Impulse2022-05-14T12:03:04+02:00
Kreuzweg

Impulse

Worte können heilen. Und zum Nachdenken bringen. Worte können Mut machen. Und neue Wege aufzeigen. Worte bringen Gefühle zum Ausdruck. Und Sorgen. Und Nöte. Glück und Unglück zeigen sich in ihnen ebenso wie Glauben und Hoffnung. Und natürlich Zuneigung und Liebe. Besonders schön ist es, wenn einem jemand solche Worte sagt. Wenn wir sie persönlich hören. Wenn wir spüren: Der meint mich!

Sie finden auf dieser Seite Gedanken, Erlebnisse, Deutungen, Diskussionsbeiträge, die uns im Pastoralen Team eingefallen sind. Oder die wir anderswo gefunden haben. Und die wir mit Ihnen teilen. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich das bewährt, vielen Mut gemacht und Lust auf mehr. Das freut uns natürlich sehr. Und deshalb machen wir einfach weiter!

Essays, Geschichten & Gedanken

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Heiner Wilmer, 71. Bischof von Hildesheim, spricht von einer Revolution, einer Umkehr kirchlicher Selbstverständlichkeiten. Sein Traum sei eine andere Kirche, allerdings nicht, weil die Christenheit am Ende sei, sondern weil wir den Ursprung wiederfinden können und endlich dem Evangelium etwas zutrauen in unserer Zeit.

Als Wegweiser im Godehardjahr, das der Bischof ausgerufen hat, soll einer seiner Vorgänger dienen: Der Heilige Godehard wurde vor 1.000 Jahren Bischof von Hildesheim. Mit dem Gotthard-Pass in der Schweiz trägt einer der wichtigsten Alpenübergänge seinen Namen.

Den Artikel vom 8. Mai können Sie hier lesen und hören.
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Gott liebt das Leben – ein individuelles Bekenntnis.
Den Artikel von Stephan Schaede vom 17. April finden Sie hier.
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Eine Rekonstruktion in zwei Teilen von Rainer Bucher und Hans-Joachim Sander.
Die Artikel vom 15./16. April können Sie hier und hier lesen.
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Was wäre geschehen, wenn Pontius Pilatus den gewaltlosen Aufrührer Jesus von Nazareth freigesprochen hätte? Was hätte das für die Geschichte der Welt und des Christentums bedeutet? Im Evangelium ist der Statthalter Pontius Pilatus nur eine Randfigur, aber Millionen Christen sprechen seinen Namen im Glaubensbekenntnis aus.

Die historischen Quellen schildern Pilatus als Machtmenschen, ängstlich devot gegenüber seinem Kaiser und ohne jede Sensibilität für die jüdische Kultur. Sicher ist nur eines: Ohne Pilatus und sein Urteil hätte Jesus nicht zu sterben brauchen.

Die Gedanken von Christian Feldmann vom 10. April können Sie hier lesen und hören.
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Die kunstvoll konzipierte Hiob-Erzählung verhandelt die zeitlose Frage, warum Gott die Menschen leiden lässt. Sie präsentiert viele Erklärungen und bleibt die Antwort trotzdem schuldig.

Die Gedanken von Felix Reich vom 23. März können Sie hier lesen.
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Angesichts von Krieg und einander überlagernden Krisen unterhalten sich die beiden Dortmunder Theologen Egbert Ballhorn und Gregor Taxacher über Psalmverse. Fluchtreaktion oder Rückgang zu den Quellen? Jedenfalls ein Gespräch zwischen biblischer und politischer Theologie.

Die Gedanken vom 17. März können Sie hier lesen.
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Der Feldzug Putins gegen die Ukraine macht sprachlos. Die Bibel kennt eine Sprachform für Entsetzen und Überforderung: die Klage. Christina Kumpmann sondiert deren Möglichkeiten und Grenzen.

Ihre Gedankem vom 4. März können Sie hier lesen.
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Berg, Wüste, Großmut: Stephan Winter, Professor für Liturgiewissenschaft in Tübingen und Mitglied unserer Pfarrei, stöbert in der Liturgiegeschichte und entdeckt spannende Potentiale der österlichen Bußzeit.

Seine Gedanken vom 2. März können Sie hier lesen.
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Martin Korden geht in seiner Morgenandacht im Deutschlandfunk der Frage nach, ob es naiv ist, angesichts des Kriegs mitten in Europa zum Gebet aufzurufen. Kommt darauf, was das Gebet für Folgen habe.

Die Gedankem vom 24. Februar können Sie hier hören.
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Die Seele bleibt ein Rätsel. Selbst viele Theologen machen einen Bogen um diesen altmodischen Begriff, dem heute kaum noch jemand Beachtung schenkt.

Was ist die Seele? Das Ich, das Innerste, Glaube, Liebe und Mitleidenschaft? Der ganze Kosmos an Gefühlen und Gedanken? In der Poesie hat die Seele einen eigenen Sound. In der digitalen Welt ist eher von Ganzheitlichkeit die Rede. Herz, Hirn oder Haltung: Was hat es auf sich mit der Seele?

Die Gedankem vom 20. Februar können Sie hier lesen und hören.
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Statements, Interviews & Diskussionen

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Dass die Volkskirche tot ist, dürfte mittlerweile kaum noch jemanden überraschen, kommentiert Julia Martin. Umso wichtiger sei es, klug mit den daraus folgenden Transformationsprozessen umzugehen. Dabei könne auch der heilige Benedikt helfen.

Den Artikel vom 11. Mai können Sie hier lesen.
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In der liturgischen Sprache lebt die patriarchale Tradition fort, sagt die katholische Theologin, Pastoralreferentin und Autorin Annette Jantzen. Gerade an hohen Feiertagen wird »Der Herr« gepriesen. Jantzen bloggt unter dem Titel »Gotteswort weiblich« Gebete, Psalmen und Lieder in einer Sprache ohne männlich dominierte Gottesanrede. Unter anderem hat sie das Osterlob erneuert. Gerade ist das gleichnamige Buch erschienen.

Ein Gespräch vom 18. April über die Schwerkraft des Patriarchats, den Unterschied zwischen »der Ewige« und »die Ewige« und die Frage, warum nicht mehr Männer wie Jesus sind, können Sie hier hören.
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Philipp Greifenstein macht sich »Karsamstagsgedanken zur Entwicklung der Kirchen in Deutschland«.
Den Artikel vom 15. April finden Sie hier.
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Am Mittwochabend war es so weit: »Die Passion« lief als Musiktheater live bei RTL. Auch katholisch.de-Redakteurin Meike Kohlhoff saß gespannt vor dem Fernseher und hatte gemischte Gefühle – zwischen emotionalen Höhepunkten und peinlicher Berührung.

Den Artikel vom 14. April können Sie hier lesen.

Sie haben »Die Passion« nicht gesehen oder möchten Sie noch einmal anschauen? Das können Sie hier tun.
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Viele Menschen fühlen sich nicht mehr wohl in der Kirche und treten aus. Die Bischofskonferenz findet dafür scharfe Worte. Manche Pfarrer versuchen indes, mit den Gläubigen über ihre Beweggründe ins Gespräch zu kommen.

