Kreuzweg

Impulse

Worte können heilen. Und zum Nachdenken bringen. Worte können Mut machen. Und neue Wege aufzeigen. Worte bringen Gefühle zum Ausdruck. Und Sorgen. Und Nöte. Glück und Unglück zeigen sich in ihnen ebenso wie Glauben und Hoffnung. Und natürlich Zuneigung und Liebe. Besonders schön ist es, wenn einem jemand solche Worte sagt. Wenn wir sie persönlich hören. Wenn wir spüren: Der meint mich!

Wir leben in einem ständigen Auf und Ab, im Hin und Her. Versammeln, gemeinsam feiern, hören und sprechen und singen – das geht gerade (mal wieder) nicht. Oder nur sehr begrenzt. Viele vermissen das. Aber lesen – das geht. Im mittlerweile gar nicht mehr so ganz neuen Format »Impulse« finden Sie daher in loser Reihenfolge Gedanken, Erlebnisse, Deutungen, Diskussionsbeiträge, die uns im Pastoralen Team eingefallen sind. Oder die wir anderswo gefunden haben. Und die wir mit Ihnen teilen möchten. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich das bewährt, vielen Mut gemacht und Lust auf mehr. Das freut uns natürlich sehr. Und deshalb machen wir einfach weiter!

Essays, Geschichten & Gedanken

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Es ist einer der vielen legendären Sätze, die er geprägt hat: Loriot, der Großmeister des feinsinnigen Humors. Der von ihm selbst gespielte Heinrich Lohse, unerwartet frisch gebackener Rentner, der nun Zeit genug hat, nicht nur die völlig überrumpelte Gattin, sondern sein komplettes Umfeld in den Wahnsinn zu treiben, sagt diesen Satz an der Theke eines Einzelhandelsgeschäfts ziemlich am Anfang des Kultfilms Pappa ante portas aus dem Jahr 1991.

Der leicht genervte Ton der Verkäuferin, und er war wirklich nur leicht genervt, wenn man bedenkt, dass Herr Lohse minutenlang den Oberlehrer gibt, provoziert ihn zu eben jenem Satz: »In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« Der Einkaufsvorgang wird dann doch noch zu einem guten Ende geführt. Zur Freude des Geschäftsinhabers liefert dieser mehrere Paletten Senf ins Haus Lohse. Aber das ist eine andere Geschichte.

»In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« So manches Mal habe ich das in den letzten Tagen, Wochen und Monaten auch gedacht. Diskussion, Debatte, Auseinandersetzung, Richtungskämpfe – all das gibt es, ja, und all das muss es geben in einer Demokratie! Und in der Kirche natürlich auch! Die Frage aber, die sich mir stellt bei all den Diskussionen in der Öffentlichkeit (Corona-Notbremse, Künstlerprotest #allesdichtmachen und die Reaktionen darauf) und im Raum der Kirche (Synodaler Weg, Maria 2.0 gegen Maria 1.0 und manches mehr), ist: Warum wird der Ton immer schärfer? Warum wird die andere Seite immer mehr zum Feind? Warum spricht man dem Gegenüber immer öfter den »wahren« Glauben ab?

»In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« Ich glaube, wir sollten das wieder mehr beachten, auch wenn es naiv klingt. Was wäre gewonnen, wenn wir sprachlich abrüsten würden? Wenn wir im anderen auch den sehen könnten, der sein Bestes versucht? Nur so hat das alles doch eine Zukunft! Wie sollen wir in dieser Gesellschaft, wie sollen wir in unserer Kirche denn Wege in eine gute Zukunft finden, wenn das Klima total vergiftet ist, wenn sich keiner mehr traut, etwas zu sagen, weil er, weil sie niedergemacht wird? »In diesem Ton kommen wir nicht ins Geschäft!« Bei Loriot führt dieser Satz zum Schmunzeln. In unseren Tagen könnte er vielleicht nachdenklich machen. Und beim Handeln helfen.

Alexander Bergel
1. Mai
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Stelle eine Metallschale in die Kirche.

Lasse für jeden Menschen,
der in Deutschland an oder mit Covid 19 gestorben ist,
einen Nagel in die Schale fallen.

So beginnt die liturgische Performance des Künstlers Sebastian Schmidt
in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag in der Kirchen St. Maria in Stuttgart.

Hier kommen Sie zu Bildern, einem youtube-Video und vielen weiteren Aktionen.
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Die Frauen.
Und die Männer.
Alle sind sie auf dem Weg.

Die einen suchend.
Die anderen fast im Wettlauf.
Manche wollen nur noch weg.

Jerusalem.
Golgatha.
Emmaus.

Hinter verschlossenen Türen.
Am leeren Grab.
Bei Tisch.

Die drei Marien.
Petrus und Johannes.
Kleopas und der andere Jünger.

Angst.
Enttäuschung.
Zweifel.

Freude.
Zukunft.
Glück.

All das
führt auch Dich
zum Ziel.

Hilft Dir
beim
Leben.

Den andern
geht es
ebenso.

Geh mit
ihnen
zusammen.

Und immer wieder
wirst Du dabei
seine Spuren finden.

