hinter sich.
Die Tochter sprach
von einem Engel,
der viele Fragen hinterließ.
Und Zweifel auch.
Und unglaubliches Glück.

Mutter war sie
so geworden.
Mutter eines Kindes,
von dem manche später
sagen würden,
er sei Gottes Sohn.
Dieser Kleine war ihr Enkel.

Und sie,
die beiden Alten,
waren für ihn da.
Erzählten ihm
von alten Wundern,
zeigten ihm den See,
die Berge und das weite Land.

So konnte er es
spüren,
Tag für Tag,
und immer neu,
was das bedeutet,
da liebt mich einer,
einfach so.

Später,
sehr viel später,
gab er diese Liebe weiter,
einfach so,
an die Kleinen und die Großen,
die Jungen und die Alten.
an alle, die sich danach sehnten.

Vielleicht auch deshalb,
weil es diese beiden gab.
Vergessen hat er das
vermutlich nie.
Dieser Enkel,
der die Welt
verändern sollte.

Alexander Bergel
26. Juli
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wer
wenn nicht du
maria
wüsste was es heißt
da sieht mich einer an
trotz allem
was zerbrochen ist

wer
wenn nicht du
maria
wüsste was die Liebe
alles möglich macht
er hat in dir gesehn
was du allein
nicht ahnen konntest
und dir
das Leben
neu geschenkt

nicht lang
jedoch
da war er
tot
du aber
bist nicht
fortgerannt

und plötzlich
war da wieder
leben
ein zweites mal
hat er dich angerührt
in dir gesehn
was du allein
nicht ahnen konntest
und nun
nun braucht
er dich

damit es alle
hören
und verstehn
die liebe
ist nicht
tot zu
kriegen

Alexander Bergel
22. Juli
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Ich sehne mich nach einem neuen Anfang der Kirche, einem galiläischen Frühling. Und diese Sehnsucht werde ich mir um Himmels willen nicht ausreden lassen. Meint Peter Neuhaus, Theologischer Autor, Redenschreiber und Krankenpfleger.

Seine Gedanken vom 12. Juli können Sie hier lesen.
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Visionen sind ein sensibles Thema. Wer hat sie? Wer beglaubigt sie? Was bewirken sie? Egbert Ballhorn, Professor für Theologie und Exegese des Alten Testaments an der TU Dortmund und Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks, entdeckt biblische Visionen als Inspirationsquellen für Zukunftsfragen.

Seine Gedanken vom 28. Juni können Sie hier lesen.
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Zwei Menschen
Zwei Geschichten

Dickköpfe
mit Vergangenheit

Fischer der eine
der andere ein Gelehrter

Bis da jemand kam
und rief

Den einen weg
von seinen Netzen

Den andern runter
vom hohen Ross

Beide brauchte er
der Mann aus Nazareth

Herz und
Verstand

Leidenschaft und
Phantasie

Mut und
Lust auf Neubeginn

Verstanden haben sie
sich nicht so sehr

Sie mussten suchen
wie das gehen kann

Denn ohne
den Anderen

war die Zukunft
nicht zu schaffen

Ein Hinweis
auch für uns

Wenn du die Spur
behalten willst

die er dir
vorgibt

dann suche dir
Verbündete

Doch nicht nur jene
die denken so wie du

Verbündete sind alle
die sich ergreifen lassen

von ihm
dem Mann aus Nazareth

Alexander Bergel
25. Juni
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Viele Menschen halten regelmäßig Nachtwachen, die meisten nur bei besonderen Gelegenheiten, am Bett eines kranken Kindes oder eines sterbenden Menschen. Manchmal beten sie eine Nacht lang. In manchen Nachtwachen geschehen dramatische Ereignisse, manchmal wartet man nur auf den Morgen. Wer schläft, sündigt nicht, heißt es. Auch in der Bibel spielt die Nacht eine besondere Rolle. Vor der Kreuzigung im Garten Gethsemane wachte und betete Jesus in der Nacht. Die Jünger schliefen unterdessen.

Die Gedanken von Irene Dänzer-Vanotti vom 20. Juni können hier lesen und hören.
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Statements, Interviews & Diskussionen

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Gehe man vom biblischen Zeugnis aus, seien Einheit und Vielfalt kein Widerspruch, sagt der Neutestamentler Ansgar Wucherpfennig. In seinem neuen Buch »Wie hat Jesus Eucharistie gewollt?« kommt er zu dem Schluss: Die Kirche sollte andere Eucharistietraditionen freimütiger anerkennen.

Ein Interview mit Ansgar Wucherpfennig vom 25. August können Sie hier lesen.
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Norbert Lüdecke, Professor für Kirchenrecht in Bonn, hat ein provokantes Buch geschrieben: »Die Täuschung«. Demnach täuschen Bischöfe die Gläubigen, indem sie ihre Macht mit dem kuscheligen Bild von Hirt und Herde verdecken. Die Schäfchen ließen sich davon einlullen, auch in der aktuellen Reformdebatte.

Das Gespräch mit Christiane Florin im Deutschlandfunk vom 29. Juli können Sie hier lesen und hören.
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Angesichts hoher Austrittszahlen sieht die Zukunft der Kirche nicht rosig aus. Religionssoziologe Michael Ebertz findet, dass sie ihre Angebote viel stärker auf einzelne gesellschaftliche Gruppen zuschneiden sollte. Dazu müsse sich die Seelsorge radikal ändern.