Den Artikel im Kirchenboten vom 31. März können Sie hier lesen.
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Seit dem Ukraine-Krieg steht die Friedensbewegung der Kirchen massiv in Frage. Wie verändert das eine postheroische Theologie, wird Michael Schüßler von David Schilling gefragt: Ein Mailwechsel.

Den Beitrag vom 16. März können Sie hier lesen.
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Entsetzen löst aus, auf welche Weise die Führung der Russischen Orthodoxen Kirche Putin und seinen Angriffskrieg unterstützt. Johannes Oeldemann skizziert, was der Ukraine-Krieg für die Orthodoxe Kirche langfristig bedeuten könnte.

Den Beitrag vom 16. März können Sie hier lesen.
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Von einem Mitglied unserer Pfarrei haben wir einen Text erhalten mit der Bitte, ihn öffentlich zu machen und damit zur Diskussion anzuregen. Dort heißt es unter anderem:

»Man muss die Frage stellen: Glauben die um Frieden Betenden wirklich, dass Gott im Himmel als ‚Person‘ das Bittgebet erhört? Welches Gottesbild steht hinter dem Bittgebet? Wird da Gott wie ein menschlicher machtvoller Kumpel vermenschlicht? Wird es nicht Zeit, sich von dem Bild Gott als Person zu verabschieden oder eher von einem tragenden Sinn-Grund der Existenz und der Welt zu sprechen?«

Die Frage »Handelt Gott, wenn ich ihn bitte?« (oder noch konkreter: »Handelt er so, wie ich ihn bitte?«) ist ja ein uralter. Der Schreiber des Artikels geht allerdings noch weiter, indem er Gottes Person-Sein ablehnt und daher konsequent ein adressiertes Bittgebet ablehnt. Da wäre ich (Alexander Bergel) für meinen Teil als Christ raus. Nachdenkenswert ist das alles aber allemal, meine ich. Unbestritten ist vermutlich jedoch, dass Gebet – wie auch immer ich es deute und verstehe – nie dazu führen sollte, die Tat den anderen zu überlassen. Aber lesen Sie selbst!

Den ganzen Text von Christian Modehn vom 24. Februar finden Sie hier.
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Martin Illert, Oberkirchenrat und Leiter des Referats Mittel-, Ost und Südosteuropa bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover und außerplanmäßiger Professor an der theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, geht der Frage nach, warum die Russisch-Orthodoxe Kirche keine »Putin-Kirche« ist. Und stellt manch westliches Selbstbild in Frage.

Seine Gedanken können Sie hier lesen.
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Sie sei ein Angriff auf das europäische Projekt: Bischof Heiner Wilmer, Justitia-et-Pax-Vorsitzender, kritisiert im Interview Russlands Invasion in der Ukraine scharf. Nun sei europäische Solidarität gefordert, gerade mit Blick auf Kriegsflüchtlinge.

Das Interview vom 25. Februar können Sie hier lesen.
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Predigten

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Predigt am 4. Ostersonntag
zu Joh 10,27-30

Wir müssen uns nichts vormachen: Die guten alten Zeiten sind vorbei. Doch bevor sich Wehmut regt oder innerer Widerstand, seien wir doch ehrlich: Die guten alten Zeiten – die gab es eigentlich nie. Wenn ich mit alten Leuten spreche, na klar, dann ist die Erinnerung manchmal so präsent, dass man schon wehmütig werden kann: Früher, ja, da waren die Kirchen voll. Da gab es große Gruppen, Feste und Fahrten, viel Gemeinsames, ähnliche Interessen. Man wusste, was zu tun war. Und die Verantwortlichen, der Pastor, die Gemeindeschwester, die waren immer da. Man kannte sich. Und heute?

Szenenwechsel. „Meine Schafe hören auf meine Stimme: Ich kenne sie und sie folgen mir.“ Dieses Jesus-Wort, es fasziniert bis heute. Und mit ihm die Verheißung, ja mehr noch, das Versprechen: Da ist einer, der mich kennt. Der mich sieht. Der um mich weiß. Jesus war einer, der den Menschen ganz nahekam. Der wusste, was sie brauchen. Der mit ihnen Wege ging. Wenn uns dieses Bild bis heute fasziniert, dann wohl deshalb, weil es unsere tiefe Sehnsucht nach Heimat anrührt.

Ist es das, was viele heutzutage so vermissen? Dass da keine einheitliche Gruppe mehr ist? Dass da keiner mehr sofort weiß, wer ich bin, wo mir der Schuh drückt? Vermutlich ist das so. Andererseits – und auch das gehört zur „guten alten Zeit“ – andererseits hat dieses klar strukturierte Miteinander auch immer wieder zu einer Enge und Starrheit geführt, die eigene Wege oft unmöglich gemacht haben: „Wir machen das hier aber so. Und das war immer sehr schön!“

Wenn Jesus sagt: „Ich kenne die Meinen!“ – dann ist das ein Auftrag an alle, die in seiner Spur unterwegs sind. Ein Auftrag, sich diese Haltung zu eigen zu machen. Und das bedeutet vor allem: zu schauen, was die Menschen heute brauchen. Die, die noch kommen. Und die, die nicht mehr da sind. Unsere Gemeinde wird dann eine Zukunft haben, wenn wir nah dran sind an dem, was die Menschen in unseren Stadtteilen brauchen. Wenn sie bei uns etwas finden, das ihnen Kraft zum Leben gibt. Ein erster Schritt wäre vielleicht mal zu überlegen: Was weiß ich eigentlich von den Menschen, die Sonntag für Sonntag mit mir hier in der Kirche sitzen?

Alexander Bergel
8. Mai
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Predigt am 3. Ostersonntag
zu Joh 21,1-14

Sieben Männer am See. Dort also, wo sie sich auskannten. Endlich wieder! Zu viel war auch geschehen. Der, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, war tot. Was macht man, wenn ein Projekt gescheitert ist? Viele sagen dann: Ich geh zurück. Zurück in die vertraute Umgebung. Zu vertrauten Menschen. Zurück in vertraute Muster. Das muss nicht falsch sein. Aber darin liegt auch eine Gefahr. Beides begegnet uns am See von Tiberias. Und vermutlich auch in unserem eigenen Leben.

Sie hatten es doch wirklich gewagt: Petrus und Thomas, Natanael, die Zebedäussöhne und noch zwei weitere seiner Jünger. Sie waren Jesus gefolgt. Hatten alles stehen und liegen gelassen. Hatten gesehen, wie er Menschen berührt und geheilt, sie alle in Frage und manche der Drangsalierten und Ignorierten in die Mitte gestellt hatte: Frauen und Kinder und die vielen anderen Schutz- und Rechtlosen seiner Zeit. Genau das – und vor allem, dass Jesus all das mit Gott in Verbindung bringt – hatte ihn das Leben gekostet. Sein Lebensprojekt war gescheitert. Und sie mit ihm. Oder doch nicht?

