
Impulse
Worte können heilen. Und zum Nachdenken bringen. Worte können Mut machen. Und neue Wege aufzeigen. Worte bringen Gefühle zum Ausdruck. Und Sorgen. Und Nöte. Glück und Unglück zeigen sich in ihnen ebenso wie Glauben und Hoffnung. Und natürlich Zuneigung und Liebe. Besonders schön ist es, wenn einem jemand solche Worte sagt. Wenn wir sie persönlich hören. Wenn wir spüren: Der meint mich!
Sie finden auf dieser Seite Gedanken, Erlebnisse, Deutungen, Diskussionsbeiträge, die uns eingefallen sind. Oder die wir anderswo gefunden haben. Und die wir mit Ihnen teilen. In der Corona-Pandemie hat sich das bewährt, vielen Mut gemacht und Lust auf mehr. Das freut uns natürlich sehr. Und deshalb machen wir einfach weiter!
Essays, Geschichten & Gedanken
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Warum zweifeln so viele Christen an der leibhaftigen Auferstehung Jesu Christi? Dominik Blum blickt auf Umfragen, Bibeltexte und Bert Brecht – und zeigt, was der Osterglaube heute wirklich bedeuten kann.
Seine Gedanken vom 10. April finden Sie hier.
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Der Karsamstag wird oft als Leerstelle wahrgenommen. Sonja Huber liest diesen Tag im Zusammenhang mit dem jüdischen Schabbat – für Jesus ein Herzensanliegen und dem Judentum ein Tag der Schönheit und Wonne
Ihre Gedanken vom 3. April finden Sie hier.
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Kaum eine biblische Gestalt ist so gegensätzlich gedeutet worden wie Maria Magdalena: als Sünderin und Heilige, als Vertraute, ja Geliebte Jesu und als erste Zeugin des Ostermorgens.
Dieser Essay richtet den Blick auf einen früheren Moment. In den Erzählungen vom Karfreitag erscheint Maria Magdalena als eine Frau ohne Stimme, an einem Ort, an dem alle Hoffnung zerbricht. Es lohnt sich, von hier aus die späteren Deutungen dieser Frau zu verfolgen. Und zu fragen, was ihre Präsenz unter dem Kreuz für heute bedeuten könnte. Für eine Zeit, die das Schweigen schwer aushält.
Die Gedanken von Stephan Lüttich vom 3. April finden Sie hier.
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Überall ist vom Priestermangel die Rede.
Berhard Nitsche, Professor für Fundamentaltheologie in Münster, meint jedoch, es gebe mehr als genug davon – wenn die Kirche denn ein theologisch passenderes Ämterverständnis hätte. Denn sie leidet nicht unter einem Priester-, sondern unter einem Ordinationsmangel.
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So leer
wie einst
erdacht
So klar
dass nichts
den Blick verengt
So offen
weil alle
willkommen sind
Der Ort
wo du stehst
ist heiliger Boden
Er
wird es
bleiben
Alexander Bergel
1. März
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Franziskus bleibt
am Leben
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Abschied nehmen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Neu beginnen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Schritte wagen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Die Aussicht genießen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Nicht sterben sondern
am Leben
bleiben
Alexander Bergel
8. Februar
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Aus der Erinnerung an den Holocaust erwächst die Frage, wie religiöse Traditionen Verantwortung übernehmen, damit das »Nie wieder« mehr ist als eine Formel.
Ludger Hiepel, akademischer Rat auf Zeit am Institut für Biblische Exegese und Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und Beauftragter der Universität gegen Antisemitismus, reflektiert die bleibende Aufgabe von Christ:innen und Muslim:innen, den ihren religiösen Traditionen eingeschriebenen Antijudaismus aufzuarbeiten und zu überwinden.
Seine Gedanken vom 27. Januar auf der Seite feinschwarz.net können Sie hier lesen.
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Vorfreude ist spannend und ausdauernd. Das Danach verklingt allerdings schnell.
Ein deutsches Wort für »Nachfreude« gibt es gar nicht.
Ralf Meister, der Landesbischof der evangelischen Kirche Hannovers, würde sich aber genau das wünschen. Warum, können Sie in seinen Nachtgedanken vom 3. Januar lesen, die auf NDR 1 zu hören waren.
Alle Nachtgedanken in der Zeit vom 29. Dezember bis zum 4. Januar
können Sie hier lesen.
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Die Zeit zwischen den Jahren ist eine besondere Zeit.
Einige Gedanken von Martin Vorländer in der Sendung Feiertag vom 28. Dezember im Deutschlandfunk Kultur können Sie hier hören.
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Maria und Josef werden von einem Herbergsvater barsch abgewiesen, deshalb muss Maria ihr Baby in einem Stall zur Welt bringen. So wird die Weihnachtsgeschichte bis heute oft erzählt. Nicht so bei Annette Jantzen.
Die katholische Theologin aus Aachen schreibt in ihrem Buch »Das Kind in der Krippe« gegen diese Lesart der Weihnachtsgeschichte an.
Ihre Gedanken in der Sendung Tag für Tag vom 22. Dezember im Deutschlandfunk können Sie hier hören.
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Statements, Interviews & Diskussionen
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Bei seiner Wahl im Mai 2025 sahen viele im neuen Papst eine Art moralischen Gegenentwurf zum US-Präsidenten. Zunächst gab sich Leo XIV. diplomatisch zurückhaltend. Doch seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran scheint der Papst seine Zurückhaltung abgelegt zu haben.
Einschätzungen des Historikers und USA-Experten Michael Hochgeschwender vom 10. April hören Sie hier.
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In den USA war das Christentum schon immer anders als in Europa. Bislang überwogen dort allerdings fromme und bibeltreue Evangelikale.
Doch mit dem Aufstieg Donald Trumps hätten christliche Nationalisten die Vormachtstellung übernommen, sagt Arnd Henze, der selbst Theologe ist und lange für den WDR und die ARD in den USA gelebt und gearbeitet hat. Ultranationalistische Christen sagten dem modernen Gesellschafts- und Rollenbild einen radikalen Kampf an, forderten das Ende der Demokratie und predigten dazu Militanz.
Ein Gespräch mit ihm vom 5. April können Sie hier hören.
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Opfer sexualisierter Gewalt leiden ein Leben lang – unter den Folgen dieses traumatischen Leids und auch unter der Ignoranz der Gesellschaft. Bis heute. Die Ausstellung »Shame – European Stories« erzäht die Geschichten Betroffener, zeigt ihre Gesichter – und fordert zum Hinsehen auf.
Einen Bericht von Astrid Fleute im Kirchenboten vom 10. März können Sie hier lesen.
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Max-Josef Schuster, Pastoralreferent im Ruhestand und systemischer Berater, lässt die übersehene Berufung der Frauen keine Ruhe.
Seinen Beitrag auf der theologischen Seite feinschwarz.net vom 6. Januar können Sie hier lesen.
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Die Brandmauer zur AfD muss »so lange halten, wie es geht«, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Die AfD sei »menschenverachtend«, denn sie vertrete einen »völkischen Nationalismus«, erklärt der Bischof von Limburg.
Das Interview im Deutschlandfunk vom 21. Dezember können Sie hier hören.
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Klöster können in einem säkularisierten Europa Gegen-Orte sein, die Stabilität und geistliche Tiefe vermitteln, sagt der Trappist und Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz, Bischof Erik Varden.