Das Interview mit katholisch.de vom 29. Juli können Sie hier lesen und hören.
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Bei Flutkatastrophen ist oft von »sintflutartigen Regenfällen« die Rede. Doch wie gut passt dieser Vergleich? In der biblischen Sintflut-Geschichte geht es auch um Erbarmen, so der evangelische Theologe Thomas Naumann. Gott gebe den Menschen eine »Bestandsgarantie«, sagte Naumann im Deutschlandfunk.

Das Gespräch mit Andreas Main vom 23. Juli können Sie hier lesen und hören.
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»Endlich erklärt es mal jemand.« Solche Rückmeldungen bekommt Erik Flügge öfter, wenn er bei Facebook oder Twitter aktuelle Themen für seine weit über 100.000 Follower einordnet. Denen erklärt er dann z.B. politische Entscheidungen oder warum bestimmte Corona-Maßnahmen sinnvoll sind. Und er nimmt auch in Sachen Kirche kein Blatt vor der Mund. Achim Stadelmaier hat mit ihm gesprochen.

Das Interview können Sie hier hören.
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Gehen oder bleiben? Unter diesem Titel fand am 24. Juni 2021 ein bemerkenswertes Zoom-Gespräch statt, veranstaltet vom Würzburger Lehrstuhl für Fundamentaltheologie in Kooperation mit der KHG Würzburg. Zu Gast waren u. a. Christiane Florin, Regina Laudage-Kleeberg und Maria Mesrian. Fast 180 Teilnehmende hatten sich zugeschaltet. Die These des Abends: ehrlich bleiben.

Den Bericht von Matthias Remenyi können Sie hier lesen.
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Klar hat der Kabarettist Bodo Wartke recht, wenn er sagt – oder besser singt – es ist viel schöner über Sex zu schweigen und ihn gemeinsam zu genießen, als dass man zu blöden, schrägen, verlegenen, kindischen, obszöne oder technokratische Worte greift. Kann man nachhören in »Fehlende Worte«, dem Opener zu unserer Veranstaltung »Über Sex muss man reden!«.

Den Blog von Martina Kreidler-Kos, Leiterin des Seelsorgeamts im Bistum Osnabrück, vom 17. Juni finden Sie hier.
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Regenbogenfahnen an Kirchen, ungehorsame Pfarrer und Bischöfe, Theolog:innen, die zum Widerstand aufrufen – hier beginnt etwas Neues, meint Norbert Reck.

Den Artikel vom 4. Juni finden Sie hier.
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Was gibt es Neues aus der Dogmatik? Erwin Dirscherl und Markus Weißer berichten von der Tagung »Wirksame Zeichen und Werkzeuge des Heils? Aktuelle Anfragen an die traditionelle Sakramententheologie«.

Den Artikel vom 3. Juni finden Sie hier.
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Seine Heimatkirche war tief gespalten, in Deutschland dagegen fand der Niederländer Erik Sengers eine gut vernetzte Volkskirche – das war vor 25 Jahren. Heute beobachtet er hierzulande ähnliche Zustände und warnt: Stellt die deutsche Kirche nicht die Pastoral ins Zentrum, droht ihr der Verfall.

Den Artikel vom 29. Mai finden Sie hier.
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Predigten

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Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 8,27-35

Am Kreuz kommst Du nicht vorbei. Jesus sagt das sehr deutlich. Doch wer will so was hören? Wer will schon hören, dass der Weg des Meisters kein strahlender Siegeszug ist, sondern ein Weg des Scheiterns? Petrus jedenfalls nicht. Deshalb bekommt der auch gehörig eins auf die Mütze: „Geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Dabei hatte er doch gerade sein großes Glaubensbekenntnis gesprochen: „Du bist der Messias!“ Er hatte alles aufgegeben, alles hinter sich gelassen, um ihm ganz nahe zu sein. Ja, das hatte Petrus wirklich getan. Und ja, er hatte vermutlich wirklich aus tiefstem Herzen seinen Glauben bekundet, seine Liebe auch – und seine Bereitschaft, Jesus zu folgen. Aber die Wahrheit, die ganze, die wirkliche Wahrheit – hatte er die begriffen? Nein. Denn als Jesus ihm die vor Augen hält, versucht er, die Dinge anders zu regeln. Eine Wahrheit sollte es werden, die nicht wehtut. Das kann er ruhig versuchen, der Erste der Apostel. Aber Jesus – der ist dann raus.

Raus, aber aus anderen Gründen, sind heute viele Menschen. Menschen, die die Botschaft Jesu vielleicht noch als alternatives Lebensmodell ansehen oder sogar nach wie vor Kraft aus ihr schöpfen. Das Interesse an der Kirche jedoch, das nimmt ab. Und zwar enorm. Immer weniger Menschen möchten Teil einer Institution sein, die so viele Fehler gemacht hat, die aber dennoch so oft immer noch auf dem hohen moralischen Ross sitzt und sehr genau weiß, was richtig ist und was nicht. So gehen immer mehr Menschen andere Wege. Und kehren nicht zurück. Doch dann und wann begegnen mir gar nicht so selten Männer und Frauen, Junge und Alte, die den Kontakt suchen. Weil sie spüren: Das, was da läuft, das, wovon die sprechen, besser noch: der, von dem sie sprechen, von Jesus und seinem Weg – das hat ihnen geholfen. Neue Perspektiven eröffnet. Oder schlicht und ergreifend gut getan. Immer wieder begegne ich solchen Menschen. Bei einer Taufe oder einer Beerdigung. Bei Elterngesprächen. Oder beim Combi.