Jesus war von den Toten auferstanden. Was erst nur als Weibergeschwätz verunglimpft wurde, hatte zu einer realen Begegnung mit dem Auferstandenen geführt. Thomas, der all das massiv in Frage gestellt hatte, wurde im Innersten erschüttert, als er Jesus an seinen Wunden erkannte. Aber dann fing der Alltag doch wieder an. Jesus war nicht mehr so da, wie sie es gewohnt waren. War es vielleicht doch alles nur Einbildung? Mehr Wunsch als Realität? Was also sollten sie noch tun in Jerusalem? In jener Stadt, die so voller Sehnsucht nach Frieden und Leben ist, dass es sich bis heute spüren lässt. In jener Stadt aber, vor deren Toren der Friedensfürst sein Ende fand.

Also zurück in die Heimat. Vielleicht, so hatten sich die sieben Männer damals gedacht, vielleicht brauchen wir nur etwas Ruhe. Vielleicht brauchen wir den alten bekannten Rahmen. Vielleicht, wenn wir erstmal wieder in der Spur sind, vielleicht findet sich dann alles wie von selbst. Und genauso war es dann auch. Sie gehen fischen. Aber sie fangen – nichts. Erst als da einer kommt und für einen neuen Blick auf die alten Dinge sorgt, erst dann geschieht das Wunderbare: Fische ohne Ende! Und in all dem diese Spannung: Ist er es vielleicht wieder? Keiner traut sich, dem Gedanken bis zum Ende zu folgen. Nur der, der mit den Augen der Liebe auf alles blickt, der erkennt: „Es ist der Herr!“

Dem Auferstandenen zu folgen ist keine einfache Sache. Zu stark sind die Argumente dagegen. Zu groß die Verunsicherung. Zu mächtig die alten bekannten Bahnen. Die Begegnung der sieben Männer am See von Tiberias zeigt mir aber, dass es gehen kann. Dass es gehen kann, Ostern mitten im zermürbenden täglichen Allerlei zu erleben. Wenn ich das, was ich tue, nicht verbissen mache, sondern den Rahmen, den mir das Leben bietet oder die Umstände gewähren oder die Tradition empfiehlt, wenn ich all das als das nehme, was es ist: als Hilfe dabei, meinen eigenen Weg zu finden – dann kann ich auf dieser Grundlage auch neue Schritte wagen.

Dann entdecke ich plötzlich eine neue Sicht auf die alten Dinge. Dann erkenne ich in einem Frühstück nicht nur Fisch und Brot, sondern ein Geschenk, das mir das Herz erwärmt. Dann bekomme ich vielleicht nicht auf alles sofort eine Antwort. Aber ich spüre: Das alles hier, das ist kein Märchen. Auch keine Vertröstung. Nein, es ist vielmehr das Angebot eines Menschen, in dem Gott sich ganz auf unsere Seite gestellt hat, um an den Herausforderungen und Widrigkeiten dieses Lebens nicht zu zerbrechen, sich von ihnen nicht in die Enge führen zu lassen, sondern ermutigt und gestärkt nach vorne zu schauen.

Wenn ich diesen Schritt wage – weg aus dem, was mich an die Vergangenheit kettet, weg von dem, was immer schon so war, weg von dem, wo ich mich nicht traue, anders zu sein, weg von dem, wo die Enge dominiert, nicht die Weite – wenn ich diesen Schritt wage, dann hat das Leben eine Chance. Was aussieht wie ein Sonnenaufgangsidyll mit Picknick am Stand, das ist in Wahrheit ein Aufstand gegen den Tod. Gegen den Tod mitten im Leben.

Alexander Bergel
1. Mai
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Predigt am 2. Ostersonntag
zu Joh 20,19-31

Genannt: Didymus,
Zwilling.

Vielleicht bist du das wirklich,
Thomas.

Mein Zwilling.
So wie ich.

Du fühlst und denkst genau
wie ich.

Auch ich
will es sehen.
Will es spüren.
Ich will dabei sein.
Nicht einfach aufs Hörensagen
alles gründen.

Und ja,
Beweise suche ich.
Zumindest aber
ein kleines Zeichen,
dass es wahr ist.

Und nun spreche ich.
So, wie du es tust:

Ach, Jesus,
vertrauen würd ich Dir so gern.
Dir glauben,
dass es stimmt,
was du gesagt hast.
All die Jahre.
Auf all den Wegen.
Zu all den Menschen.

Auch zu
mir.

Ich würde sie so gerne spüren,
deine Auferstehung.
Meine Zukunft.

Aber all das
ist weit weg.

Sieh sie dir doch an,
die Welt.
Die große.
Und auch
meine kleine.

Sieh sie dir doch an,
die Menschen
mit ihrer Angst.
Vor sich.
Und all den anderen.
Und vor dem Tod.

Was muss ich tun,
dass Ostern wird?

Da hör ich deinen
Rat:

Frage.
Zweifle.
Gib dich nicht zu schnell zufrieden.

Erwarte aber keinen Helden.
Nimm das Leben wahr,
wie es durch meine Wunden leuchtet.
Und durch die deinen auch.

So wird Ostern.
So geht Leben.
Spürbar heute schon.

Nicht voller Glanz und Gloria.
Aber voller Kraft.
Voller Zukunft.
Voller Leben.

Ja, Jesus,
ein Verwundeter bist du,
so sagst Du‘s mir.

Aber einer,
der lebt.

In all meinem Chaos.
In al meinem Zweifel.
In all meiner Angst.
Mitten im Tod.

Zweifeln, so sagst du’s mir,
Jesus,
zweifeln hält lebendig.
Vertrauen aber –
Vertrauen sprengt die Grenzen.

Hab also Mut,
Thomas.
Halt mir deine Wunden hin.
Und lebe!

Alexander Bergel
24. April
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Predigt an Ostern
zu Joh 20,1-18

„Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde …“ Was für eine unendliche Enttäuschung spricht aus diesen Worten. Keine Erlösung. Keine Perspektive. Kein Leben. Alles vergebens. Deshalb wollen sie auch nur noch weg. Die beiden Männer auf ihrem Weg nach Emmaus. Plötzlich aber, kurz bevor es dunkel wird, ist da einer, dem sie – wie von selbst – alles erzählen. Sie berichten von Frauen, die allen Ernstes meinen, der, den sie hatten sterben sehen, lebe! Aber wer soll das glauben? So verrückt kann doch keiner sein!

Noch zwei andere sind unterwegs. Petrus und der Jünger, den Jesus liebte. Auch sie hatten gehofft. Gehofft, „dass er der sei, der Israel erlösen werde“. Aber das ist vorbei. Denn er ist tot. Und doch sind sie unterwegs. Aufgeschreckt von einer Frau, die Unglaubliches berichtet. Leer soll es ein, das Grab. Dort angekommen, sehen die beiden Männer ein paar Leichentücher. Sonst nichts. Sie zählen eins und eins zusammen: Leeres Grab + zusammengelegte Leinenbinden = ja, was nur? Irgendwas halt. Bloß nicht weiter denken oder gar fühlen. Lieber zurück nach Hause. Weitermachen wie bisher. Auch eine Art, mit der eigenen Sehnsucht umzugehen. Typisch Mann, sagen manche.