Alexander Bergel
18. April
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Die Gemütslage von Schwester Christine Klimann entspricht noch nicht der Freude des Osterfests. Das Sonntagsevangelium ist für sie aber eine Einladung, die Zeichen der Auferstehung nicht dort zu suchen, wo alles perfekt zu sein scheint – gerade heute.

Ihren Artikel vom 17. April können Sie hier lesen.
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Den Finger
in die Wunde legen.
Das wollte er.

Er wollte wissen.
Und verstehen.
Wollte spüren.

Mitten im Leben.
Dass es wahr ist.
Und keine fixe Idee.

Die anderen,
die waren ihm bereits
begegnet.

Er aber war
nicht da.
Wo war er dann?

Gab es etwa
Wichtigeres
für ihn zu tun?

Oder konnte er
das alles einfach nur
nicht mehr?

Thomas
war nicht da,
als Jesus kam.

Auch heute
sind viele
einfach nicht mehr da.

Weil sie den Kreis
der Jünger nicht ertragen.
Oder dessen Leitung.

Weil sie draußen
mehr von dem erleben,
was ihnen hilft und Kraft gibt.

Der Auferstandene,
er geht auch dorthin,
überschreitet Grenzen.

Wer ihm begegnen will,
der muss das wissen
und damit rechnen,

dass er wirklich
alle Grenzen überschreitet,
selbst die mächtigsten.

Thomas hatte es gehört.
Nun steht ER vor ihm.
Und hält sie ihm entgegen.

Seine Wunden.
Der Leib des Auferstandenen
ist voll davon.

Und Thomas
ist im Innersten
erschüttert.

Egal ob drinnen oder draußen –
Jesus erschüttert.
Alles.

Nur so können Wunden heilen.
Nur so hat das Leben
eine Zukunft.

Alexander Bergel
12. April
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An diesem Samstag feiern Christen den Ostersamstag. Moment, war der Ostersamstag nicht letzte Woche? Warum der Kar- und der Ostersamstag häufig verwechselt werden und wie lange die Osterzeit gefeiert wird, das erklärt Jan Hendrik Stens.

Das Gespäch vom 10. April können Sie hier lesen.
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Im Benediktinerinnenkloster St. Scholastika in Dinklage gibt es eine ganz besondere Darstellung des auferstandenen Christus, eine Schnitzarbeit aus dem 14. Jahrhundert.

Den Blog von Andrea Schwarz vom 4. April können Sie hier lesen.
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Bei Ostern denkt man natürlich als erstes an die biblischen Ostergeschichten und -zeugnisse. Aber was davon haben die ersten Christen eigentlich gekannt und geglaubt? Darüber weiß man sehr wenig. Doch neuere archäologische Forschungen geben einige Hinweise. Manches davon ist uns näher, als wir vermuten würden.

Die Ostergedanken von Johann Hinrich Claussen vom 4. April können Sie hier lesen und hören.
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Dass ein Toter zum Leben auferweckt wird, ist an sich schon schwer genug zu glauben. Tatsächlich aber gründet sich unser Glaube darauf, dass Jesus fehlt – wie Maria von Magdala am leeren Grab als Erste erkennen muss. Wenn dann noch ein entscheidender Satz im diesjährigen Oster-Evangelium weggelassen wird, spricht das Bände, meint Andreas Odenthal, Liturgiewissenschaftler in Bonn.

Seine Gedanken vom 3. April können Sie hier lesen.
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Der Karfreitag ist der Tag, an dem Gott die Ohnmacht ermächtigt. Drei Ikonen der Karwoche machen klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Die Gedanken zum lästigen Karfreitag von Peter Otto vom 31. März können Sie hier lesen.
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Statements, Interviews & Diskussionen

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1989 veröffentlichte Ottmar Fuchs sein Buch: Dabeibleiben oder Weggehen. Es ist seit mindestens 30 Jahren aktuell, jetzt aber unvermeidbar brisant!

Seinen Artikel vom 14. April können Sie hier lesen.
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Viele in der Kirche rufen nach Reformen – doch der Dogmatiker Georg Essen dämpft allzu große Hoffnungen: Es deute nichts darauf hin, dass die Reformblockaden der vergangenen 40 Jahre aufgelöst würden, sagt er im Interview – und nennt Gründe.

Das Interview vom 10. April können Sie hier lesen.
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Die Frage einer Änderung des Osterdatums steht in der russisch-orthodoxen Kirche nicht auf der Tagesordnung: Das sagt Metropolit Hilarion, der Verantwortliche für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats. Trotzdem träumen viele Christen weiter von einem gemeinsamen Datum für ihr Osterfest. Ein interessanter Vorschlag kommt dazu vom Benediktinermönch Nikodemus Schnabel aus Jerusalem. Radio Vatikan sprach mit dem Ostkirchenexperten.

Das Interview vom 6. April können Sie hier lesen.
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Die beiden vor allem von Frauen getragenen Gruppierungen “Maria 1.0” und “Maria 2.0” stehen stellvertretend für die aktuelle Debatte um Reformen in der katholischen Kirche. Im Interview spricht jeweils eine Vertreterin jeder Gruppe über ihre inhaltlichen Positionen, den Zustand der Kirche und ihre Erwartungen an den Synodalen Weg.