Und dann gibt es erstaunlicherweise auch noch Leute, die sagen: „Ich möchte in der Kirche arbeiten.“ Menschen wie Katharina Westphal, unsere neue Pastoralassistentin. Du hättest durchaus auch was Vernünftiges machen können, Katharina. Aber Dein Weg hat Dich in die Kirche geführt. Es wäre sicher spannend zu erfahren, was Dich motiviert, wer Dir auf diesem Weg begegnet ist und was Dich an dem Mann aus Nazareth so fasziniert, dass Du gesagt hast: Dem folge ich nach. Du wirst Dich um die Jugend kümmern, in der Firmung, der Schule und in anderen Bereichen dabei sein – und vielen Menschen begegnen. Menschen, die dich vielleicht fragen werden: „Sag mal, Du bist doch eigentlich ganz normal – warum machst Du das?“ Ich bin gespannt auf Deine Antworten!

Uns allen bleibt die Frage Jesu: „Willst du mir wirklich folgen? Mit all den Risiken und Nebenwirkungen? Bist Du Dir bewusst, dass mein Weg nicht der des geringsten Widerstands ist, nicht der Weg der locker-flockigen Fortbewegung, sondern ein Weg, der dem Leben mit all seinen Schattenseiten nicht ausweicht? Bist Du Dir dessen bewusst? Bedenke aber, es ist ein Weg, der in allen Schatten auch das Licht der Hoffnung entdeckt und im Scheitern nicht verzweifelt, sondern trotzdem weiter sucht und sucht und sucht und auf dem Du immer wieder staunen kannst, wie – trotz allem – nie nur Untergang und Verzweiflung die Oberhand behalten, sondern das Schöne, das Tragende und das Erfüllende.“ Wer sich darauf einlässt, der wird dadurch nicht automatisch zu einem besseren Menschen, der wird auch nicht auf alles eine Antwort haben. So wie die Petrus-Kirche sie so oft meinte, haben zu müssen. Nein, wer sich darauf einlässt, für den bedeutet dieses Wagnis ein großes lebenslanges Abenteuer. Vielleicht müsste man es doch noch mal versuchen.

Alexander Bergel
12. September
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Predigt am 23. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 7,31-37

Zugegeben – es klingt sehr nach Märchen: „Jesus nahm ihn beiseite, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata! Öffne dich!“ Ja, so gehen Märchen. Trotzdem möchte ich mal so tun, als ob es wahr wäre. Denn hinter dieser Geschichte steckt eine reale Erfahrung: Ich bin nicht für alle Zeiten festgelegt. Das, was mich niederdrückt, einschränkt, abhängig hält und krank sein lässt – es muss nicht das letzte Wort behalten. Ich kann gesund werden.

Der namenlose Taubstumme hat wohl eine solche Erfahrung gemacht. Was genau in seinem Leben alles passiert ist – wir wissen es nicht. Nur eins: Das Leben hat ihm die Sprache verschlagen. Er ist am Ende, hat keine wirkliche Perspektive mehr. Er steht am Rande der Gesellschaft, ist ausgeschlossen vom Leben. Genau diesem Mann begegnet Jesus. Er nimmt ihn heraus aus der Menge, hinein in eine Atmosphäre, in der nur der Kranke wichtig ist. Er berührt die kranken Organe, er berührt die kranke Seele. Und der Kranke spürt: Jetzt geht es ganz um mich – und um Gott. Diese zärtliche Berührung weckt den Glauben, sie macht offen für die Heilung. Und damit sind wir mitten im eigentlichen Wunder.

Jesus, der heilende Finger Gottes, er rührt die Menschen an. Nicht nur äußerlich. Seine Berührungen gehen sehr viel tiefer. Er ergreift die Menschen, die sich ihm anvertrauen, auf einzigartige Weise. Alles andere wird plötzlich nebensächlich. Die eigene Schwäche, das Nicht-Hören-Können auf die vielen Zwischentöne, die das Leben bietet, das Nicht-Hören-Können auf die kleinen und großen Liebeserklärungen, das Nicht-Hören-Können auf die wunderbare Melodie des Lebens: all das nimmt Jesus in die Hände – und verwandelt es. Dieser Jesus von Nazareth ist so einfühlsam, so sensibel, so zärtlich – aber auch so bedingungslos direkt und zupackend, dass er das Leben von Menschen völlig verändern kann, ja auf den Kopf stellt. Wer Jesus vertraut, der bekommt ein völlig neues Gespür für das Leben. Der traut sich, Dinge zu sagen, die ihm vorher vielleicht peinlich waren. Wer sich von Jesus anrühren lässt, der spricht über das, was ihn bewegt: über seine Ängste und Sorgen, über seine Sehnsucht und seine Hoffnung, über seinen Glauben und seine Zweifel.

Darf man die wunderbare Heilung des Taubstummen so deuten? Oder wirkt das nur wie der durchschaubare Versuch, zu retten, was zu retten ist, um die Bibel am Ende doch nicht als Märchenbuch dastehen zu lassen? Ich glaube, dass Jesus heilende Kräfte besaß. Ich glaube, dass er das Leben von Menschen völlig umkrempeln konnte. Ich glaube, dass die Bibel phantastische Geschichten enthält, die mitunter auch märchenhafte Züge haben. Ich glaube aber nicht, dass wir damit an der Nase herumgeführt werden sollen. Ganz im Gegenteil. Die Erzählungen der Heiligen Schrift wollen uns an die Hand nehmen, um unser Leben zu deuten – unser ganz eigenes Leben hier und heute – und mit der Wirklichkeit Gottes zu konfrontieren.