Und dann steht da diese Frau. Und lässt ihren Gefühlen freien Lauf. Maria aus Magdala. Auch sie hatte gehofft. Gehofft, „dass er der sei, der Israel erlösen werde“. Erlösung – was für ein Wort! Verstehen kann das wohl nur, wer einmal im Tiefsten erfahren hat: Da gibt es einen,
der nimmt mich so, wie ich bin. Keine Vorurteile. Keine Verurteilung. Keine Bedingung. Doch – eine schon: „Wenn du mir folgen willst, dann vertrau mir!“ Das hatte Maria getan. Und am eigenen Leib zu spüren bekommen, was es bedeutet, nicht mehr klein und wertlos zu sein. Doch nun war er tot. Er, der so unendlich gut war. Der heilte. Und aufrichtete. Der, der nicht nur von Gott sprach, sondern bei dem man Gott spüren konnte. Wie nirgendwo sonst. Jetzt aber spürte Maria nur noch eines: tiefe Verzweiflung.

Und heute? Ja, was fühlen wir? In diesen Tagen? In diesen Zeiten? In dieser Welt? Wie soll denn Ostern werden in einer Welt, die von Tod und Elend und Hass und Gewalt so zerfressen ist wie schon lange nicht mehr? In der Menschen dahingemetzelt, Familien zerrissen, Millionen in die Flucht getrieben und ganze Landstriche verwüstet werden? „Wir hatten so sehr auf dich gehofft, o Gott, doch wo – wo bist du?“ Ostern ist kein Fest der heilen Welt. Die Osterzeugen von damals waren voller Panik und Angst. Alles war zerbrochen, nichts machte mehr Sinn, und diese eine Frage quälte auch sie: „Wo, Gott, wo bist du?“ Wer sich heute auf die Suche nach Ostern macht, darf das nicht vergessen.

Aber wer sich mit diesem Wissen auf die Suche nach Ostern macht, der wird sich vielleicht daran erinnern, wie damals von diesen verängstigten, tieftraurigen Menschen eine Kraft ausging. Eine Kraft, die bis heute reicht. Sie alle hatten die Erfahrung gemacht: Jesus lebt! Und es allen erzählt. Und die vielen Leidtragenden spüren lassen: Das Leben hat doch einen Sinn! Trotz allem. Ostern ist zwar kein Fest der heilen Welt. Aber vielleicht kann sie doch etwas heiler werden, diese Welt, wenn wir unsere Ostererfahrungen weitergeben. Wenn wir voller Hoffnung Ostern feiern. Und wenn wir Ostern leben!

Alexander Bergel
17. April
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Predigt am Gründonnerstag
zu 1 Kor 11,23-26

Diese Bilder gingen um die Welt. Frauen und Kinder, die sich verabschieden. Denn der Ehemann, der Papa muss in den Krieg ziehen. Wird er zurückkommen? Werden alle diese Ehemänner und Väter, diese Söhne und Brüder, diese Onkel und Cousins, werden all diese Männer je zurückkehren? Keiner weiß es. So wenig, wie irgendjemand weiß, wohin der Irrsinn des Krieges überhaupt führen soll. Was er schon geschafft hat, dieser Krieg, was Kriege immer schaffen: Menschen werden auseinandergerissen. Überall tiefer Schmerz. Ungewissheit. Nackte Angst. Und warum? Weil ein Mächtiger es so will.

Heute Abend denken wir auch an einen Abschied. Jesus von Nazareth feiert Abschied. Am Abend vor seinem Leiden. Er nimmt Abschied im Kreis der Freunde. Er isst und trinkt. Auge in Auge mit dem Tod. Weil die Machthaber in Jerusalem es so wollen. Bei allem Zweifel, aller Angst, ja Todesangst, bei allem Weglaufen-wollen vor diesem Abschied blickt Jesus dennoch in die Zukunft: „Ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken, bis zu jenem Tage, wo ich auf neue Weise davon trinken werde im Reich meines Vaters.“ Jesus hat keine Gewissheit, dass die Sache gut ausgeht. Im Gegenteil. Er weiß, dass nun der größte Abschied vor der Tür steht. Und doch hofft er, dass es nach diesem Abschied weiter gehen wird.

Es ist diese Hoffnung, fast kann man sagen: Gewissheit, die mir in einem Brief begegnet ist. Kurz vor der Hinrichtung durch die Nazis schreibt eine Frau ihrem zum Tode verurteilten Mann: „Ich verlasse dich nicht, denn meine Gefühle und alles, was lieben kann in mir, gehört ja Dir.“ Wer so liebt, der weiß, was Abschied nehmen im tiefsten bedeutet. Und der kann verstehen, wirklich verstehen, was wir heute feiern.

Alexander Bergel
14. April
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Predigt am Palmsonntag
zu Sach 9,9-12 und Mt 21,10-17.46

Wie schön, wenn er das wirklich täte: „Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem. Deine Gefangenen werde ich freilassen aus ihrem Kerker, der wasserlosen Zisterne. Kehrt in Scharen zurück, ihr Gefangenen voll Hoffnung!“ Zu allen Zeiten haben Menschen gehofft, ja darum gefleht und oft voller Verzweiflung gebettelt: Herr, du unser Gott, setz den Kriegen, setz der Unterdrückung ein Ende! Auch damals in Jerusalem. Die Stimmung war angespannt. Das Joch der Unterdrücker schwer. Freiheit? Fehlanzeige. Überall war die Sehnsucht nach unbeschwertem Leben mit Händen greifbar. Jerusalem war ein Pulverfass. Und genau dorthin kommt Jesus. Ist er der Friedensbringer? Wird mit ihm die alte Prophezeiung Wirklichkeit? „Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft. Vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden. Seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer.“

Jesus spürt genau, was die Menschen brauchen. Das hatte er ihnen gezeigt. Immer und immer wieder. Wenn er Kranke geheilt, Ausgestoßene in die Mitte gestellt, Menschen ihre Würde zurückgegeben hat – auch gegen den Widerspruch der Mächtigen. In all dem macht Jesus deutlich: Ja, ich kenne euer Leid! Ja, ich stelle mich dagegen! Ja, ich bin an eurer Seite! Man möchte es ihm glauben. Und die, die es erlebt haben, die, die geheilt wurden, die, die wieder lebendig geworden sind, die, die ihren Frieden wiedergefunden haben – all diese Menschen haben Jesus als den Befreier erlebt. Aber die Römer – die sind geblieben. Die Hohenpriester mit ihren wirtschaftlichen und politischen Interessen – die haben sich auch von Jesu Aufstand im Tempel nicht beeindrucken lassen. Der ersehnte Friedensfürst – er wird nach triumphalem Einzug in jene Stadt, die den Frieden im Namen trägt, am Kreuz enden. Und mit ihm die Hoffnungen der Menschen damals. Und die Hoffnungen der vielen Menschen heute.