Das Interview vom 6. April können Sie hier lesen.
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Ob die Aufdeckung des Missbrauchsskandals 2010, die Affäre um Bischof Tebartz-van Elst oder die MHG-Studie: Die Austrittszahlen waren hoch, die Reaktion der Kirche zu gering. Es braucht eine Revolution, kommentiert Björn Odendahl.

Seinen Beitrag vom 31. März finden Sie hier.
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Nach dem Missbrauchsskandal haben einige katholische Bischöfe ihren Rücktritt angeboten – gültig wird er erst durch Zustimmung des Papstes. Warum eigentlich? Und was passiert nach einem Amtsverzicht?

Den Beitrag von Michael Hollenbach vom 28. März in Deutschlandfunk Kultur können Sie hier lesen und hören.
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Dienst, Demut, Hingabe, Liebe, Leben: Es sind die ganz großen christlichen Worte, die über jedem Tag der Karwoche und des Osterfestes stehen. Doch angesichts des Bildes, das die Kirche in diesen Tagen abgibt, steht sogar die Botschaft in Gefahr, als glaubwürdig wahrgenommen zu werden, fürchtet Markus Nolte, Chefredakteur der Münsteraner Kirchenzeitung Kirche und Leben.

Seine Gedanken vom 26. März können Sie hier lesen.
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Die katholische Kirche in Deutschland scheint in ihren Grundfesten zu wanken: Massenaustritte und Konflikte zwischen dem leitenden Klerus und dem engagierten Kirchenvolk en masse. Wie soll es weiter gehen? Und was könnte konkret geschehen? Eine Perspektive von Andreas Krebs, Direktor des Alt-Katholischen Seminars der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Den Artikel können Sie hier lesen.
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Reform ist für katholische Traditionalisten ein schwieriger Begriff. Ein Blick in die Geschichte zeigt allerdings, dass sich die katholische Kirche immer wieder reformiert hat. Und zwar auch in Fragen, die zentrale Glaubenswahrheiten betreffen.

Den Beitrag im Deutschlandfunk Kultur vom 21. März können Sie hier lesen und hören.
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Neue Rituale und speziell Corona entwöhnen die Menschen zunehmend vom Sonntagsgottesdienst. Was kann die Kirche dagegen tun? Und wie bekommt sie die Gläubigen nach der Pandemie wieder in die Gotteshäuser?

Das katholisch.de-Interview vom 13. März mit Marius Linnenborn, Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts, können Sie hier lesen.
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Predigten

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Predigt am 4. Ostersonntag
zu Joh 10,11-18

Manche möchten nur noch weg. Weil sie es nicht mehr aushalten. Weil sie das, was ihnen wichtig ist, mit Füßen getreten sehen. Weil sie es nicht mehr ertragen können, ausgeschlossen zu sein. Da sie das falsche Geschlecht haben. Oder homosexuell sind. Da sie keine glatte Biografie vorzuweisen haben. Oder bestimmte Wortmeldungen aus dem Mittelalter nicht mit ihrem Leben in Verbindung bringen können. Deshalb ziehen sich immer mehr Menschen zurück. Zurück aus der Gemeinschaft derer, die sich um Jesus von Nazareth versammeln. Was aber ist das für eine Gemeinschaft? Manche würden sagen: Diese Gemeinschaft ist zur Institution geworden, der es nur noch um das Verwalten dessen geht, was man aus der Vergangenheit bewahren muss – egal, ob diese Ideen und Sätze dem modernen Menschen noch etwas sagen, egal ob sie ihm beim Leben und beim Sterben helfen können oder nicht.

„… weil ihm an den Schafen nichts liegt.“ Was der Autor des Johannesevangeliums über den bezahlten Knecht schreibt, genau das würden manche über jene sagen, die oft so genau wissen, was richtig ist und was falsch. Über jene, die nach Akten- und Gesetzeslage entscheiden, dabei aber den Einzelnen, die Einzelne mit ihrem konkreten Leben ausblenden – weil ihnen einfach „an den Schafen nichts liegt“. Ist es das? Ist es diese Gedanken-, gar Gefühllosigkeit, die an so vielen Stellen vorherrschend zu sein scheint? Sodass es gar nicht mehr darum geht, was Menschen berührt, was sie heilt, was sie ernst nimmt ohne Vorleistung? Oft wirkt es so. Und genau das ist es, was Menschen verletzt. Was sie zerstreut. Was sie andere Wege gehen lässt. Was ihnen schlimmstenfalls das Gespräch, das Leben mit Gott immer schwerer, vielleicht sogar unmöglich macht.