Im Gespräch mit Jan-Heiner Tück geht er dem Phänomen einer neu erwachenden Sehnsucht nach Erfahrungen der Transzendenz unter jungen Menschen nach.
Den Podcast der Zeitschrift Communio vom 19. November können Sie hier hören und lesen.
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Die Leseordnung in Gottesdiensten müsse geändert werden, sagt Annette Jantzen. Denn biblische Frauen kämen in den gelesenen Texten kaum vor – obwohl ihre Geschichten wichtig sind.
Im Podcast vom 1. Oktober spricht sie über Beispiele »herausgeschnittener« Frauen. Hier können Sie ihn hören.
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Nora Bossong ist im Hauptberuf Schriftstellerin. Rund ein Dutzend Bücher liegen vor – zuletzt der Roman Reichskanzlerplatz.
Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, sagt augenzwinkernd: Im Nebenberuf sei sie Ministrantin. Sie engagiert sich im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Der wichtigste Nebenberuf war eine Zeitlang das Studium der Katholischen Theologie. Manchmal zieht sie sich in Klöster zurück.
Religion und Literatur – sind das für Nora Bossong zwei Paar Schuhe? Oder wie integriert sie beides in ihrem Leben?
Ein Interview mit ihr im Deutschlandfunk vom 5. September können Sie hier hören.
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Elf Wochen nach Pfingsten, also am 24. August, feiert man in der evangelischen Kirche den sogenannten Israel-Sonntag. Früher sprach man vom Juden-Sonntag. Ein Tag mit einer wechselvollen Geschichte – über die Jahrhunderte hinweg.
Heute soll er die Verbindung des Christentums mit dem Judentum ausdrücken. Aber wie begeht man angesichts des Krieges in der aktuellen Situation so einen Gottesdienst?
Die Sendung Tag für Tag im Deutschlandfunk vom 13. August geht dieser Frage nach. Hier können Sie sie hören.
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Immer wieder ist in diesen Tagen die Rede von Kulturkampf. Vielen raucht der Kopf, wenn sie nachdenken über die Entwicklungen rund um die Wahl neuer Richter für das Bundesverfassungsgericht.
Die Wahl wurde vor genau einer Woche verschoben, weil eine Kandidatin, nämlich Frauke Brosius-Gersdorf, in die Kritik geraten ist. Es ging um ihre Positionen zu Corona und Kopftüchern, zum Gendern und zur Abtreibung oder – wie einige es formulieren – zum Schwangerschaftskonflikt. Die römisch-katholische Kirche war am Rande auch involviert und rückte dann immer weiter ins Zentrum. Rudert sie jetzt zurück?
Ein Gespräch dazu mit dem katholischen Theologen und Journalisten Joachim Frank vom 18. Juli können Sie hier hören.
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Predigten
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Predigt am 3. Ostersonntag
zu Joh 21,1-14
Sieben Männer am See. Dort also, wo sie sich auskennen. Endlich wieder! Zu viel war auch geschehen. Der, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, war tot. Was macht man, wenn ein Projekt gescheitert ist? Viele sagen dann: Ich geh zurück. Zurück in die vertraute Umgebung. Zu vertrauten Menschen. Zurück in vertraute Muster. Das muss nicht falsch sein. Aber darin liegt auch eine Gefahr. Beides begegnet uns am See von Tiberias. Und vermutlich auch in unserem eigenen Leben.
Sie hatten es doch wirklich gewagt: Petrus und Thomas, Natanael, die Zebedäussöhne und noch zwei weitere seiner Jünger. Sie waren Jesus gefolgt. Hatten alles stehen und liegen gelassen. Hatten gesehen, wie er Menschen berührt und geheilt, sie alle in Frage und manche der Drangsalierten und Ignorierten in die Mitte gestellt hatte: Frauen und Kinder und die vielen anderen Schutz- und Rechtlosen seiner Zeit. Genau das – und vor allem, dass Jesus all das mit Gott in Verbindung bringt – hatte ihn das Leben gekostet. Sein Lebensprojekt war gescheitert. Und sie mit ihm. Oder doch nicht?
Jesus war von den Toten auferstanden. Was erst als Weibergeschwätz verunglimpft wurde, hatte zu einer realen Begegnung mit dem Auferstandenen geführt. Thomas, der all das massiv in Frage gestellt hatte, wurde im Innersten erschüttert, als er Jesus an seinen Wunden erkannte. Aber dann fing der Alltag doch wieder an. Jesus war nicht mehr so da, wie sie es gewohnt waren. War es vielleicht doch alles nur Einbildung? Mehr Wunsch als Realität? Was also sollten sie noch tun in Jerusalem? In jener Stadt, die so voller Sehnsucht nach Frieden und Leben ist, dass es sich bis heute spüren lässt. In jener Stadt aber, vor deren Toren der Friedensfürst sein Ende fand.
Also zurück in die Heimat. Vielleicht, so hatten sich die sieben Männer damals gedacht, vielleicht brauchen wir nur etwas Ruhe. Vielleicht brauchen wir den alten bekannten Rahmen. Vielleicht, wenn wir erstmal wieder in der Spur sind, vielleicht findet sich dann alles wie von selbst. Also gehen sie fischen. Doch sie fangen – nichts. Erst als da einer kommt und für einen neuen Blick auf die alten Dinge sorgt, erst dann geschieht das Wunderbare: Fische ohne Ende! Und in all dem diese Spannung: Ist er es vielleicht wieder? Keiner traut sich, dem Gedanken bis zum Ende zu folgen. Nur der, der mit den Augen der Liebe auf alles blickt, der erkennt: „Es ist der Herr!“
Dem Auferstandenen zu folgen, ist keine einfache Sache. Zu stark sind die Argumente dagegen. Zu groß die Verunsicherung. Zu mächtig die alten bekannten Bahnen. Die Begegnung der Sieben am See zeigt mir aber, dass es doch gehen kann. Dass es gehen kann, Ostern mitten im zermürbenden täglichen Allerlei zu erleben. Denn dort, wo alles seine Ordnung hat, dort, wo eigentlich niemand mehr etwas erwartet, dort, wo ich festgelegt zu sein scheine – dort, genau dort beginnt plötzlich etwas Neues. Damals war es jedenfalls so. Warum nicht auch heute?
Alexander Bergel
19. April
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Predigt in der Osternacht
Und plötzlich war da kein Dunkel mehr, nur noch Licht. Trauer wich der Freude und der Schmerz einem Glücksgefühl, das sich nicht in Worte fassen lässt. Ob es so war, damals in Jerusalem? Wahrscheinlich nicht. Genau so wenig wie heute an den vielen Gräbern dieser Welt. Denn seien wir ehrlich: Auch wenn wir mitten in der Nacht nun von strahlendem Licht umgeben sind – die Nacht, sie ist ja nicht verschwunden. Im Gegenteil: Die Dunkelheit ist immer noch da. Nicht nur der Blick aus den Fenstern verrät es, auch der ehrliche Blick in unser Leben. Ist das vielleicht der Grund, warum wir der Dunkelheit in der letzten Stunde ganz schön viel Raum gelassen haben? Bis hinein in die Geschichte von Maria Magdalena und Jesus am Grab. Ja, vielleicht ist das der Grund. Aber der Reihe nach.