Warum handelt Jesus so anders, als es sich viele ersehnen? Warum schlägt er nicht drein, warum jagt er die Aggressoren dieser Welt nicht zum Teufel? Warum richtet er nicht seine Herrschaft des Friedens auf? Warum nicht damals? Und warum nicht heute? Es ist die sehnsuchtsvolle Frage der vielen Millionen Menschen, die seit Urzeiten unter der Aggression der Potentaten zu leiden haben. Und wer die vielen dahingemetzelten Menschen sieht, die in der Ukraine, aber auch überall auf der Welt auf den Straßen liegen, wer die Menschen sieht, die in Bunkern und U-Bahn-Stationen hausen, wer das Leid all derer an sich heranlässt, die voller Angst und Verzweiflung um ihr Leben rennen, der kann doch gar nicht anders, als zu fragen: Wann, ja wann setzt du den Kriegen ein Ende, du Gott, der du alles geschaffen hast?

Wir stehen am Beginn einer Woche, in der es ums Ganze geht. Um Freundschaft und Verrat. Liebe und Hass. Schmerzen und Zärtlichkeit. Einsamkeit und Begegnung. Fragen und Antworten. Licht und Dunkel. Leben und Tod. Diese Woche führt uns vor Augen, dass Jesus nicht als Kriegsherr daherkommt. Schon damals hat er die enttäuscht, die sich erhofft hatten: Endlich hat die Unterdrückung ein Ende! Vielleicht war das einer der Gründe, weshalb Judas sich dazu entschloss, seinen Freund und Meister unter Druck zu setzen und ihn den Soldaten des Hohen Rates zu übergeben, damit er kraftvoll zurückschlägt. Aber genau das tut Jesus nicht. Er bleibt der Gewaltlose. Denn das ist sein Weg. Für viele ein unverständlicher. „Wenn du Gottes Sohn bist, dann …“ Diese Aufforderung hat er oft gehört. Zuletzt am Kreuz. „Wenn du Gottes Sohn bist, dann steig herab und handle!“ Er hat es nicht getan. Warum, bleibt sein Geheimnis. Und so bleiben auch die vielen schmerverzerrten Gesichter, die vielen Fragen, das große Elend durch alle Zeiten hindurch. Es bleibt die Frage: Warum handelst Du nicht?

Diese Frage – sie begleitet uns ein Leben lang. In dieser Woche gehen wir ihr nach, Schritt für Schritt. Ob wir je eine Antwort bekommen? Schwer zu sagen. Aber wir können uns vom ohnmächtigen Jesus inspirieren lassen. Können seine heilenden Hände in dieser Welt sein. Sein Ohr, das den Schrei der vielen Leidtragenden nicht überhört. Sein Blick, der den rotgeweinten Augen der Flüchtenden nicht ausweicht. Wir können handeln so wie er – und in aller Ohnmacht das Böse von innen heraus zur Strecke bringen. Das hört sich naiv an? Vielleicht. Aber wer hätte gedacht, dass der am Kreuz Hingerichtete nach drei Tagen der Lebendige sein würde?

Alexander Bergel
10. April
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Predigt am 5. Fastensonntag
zu Jes 43,16-21 und Joh 8,1-11

In der Lesung haben wir von der Wüste gehört. Wo Wüste ist, kann nichts wachsen. Der Klima-Wandel lässt die Wüsten größer werden. Wer da lebt, hat ein hartes Leben. Wer da lebt, ist aber meistens nicht schuld. Schuld sind oft die, die viele hundert Kilometer weit weg leben. In Europa wird die Umwelt angegriffen. In anderen Teilen der Welt merkt man die Folgen. Wir Menschen gehören zusammen. Das ist manchmal gut für alle. Und manchmal ist es schlecht für viele.

Misereor, das Hilfswerk der Kirche in Deutschland, will das verändern. Misereor hat Projekte in vielen Ländern der Erde: in Asien, Afrika und Lateinamerika. Das Wort Misereor kommt aus der lateinischen Sprache. Wir können es so übersetzen: Mitleid haben. Das kann man leicht falsch verstehen. Falsch ist: Ich bin der Große – ich gebe etwas. Das sind die Kleinen – die nehmen nur. Richtig ist: Unsere Lebensweise verursacht anderswo Leid.

Wir tragen Schuld. Papst Franziskus hat dazu in seinem Schreiben Fratelli tutti geschrieben: „Die Reichen sind nur reich, weil die Armen arm sind.“ Darum ist Mit-Leid nicht ganz passend. Besser wäre: Mit-Schuld und Mit-Verantwortung. Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika nehmen Verantwortung wahr. Es gibt dort viele gute, kreative Projekte. Zum Beispiel Projekte für das Klima: In großen Städten entstehen neue Grün-Anlagen. Das ist gut gegen die Hitze und gut für die Luft. Und es gibt Projekte für Mobilität. Auf den Philippinen z.B. gibt es ein Fahrrad-Projekt. So können mehr Kinder leichter in die Schule und Erwachsene zur Arbeit kommen. Von vielen gute Ideen können wir in Deutschland manches lernen.

In einem kurzen Film zeigen wir Ihnen gleich beispielhaft, wie die Folgen des Klimawandels das Leben vieler Menschen in Bangladesch verändern und wie sie sich gegenseitig in den Projekten helfen. Misereor sammelt heute Geld, um diese Projekte zu unterstützen. So bauen wir – Menschen hier aus dieser Kirche und Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika – zusammen an einer guten Zukunft.

Gott will das Gute. Im Evangelium haben wir gehört: Jesus sieht die Schuld. Aber er verurteilt nicht. Jesus sieht nach vorn. Jesus schenkt eine neue Chance. Das gibt uns Mut. Das gibt uns Hoffnung. Uns – und unseren Schwestern und Brüdern auf der ganzen Welt. Zusammen sind wir Kirche. Das ist schon österliche Hoffnung. Das ist schon pfingstliche Wirklichkeit.

Ausschuss Mission-Entwicklung-Frieden
3. April
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Predigt am 4. Fastensonntag
zu Lk 15,1-3.11-32

Gerecht ist das nicht. Der, der immer alles macht, der da ist, der die Arbeit erledigt, der keine krummen Dinger dreht – der geht leer aus. Ich kann den Bruder gut verstehen: „So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich dein Gebot übertreten. Mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.“ Der andere aber, der, der sich das Erbteil auszahlen lässt, der sich aus dem Staub macht, der das Leben in vollen Zügen genießt und dann in der Gosse landet – der wird belohnt. Kleidung, Ring und Festmahl. Mehr geht nicht. Und das soll gerecht sein?

Jesus erzählt davon, wie er Gott sieht. Und welchen Weg Gott einschlägt. Offensichtlich ist es oft genug ein ganz anderer als wir ihn einschlagen würden. Ein Weg, der irritiert. Vielleicht sogar verärgert. Mindestens aber nachdenklich macht. Warum handelt Gott so? Vielleicht, weil er damit deutlich machen will: Das Leben ist eigentlich nie ein gerader Weg. Zum Leben gehört es auszubrechen, neue Erfahrungen zu machen, die eigenen Grenzen zu erfahren und auch, am Boden zerstört zu sein. Wer nie ausbricht aus dem, was er kennt, wird das Leben in seiner Fülle niemals erfahren können.