Ich glaube, dass Gott auch heute wirkt. Nur – wo lässt er sich finden? Wir müssten uns auf die Suche machen. Auf die Suche nach dem, was heute passiert. Wo Menschen heute nicht mehr taub und stumm sind. Wo sie sich trauen, etwas zu sagen, was sonst keiner tut. Wo sich Wege öffnen, die keiner mehr für möglich hielt. Ja, all das gibt es doch. Und zwar ganz ohne Zauberei. Aber mit der sehr persönlichen Erfahrung: Ich habe eine Zukunft. Weil Gott mich dazu ermutigt. Weil er mir Heilung schenkt. Und Mut. Haben Sie so was schon mal gehört? Oder gar selbst erlebt?

Alexander Bergel
5. September
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Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 7,1-8.14-15.21-23

In den Spiegel zu schauen, ist nicht immer schön. Vor allem, wenn ein anderer uns den vorhält. Jesus tut das mitunter. Heute auch wieder. Vielleicht denken Sie gerade: Mich kann er damit eigentlich nicht meinen. Denn so festgefahren, so eng bin ich gar nicht. Diese ganzen Regeln und Gesetze der frommen Pharisäer – mein Thema ist das nicht. Damit wären Sie auf der sicheren Seite. Glückwunsch! Sie könnten aber auch mal so tun, als ob die Beschäftigung mit Vorschriften aus längst vergangenen Tagen doch etwas mit Ihnen zu tun hat. Nur theoretisch.

Dann kommen allerdings Fragen auf den Tisch. Fragen wie diese: Warum kann ich mich so schwer ändern? Meine Meinung? Meine Sicht der Dinge? Warum fällt es mir so schwer, Fehler einzugestehen oder gar um Entschuldigung zu bitten? Warum bin ich oft so unbeweglich? Vielleicht merken Sie: Ja, darüber könnte ich schon mal nachdenken. Vielleicht sind Sie aber doch eher der Meinung: Nein, nein – auch das ist nicht mein Thema. So ein Hardliner bin ich nun wirklich nicht. Umso besser!

Dann fragen wir weiter: Was wäre denn wohl, wenn alles Äußere, alles, was mir Halt gibt, wegfällt? Wenn kein Job, keine Funktion, keine Fassade mehr da ist? Was, wenn ich nur noch auf mich selbst geworfen bin? Wenn nichts und niemand mir mehr Sicherheit gibt? Was passiert, wenn ich dann in den Spiegel schaue? Was sehe ich da? Blicke ich in das Gesicht eines Menschen, der mit sich im Reinen ist?

Nun sind wir im Kern angekommen. Denn wenn Jesus all die Äußerlichkeiten aufzählt, die immer nur Mittel zum Zweck sein können, dann sagt er doch vor allem eines: Wenn du leben willst, Mensch, wirklich leben, dann finde heraus, was das für dich bedeutet! Du brauchst nicht perfekt zu sein. Oder moralisch unbezwingbar. Oder superfromm. All das brauchst du nicht. Erwarte das aber auch nicht von den anderen! Blicke mit einem wohlwollenden Blick in die Welt. Auf dich. Und all die Menschen um dich herum. Auf die, die du magst. Und auf all jene, die dir fremd sind. Oder suspekt. Oder lästig.

Und noch eins: Rechne damit, dass Gott dich überraschen kann. Er, der dir ein Herz geschenkt hat. Ein Herz, das so oft zu- und vollgestellt ist mit allem Möglichen: mit Ängsten und Verwundungen, mit Abhängigkeiten und so viel Kleinkrämerei. Lass es los. Und trau dich, Mensch zu sein. Ohne Fassade. Ohne Maske. Ohne Netz und doppelten Boden.

Ja, all das könnte einem der Blick in den Spiegel Jesu zeigen. Und frei machen. Zumindest theoretisch. Aber vielleicht auch ganz praktisch. Man müsste es mal versuchen …

Alexander Bergel
29. August
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Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis
zu Joh 6,24-35

„Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ Man mag es den Leuten irgendwie nicht übelnehmen. Wer geht auch nicht gerne dorthin, wo es was umsonst gibt? Aber dann kam er wieder, der Hunger. Und die Brote waren weg. Also aufs Neue: „Jesus, gib uns zu essen!“ Nur – der ist auch weg. Denn das, was er eigentlich wollte, hatten sie nicht verstanden. Lang ist das her. Aber es passiert jeden Tag. Ein junger Mann beschreibt es so:

Ich schaue auf die Uhr. Es ist 12.30 Uhr – Mittagszeit. Instinktiv zieht es mich in Richtung Kühlschrank, obwohl ich weder Hunger noch Appetit verspüre. „Man isst um diese Zeit!“ ermuntere ich mich und öffne die Kühlschranktür. „Was gibt es heute zu essen?“ frage ich mich selbst und greife zum Käse. „Käsebrot“, beschließe ich. „Das geht schnell, und ich muss nachher nicht großartig spülen.“