Am Anfang haben Sie sich auf den Weg gemacht. Durch die Nacht hindurch, hin zum Feuer. Plötzlich war da ein Flackern, mitten in der Nacht. Vielleicht hören Sie noch das Knacken des Holzes, sehen noch die Funken, die den Weg ins Dunkle suchen und finden. So wie Sie selbst kurze Zeit später auch. Vielleicht tastend und unsicher, froh über jemanden, an dessen Seite Sie Ihren Weg in die Kirche gehen konnten. Und dann kam sie, diese eine große Kerze, Symbol für den, dessen Auferstehung wir feiern. Frohlocket, ihr Chöre der Engel! Geschwunden ist allerorten das Dunkel! Noch nicht ganz, das ist offensichtlich. Und doch: Wenn jede und jeder dieses Licht an sich heranlässt, geschieht etwas. Wir sehen Umrisse, alles wird deutlicher erkennbar. Wir erkennen in dem, der neben uns steht, ein menschliches Gesicht. Augen schauen uns an. Augen, die sagen: Ich freue mich, dich zu sehen.
Und nachdem wir die alten Geschichten gehört haben, wird es immer klarer, worum es in dieser Nacht geht. Es geht um eine neue Sicht. Um Mut. Und Vertrauen. Adam und Eva – das sind wir. Wir am Anfang eines Weges, der immer wieder neu beginnen kann. Noah und die Arche – das sind wir. Wir inmitten der Abgründe und Wagnisse unseres Lebens, oft mit dem Wasser bis zum Hals. Mose und Mirjam – das sind wir. Wir auf der Suche nach Freiheit, nach Wahrheit und nach Glück. Maria Magdalena und Jesus – das sind wir. Wir mittendrin im Wechselspiel von Tod und Leben, von Trauer und Freude, von Abschied und Neuanfang. Und all das inmitten einer Welt, die immer kälter zu werden droht. Inmitten einer Welt, die vielen Angst macht, wie schon lange nicht mehr. Inmitten einer Welt, in der Menschen ums Leben kommen, weil sie frei sein wollen.
Es ist immer noch dunkel in dieser Welt. Und das Licht, das wir feiern, kann diese Dunkelheit nicht überstrahlen, ohne sich den Vorwurf einzuhandeln, eine Nebelkerze oder ein inszeniertes Feuerwerk zu sein, das der Realität nicht standhalten kann. Was aber ist die Realität? Adam und Eva haben das Paradies hinter sich gelassen, weil sie spüren, dass das Leben nicht nur Licht, sondern auch Schatten enthält. Der Preis der Freiheit. Aber sie haben sich. Und auch jenseits des Paradieses einen Gott, der sie nicht schutzlos in die Welt entlässt. Noah war kein Träumer. Er war Realist. Deshalb baute er seine Arche, auch wenn alle anderen meinten:
Der spinnt. Tod und Unheil, all das umgab ihn. Doch dann kam die Taube mit dem Ölzweig. Und der Regenbogen. Mose und Mirjam finden sich mit dem Gesetz der Sklaventreiber nicht ab. Sie gehen los, durch Mauern des Nichtgangbaren hindurch. Und werden erwartet von der Freiheit. Maria Magdalena bleibt nicht bei sich in ihrer Trauer. Von wegen „tot ist tot“. Sie geht weiter. Liebt weiter. Vertraut weiter. Und dann hört sie ihren Namen. Und alles ist anders.
Kennen Sie solche Erfahrungen? Da ist ein Mensch, mindestens einer, der geht mit mir durch Dick und Dünn. Da plane ich etwas, was keiner versteht, aber ich spüre: Ich muss es tun. Da ist der ungeheure Drang nach Freiheit, und all die Relativierer, die Vernünftigen, die, die wissen, wie es läuft, können sie mir nicht ausreden. Meine Trauer, die Trauer um einen geliebten Menschen oder eine Idee oder etwas, was einfach nicht mehr ging, diese Trauer wandelt sich in die Erkenntnis: Sie hat nicht das letzte Wort über mein Leben, nein, sie war nur der Durchgang zu etwas ganz Neuem! All das – wenn Sie so etwas auch schon mal erlebt haben, wissen Sie, was ich meine –, all das geschieht selten mit absoluter Klarheit und meist nicht in der Glut des Mittags. Nein, all das geschieht oft im Dunkel der Nacht oder kurz bevor der Morgen dämmert. Und es braucht Zeit. Aber dann, wenn sich die Kraft des Neuen entfaltet, wird das Leben wieder strahlend hell.
Ich traue diesem Licht, denn er kommt nicht protzig daher. Es kennt die kleine Flamme und den flackernden Kerzenschein genauso wie das lodernde Feuer und die helle Mittagssonne. Und auch wenn wir wissen, es wird weiter dunkle Stunden geben und die ängstliche Sorge um die Zukunft dieser Welt lässt sich nicht einfach so zur Seite legen, könnten wir es doch so machen, wie all die Frauen und Männer, deren Geschichten wir uns in dieser Nacht erzählt haben: Wir können unser Licht leuchten lassen, auch wenn es flackert und kurz vor dem Erlöschen ist, weil wir seine Kraft in dieser Nacht erlebt haben. Und dann – dann könnten wir losgehen und trotz allem eines tun: dem Leben mehr vertrauen als dem Tod.
Alexander Bergel
4. April
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Predigt am Gründonnerstag
zu 1 Kor 11,23-26 und Joh 13,1-15
Es war ihm wichtig. Wirklich wichtig. Viel brauchte er nicht dazu. Einen Tisch. Brot und Wein. Und ein Herz voller Liebe. Ein Herz, das keine Grenzen akzeptiert. Nicht mal die Grenze des Todes. Ja, Jesus hat Grenzen überwunden. Immer wieder. Grenzen der Herkunft. Grenzen der Geschlechter. Grenzen des Denkens. Und so war bei ihm mit einem Mal alles möglich: Menschen am Rande standen plötzlich in der Mitte. Menschen ohne Durchblick konnten wieder sehen. Menschen mit verstopften Ohren nahmen plötzlich auch die Zwischentöne wahr. Menschen ohne Gesicht hatten plötzlich ein Ansehen.
Immer wieder hat Jesus Menschen eingeladen, mit ihm zu essen und zu trinken. Wer vorher auf klare Regeln stieß, die bestimmten, wer dazugehört und wer nicht, hört nun eine Frage: Möchtest du dabei sein? Viele haben Ja gesagt. Und dieses Ja hat ihr Leben verändert. Am letzten Abend seines Lebens lädt Jesus wieder ein. Diesmal den engsten Kreis. Er ahnt, nein: er weiß wahrscheinlich ganz genau, dass dieser Abend sein letzter sein wird. Es wird ein Abend des Abschieds. Ein Abend der letzten Worte. Ein Abend der letzten Zeichen. Ein Abend, der eine ganze Welt enthält: „Nehmt und esst, das ist mein Leib. Nehmt und trinkt, das ist mein Blut.“ Mit anderen Worten: „Seht her, meine ganze Liebe, alles, was ich bin und habe, meine Träume, meine Taten, mein Leben und mein Sterben auch – alles gebe ich in eure Hand.“
Später wird man fragen: Was bedeutet das: Leib und Blut? Wie kann, wie muss ich es deuten? Wie soll man ein Geschenk, in Liebe gegeben, anders deuten als: „Seht her: Hier bin ich! Und hier bleibe ich!“ Keine Magie, kein Zauber könnte das je erklären. Die Philosophie dahinter ist ganz einfach: „Mensch, ich bin und bleibe da, wo du bist! Wenn du mir vertraust, dann wirst du es erleben, das verspreche ich, du wirst erleben, dass du nicht ins Bodenlose fällst. Du wirst es erleben in deinen Ölbergnächten, da, wo du voller Angst und ganz alleine bist. Du wirst es erleben, wenn du dein Kreuz schleppst. Du wirst es erleben, wenn die Zahl der Gräber immer größer wird, an deren Rand du trauerst. Ja, du wirst es spüren!“
„Doch“, so viel Offenheit muss sein, an einem Abend wie diesem, einem Abend, an dem alles auf den Tisch kommt, „doch, Jesus, was ist, wenn ich das, was du in dieses Brot und diesen Wein hineingelegt hast, einfach nicht (mehr) spüre? Was, wenn ich Brot und Wein zwar koste, aber mir das alles gar nichts gibt? Was, wenn ich gerne fühlen würde, dass du mein Leben trägst und dich mir schenkst – da aber gar nichts ist?“ Schon damals waren viele Fragen mit im Raum. Wer weiß: Vielleicht auch Fragen wie diese. Und vielleicht waren es auch solche Gefühle, die Jesus motiviert haben, noch einen Schritt weiterzugehen.