Die beiden Brüder, von denen Jesus spricht, sind nicht nur zwei Jungs, denen wir uns sympathiemäßig zuordnen können. Das vielleicht auch. Aber ich glaube, diese beiden wohnen auch – in uns. Beide. Da gibt es die gewissenhafte Seite. Das Anständige. Das, „was sich gehört“. Und dann gibt es das Rebellische, das, wo wir ausbrechen wollen. Die Momente, in denen wir spüren: Ich muss weg, ich muss etwas anderes tun. Ich will anders sein – koste es, was es wolle. Beides ist in jedem vorzufinden. Und beides hat sein Recht.

Am Ende nämlich schließt der Vater beide Söhne in seine Arme. Den einen, der immer schon da war und dageblieben ist. Und den anderen, den, der die Welt entdeckt hat – mit allen Schatten und Abgründen. Vielleicht kann nur der, der diese Abgründe erlebt hat, erfassen, was offene Arme wirklich bedeuten. Die beiden Söhne – sie leben in uns. Bekriegen sich mitunter. Beargwöhnen sich. Und gehören doch zusammen. Mit welchem von beiden müsste ich mich eigentlich mal wieder unterhalten?

Alexander Bergel
27. März
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Predigt am 3. Fastensonntag
zu Ex 3,1-8a.10.13-15

Manchmal zieht es einem fast die Schuhe aus. Da sterben Menschen durch ein tragisches Unglück – und niemand kann wirklich helfen. Da vertraut einem die beste Freundin an: „Ich habe Krebs!“ – und man selbst muss es hilflos mit ansehen. Da wird ein Kind entführt und missbraucht – und keiner kann es verhindern. Da führt ein Despot einen grausamen Krieg – und alle bisherigen Versuche, das zu beenden, scheitern. Jeder von uns kann diese Liste weiterführen. Und jeden von uns treibt sie wohl manchmal um, diese eine Frage: Wo bist du denn, Gott? Lässt dich das alles kalt?

Eine Frage – so alt wie die Menschheit. Hat sie jemals schon eine Antwort gefunden? Das ist schwer zu sagen. Man könnte eine geben. Eine schnelle. Eine, die zwar stimmt. Aber ob sie hilft? Jesus, der Leidende, der Gekreuzigte, der Auferstandene – er ist die Antwort Gottes auf das viele Leid dieser Welt. Das mag sein. Und ich glaube es auch. Aber hilft uns das wirklich? Ist Ihnen das schon mal zur Hilfe geworden? Mir manchmal schon. Oft auch nicht.

In meiner Wohnung hängt ein Kreuz. Man muss sich ganz schön verrenken, um Jesus ins Gesicht schauen zu können. Aber auch er selbst hängt qualvoll verrenkt da. Eine schier unendlich Last scheint auf seinen Schultern zu liegen. Vielleicht auch unsere. Mir scheint, als wolle dieser Jesus das sagen, was Mose tausende Jahre zuvor schon einmal gehört hatte, damals am Dornbusch: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen!“ So fing sie nämlich an, die Begegnung des Mose mit einem Unbekannten. Mose, der junge Hebräer, der in Ägypten auf der Suche ist nach seiner Identität, Mose, der Tag für Tag erlebt, was es heißt, versklavt zu sein, Mose, der sich fragt, ob es denn wirklich einen starken Gott gebe, dieser Mose – er wird IHM begegnen.

Ein Dornbusch steht da. Mitten in der Wüste. Er brennt und verbrennt doch nicht. „Leg deine Schuhe ab!“, ruft ihm eine Stimme zu, „der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.“ Diese Begegnung zieht ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Schuhe aus. Mitten in der Wüste also, dort, wo Tod und Verderben lauern, genau dort soll heiliger Boden sein? Dort gibt sich Gott zu erkennen? Und es wird noch besser: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen.“

Welch wunderbare Verheißung! Leben im Milch-und-Honig-Land! Leben ohne Bitterkeit und Dürre. Leben ohne Sklaverei und Hetze. Leben ohne Leid und Tod. Doch wer soll, ja wer kann das wirklich glauben? Auch Mose fiel es schwer. „Ich werde also zu den Israeliten kommen“, hält er der Stimme aus dem Dornbusch entgegen, „und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?“

Verständliche Fragen. Uns vielleicht auch schon mal gestellt. „Du mit deinem Gott. Hat dir das jemals schon was genützt? Wo ist er denn, dein Gott?“ Fragen, die einen schon sprachlos machen können – denn manchmal ist er einem ja wirklich fremd, der eigene Gott. Mose erhält eine Antwort. Kurz und knapp zwar, aber sie hat es in sich: „Ich bin der ‚Ich-bin’.“ „Ich bin da, wo du bist!“ So übersetzt es Martin Buber. Keiner weiß, was Mose gedacht und gefühlt hat bei dieser Antwort. Aber sie hat ihm gereicht, um es allen weiterzusagen. Und dann ein ganzes Volk in die Freiheit zu führen. Würde Ihnen das reichen? Reicht Ihnen das Versprechen „Ich bin da, wo du bist“, wenn Ihnen das Leben manchmal die Schuhe auszieht?

Wenn ich auf mein Kreuz blicke, wenn ich Jesus ins Gesicht schaue, dann ist das kein schöner Anblick. Im Gegenteil. Aber genauso bekomme ich immer mehr eine Ahnung davon, was es heißt: „Ich kenne dein Leid.“ Und dann erinnere ich mich. Ich erinnere mich an Gottes uraltes Versprechen. In der Wüste gegeben, hat es am Kreuz Hand und Fuß bekommen. Und es gilt. So sehr die Fragen auch bleiben. So sehr Leid und Elend auch weiter zum Himmel schreien. So sehr Menschen sich das Leben auch weiter gegenseitig zur Hölle machen. „Mensch, ich bin da, wo du bist!“ Theoretisch hört sich das alles sehr gut an. Wird es den Praxistest überstehen?

Alexander Bergel
20. März
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Predigt am 2. Fastensonntag
zu Lk 9,28b-36

Da stehen sie, die beiden. Zwei Männer. Vielleicht mit langen weißen Bärten, denn sind sie schon sehr alt. Mose und Elija, die großen Gestalten des Volkes Israel, stehen neben Jesus auf dem Berg und sprechen mit ihm. Nicht über das, was war, sondern über das, was kommen wird: Mose und Elija blicken in die Zukunft. Szenenwechsel. Ein einzelner Mann steht da. Einer mit langem weißem Bart. Er spricht über das, was ist. Kyrill, der Patriarch von Moskau, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, spricht über den Krieg in der Ukraine. Und nennt ihn einen „metaphysischen Kampf gegen die Dekadenz des Westens“. Als Ausdruck dieser Dekadenz sieht Kyrill die Homosexuellenbewegung und überhaupt das ganze westliche Gerede von Menschenrechten. Es hört sich an wie eine Stimme aus längst vergangen geglaubten Zeiten. Aber er fühlt sich Jesus ganz nahe.