Schneide eine Ecke vom Käse ab und beiße gierig hinein. „Scheinbar habe ich doch Hunger!“ Das Brot aus dem Brotkorb ist hart und trocken. „Klar, ich war ja in den letzten Tagen viel unterwegs und habe oft auswärts gegessen.“ Ich versuche trotzdem, eine Scheibe abzuschneiden. Einen Moment lang überlege ich, ob ich mich zum Essen an den Tisch setzen soll. „Wozu denn eigentlich? Ist doch eh keiner da, mit dem ich reden könnte!“

Plötzlich wird mir der Sinn meiner Worte bewusst. Betroffen setze ich mich auf den Stuhl, kaue langsam auf dem harten Brot herum und stiere vor mich hin. Ruhig ist es! Zu ruhig. Ich ertrage die Stille nicht. Mein Mittagessen will gar nicht schmecken. „Es gibt nichts Schlimmeres, als alleine zu essen!“ Denke ich und schalte den Fernseher ein, der neben meinem Esstisch steht (zitiert nach: Werkbrief für die Landjugend, Liturgische Arbeitshilfen IV, München 2000).

Hunger im Jahr 2021. So beschreibt es ein junger Mann. Oder eine alte Frau? Hunger. Plus die Sehnsucht nach einem, der ihn stillt. Womit? Ja – womit bloß? „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern. Und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ Ob das wohl stimmt?

Alexander Bergel
1. August
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Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis
zu Joh 6,1-15

Eine wunderbare Geschichte. Ganz klar. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes: Jesus bekommt eine ganze Menschenmenge satt – wunderbarer geht es kaum! Das bringt den Verstand an seine Grenzen und macht das Herz unruhig. Also müssen Deutungen her. Mindestens zwei sind schon vorhanden – nicht mehr ganz neu, aber erprobt:

Erstens: Gott gibt im Überfluss. Jesus will ein Zeichen tun, um Gottes Reich erfahrbar werden zu lassen. Jesus stillt den Hunger. Den Hunger nach Brot, den Hunger nach Liebe, den Hunger nach Leben. So viel zur Theorie. Aber Sie könnten einwenden: Schön, dass der Gottessohn das alles tut. Doch wo tut er es bei mir? Was macht er aus meinen fünf Broten und zwei Fischen? Ich würde vermutlich mehr Fragen provozieren als Antworten geben.

Daher ist Möglichkeit zwei verlockend: Ich fordere Sie auf: Machen Sie es wie der kleine Junge: „Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt!“ Der Kern dieser Botschaft wäre dann: Jesus war ein guter Organisator. Dass er durch ergreifende Reden die Herzen der Menschen zu berühren weiß, ist bekannt. Dann wird er es ja wohl auch schaffen, die Taschen der Leute zu öffnen, so dass durch die Vorräte aller auch wirklich alle satt werden.

Beide Möglichkeiten greifen mir zu kurz. (Obwohl ich glaube, dass beides zur Geschichte gehört.) Daher lade ich Sie ein, sich dieser vertrauten Erzählung einmal ganz persönlich zu nähern. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit. Hier und jetzt. Kommen Sie mit Gott ins Gespräch.  Nur Sie und er. Niemand stört. Hören Sie auf das, was er Ihnen heute sagen will! Wenn Sie gerade nicht so genau wissen, worüber Sie mit ihm sprechen sollen, helfen Ihnen vielleicht diese drei Fragen:

Wonach habe ich wirklich Hunger?
Hat Gott es schon mal geschafft, mich satt zu kriegen?
Erlebe ich die Kommunion als eine seiner Antworten auf meinen Hunger?

Sie haben Recht – das geht ganz schön ans Eingemachte! Aber dafür sind wir doch auch hier, oder?

Alexander Bergel
25. Juli
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Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 6,30-34

„In jener Zeit versammelten sich die Apostel, die Jesus ausgesandt hatte, wieder bei ihm und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.“ Was werden sie ihm wohl berichtet haben, die Zwölf? Konnten sie erzählen vom Leben der Menschen, denen sie begegnet sind? Waren ihnen die Sorgen der Leute zu Herzen gegangen? Haben sie die strahlenden Augen junger Eltern, die schwieligen Hände der Alten, die Wunden der Kranken angerührt? Wir wissen es nicht. Aber dazu hatte er sie ausgesandt, dieser Jesus. Sagt er ja selbst von sich: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich!“

Jesus sieht in den Vielen, die ihm begegnen, keine zu missionierende Masse, kein Heer von Nummern. Im Gegenteil: Er wendet sich immer wieder einzelnen zu. Berührt sie. Nennt sie beim Namen. Lässt sich von ihrem Leid, ihrem Glück bewegen. Jesus sucht ihre Nähe. Und das erwartet er offensichtlich auch von denen, die in seine Fußstapfen treten. Damals waren es die Zwölf. Heute sind wir es. Auch wir haben uns anrühren lassen von dem Mann aus Nazareth. Sonst wären wir nicht hier. Auch uns hat er beim Namen gerufen. Auch uns will er zärtlich begegnen. Auch mit uns will er weinen. Auch mit uns will er sich freuen. Auch uns will er den Weg zeigen zu einem erfüllten Leben. Aber auch uns braucht er, um all das zu tun. Denn er hat keine Hände als die unseren.