Er stand vom Tisch auf, nahm Wasser und bückte sich, hinein in den Dreck. „Wenn es so ist“, so höre ich ihn sagen, „wenn es so ist, dass du alles spürst, nur meine Liebe nicht, dann ist vielleicht die Zeit gekommen, dass auch du aufstehst – und etwas tust! Mach’s wie ich: Teile dein Leben! Und deine Liebe! Überwinde Grenzen! Mit einem Krug Wasser in der Hand, um dem, der dich braucht, die Füße zu waschen. Zeige ihm: Ich bin da für dich! Auch wenn‘s dir dreckig geht. Zeige ihm: Ich gehe mit dir Wege, von denen wir beide nicht wissen, wohin sie führen. Aber ich gehe mit! Und wenn der Weg zu lang wird, werde ich dir die Füße verbinden.“
Es gibt viele Wege, dem Geheimnis der Liebe Jesu auf die Spur zu kommen. Einer Liebe, die du dir auf der Zunge zergehen lassen kannst. Einer Liebe, die anpackt. Einer Liebe, die Hoffnung schenkt. Einer Liebe, die nicht wegläuft. Einer Liebe, die Grenzen überwindet. Am Ende sogar die Grenze des Todes.
Alexander Bergel
2. April
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Predigt am Palmsonntag
zu Mt 21,1-17.46
Zerrissener geht es kaum. Jubel hier, Ablehnung dort. Auf der Straße der erwartete Befreier, im Tempel der alles über den Haufen werfende Umstürzler. Jubelnde Massen draußen, auf Abwehr programmierte Priester drinnen. So war es damals in Jerusalem. Und der, um den es sich dreht – Jesus aus Nazareth, der Befreier, der Prophet, der Störenfried, der Zärtliche, der Zerstörer –, er steht da und fordert eine Antwort. Damals. Und heute auch.
Jesus lässt sich nicht abbringen von seinem Weg. Zu den Menschen führt dieser Weg. Ohne Kompromisse. Alles, was sich dem entgegenstellt, räumt er weg. Traditionen, die nicht mehr tragen, die hohl und leer, mitunter sogar falsch oder gar menschenverachtend geworden sind, genauso wie eine geschäftemacherische, gewinnmaximierende, die Sorgen der Menschen vergessende Wirtschaft und Politik. Kein Wunder, dass die Mächte des Marktes und die Mächtigen alle Zeiten sich schwer tun mit ihm.
Man könnte ihn laufen lassen. Reden lassen. Ein bisschen Heilen hier, ein wenig Aufmunterung dort – das stört nicht. Ist vielleicht auch ganz gut für die Schwachen, die Kranken, die, die es halt nicht bringen. Aber wehe, wenn aus diesem Gutmenschentum eine Bewegung wird! Wehe, wenn Menschen so berührt, so gekräftigt, so nachdenklich geworden sind und plötzlich so stark, dass die Worte und Taten Jesu Folgen haben!
Denn dann wird es gefährlich. Nicht nur für die Großen und Mächtigen. Nein, gefährlich wird es auch für mich. Dann nämlich, wenn diese Dynamik mich ergreift, wenn ich der Frage nicht mehr ausweichen kann: Was bist du bereit zu tun? Wir wissen es schon lange, aber Jahr für Jahr erinnert uns diese Woche daran: Jesus zu folgen, das hat Konsequenzen. Weil er selbst so konsequent war. Nicht nur reden, sondern handeln. Nicht nur von Gott sprechen, sondern ihm zur Stimme werden. Nicht nur an der Hülle kratzen, sondern zum Kern vordringen. Um diesen Kern geht es an diesen Tagen.
Wir erinnern uns an das, was war. Um zu verstehen, was ist. Was immer ist: Nähe und Distanz. Zuneigung und Ablehnung. Freundschaft und Verrat. Liebe und Hass. Schmerzen und Zärtlichkeit. Einsamkeit und Begegnung. Fragen und Antworten. Licht und Dunkel. Leben und Tod. Wir erinnern uns an den Weg Jesu. Und betrachten dabei unseren eigenen Weg. Unseren Weg mit all seiner Zerrissenheit. Denn das ist es doch, was uns oft so zu schaffen macht, oder? Dieses Zerrissen-Sein. Zerrissen zwischen Zustimmung und Ablehnung. Zerrissen zwischen Nähe und Abstand. Zerrissen zwischen Mut und Kraftlosigkeit. Zerrissen zwischen Ja und Nein.
Auch Jesus war zerrissen. Auch Jesus war nicht immer stark. Auch Jesus wusste nicht immer auf alles eine Antwort. Am Ende seines Lebens schreit er es heraus: Warum, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Selbst bei ihm, dem Gottessohn, tiefe Zerrissenheit! Doch dabei bleibt es nicht. Er, der nicht nur in die tiefsten Niederungen des Menschseins hinabgestiegen ist, um dort allen zu begegnen, die am Boden liegen, er ist in die tiefsten Abgründe auch seiner Seele hinabgestiegen, am Ende gar in die tiefsten Tiefen des Todes. Doch dort, genau dort, ist er dem Leben begegnet. Dem ursprünglichen, wahren, kraftvollen Leben.
Am Beginn dieser Woche, in der die Zerrissenheit der Welt, in der die Zerrissenheit unserer eigenen Existenz für alle sichtbar wird, irgendwo zwischen Hosianna und Kreuzige ihn, am Beginn dieser Woche und auch an deren Ende und zwischen den Zeilen auch, da leuchtet bereits etwas anderes auf. Ein Gefühl, nein, das wäre zu wenig – eine Kraft, ja eine Kraft, die mich packt und überwältigt und aufrichtet und heilt. Ich werde selbst kraftvoll, traue mich, Dinge zu benennen, breche heraus aus dem eigenen Panzer, sehe das Gute – trotz allem, was dagegen spricht -, freue mich am Leben und trete dafür ein. Ja, selbst der Tod macht mir dann keine Angst mehr. Was für eine Verheißung! Jesus ist diesen Weg gegangen. Warum sollten wir das dann nicht auch schaffen?