Und der? Jesus begegnet auf dem Berg Tabor zwei Zeugen aus der Vergangenheit. Jenem Mann, der wie kaum ein anderer für die Sehnsucht nach Freiheit steht: Mose. Und Elija, der mit Feuer und Schwert für seinen Gott gekämpft hat und dann doch völlig ausgelaugt spüren musste: Dieser Weg, der Weg des Kampfes, führt ins Unheil. Und mit Gott hat er rein gar nichts zu tun. Dieser Gott, so die nächste Erfahrung des Elija, zeigt sich nicht im Donner, nicht im Feuer, nicht im Sturm. Nein, dieser Gott zeigt sich im sanften leisen Säuseln oder wie Martin Buber es übersetzt: in einer Stimme „verschwebenden Schweigens“. Jesus steht auf dem Berg Tabor. Einem Berg, der schon von weitem sichtbar ist. Einem Berg, von dem aus man eine wunderbare Aussicht hat. Und wie sind diese Aussichten?

Jesus weiß: Wenn ich meinen Weg konsequent weitergehe, wird er mich an den Abgrund führen. Wenn ich diesen Weg konsequent weitergehe, wenn ich Menschen nicht nur mit Worten, sondern mit meiner ganzen Existenz berühre, wenn ich ihnen Perspektiven eröffne, wenn ich hoffe wider alle Hoffnung, wenn ich mich mit den Mächtigen anlege, wenn ich von Feindesliebe spreche und sie praktiziere, wenn ich jeden so nehme, wie er, wie sie ist, wenn ich den Menschen nicht nur sage, dass sie ein Abbild Gottes sind, sondern sie es am Ende wirklich glauben können (und zwar egal, was sie leisten, egal, wie unperfekt sie sind, egal, woher sie kommen, egal, wen sie lieben) – Jesus weiß: Wenn ich all das tue, dann wird es auch immer einige geben, die sagen: Nein, Jesus, so nicht! Und die dann alles tun, um das zu verhindern.

Es müssen nicht unbedingt Männer mit langen Bärten sein, die so denken und handeln. Aber es sind eben doch auch Männer wie der Moskauer Patriarch. Er ist für mich zum Symbol geworden. Zum Symbol für die ewig Gestrigen, die Verbohrten, die unendlich von sich und ihrem Kampf für das angeblich allein Richtige Überzeugten. Er ist für mich zum Symbol geworden für jene Menschen, die den Hammer in der Hand haben, um die Freiheit, die allen gilt, ans Kreuz zu schlagen, die die Liebe, die selbst den Tod besiegt, in eine erlaubte und in eine verbotene Liebe unterteilen, die die eigene Position mit Zähnen und Klauen verteidigen, koste es, was es wolle. Und sei es ein Krieg, der als „metaphysische Kampf“ verbrämt wird. Was für ein Irrsinn!

Jesus spricht mit Mose, dem Befreier, und mit Elija, dem Kämpfer, der mühsam lernen musste, dass er als Kämpfer Gott nicht finden kann. Diese beiden Männer, vor allem ihre Geschichten, ihre Erfahrung, dass Gott der ist, der in die Freiheit führt, nicht in die Enge, diese Erfahrung hat Jesus darin bestärkt, vom Berg herunterzusteigen und weiter den mühsamen Weg durch die Ebene zu gehen. Diesen mühsamen Weg kennen wir alle nur zu gut. Den manchmal so quälenden Alltag mit all seinen unbeantworteten Fragen. Das Ringen um ein gutes Miteinander zwischen den Generationen. Das immer neuen Hören auf die Meinung der anderen. Das Hinhalten der ausgestreckten Hand zur Versöhnung. Die Frage: Was kann ich in all dem Leid für andere tun? Und was ist, wenn ich meine eigenen Sorgen und Ängste selbst kaum aushalte?

Jesus konnte seinen Weg der Heilung und Befreiung, den Weg des Kampfes gegen alles Todbringende in der Welt nur gehen, weil er sich von Erfahrungen der Vergangenheit hat bestärken lassen. Erfahrungen waren das, die nicht in die ängstliche Enge und nicht in die fundamentalistische Oberflächlichkeit geführt haben, sondern in die Weite (siehe Mose) und in die Tiefe (siehe Elija). Genau das ist es, was wir auch in diesen Tagen so sehr brauchen!

Alexander Bergel
13. März
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Gebet, Musik & Poesie

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»Weib, was weinest du?« Einer der berührendsten Gesänge zum Fest der Heiligen Maria Magdalena, der Apostelin der Apostel, am 22. Juli.

Es gäbe sicher nach wie vor so manches, was nicht nur Frauen in dieser Kirche zu beweinen hätten. Aber es gab und es gibt sie dennoch immer noch: die Verkünderinnen dieser einen unglaublichen Botschaft. Sollte deren Kraft, die schon einmal nicht nur Felsen vor Grabhöhlen in Bewegung brachte, nicht auch heute Steine wegzuräumen in der Lage sein?

Den Gesang aus den Osterdialogen von Heinrich Schütz können Sie hier hören.
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Ich konnte keinen Schlaf mehr finden.
Wenn ich wenigstens zum Grab gehen könnte.
Aber die Wachsoldaten.
Oder nach Golgotha, der Blutspur nach.
Oder zu Josef oder zu Nikodemus.
Irgendwohin.
Was tun mit dem ganzen langen Schabbat?

Ich saß so da und dachte nichts als: Er ist fort. Er ist tot.
Fort und tot.
So jung noch. Und schön.
Und jetzt beginnt dann die Verwesung.
Wenn ich doch mein letztes Fläschchen von dem Königsöl
über ihn hätte ausgießen können,
über sein Gesicht,
das so blutig war,
das eine Auge verletzt und verklebt,
nie mehr werde ich dieses Gesicht sehen.

So versunken in meine Trauerqual war ich,
dass es mir kein Trost war zu denken:
Er hat gesagt, drei Tage,
dann das Wiedersehen.

Nein, nein, das hatte er nicht wörtlich gemeint.
Drei Tage, wie lang war das für ihn?
Zähl nicht nach Tagen, Mirjam,
zähl wie ich in Äonen.
Und das Wiedersehen:
wo denn, wie denn?
Nein, das war alles kein Balken, an dem ich mich halten konnte.

Nach und nach wachten alle auf.
Veronika brachte uns das vorbereitete Schabbatmahl.
Man aß aus Höflichkeit ein paar Bissen.
Schimon schlief und war nicht zu wecken.
Jeschuas Mutter sagte: Jochanan,
bete alle Psalmen, die du im Gedächtnis hast.
So begann er von Anfang:
Selig der Mann, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt…
Wenn er nicht mehr weiterwusste,
sprang einer von uns ein.
So beteten und beteten wir,
und der Tag nahm kein Ende,
und das Gebet war kein Trost.
Ein Tag aus Blei.

Wieso sprach niemand unter uns
von Wiedersehen und Wiederkommen?
Niemand von Zukunft?
Nicht vom morgigen Tag;
nicht davon, was nun weiter aus uns würde?

Die Zeit war mit dem Messer durchgeschnitten.
Konnte überhaupt noch Zeit sein?
Hat ER nicht alles mit sich genommen,
was uns zu gehören schien?
Auch das Licht war fort, es war gewittrig und dunkel.