Ja, das ist die Erfahrung, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Dabei könnte, dabei müsste, dabei sollte es doch so anders sein! Das Bild vom Guten Hirten, oft belächelt, gerne verzweckt, immer wieder auch missbraucht, dieses Bild muss uns doch unruhig sein, muss uns doch unruhig werden lassen. Dieses Bild taugt nicht so sehr dafür, dass es den einen Oberhirten und ein paar Hirten im mittleren Weidemanagement zum obersten Prinzip erklärt. Der verengte Blick auf diese amtlich bestellten Hirten verstellt das, worum es eigentlich geht: um den Blick nach rechts und nach links, um die liebevolle, wohlwollende Aufmerksamkeit, um das Suchen von Spuren eines menschenfreundlichen Gottes. Sicher, es braucht auch die Verantwortungs-trägerinnen und Verantwortungsträger an der Spitze. Sonst zerfällt und vereinzelt eine Gemeinschaft. Aber vor allem bedarf es derer, die sich nicht davon abbringen lassen, in all dem Unvollkommenen dieser Welt, in all den Kämpfen und  Auseinandersetzungen, in all den Verletzungen und Wunden, in all dem Verkorksten und Zerstörten immer zuerst den Menschen zu sehen. Es braucht jene, denen an den Schafen etwas liegt. Egal woher sie kommen. Egal was sie können. Egal wie sie glauben. Egal wie sie fühlen.

Der echte gute Hirte, Jesus aus Nazareth, der Mensch unter Menschen, der Sohn eines Gottes, dessen Name bedeutet: Ich bin da, wo du bist! – dieser gute Hirte hat alles auf eine Karte gesetzt. Hat dem Menschenverachtenden den Kampf angesagt. Von der Liebe nicht nur gesprochen, sondern sie Wirklichkeit werden lassen – selbst um den Preis des eigenen Lebens. Alle, die in seiner Spur unterwegs sind, müssen das wissen. Und eigentlich wissen sie es auch. Ja, auch wir, die wir noch hier sind. Die immer wieder kommen. Weil wir die Sache Jesu noch nicht aufgegeben haben. Weil wir in der Kirche noch mehr Möglichkeiten und Hoffnungsräume erkennen als Abgründe und rückwärtsgewandte Ideologien. Auch wir wissen das. Doch was bedeutet das für unser Handeln?

Alexander Bergel
24. April
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Predigt zu Ostern

Wie erklären Sie einer 17-jährigen Atheistin, was die Vision Jesu war – auf einem Bein stehend? Können Sie das? Oder müssen sie erst üben, auf einem Bein zu stehen? Zugegeben, diese Frage erwischt Sie vermutlich etwas unvorbereitet. Vielleicht fragen Sie sich auch gerade: Warum sollte ich das überhaupt tun? Ich kenne gar keine 17-jährige Atheistin. Und Jesu Vision – na ja, wie soll man sagen, irgendwie schwierig … Sicher, er hat es versucht, wirklich versucht. Manches hat auch funktioniert. Gut sogar. Menschen haben Heilung erlebt. Ausgestoßene Gemeinschaft. Und Gefangene Freiheit. Aber hat sich das durchgesetzt? So richtig? Seine engsten Vertrauten damals – waren die überzeugt davon? Und – vielleicht noch wichtiger: Überzeugt es uns? Berechtigte Frage.

Also werden wir konkret: Was genau bedeutet es mir, diesem Jesus zu folgen? Ihm, der gestorben und am dritten Tage auferstanden ist, wie es so schön heißt. Ja, was bedeutet das, liebe Schwestern und Brüder – auferstanden von den Toten? Was bedeutet es mir? Welche Kraft ziehe ich – ich ganz persönlich – aus diesem ungeheuren Ereignis? Was bewegt es in mir? Und was bewege ich dadurch? Hat Ostern, hat die Auferstehung Jesu wirklich etwas mit meiner Erfahrung zu tun? Prägen die Melodien, die Worte, die Geschichten mein Leben so sehr, dass ich es spüren kann – und meine Umgebung am besten gleich mit?

Fragen über Fragen. Wie so oft. Aber sie lohnen sich. Denn wer sich diesen Fragen stellt – am besten ohne allzu schnelle Antwort –, der wird erleben, welche Kraft in ihnen steckt. Und wenn Sie sich dann noch trauen, diese Fragen lieb zu gewinnen, und sich auf die Suche machen, auf die Suche danach, wo der Auferstandene Ihnen begegnet ist – wenn Sie diese Schritte wagen, diese österlichen Schritte, dann können Sie vielleicht immer noch nicht sehr lange auf einem Bein stehen. Aber Sie könnten einer 17-jährigen Atheistin erklären, was die Vision Jesu war. Mehr noch: Wie Sie selbst Teil dieser Vision geworden sind. Und warum Sie – trotz allem – immer wieder Ostern feiern.

Alexander Bergel
3. April
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Predigt am Gründonnerstag
zu  Joh 13,1-15

Ohmnächtig –
das war er.
Nicht gespielt.
Auch nicht kokett.
Nein, durch und
durch.

Auf dem Esel.
Einzug in die große Stadt.
Was für ein Bild.
Bejubelt zwar,
doch von Königspurpur
keine Spur.

Mit der Schüssel unterm Arm
geht’s weiter.
Wasser auf die Füße.
Bitte, Herr, was soll denn das?
Das muss doch nun nicht sein!
Doch, es muss.

Letzter Schritt:
das Kreuz.
Ausgespannt und aufgestellt:
der Mensch.
Ohnmächtiger geht kaum.
Ein Schrei zerreißt die Welt.