Wer sich von Jesus, von seiner Liebe zu den Menschen ergreifen lässt, der wird nicht drumherum kommen, im Nächsten das Gesicht Jesu zu erkennen. Was aber streckt hinter diesem Gesicht? Immer ein Mensch. Ein Mensch mit seiner Geschichte. Mit seinen Liebenswürdigkeiten und Skurrilitäten. Ein Mensch mit Launen und Bösartigkeiten. Ein Mensch mit Herzenswärme und Gefühlskälte. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Immer aber ein liebenswürdiger Mensch. Wie weit blicken wir jedoch unter die Oberfläche? Machen wir uns die Mühe, hinter der Fassade den wirklichen Nachbarn, die wirkliche Kollegin, den Bekannten, die Freundin, machen wir uns die Mühe, hinter all dem Äußerlichen den wirklichen Menschen zu erkennen?

Alexander Bergel
18. Juli
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Predigt am 15. Sonntag im Jahreskreis
zu Am 7,12-15 und Mk 6,7-13

Irgendetwas musste passiert sein. „Geh, Seher, flüchte ins Land Juda! Iss dort dein Brot, und tritt dort als Prophet auf! In Bet-El darfst du nicht mehr als Prophet reden.“ Hatte er es tatsächlich gewagt, die Ordnung zu stören: das fein austarierte Gleichgewicht von „Das machen wir hier aber so!“ und „Jeder ist seines Glückes Schmied!“?

Sollte er wirklich die Mächtigen hinterfragt haben? Fühlten die sich gar in die Enge getrieben? Von so einem? „Amos antwortete Amazja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen.“ Aha – so einer war das. Ein Fachmann im Kultivieren von Maulbeefeigen. So so …

Er hätte es gemütlicher haben können. Gut versteckt hinter seinen Maulbeefeigenbäumen.Aber irgendetwas war passiert. Und so machte er sich auf, zog uruhig hin und her. Sah vieles und sprach die Dinge an, die ihn störten. Woher er den Mut dazu bekam? „Der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und zu mir gesagt: Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!“ Deshalb also ging er los. Amos, der Prophet. Ohne Schulabschluss, ohne Rhetorikausbildung, ohne Netz und doppelten Boden.

Er ging und eckte an. Er ging und machte den Mächtigen die Hölle heiß. Ging und legte den Finger in die Wunde. Ging und litt an der Welt, wie sie war. Ging und hatte eine Ahnung, wie die Welt werden könnte. Ging und wurde verjagt. Ging und kam wieder. Ging und kam bald um den Verstand. Ging und kam immer mehr zu sich selbst. Ging und brachte Gott immer mehr dorthin, wo er hin gehört: mitten in die Welt – damit sie endlich anfängt, eine heile Welt zu werden.

So fing es an – damals mit Amos, dem Maulbeerfeigenzüchter, von dem Gott glaubte, er gebe einen ganz guten Propheten ab. So fing es an. Und so ging es weiter: 700 Jahre später mit Jesus und den Zwölfen, die nicht mehr alleine los mussten, sondern zu zweit. Um Kranke zu heilen, Dämonen auszutreiben und andere Dinge zu tun, von denen jeder vernünftige Mensch sagen würde: Wie soll das gehen? Wieder sind 2000 Jahre vergangen. Amos ist längst Geschichte, die Apostel stehen gemütlich auf ihren Sockeln – aber die Welt wartet immer noch auf Menschen, die nicht nur reden, sondern handeln. Was meinen Sie: Könnten wir das sein?

Alexander Bergel
11. Juli
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Predigt am 14. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 6,1b-6

Propheten haben es schwer. Schon immer. Weil sie unbequem sind. Weil sie Sand ins Getriebe streuen. Weil sie zum Nachdenken anregen und ihren Finger immer wieder in die Wunde legen. Und so lässt man sie reden, die Propheten aller Zeiten. Oder schickt sie weg. Macht sich lustig über sie. Oder sagt ihnen recht deutlich: „Du, wir wissen, wo du herkommst. Spiel dich mal nicht so auf!“

Manche Propheten landen in der Wüste und wünschen sich den Tod. Andere werden in einen Brunnen geschmissen oder verjagt oder getötet oder von der Gesellschaft isoliert. Die Bibel ist voller solcher Geschichten. Geschichten mit großem Mitleidsfaktor: „Ach, die Armen.“ Bedauernswert, sicher. Aber Gott sei Dank ist das alles lange her. Und stört zum Glück nicht.

Was aber wäre, wenn hier und heute jemand aufsteht und sagt: „Leute, so geht es nicht mehr weiter! Was hat eure Art zu leben noch mit Gott zu tun? Meint ihr, dass so, wie ihr als Gemeinde lebt – mit euren Strukturen, den gefestigten-offiziellen und den geheimen irgendwie gewachsenen –,  meint ihr, dass Jesus sich da wohlfühlen würde? Was ist mit eurem Einsatz für Gerechtigkeit? Was mit eurem Lebensstil? Was ist mit eurem Engagement für eine Botschaft, die nach draußen soll, hin zu den Leuten, die nicht oder nicht mehr kommen?“

Was wäre, wenn wir uns dazu gegenseitig ermutigen würden, wenn wir das, was uns bei der Taufe gesagt wurde: „Mensch, auch du bist Prophetin und Prophet!“, was wäre wohl, wenn wir diese unbequeme Seite des Christseins ernstnähmen? Was wäre wohl, wenn wir losgehen würden, diese Welt zu verändern? Ja, was meinen Sie: Was wäre dann wohl los?