Alexander Bergel
29. März
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Predigt am 5. Fastensonntag
zu Joh 11,1-45
Krank war er. Und bald darauf tot. Weggepackt. Mit Stein davor. Lazarus von Bethanien. Weg war er. Einfach nicht da. Auf und davon. Wie so oft. Jesus von Nazareth. „Auf, mach dich auf, du Menschensohn, komm doch! Komm und sieh. Sieh, was geschehen ist. Sieh, was immer geschieht: Menschen sterben. Träume zerbersten. Hoffnungen liegen brach.“ Ja, so ist sie wohl, die Welt. Und mittendrin die Frage: Wo warst du? Und noch mehr: Wo bist du? Ja, wo bist du, Gott? Ach, wärest du doch hier gewesen. Hättest du doch eingegriffen …
Ja, Herr, warum tust du es nicht? Du siehst doch die Welt. Die Welt, wie sie ist: Krankheit und Tod, wohin man blickt. Beziehungen, die zerbrechen, weil keiner mehr weiß, wie es gehen kann. Eltern, die den Draht zu ihren Kindern verlieren. Kinder, die darauf warten, dass ihnen einer sagt: Ich hab dich lieb. Menschen, die sich das Leben zur Hölle machen. Ach, Herr, wärest du da gewesen … Warst du aber nicht. Und so geht sie weiter, die Suche nach dem Leben.
In allem Zerbrochenen. In all dem Schmerz. In all der Angst. In der Angst vor einer Diagnose. Vor der Wahrheit. Vor dem Abbruch. Vor dem Tod. Doch, Moment – wie war das noch gleich? „Herr, wärest du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben!“ Marta geht einen Schritt weiter. Sie bleibt nicht stehen bei dem, was alle sehen. Nein, sie glaubt. Und vertraut. Sie schenkt Jesus ihr Herz, denn sie spürt: Er bleibt auch nicht stehen. Er bleibt nicht stehen bei dem, was alle sehen. Jesus lässt sich berühren. Ist im innersten erschüttert. Und weint. „Seht, wie lieb er ihn hatte.“ Und dann geschieht das Unfassbare: Der Tote kommt heraus. All das, was ihn fesselte, fällt ab von ihm. Die Maske des Todes – weg!
Welch phantastische Wendung. Typisch Bibel eben. Doch – was ist mit uns? Mit unserer Angst, unserer Sprachlosigkeit? Was ist mit den Fakten, die unbarmherzig dagegen sprechen? Es sind Fakten. Aber wer hindert uns daran, in allem Scheitern, in all dem Kaputten, ja selbst im Tod einen Gott zu erkennen, der zutiefst erschüttert ist von meinem Leid? Was hindert mich daran, trotz der Gegenargumente ihm mein Herz zu schenken? Was hindert mich daran, zu glauben, dass da einer mit mir weint? Dass da einer den Kerker meines Herzens öffnet? Dass da einer meine Angst durchdringen will mit seinem Blick? Dass da einer ist, der mir sagt: „Lebe, Mensch, lebe!“?
Ach ja, Herr, zeige dich doch! Ich warte so sehr darauf. Maria und Marta – sie haben dir vertraut. Und Lazarus lebt! Der Blinde – er hat dir geglaubt und konnte wieder sehen. Die Frau am Jakobsbrunnen – sie hat dir ihr ganzes chaotisches Leben gezeigt, und du hast ihr einen neuen Blick geschenkt. Ja, du hast Menschen verändert, bewegt, geheilt. Oft ziemlich unspektakulär. Immer aber verbunden mit einer Frage: Glaubst du mir?
Alexander Bergel
22. März
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Predigt am 4. Fastensonntag
zu Joh 9,1-41
Sie zieht sich in die Länge, die Heilungsgeschichte des Blinden. So wie kaum eine andere. Sonst geht es meist recht schnell: „Glaubst du, dass ich dir helfen kann?“, fragt Jesus oft. Und wenn der Kranke antwortet: „Ja, ich glaube, dass du mich gesund machen kannst!“, ist es auch schon passiert. Hier ist es anders. Allerdings nicht zufällig. Indem Johannes lang und breit das Umfeld der Heilung beschreibt und viele Nebengeschichten erzählt, macht er eines deutlich: Sich von Gott berühren zu lassen, das geht nicht nebenbei.
Wenn Gott wirklich in unser Leben dringt, dann tut er es ganz. Alles wird davon erfüllt. Meine Vergangenheit, meine Gegenwart, meine Zukunft. Das Umfeld, in dem ich lebe. Meine Gewohnheiten. Meine Denkstrukturen. Meine Unbeweglichkeit. Alles. Und einen weiteren Grund gibt es: Jeder hat seine „blinden Flecken“. Was für den einen völlig klar, gar kein Thema ist – für den anderen wird es zu einer Herausforderung. Und so lade ich Sie ein, sich auf die Suche zu machen nach Ihren „blinden Flecken“. Und damit auch auf die Suche nach Ihren Heilungschancen! Drei Richtungen der Heilungsgeschichte können uns dabei helfen. Vielleicht bleiben Sie ja bei einer hängen:
Die Jünger fragen Jesus: „Wer hat gesündigt, so dass dieser Mann blind ist – er oder seine Eltern?“ Grausame Frage. Denn Gott ist kein Strafender, der Krankheiten verteilt. Auch wenn manche so denken … Aber: Wie oft passiert es, ja wie einfach ist es, Verantwortung für eigenes Handeln auf andere abzuschieben. Oder unbedingt einen Schuldigen finden zu wollen, den es manchmal aber gar nicht gibt. Neige ich dazu?
„Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält.“ Es gibt sie immer wieder: jene Menschen, die genau zu wissen meinen, wo es lang geht. Was richtig ist und was falsch. Wie Gott ist und wie nicht. Gehöre ich zu diesen Leuten?
„Der Blinde antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich: Dass ich blind war und jetzt sehen kann.“ Wer kennt das nicht? Man hält sich bei Nebensächlichkeiten auf. Und verliert den Blick für das, was wirklich zählt. Der Blinde setzt die richtigen Prioritäten. Tue ich das auch?
Verantwortung auf andere abwälzen – in eigenen Denkstrukturen gefangen sein – nur das Schlechte sehen: dies können „blinde Flecken“ sein. Krankheiten, von denen Menschen geheilt werden müssten. Wie sieht das bei mir aus? Müsste ich mich dem vielleicht mal stellen?
Alexander Bergel
15. März
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Predigt am 3. Fastensonntag
zu Joh 4,5-42
Es war um die sechste Stunde. Mittagszeit. Heißer geht es kaum. Da kam eine Frau, um Wasser zu schöpfen. In der Frühe, dann, wenn alle anderen kamen, war für sie kein Platz. An diesem Mittag aber, da bekommt sie eine Aufmerksamkeit, die alles verändern sollte. Denn auch Jesus ist da. Eigentlich will er sich nur ein wenig ausruhen. Und einen Schluck trinken. Aber ein Schöpfgefäß, das hat er nicht dabei. Die Frau schon. Und er, er hat etwas, das sie gar nicht mehr kennt. Jesus hat ein offenes Ohr. Und Antworten auf ihre Fragen, die sie ganz tief in sich vergraben hat. Jesus gibt der Frau eine Antwort, die in diese Tiefe hinein geht. Er bietet ihr Wasser, das keinen Durst mehr zulässt.