Ohnmächtig ist er,
dieser Mann aus Nazareth.
Manche werden später sagen,
dass Gott selbst es war,
der seine Allmacht
an den Nagel hing.

Gott ent-mächtigt sich.
Warum?
Warum
um alles
in der Welt?
Genau deshalb wohl.

Um alles in der Welt,
um wirklich alles
zu umarmen.
Und um zu zeigen,
welcher Weg der
wahrhaft starke ist.

Nur eine Liebe,
die aufs Ganze geht,
die das Kleine,
Schwache,
Verkorkste,
das Zerstörte sucht,

nur eine solche Liebe,
frei von Zwang und Macht,
kann alles ändern,
kann den Menschen
aufrichten und
heilen.

Eine Liebe,
die aufs Ganze geht,
hat es nicht nötig,
groß zu sein.
Sie macht sich klein.
Und lässt den andern stark sein.

Wir erleben eine Kirche,
in diesen Tagen mehr und mehr,
die ihre Macht einbüßt,
und endlich keinem mehr die Hölle heiß
oder das Leben selbst
zur Hölle macht.

Indem sie weiß,
nur sie allen, was richtig ist
und was auf keinen Fall.
Indem nur sie entscheidet,
wer ein Recht auf Gnade hat
und wer, vor allem, nicht.

Wir spüren ihn,
den
Machtverlust,
wohl wie
noch
nie.

Gott entäußert sich
all seiner Macht.
Die Kirche ist gerade erst dabei.
Wenn sie ihm
nahe kommen will,
dann sollte sie das weiter tun.

In diesen Tagen
kann sie lernen
wie es geht.
Und wir –
wir könnten auch
in diese Schule gehen.

Alexander Bergel
1. April
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Predigt am Palmsonntag
zu  Mt 21,1-17.46

Zerrissener geht es kaum. Jubel hier, Ablehnung dort. Auf der Straße der erwartete Befreier, im Tempel der alles über den Haufen werfende Umstürzler. Jubelnde Massen draußen, auf Abwehr programmierte Priester drinnen. So war es damals in Jerusalem. Und der, um den es sich dreht – Jesus aus Nazareth, der Befreier, der Prophet, der Störenfried, der Zärtliche, der Zerstörer –, er steht da und fordert eine Antwort. Damals. Und heute auch.

Jesus lässt sich nicht abbringen von seinem Weg. Zu den Menschen führt dieser Weg. Ohne Kompromisse. Alles, was sich dem entgegenstellt, räumt er weg. Traditionen, die nicht mehr tragen, die hohl und leer, mitunter sogar falsch oder gar menschenverachtend geworden sind, genauso wie eine geschäftemacherische, gewinnmaximierende, die Sorgen der Menschen vergessende Wirtschaft und Politik. Kein Wunder, dass die Mächte des Marktes und die Mächtigen alle Zeiten sich schwer tun mit ihm.

Man könnte ihn laufen lassen. Reden lassen. Ein bisschen Heilen hier, ein wenig Aufmunterung dort – das stört nicht. Ist vielleicht auch ganz gut für die Schwachen, die Kranken, die, die es halt nicht bringen. Aber wehe, wenn aus diesem Gutmenschentum eine Bewegung wird! Wehe, wenn Menschen so berührt, so gekräftigt, so nachdenklich geworden sind und plötzlich so stark, dass die Worte und Taten Jesu Folgen haben!

Denn dann wird es gefährlich. Nicht nur für die Großen und Mächtigen. Nein, gefährlich wird es auch für mich. Dann nämlich, wenn diese Dynamik mich ergreift, wenn ich der Frage nicht mehr ausweichen kann: Was bist du bereit zu tun? Wir wissen es schon lange, aber Jahr für Jahr erinnert uns diese Woche daran: Jesus zu folgen, das hat Konsequenzen. Weil er selbst so konsequent war. Nicht nur reden, sondern handeln. Nicht nur von Gott sprechen, sondern ihm zur Stimme werden. Nicht nur an der Hülle kratzen, sondern zum Kern vordringen. Um diesen Kern geht es an diesen Tagen.

Wir erinnern uns an das, was war. Um zu verstehen, was ist. Was immer ist: Nähe und Distanz. Zuneigung und Ablehnung. Freundschaft und Verrat. Liebe und Hass. Schmerzen und Zärtlichkeit. Einsamkeit und Begegnung. Fragen und Antworten. Licht und Dunkel. Leben und Tod. Wir erinnern uns an den Weg Jesu. Und betrachten dabei unseren eigenen Weg. Unseren Weg mit all seiner Zerrissenheit. Denn das ist es doch, was uns oft so zu schaffen macht, oder? Dieses Zerrissen-Sein. Zerrissen zwischen Zustimmung und Ablehnung. Zerrissen zwischen Nähe und Abstand. Zerrissen zwischen Mut und Kraftlosigkeit. Zerrissen zwischen Ja und Nein.