Dieser Tag war schlimmer als der vorhergehende.
Da war Aufregung gewesen,
da geschah etwas,
Schlimmes und Entsetzliches,
aber es bewegte sich etwas.

Jetzt aber: wir saßen wie Schatten in der Unterwelt,
und als es draußen vollends dunkel wurde,
schliefen wir wieder ein.
Was sonst konnten wir tun?

Später dachte ich im Zurückerinnern:
so lebt man im Schattenreich,
wo die Sonne nie scheint.
Noch später dachte ich:
so lebt man ohne ihn.

Luise Rinser
Mirjam
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Wie konnte das gescheh’n?
Ich kann es nicht versteh’n!
Warum bist du jetzt fort?

Ich kann dich in mir hören,
es ist als wärest du noch hier.
Ich bin bei dir,

doch du bist nicht da.
Wo bist du hingegangen?
Und kommst du jemals wieder?

Wohin bist du gegangen?

Martin Holtgrewe
16. April
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Ich denk‘, ich schreib‘ euch besser schon beizeiten
Und sag‘ euch heute schon endgültig ab
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten
Um zu sehen, dass ich auch zwei Söhne hab‘!

Ich lieb‘ die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und wo immer es ging, lieben gelehrt!

Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind’s wert, dafür zu töten und zu sterben
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter
Nicht für euch hab‘ ich manche Fiebernacht

Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden
Und kühlt‘ ein kleines glühendes Gesicht
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Sie werden nicht in Reih‘ und Glied marschieren
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt
Auf einem gottverlass’nen Feld erfrieren
Während ihr euch in weiche Kissen setzt!

Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ich werde sie den Ungehorsam lehren
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit!

Ich werd‘ sie lehr’n, den eig’nen Weg zu gehen
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht
Vor keinem als sich selber g’radzustehen!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Und eher werde ich mit ihnen fliehen
Als dass ihr sie zu euren Knechten macht
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen
In Armut und wie Diebe in der Nacht!

Wir haben nur dies eine kurze Leben
Ich schwör’s und sag’s euch g’rade ins Gesicht:
Sie werden es für euren Wahn nicht geben!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Reinhard Mey

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Zum Video von Reinhard Mey and friends kommen Sie hier
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Gott,

wie zerbrechlich unsere Sicherheiten sind,
wie gefährdet unsere Ordnungen,
das erleben wir in diesen Tagen.

Wer sieht uns mit unserer Hilflosigkeit und Angst?

Wütend und fassungslos erleben wir,
wie Machthaber die Freiheit und das Leben vieler Menschen gefährden.
Wie am Rand Europas ein Krieg beginnt.
Was geschieht als Nächstes?
Welchen Informationen können wir trauen?
Was könnten wir tun, das helfen oder etwas bewegen würde?

Sieh du die Not.
Sieh unsere Angst.

Wie so viele suchen wir Zuflucht bei dir und Schutz,
innere Ruhe und einen Grund für unsere Hoffnung.
Wir bringen dir unsere Sorgen.
Wir bitten dich für die, die um ihr Leben fürchten,
und für die, die sich beharrlich für friedliche Lösungen einsetzen.

Höre uns, Gott …

EKD
24. Februar
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Ein Sehnsuchtslied – hier können Sie es hören.
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Ich bin, was ich bin
Ein LGBTIQ+ Psalm (aber nicht nur)

Ich danke Dir, Ewiger, dass ich so bin, wie ich bin,
und nicht so, wie manche mich gerne hätten.

Von Beginn aller Zeit hast Du mich gedacht und gewollt,
eine Facette bin ich Deiner bunten, lebendigen Schöpfung.

Als Dein Ebenbild hast Du den Menschen geschaffen,
Du, der du das Leben selbst bist in all seiner Fülle.

In dir pulsiert die Liebe in all ihren Formen,
ein ewiger Quell, der niemals versiegt.

Du willst seit Urzeit, dass es gibt, was es gibt,
die Schranken und Grenzen hast Du nicht gemacht.

Das Wort Ebenbild legten die Saftlosen in kalt-eiserne Ketten,
die Flügel der Liebe wollten sie kürzen durch ihre Gesetze.

Doch sie erhebt sich immer wieder, lässt sich nicht zähmen,
unablässig verteilt sie sich in die Herzen der Menschen.

Ihre Funken sprühen, wenn zwei Münder sich finden,
zwei Seelen den Gleichtakt erkennen, das ergänzende Du.

Wenn eine Frau einen Mann liebt und ein Mann eine Frau,
wenn ein Mann einen Mann liebt und eine Frau eine Frau,

tanzt die Liebe Pirouetten mit kraftvoller Leidenschaft,
wenn ein Mensch einen Menschen liebt, so wie er ist.

Wenn ein Mensch Körper und Seele in sich versöhnt,
wenn ein Mann sich als Frau fühlt und eine Frau sich als Mann,

fährt die Liebe tollkühn in den Mut sich offen zu zeigen,
wenn ein Mensch sich sucht und sich endlich dann findet.

Sie alle preisen Dich Ewiger durch ihr farbiges Leben,
Du würdigst die Vielfalt durch Deinen stärkenden Segen.

Doch immer noch leiden Menschen nur weil sie lieben,
man sperrt sie in Kerker, quält sie, will ihren Tod.

Leg ihren Jägern und Richtern ihr übles Handwerk,
vor Scham vergehen sollen sie, verstummen für immer.

Meine Hoffnung setze ich auf Dich Ewiger, Fülle des Lebens,
nicht nur träumen will ich, was ich sehnlichst erwarte:

die Engherzigen werden nicht siegen mit ihrer Verachtung,
ihr Gift verliert seine Kraft, ihr Spott verwundet nicht mehr.

Begeistert erstrahlen sollen alle mit glänzenden Augen,
die Hand in Hand sich gefunden auf ihrem eigenen Weg.

Ihre zärtliche Liebe preist Dich, übersteigt alle Normen,
divers sind Deine Ebenbilder, keins gleicht dem anderen.

Unverwechselbar hast Du, das Leben, alle geschaffen,
ein kostbares Original bin ich mit meinen Ecken und Kanten.

Ich danke Dir Ewiger, dass ich so bin, wie ich bin,
und immer mehr werde, der ich sein darf vor Dir.

Stephan Wahle
6. Februar
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Ein Klassiker zu Epiphanie.
Hier können Sie ihn hören.
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Ein kleines musikalisches Juwel – entstanden in unserer Gemeinde.
Hier können Sie es hören.
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Erwartung bewegt …

Maria durch ein Dornwald ging,
Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.

Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

Da haben die Dornen Rosen getragen,
Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.

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Lied im Gotteslob Nr. 224
Text: August von Haxthausene

Das gesungene Lied finden Sie hier.
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Schaukasten-Gedanken

… können für einen kurzen Augenblick ansprechen oder irritieren
oder einfach nur Freude bereiten.

Hier finden Sie die schönsten Exemplare, die vor unseren Kirchen hängen,
zum Anklicken.
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