Je länger sie sich unterhalten, desto deutlicher wird der Frau, woher dieses Wasser kommt. Es kommt von einem, der ins Herz schaut. Der zuhört. Der den Menschen so nimmt, wie er ist. Den Menschen mit seiner Geschichte. Mit seinen Verletzungen und Brüchen. Den Menschen mit seinen Fragen und seiner Sehnsucht. Die Frau merkt – vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben: Hier geht es um mich. Dieser Jesus – er wendet sich mir zu. Nur mir. Jetzt. Und er verurteilt nicht. Er bewertet nicht. Er schaut mich an. Und macht aus einer Ausgeschlossenen eine Botschafterin, die sich plötzlich etwas zutraut. Und ihrem Dorf berichtet, was geschehen ist.
Im Gegensatz zu vielen männlichen Verkündern ist der Name der Frau nicht überliefert. Wie so oft. Aber von ihrem Schicksal, von dem, was in ihr steckt, und von dem, was sie sich plötzlich zu trauen wagt, davon sprechen wir bis heute. Zum Glück! Denn auch heute noch gibt es Frauen wie sie. Frauen, die an den Rand gedrängt, die kleingehalten oder sogar verfolgt werden. Und die trotzdem eintreten für ihre Sache. Weil sie spüren: Ich muss es tun! Weil sie spüren: Ich habe einen Auftrag! Weil sie spüren: Wenn nicht ich, wer sonst?
Ich denke an die alte Frau, der ich vor einiger Zeit begegnet bin. Ganz plötzlich war da eine Tiefe im Gespräch, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Es war ein Gespräch über ihr Leben. Und über meines. Über ihren Glauben. Und über meinen. Über ihren Kirchenfrust. Und über meinen. Sie hatte schon so vieles erlebt. So viele Aufbrüche kommen und wieder verschwinden sehen. Weil es da die Mächtigen in der Kirche gibt, die einfach sagen: Nein, das machen wir nicht. Sie hat mir erzählt, wie sie sich diesen Mechanismen entgegengestellt hat. Ohne zu verzweifeln. Jahrzehntelang. Und dann sagte mir diese alte Frau: „Sie erleben das ähnlich, oder? Aber geben Sie nicht auf! Dafür ist die Botschaft Jesu zu kostbar!“ Was für ein Gespräch! Ein Jakobsbrunnen-gespräch mitten in Osnabrück.
Ich denke an die Frauen und Männer, die sich Ende Januar zur letzten Versammlung des Synodalen Weges getroffen haben. Sie haben darum gerungen, wie die Botschaft Jesu in unsere Zeit hineingetragen werden kann. Und zwar so, dass die Strukturen der Kirche, ihr Machtanspruch, ihre Entscheidungen, wer würdig ist und wer nicht, dieser Botschaft nicht mehr entgegenstehen. Viele wollen Veränderungen. Manch Mächtige wollen sie verhindern. Als ob es darum ginge, Gott vor irgendetwas schützen zu müssen. Nein, kein Kirchenmann muss Gott retten oder ihn schützen. Jesus selbst hat sich, hat Gott doch verwundbar gemacht. Hat ihn mitten in diese Welt gestellt. In eine Welt mit all ihren Herausforderungen, Krisen und zerstörerischen Dynamiken. Und mitten in dieser Welt hat Jesus seine Arme weit ausgebreitet und zu allen, zu wirklich allen gesagt: „Kommt, die Tore stehen offen!“ Manchmal musste Jesus zwar auch erst lernen, wie grenzüberschreitend diese offenen Arme sind. Nicht selten sogar haben ihm Frauen dabei auf die Sprünge geholfen. Aber er hat sie geöffnet. Und niemand hat das Recht, die Arme wieder zu schließen und Stopp-Schilder aufzubauen.
Ich denke an die vielen Frauen im Iran, die aufgestanden sind gegen das Regime der Mullahs. Die Kopf und Kragen riskiert haben, weil sie die Wahrheit sagen. Weil sie sich nicht einreden lassen wollen, dass sie minderwertig sind. Weil sie ihre Heilige Schrift, den Koran, nicht lesen als ein Buch der Unterdrückung, sondern als Botschaft, die den Menschen zu Gott führen will. Und nicht in die Folterkammer oder an den Galgen.
Immer wieder sind es Frauen, die den Finger in die Wunde legen. Die mutig voran gehen. Die sich nicht zermürben lassen. Die alles auf eine Karte setzen. Die weiterkämpfen, weiter Ausschau halten. Und oft genug auch einfach weiter sind. Weiter im Denken. Weiter im Fühlen. Weiter im Lieben. Davon könnte die Kirche, ja die ganze Welt eine Menge lernen. Ich hoffe, dass sie es irgendwann tut. Und ich hoffe, dass sie sich nicht entmutigen lassen, diese Frauen, dass sie nicht aufhören, aufzustehen und weiterzugehen. Die Frauen an den vielen Jakobsbrunnen dieser Welt.
Alexander Bergel
8. März
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Predigt am 2. Fastensonntag
zu Gen 12,1-4a und Mt 17,1-9
„Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“ Sagt Gott zu Abraham. Und der macht sich auf, zieht los in der Hoff-nung, endlich einen guten Platz zum Leben zu finden. Er zieht los, wirklich los, lässt alles stehen und liegen – und wird reich belohnt. Ein Segen soll er sein. Und ein Segen wird er. Abraham – ein Mann, an dem wir bis heute ablesen können, wohin grenzenloses Vertrauen führen kann. Dieses grenzenlose Vertrauen in die eigene Kraft, die unstillbare Sehnsucht nach Leben – nach gelingendem, nach wirklichem, nach echtem Leben – und die unzerstörbare Hoffnung, dass auch ich das Recht habe, ohne Angst zu leben. All das kennen wir nur allzu gut. Und nicht nur wir.
Auch Menschen, denen es wirklich dreckig geht, Menschen, die nicht wie in einem Märchen aus 1001 Nacht durch beeindruckende Wüsten zur nächsten Oase wandern, Menschen, die in Krieg und tiefster Armut leben, dauernd in Angst, ob sie den nächsten Sonnenaufgang noch sehen werden – auch solche Menschen hören die Stimme der Sehnsucht und der Verzweiflung gleichermaßen, die ihnen sagt: „Geh weg aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus.“ Verzweifelte Menschen sind es, die heute an so vielen Orten dieser Erde auf der Flucht sind vor Krieg und Terror. Sie sind zum Spielball der großen Politik geworden, verjagt, zusammengepfercht in Lagern, sind sengender Hitze und klirrender Kälte schutzlos ausgeliefert. Unter ihnen viele Kinder. Perspektiven? Keine.
Wir hören heute die Geschichte eines Mannes, der aufbricht. Weil er in seiner Heimat keine Perspektive mehr hat. Wir hören die Geschichte eines Mannes, der im hohen Alter alles hinter sich lässt. Wir hören die Geschichte eines Mannes, der seinem Gott traut, der ihm alles zutraut, auch, dass er ihn rettet. Und ihm Wege zeigt, die in die Zukunft führen. Wir hören die Geschichte eines Mannes, in dem wir unser eigenes Leben erkennen können und sollen. Abraham und mit ihm Sara, sie sind zum Urbild des Aufbruchs geworden. Des Neuanfangs. Des Vertrauens. Abraham und Sara, die beiden Alten, sie sollen uns bis heute immer wieder daran erinnern, dass Leben Bewegung ist. Dass wir nie stehen bleiben dürfen. Dass wir in aller Ausweglosigkeit doch damit rechnen dürfen, dass der verborgene Gott mit einem neuen Plan um die Ecke kommt. Dass er die Geschichte nicht an die Wand fahren lässt, dass er uns am Leben hält.