Auch Jesus war zerrissen. Auch Jesus war nicht immer stark. Auch Jesus wusste nicht immer auf alles eine Antwort. Am Ende seines Lebens schreit er es heraus: Warum, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Selbst bei ihm, dem Gottessohn, tiefe Zerrissenheit! Doch dabei bleibt es nicht. Er, der nicht nur in die tiefsten Niederungen des Menschseins hinabgestiegen ist, um dort allen zu begegnen, die am Boden liegen, er ist in die tiefsten Abgründe auch seiner Seele hinabgestiegen, am Ende gar in die tiefsten Tiefen des Todes. Doch dort, genau dort, ist er dem Leben begegnet. Dem ursprünglichen, wahren, kraftvollen Leben.

Am Beginn dieser Woche, in der die Zerrissenheit der Welt, in der die Zerrissenheit unserer eigenen Existenz für alle sichtbar wird, irgendwo zwischen Hosianna und Kreuzige ihn, am Beginn dieser Woche und auch an deren Ende und zwischen den Zeilen auch, da leuchtet bereits etwas anderes auf. Ein Gefühl, nein, das wäre zu wenig – eine Kraft, ja eine Kraft, die mich packt und überwältigt und aufrichtet und heilt. Ich werde selbst kraftvoll, traue mich, Dinge zu benennen, breche heraus aus dem eigenen Panzer, sehe das Gute, freue mich am Leben und trete dafür ein. Ja, selbst der Tod macht mir dann keine Angst mehr. Was für eine Verheißung! Jesus ist diesen Weg gegangen. Warum sollten wir das dann nicht auch schaffen?

Alexander Bergel
28. März
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Predigt am 5. Fastensonntag
zu  Joh 12,20-33

Sprechen Sie Klingonisch? Vermutlich nicht. Einige von Ihnen fragen sich vielleicht gerade, was das überhaupt sein soll: Klingonisch. Klingonisch ist eine konstruierte Sprache, die im Auftrag einer Filmgesellschaft Anfang der 80er-Jahre für die Klingonen, eine außerirdische Spezies in den Star-Trek-Filmen, geschaffen wurde. Ein ganz eigenes Sprachenuniversum, das man sogar lernen kann. Als Hobby sicher eine interessante Sache. Es macht eingefleischten Fans großen Spaß und ist in der fiktiven Welt etwas, womit man sich ein Leben lang beschäftigen kann. Keiner käme jedoch auf die Idee, Klingonisch zu einer weiteren Amtssprache in der EU oder im Deutschen Bundestag zu machen. Denn Klingonisch ist eine Fiktion. Mehr nicht. Und damit sind wir bei der katholischen Kirche im Jahr 2021 angekommen.

Was wir allein in den letzten Tagen erlebt haben, lässt einen – im harmlosesten Fall – verwundert die Augen reiben. Da erreicht uns ein Brief aus Rom, der – wie schon so häufig – huldvollst dazu aufruft, homosexuell liebenden Menschen mit Takt und Mitgefühl zu begegnen, denn sie sind ja schließlich Menschen. Das, was aber zu ihnen gehört, nämlich Menschen desselben Geschlechts zu lieben, das ist nicht so in Ordnung. Jedenfalls dann nicht, wenn sie unter partnerschaftlicher Liebe das verstehen, was die meisten Menschen unter partnerschaftlicher Liebe verstehen. Das widerspreche nämlich – und da müsse man bitte Verständnis haben, da könne die Kirche einfach nicht anders handeln –, das widerspreche dem Schöpferwillen Gottes, den man in Rom nun einmal exklusiv und bis ins Detail kennt. Daher könne man eine solche Verbindung auch nicht segnen. Gott segne nämlich nicht die Sünde. Ist das denn so schwer zu verstehen?

Ein paar Tage später erleben wir, und damit dringen wir noch tiefer ein in das Paralleluniversum katholische Kirche, ein paar Tage später erleben wir in Köln die Veröffentlichung des lang erwarteten, von Kardinal Woelki in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Untersuchung der Strukturen der Vertuschung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln. Es werden Namen benannt. Endlich. Es werden Rücktritte angeboten. Selbstverständlich. Es werden Interviews gegeben, nach denen ich aber einmal mehr den Eindruck habe, dass deren Sprache – juristisch ausgewogen, jedes Wort bedacht – große Chancen hätte, eine neue Unterart des Klingonischen zu werden. Warum? Weil hier so getan wird, als ob man mit verschwurbelten Formulierungen und dem Hinweis auf vieles, was doch auch richtig gelaufen sei, zu den Menschen vordringen könne. Das Gegenteil ist der Fall. Was sich manche Kirchenfürsten in ihrem Paralleluniversum zurechtbasteln, hat mit der Realität vieler Menschen rein gar nichts mehr zu tun. Das Tragische daran ist: Die Fans des Klingonischen wissen in der Regel, dass sie sich zum Spaß in eine Parallelwelt begeben haben. Die amtlichen Vertreter des katholisch Klingonischen scheinen ihre Parallelwelt für die Realität zu halten.