Alexander Bergel
4. Juli
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Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 5,21-43

„Eene meene miste, es rappelt in der Kiste. Eene meene meck – und du bist weg!“ Ein beliebter Abzählreim. Wir alle kennen ihn seit Kindertagen. Glücklich sein darf der, der nicht rausfliegt, sondern weiterkommt. Und am Ende vielleicht sogar der Erste ist oder den Hauptgewinn erhält.

Im aktuellen Fall dürfen wir uns mit gleich zwei Gewinnern freuen: dem toten Mädchen und der kranken Frau. Glück gehabt, dass Jesus gerade vorbei kommt und der Tochter des Jairus sagt: „Steh auf!“ Glück gehabt, dass die Frau, die alles versucht hat, ihren ganzen Mut zusammen nimmt und Jesus berührt – und am Ende geheilt dasteht. Ja, wirklich Glück gehabt. Oder in der Sprache der Bibel gesagt: „Gott hat sich seines Volkes angenommen.“

Es ist schön, das glauben zu können. Noch besser, es zu erfahren. Was aber sage ich Menschen, die dummerweise kein solches Glück hatten? Menschen, die beim gefühlten Abzählspiel rausgefallen sind? Was sage ich Eltern, die ihr totes Kind betrauern müssen? Menschen, die zwar gerne sagen würden: „Gott hat sich seines Volkes angenommen!“ – die aber genau das nicht erfahren haben?

Wenn die Bibel von Totenerweckungen berichtet, dann will sie die Macht Gottes im ganz konkreten Leben zeigen, jene Kraft, die selbst Totes wieder lebendig machen kann. Der Evangelist Markus beschreibt Jesus dabei als einen, der mitfühlt und mitleidet. So sehr hat ihn das Leid des Jairus angerührt, dass er nicht anders kann, als ein Zeichen zu setzen: „Lebe, Mädchen, lebe!“ Und genau das tut es dann auch wirklich wieder!

Wie sehr aber warten Menschen heute auf einen solchen göttlichen Gefühlsausbruch? Nicht nur einmal habe ich vor einem Kindersarg gestanden. Und diese an sich frohe Botschaft der Erweckung des toten Mädchens – nicht verkündet. Weil ich Angst hatte vor den Fragen der Eltern: „Warum nur damals, warum nicht auch heute?“

Je konkreter der Tod wird – ja, je mehr der Tod nicht nur eine Tatsache ist, sondern ein Gesicht bekommt, desto weniger helfen Floskeln, desto weniger reicht die Rede von einem Leben schaffenden Gott. Ich will das spüren, will es erleben. Ich will sagen können: „Gott hat sich seines Volkes angenommen!“

Und dann geschieht es doch immer wieder, dass ich sehr erstaunt bin. Erstaunt, wie gerade Menschen, die tiefes Leid erlebt haben, zu Vertrauenden werden. Nie von jetzt auf gleich. Oft unter Schmerzen. Fast immer im Kampf. Im Kampf mit sich selbst, im Kampf mit wohlmeinenden Ratgebern, im Kampf mit Gott. Viele von Ihnen werden wissen, was ich meine.

Was ist da wohl passiert? Haben solche Menschen ganz tief im Inneren vielleicht doch erfahren, dass Gott sich seines Volkes, dass Gott sich ihrer angenommen hat? Sind die Worte und Zeichen von damals vielleicht doch so stark, dass sie auch heute noch ihre Kraft entfalten?

Alexander Bergel
27. Juni
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Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis
zu Ijob 38,1.8-11 und Mk 4,35-41

Ob sie wohl untergeht? Die Frage ist nicht neu. In den letzten Monaten wurde sie noch öfter, noch offensiver gestellt. Und immer mehr Menschen sagen unumwunden: Ja, das wird sie. Sie wird untergehen, die Kirche. Und dann ist endlich Schluss. Schluss mit all dem, was man schon längst hätte über Bord werfen sollen! – Wie konnte es nur so weit kommen? Wer hat denn so lange so intensiv geschlafen, dass man nicht bemerkt hat, wie sehr das Schiff der Kirche vor dem Kentern steht? Hätte man nicht, müsste man nicht, sollte man nicht?

Damals auf dem See Genezareth, da ging es nicht um eine große Organisation mit Macht und Einfluss. Jesus war mit seinen Jüngern unterwegs. Von einem Ufer zum anderen. Er hatte vom Reich Gottes gesprochen. Davon, wo es zu finden ist – im Kleinen, im Zarten, im Verletzlichen. Er hatte vom Senfkorn gesprochen, aus dem ein großer Baum wird. Von Geduld und Ausdauer. Und vom Warten können. Nun aber waren sie auf dem Weg in eine andere Welt. Andere Menschen, andere Sitten, aber dieselben Probleme, dieselben Fragen: Wie können Menschen heil werden und heil sein? Und wie ist Gott in all dem zu finden?