All das hören wir. Immer wieder. Und wir hören auch und wissen es ja selbst, wie schwierig das ist. Das mit dem Aufbruch, dem Neuanfang. Dem Hinter sich lassen der Dinge, die nun mal vorbei sind. Aber dann, wenn wir uns selbst genug damit beschäftigt haben und vielleicht ein bisschen stolz darauf sind, was wir alles schon hinter uns gelassen und wo wir schon so viel Neues gewagt haben, wenn wir all das getan haben, dann sollten wir uns auch jener Geschichte stellen, die wir in unseren Tagen erleben: Da machen sich Menschen auf aus ihrem Elend, das nicht sie verschuldet haben, sondern andere. Dieses „Geh weg aus deinem Vaterland“ ist keine schöne religiöse Erbauungserinnerung, sondern ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die ein Herz haben.
Natürlich, ich höre sie schon, die Frage: Was können wir denn tun? Und wie sollen wir diese Menschen alle aufnehmen? Und hat nicht der Rechtsruck in unserem Land mit all dem zu tun? Ja, all diese Fragen gibt es. Und wir müssen uns diesen Fragen stellen. Nicht naiv, sondern realistisch. Keiner hat auch je behauptet, dass die Welt einfach wäre. Und dass schnelle und einfache Lösungen auch wirkliche sind. Aber wenn wir als Glaubende unterwegs sind, wenn wir die alten Geschichten nicht einfach immer nur hören wollen, sondern uns von ihnen infrage stellen lassen, dann dürfen wir uns nicht gemütlich zurücklehnen, so wie Petrus es auf dem Tabor wollte mit seinen Hütten: den Moment festhalten, Gottes Nähe erfahren exklusiv und ohne Ende. Wenn wir als glaubhafte Menschen in der Spur Jesu unterwegs sein wollen, müssen wir uns mit der Realität auseinandersetzen. Müssen wir das Gespräch suchen. Müssen wir Zeit und vielleicht sogar Geld investieren, um etwas zu tun, was dem Elend den Kampf ansagt.
Was das sein kann und wie das funktioniert? Finden wir es heraus! Fangen wir an zu diskutieren. Da, wo wir auf andere treffen. Da, wo andere hetzen oder Angst machen oder verharmlosen. Vernetzen wir uns. Suchen wir Gleichgesinnte. Und Wege der Heilung und des Friedens. Es könnte ein Segen sein.
Alexander Bergel
1. März
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Predigt am 1. Fastensonntag
zu Gen 2,7-9.3,1-7 und Mt 4,1-11
Alles ziemlich märchenhaft: Eine sprechende Schlange, schlauer gar als alle anderen Tiere. Adam und Eva in einem schönen Garten mit erlaubten und verbotenen Früchten. Eine nebulöse Versucher-Gestalt bei Jesus in der Wüste, Flüge zum Tempel und andere Zauberkunststücke. Märchenhaftes zuhauf. Und überall dazwischen: der Versucher, der Durcheinanderbringer – das Böse. Wenn wir in unser eigenes Leben schauen – da ist das Böse alles andere als märchenhaft, nebulös. Im Gegenteil: Wer kennt sie nicht, die Fratze des Bösen, wenn Menschen von Bosheit und Hass und Eifersucht geschüttelt werden, wenn Neid und Missgunst das Herz ergreifen, wenn Menschen sein wollen wie Gott, Herren über Gut und Böse, über Leben und Tod? Und manchmal, ja manchmal sind es dann eben nicht nur die anderen, ist es nicht nur das Unheil, das in der großen weiten Welt geschieht. Manchmal ist es das, was bei mir zu Hause los ist. Dort, wo ich meist ziemlich genau weiß, was falsch ist und böse, verletzend und gemein. Und wo ich es trotzdem tue …
Weil das schon immer so war und so ist und vermutlich auch so bleiben wird – genau deshalb versucht die Bibel, uns immer wieder neu auf die Sprünge zu helfen. Beide Geschichten – Adam und Eva mit der Schlange im Paradies und Jesus mit dem Teufel in der Wüste – beide Geschichten konfrontieren den Menschen mit sich selbst. Aufgeklärten Zeitgenossen mag es zwar albern vorkommen, sich mit nackten Tatsachen im Schatten eines Baumes und mit einer sprechenden Schlange beschäftigen zu müssen. Ebenso grotesk werden es viele finden, allen Ernstes an eine dunkle Gestalt glauben zu sollen, die Jesus mal auf die Tempelmauern, mal auf einen hohen Berg zaubert. Und in der Tat: Es sind mythologische Geschichten. Ein Mythos, das muss man wissen, erzählt, was niemals war, aber immer ist. Was niemals war, aber immer ist. Also: Adam und Eva, die beiden hat es so nie gegeben. Doch es gab einen Anfang. Und von Anfang an gab es Adams und Evas Fragen. Fragen, die bis heute unser Leben bestimmen. In ihnen geht es um Glück und Unglück, um Gelingen und Scheitern, um Macht und Ohnmacht, um Ich und Wir, um Leben und Tod. Und um die Freiheit.
Die ersten Seiten der Bibel mit Adam und Eva, Kain und Abel, mit der Arche Noah, dem Turmbau zu Babel und auch manch andere Erzählung des Alten und Neuen Testaments sind bildhafte Versuche, uns die Welt so vor Augen zu führen, wie sie – wörtlich verstanden – vielleicht niemals war, aber doch immer ist. Und in genau dieser Welt erlebt sich der Mensch als ein In-Frage-Gestellter. Denn er muss sich entscheiden. Dieses Sich-entscheiden-Können, das Sich-entscheiden-Müssen ist zutiefst menschlich. Das Erkennen von Gut und Böse und die daraus resultierende Vertreibung aus dem Paradies ist also vielleicht gar nicht so sehr eine Frage des Ungehorsams Gott gegenüber, sondern die logische Konsequenz daraus, dass zum Erwachsen-Sein die Fähigkeit gehört, eigene Entscheidungen treffen zu können – und zu müssen. Allerdings ist das Ergebnis dabei nicht immer ein gutes. Immer dann, wenn eine Folge der Entscheidung bedeutet, sein zu wollen wie Gott, nimmt das Unheil seinen Lauf. Wohin dies führen kann, erleben wir Tag für Tag. Was Jesus ist der Wüste erlebt hat, ereignet sich auch heute noch. Immer und immer wieder.
Wer kommt auch nicht in Versuchung, wenn sich einem so verlockende Möglichkeiten bieten, wie die Bibel es von Jesus in der Wüste berichtet: Macht, Reichtum, Sein-Können wie Gott? Selbst Jesus war davon nicht frei. Er allerdings durchschaut das uralte Spiel. Er entlarvt die Macht-Spiele der Seele. Er lässt sich nicht einwickeln vom Netz des Bösen. Wie er das schafft? Jesus geht den Dingen auf den Grund. Er stellt Fragen, die tiefer gehen. Jesus lehnt es ab, mächtig zu sein um der Macht willen. Jesus befriedigt seinen Hunger nach Leben nicht mit vordergründigen Genüssen. Und er lehnt es ab, sich an die Stelle Gottes zu setzen. Was bei Adam und Eva begann, was Jesus am eigenen Leib erfahren hat, das hört niemals auf. Das Böse wird sich auch weiterhin durch unser Leben schlängeln. Und immer wieder wird es auch uns vor die Wahl stellen. Ja, diese Freiheit – sie ist wohl eine der größten Herausforderungen des Menschseins, das schwierigste Geschenk des Schöpfergottes an Adam und Eva. Eine Herausforderung bis heute. Aber wir haben alle Möglichkeiten. Irgendwo zwischen Adam und Eva auf der einen und Jesus auf der anderen Seite.