Wir müssen uns nichts vormachen: Ein Paralleluniversum hat in der realen Welt keine Überlebenschance. Natürlich muss man nicht allem, was in der Welt geschieht, zustimmen. Zu sehr gibt es Ungerechtigkeiten, Ausbeutung, Fanatismus, eine Wirtschaft, die tötet, und auch so manches, von dem man zu recht sagen kann: Das ist plumper Zeitgeist, der sich nach kurzer Dominanz wieder legt. Es muss – ganz sicher – immer auch Aufgabe der Kirche sein, Alternativen aufzuzeigen. Aber die müssen sich doch messen lassen am Leben Jesu. An seiner Botschaft. An seiner klaren Art, sich an die Seite der Menschen zu stellen. Vorbehaltlos. Ohne Diskussion. An die Seite derer, die von Mächtigen malträtiert, von den religiösen Eliten ausgeschlossen und von den moralisch Hochbegabten verachtet werden. Da, und nur da, finde ich, ist dann auch der Platz der Kirche.

Kirche muss neugierig machen auf diesen Jesus von Nazareth. Kirche muss Menschen helfen, den Weg zu ihm zu finden. So wie es Philippus und Andreas gemacht haben, damals mit den griechischen Pilgern in Jerusalem. Die hatten wohl irgendwie von Jesus gehört. Von seiner Art, Menschen zu berühren. Von seiner Kraft und seinen neuen Ideen. Sie hatten die Hoffnung, dass dieser Jesus auch sie berühren, stärken, vielleicht sogar heilen könnte. Zumindest aber erhofften sie sich von ihm Antworten auf ihre Fragen. Also nahmen sie Kontakt zu Philippus auf. Den kannten sie. Der verstand ihre Sprache. Und er sprach sie auch. Griechisch war das, nicht Klingonisch. Philippus wiederum fragt Andreas um Rat, der Jesus auch kennt, ihm vielleicht ein wenig näher steht. Und dann gehen sie gemeinsam zu ihm. Und nehmen die Fragenden mit.

So kommen Menschen zu Jesus. Ohne Einlasskontrolle. Ohne Überprüfung, ob man bestimmten Kriterien entspricht. Ohne Belehrung. Ohne gönnerische Geste. Jesus lässt alle zu sich, die sich das wünschen. Und dann spricht er zu ihnen. So wie die Menschen es brauchen. Damit sie ihren Weg finden. Damit sie Perspektiven entdecken. Damit sie Gott in ihrem Leben spüren. Damit die Welt ein Ort des Heiles wird. Und zwar nicht in einem Paralleluniversum. Sondern in der Welt, die ist, wie sie ist. Eigentlich ist das alles nichts Neues. Aber nach den Ereignissen der letzten Tage, Wochen und Monate, in denen wir erleben mussten, wieviel Klingonisch in Rom, in Köln und an manch anderen Orten gesprochen wurde, ist es an der Zeit, eines klar zu fordern: Überlasst das Klingonische den Star-Trek-Fans. Die Sprache der Jüngerinnen und Jünger Jesu ist eine andere.

Alexander Bergel
21. März
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Predigt am 4. Fastensonntag
zu 2 Chr 36,14-16.19-23

„An den Strömen von Babel, da saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten.“ So klagt Israel, das heimatvertriebene Volk, im Babylonischen Exil. Verschleppt, zerstreut, verachtet. Dieses Volk, dem Gott doch seinen Bund versprochen hatte – es ist am Ende. Ohne Mitte. Ohne Perspektive. Ohne Heimat. Und dann noch der Hohn der Verschlepper: „Na, wo ist er denn, euer Gott? Hat er euch vergessen?“ Ein Schlag ins Gesicht! Alle, die Gott folgen und ihn doch oft genug schmerzlich vermissen, wissen, wie sich das anfühlt – der Spott derer, die sagen: „Wie kann man nur so naiv sein! Bei allem, was in der Welt passiert! Und Du glaubst diese Märchen immer noch!“

„Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren!“ Trotz allem, ja trotz allem hält Israel fest an seinem Glauben. Auch wenn alles dagegen spricht: die Umstände, die Erfahrung, das Gefühl. Aber die Menschen geben nicht auf. Die Sehnsucht nach Gott, ja vielleicht auch nur die Sehnsucht nach der Sehnsucht hat dieses Volk am Leben gehalten. Siebzig Jahre hindurch. Ein ganzes Leben also. Aber – und jetzt wird es spannend – dieses Israel tut nicht das, was Menschen sonst recht gerne tun: Israel bleibt nicht in der Vergangenheit stehen. So sehr es die Erinnerung an vergangene Zeiten auch als kostbaren Schatz bewahrt – dabei bleibt es nicht. Und so machen die Menschen, mühselig und auch sicher nicht ohne Rückschläge, neue Erfahrungen. Plötzlich war der zerstörte Tempel in Jerusalem nicht mehr der einzige Ort der Gottesbegegnung. Gerade diese fürchterliche Zeit des Exils wurde zu einer besonders intensiven Zeit der Gott-Suche, des theologischen Nachdenkens – und zu einer Zeit der Gottes-Erfahrung.