Es sind Fragen, deren Beantwortung sich wohl jeder wünscht. Aber es gibt keine einfachen Antworten. Für niemanden. Und der Weg dorthin ist selten ein Spaziergang. Wer mit Jesus unterwegs ist, darf nicht mit einem leichten Leben rechnen. Jesus sieht die Not. Jesus wendet sich dem Bedürftigen zu. Fragt ihn, was er braucht. Und ist in diesem einen Augenblick ganz für ihn da. Aber die Welt, die ist, wie sie ist, ändert er nicht mit einem Fingerschnippen. Oder doch? „Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.“ Die Jünger damals waren außer sich: „Was ist das für ein Mensch, wenn ihm sogar der Sturm gehorcht?“

Ja, das ist die Frage: Was ist das für ein Mensch? Offensichtlich einer, dem man gerne sein Vertrauen schenkt. Einer, der Ruhe in die Sache bringt. Einer, der das Ziel fest im Blick hat. So haben Menschen Jesus nämlich erlebt. Aber er ist kein Zauberer. Keiner, der mir jede Unbequemlichkeit erspart. Und niemand, der mein Leben lebt. Das bleibt das Sperrige an ihm. Und das führt tief in das Geheimnis Gottes. Er, der alles kann, tut oft nichts. Er, der die Welt erschaffen hat, sieht zu, wie sie wieder untergeht. Er, der den Menschen so sehr liebt, wie es immer heißt, lässt ihn sterben. Nicht nur alt und lebenssatt, sondern oft genug auch jung und gezeichnet vom Kampf ums Überleben. Was will Gott denn nun? Warum stillt er manche Stürme, andere hingegen lässt er weiter toben?

Wie auch immer sich das damals am See Genezareth abgespielt haben mag – die Jünger haben in Jesus beides erlebt: den, der nichts tut, und den, der eingreift. Als sich die, die es aufgeschrieben haben, an diese Erfahrung erinnert haben, hatten sie bereits viele weitere Erfahrungen gemacht. Jahrzehnte waren seither vergangen. Die Gemeinschaft der Jesus-Jünger war zu einer festen Größe geworden. Zu einer verfolgten Gemeinschaft. Und zu einer Gemeinschaft, in der unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen herrschten. Da ging es zwischendurch ganz schön zur Sache, die Wellen schlugen hoch. Von außen drohte Gefahr, und innen drohten Konflikte alles zu zerreißen.

Und Jesus, was war mit dem? Man wartete auf seine Wiederkunft. Darauf, dass er den Stürmen klare Ansagen machte. Aber das tat er einfach nicht. Und dennoch, dennoch gab es all die Menschen, die nicht verzweifelt sind. Menschen, die zwar mit der Undurchschaubarkeit Gottes rangen, die sich sorgten um das Boot ihres Lebens und das Boot der Gemeinschaft, das Boot der Kirche also, um das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“, und die sich fragten, wo genau Jesus denn darin zu finden sei. Diese Menschen gab es. Und es gibt sie auch heute noch. Menschen, die selbst das Steuer in die Hand nehmen, die das Wasser wieder rauspumpen, die den Kurs variieren und nach neuen Wegen suchen. Es gab sie, diese Menschen. Damals in Israel. Und durch die Jahrhunderte hindurch. Und es gibt sie auch heute noch. Menschen, die vertrauen, dass Jesus mit im Boot sitzt. Egal, was kommt. Und die dem Boot, dem Schiff, das sich Gemeinde nennt, nicht beim Sinken zusehen, sondern an Bord bleiben. Weil sie ahnen – das rettende Ufer erwartet uns.

Dieses Ufer und der Weg dorthin, das wird zwar nicht das Paradies sein. Aber etwas vom Reich Gottes wird sich dort finden lassen. So wie Jesus es gesagt und gezeigt hat. So wie Menschen es immer wieder gesucht und auch gefunden haben. Innerhalb und auch außerhalb der Kirche. Und sie sind fündig geworden. Haben Gottes Gegenwart gespürt. Und entdeckt. Und daran mitgearbeitet, dass die Welt eine bessere wird. Wenn dies das Erkennungsmerkmal der Kirche bleibt oder wieder wird – dann wird sie auch nicht untergehen.

Alexander Bergel
20. Juni
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Gebet, Musik & Poesie

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Ein Sehnsuchtslied – hier können Sie es hören.
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»Weib, was weinest du?« Einer der berührendsten Gesänge zum Fest der Heiligen Maria Magdalena, der Apostelin der Apostel, am 22. Juli.

Es gäbe sicher nach wie vor so manches, was nicht nur Frauen in dieser Kirche zu beweinen hätten. Aber es gab und es gibt sie dennoch immer noch: die Verkünderinnen dieser einen unglaublichen Botschaft. Sollte deren Kraft, die schon einmal nicht nur Felsen vor Grabhöhlen in Bewegung brachte, nicht auch heute Steine wegzuräumen in der Lage sein?

Den Gesang aus den Osterdialogen von Heinrich Schütz können Sie hier hören.
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»Veni Sancte Spiritus!« Den kraftvollen Pfingsthymnus aus Notre-Dame de Paris hören Sie hier.
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»Komm, Heiliger Geist, komm!« Dieses gesungenes Gebet zu Pfingsten hören Sie hier.
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»Ich möchte mich mit dem Wasser erfrischen, das der Heilige Geist gibt. Ich möchte ausruhen in deinen Verheißungen, und ich sehne mich danach, bei dir satt zu werden.«

Die kubanische Sängerin Narjara Portal drückt in ihrem neuen Lied die Sehnsucht nach einer neuen Erfrischung durch den Heiligen Geist aus. Hier können Sie es sehen und hören. Weitere Infos finden Sie hier.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Ostersonntag.
.  Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karsamstag.
.  Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.
.  Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zur Nacht auf den Karfreitag.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Palmsonntag.
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Schaukasten-Gedanken

… können für einen kurzen Augenblick ansprechen oder irritieren
oder einfach nur Freude bereiten.

Hier finden Sie die schönsten Exemplare, die vor unseren Kirchen hängen,
zum Anklicken.
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