Die alten Geschichten der Bibel erinnern uns daran, was zwar nie so war, aber doch immer ist. Kein Märchen, sondern oft genug harte Realität. Zu dieser Realität gehört aber auch, dass Gott einen Ausweg bereithält. Ganz ohne Hexerei. Er hat uns einen Menschen geschenkt, der gezeigt hat, wie das gehen kann. Mit der Freiheit. Mit dem Leben. Und mit der Liebe. In seinem Namen sind wir hier versammelt. Und in seinem Namen könnten wir es doch noch mal versuchen, oder?
Alexander Bergel
22. Februar
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Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis
zu Mt 5,17-37
Klare Kante. Das war sein Ding. Nicht „jaja“, auch kein „eventuell“ und kein „mal schauen“. Im Gegenteil. Er hat gesagt, was er dachte. Und das war meist ziemlich unbequem. Und sehr konkret. Nur – wie stellt er sich das vor? Wer hat ihn denn nicht? Den Bruder oder den Verwandten, den man am liebsten zum Mond schießen würde. Wer kennt sie nicht? Die Situation, in der man sich sehr schwertut, ehrlich zu sein. Oder wer kommt nicht an seine Grenzen, wenn jemand immer und immer wieder in derselben Wunde rumstochert und sich dann wundert, wenn das Ganze explodiert?
Vielleicht ging es Jesus manchmal selbst so. Denn er hat sie ja erlebt, die Menschen. Die Menschen mit ihren Grenzen und Abgründen. Die Menschen in ihrer Verlogenheit. Die Menschen mit ihrem Hass und dem ewigen Drang, es allen zeigen zu wollen. Vielleicht hatte er sogar Verständnis. Verständnis für alle, die das nicht mehr aushalten. Verständnis für die, die sich wehren wollen. Verständnis für jeden, der resigniert und zurückschlägt.
Und trotzdem sagt Jesus: Nein! Bleib bei dir! Lass dich nicht einwickeln von der Tücke des anderen! Lass dich nicht entmutigen von den vielbeschworenen Dingen, die man ja doch nicht ändern kann. Doch, sagt er, man kann die Dinge ändern! Es ist möglich, den Kreislauf des Bösen zu durchbrechen. Und zwar indem du nicht nur jemanden nicht tötest, sondern dem, der dir so querkommt, keine Macht mehr über dich gibst. Es ist möglich, ehrlich zu sein. Lebe so, dass man dir traut. Auch auf die Gefahr hin, dass andere es ausnutzen.
Natürlich, es gibt sie. Die vielen Gründe, immer und immer wieder benannt, warum das alles doch nur Phantasterei und Wunschdenken naiver Weltverbesserer ist. Warum Jesus ja auch nicht ohne Grund am Kreuz gelandet ist, Auferstehung hin oder her. Warum sich seither nichts grundlegend verändert hat. Nicht mal in der Kirche. Wir müssen uns doch nur umschauen, wie sehr auch in der Kirche gelogen und vertuscht wird, wie sehr auch hier die Macht des Stärkeren gilt und so vieles starr und unbeweglich bleibt bis zum Jüngsten Tag.
Jesus fordert uns heraus. In Zeiten wie diesen, in denen die Kirche, wenn sie ehrlich ist, nicht mehr strahlend in den Spiegel schauen darf, in Zeiten wie diesen, in denen mitten in Europa ein für unmöglich gehaltener Krieg tobt, in Zeiten wie diesen, in denen durch gezielte Desinformation und Fake News Machthaber Spaltung und Hass säen, in Zeiten wie diesen, in denen überall auf der Welt Menschen an Hunger und Krankheit sterben und viele einfach keine Hoffnung mehr haben, in Zeiten wie diesen, in denen alles den Bach runterzugehen scheint.
In Zeiten wie diesen brauchen wir den Mut und die Kraft, die Jesus denen verheißt, die ihm vertrauen. Und die dann – trotz allem – dabeibleiben. Und mitgehen. Und gestalten. Und sich blutige Nasen holen. Weil sie wissen, wofür sie es tun. Ohne Ja ja, ohne nein nein – sondern mit einem klaren Kompass. Kennen Sie Ihren eigentlich noch?
Alexander Bergel
15. Februar
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Gebet, Musik & Poesie
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»Komm, Heiliger Geist, komm!« Dieses gesungenes Gebet zu Pfingsten
hören Sie hier.
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»Veni Sancte Spiritus!« Den kraftvollen Pfingsthymnus aus Notre-Dame de Paris
hören Sie hier.
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Am 2. Ostersonntag begegnet uns Jahr für Jahr der zweifelnde Thomas. Durch allen Zweifel hindurch ist er doch der sehnsuchtsvoll Glaubende. Oder wird es immer mehr. Thomas begegnet dem Auferstandenen, der ihm seine Wunden hinhält. »Sei nicht ungläubig, sondern gläubig«, ruft ihm Jesus zu. Und die Antwort? »Mein Herr und mein Gott!«
Von diesem Ringen, von dieser Sehnsucht und ihrer Erfüllung ist der Gesang »Adoro te devote – Gottheit tief verborgen« von Thomas von Aquin durchdrungen:
Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot,
bet ich dennoch gläubig: Du mein Herr und Gott!
Tief und tiefer werde dieser Glaube mein,
fester lass die Hoffnung, treu die Liebe sein.
Sie finden diesen Gesang im Gotteslob unter der Nummer 497.
Hören können Sie ihn hier (Strophe 4, 2:42).
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»Weib, was weinest du?« Einer der berührendsten Gesänge zum Osterfest.
Es gäbe sicher nach wie vor so manches, was nicht nur Frauen in dieser Kirche zu beweinen hätten. Aber es gab und es gibt sie dennoch immer noch: die Verkünderinnen dieser einen unglaublichen Botschaft. Sollte deren Kraft, die schon einmal nicht nur Felsen vor Grabhöhlen in Bewegung brachte, nicht auch heute Steine wegzuräumen in der Lage sein?
Den Gesang aus den Osterdialogen von Heinrich Schütz können Sie hier hören.
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Ein Sehnsuchtslied – hier können Sie es hören.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karsamstag.
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Ein Klassiker zu Epiphanie.
Hier können Sie ihn hören
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Ein kleines musikalisches Juwel – entstanden in unserer Gemeinde.
Hier können Sie es hören.
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Erwartung bewegt …
Maria durch ein Dornwald ging,
Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.
Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.
Da haben die Dornen Rosen getragen,
Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.
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Lied im Gotteslob Nr. 224
Text: August von Haxthausene
Das gesungene Lied finden Sie hier.
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Schaukasten-Gedanken
… können für einen kurzen Augenblick ansprechen oder irritieren
oder einfach nur Freude bereiten.
Hier finden Sie die schönsten Exemplare, die vor unseren Kirchen hängen,
zum Anklicken.
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