Lange ist das her. Wir sind nicht vertrieben. Leben in Sicherheit. Alles in allem brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Obwohl – hat uns Corona nicht auch zu Vertriebenen gemacht? Vertrieben aus dem selbstsicheren „So läuft das hier!“ Vertrieben aus dem „Wir sind auf der sicheren Seite!“ Vertrieben aus dem „Wir schaffen das!“ Und jenseits unserer Corona-Erfahrungen ist auch der Glaube an Gott immer ein Tanz auf dem Drahtseil in luftiger Höhe. Denn: Wie sicher können wir uns bei all dem sein? Kann ich wirklich glauben, dass es diesen Gott gibt? Dass er gar einen Plan für mein Leben hat? Fällt es mir wirklich so leicht, diesem Gott mein Vertrauen zu schenken? Oder bin ich mir vielleicht doch nicht immer so ganz sicher? Die Vertreibung ins Exil – ist das manchmal nicht auch meine Realität? Dann, wenn die Sicherheiten schwinden, die bohrenden Fragen in mir laut werden oder das mitleidige Lächeln derer, die mich für einen Naivling halten?

Zum Glauben gehören ganz offensichtlich die Zeiten, in denen alles ins Wanken gerät. Damals war es der festgefügte Tempel. Heute sind es festgefügte Zusammenhänge, die keine mehr sind. Vielen macht das Angst. Manche ignorieren das, machen weiter wie bisher – und merken am Ende doch, dass das nicht trägt. Aber darum, ja vor allem darum ging es damals im Exil. Und darum geht es für Glaubende heute: Um die Frage nämlich: Was trägt mich? Noch besser: Wer? Lassen wir diese Frage wirklich an uns heran?

Alexander Bergel
14. März
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Predigt am 3. Fastensonntag
zu Joh 2,13-25

Haben Sie Ihren Frühjahrsputz schon erledigt? Jesus ist grad mittendrin. Er war zum Paschafest nach Jerusalem gekommen. Zu jenem Fest also, das an die Befreiung Israels aus der Sklaverei erinnert. Beten wollte er. Seinem Gott nahe sein. Einem Gott, der aus dem Nichts heraus Unglaubliches wirken kann. Gerade noch hatte er es auf eindrucksvolle Weise erlebt. Kurz vorher nämlich tat Jesus sein erstes Zeichen: aus Wasser wurde Wein bei der Hochzeit zu Kana. Und nun? Hier in Jerusalem begegnet Jesus Menschen, die nicht mehr viel zu erwarten scheinen. Der ganze Tempel steht voller Gerümpel. Überall Geld, Tiere, Devotionalien. Kaufen, Machen, Anfassen – das ist die Devise. Wo aber bleibt da die Offenheit, sich beschenken zu lassen? Jesus durchfährt ein heiliger Zorn: „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ Alles muss raus. Alles, was sich zwischen Gott und den Menschen drängt – weg damit. Ein Frühjahrsputz der ganz eigenen Art …

Die Zeit vor Ostern ist auch so eine Art Frühjahrsputz. Frühjahrsputz der Seele sozusagen. Doch Vorsicht: Wer sich das traut, stößt ziemlich sicher auf eine Frage: Was ist in meinem Inneren eigentlich los? Eher Markthalle oder eher Tempel? Also: Eher Lärm, Chaos und Durcheinander? Oder: Klarheit, Offenheit und Weite? Die Geschichte der Tempelreinigung könnte für uns zu einem heilenden Bild werden. Und zu einer Aufforderung: Mensch, wage es, in deine Abgründe hinab zu steigen. In dein Chaos. Blicke in deine dunklen Ecken. Schaffe eine klare Linie. Lass nicht zu, dass alles wichtiger wird als du selbst – und Gott. Wie aber kann das gehen?

Manchmal hilft beim Entrümpeln des eigenen Inneren der Weg über das Entrümpeln des Äußer-en. Ein Frühjahrsputz der Seele kann durchaus beim Entrümpeln der Wohnung beginnen. Viele haben es in diesen Corona-Zeiten bereits getan. Sie noch nicht? Dann schauen Sie sich mal um. Sind Sie zufrieden mit all dem, was Sie in Ihrer Wohnung so alles haben? Oder stehen Ihre vier Wände voll mit allem Möglichen, das Sie eigentlich gar nicht brauchen? Werfen Sie es weg – und Sie können wieder freier atmen. Versuchen Sie’s! Andere müssten vielleicht eher anfangen, ihre Zeit neu zu sortieren. Einfach war das noch nie. Aber momentan ist das eine noch größere Herausforderung. Für alle, die einsam zuhause sind und die quälend langsam vergehende Zeit erleiden genauso wie für alle, deren Leben sich nur noch am Laptop abspielt zwischen Homeschooling der Kinder, zu optimierenden Arbeitsabläufen, fehlenden Sozialkontakten und der Frage, wie bei alldem das Essen auf den Tisch kommt. Was könnte da helfen? Was muss sich ändern? Wieder andere müssten vielleicht ihre Beziehungen mal in aller Ruhe anschauen: Freunde, Bekannte, Kollegen. Und – so hart es klingen mag – vielleicht auch da ein bisschen sortieren und aufräumen. Oder neu investieren. Denn wie kann eine Freundschaft Zukunft haben, wenn ich sie nur noch irgendwie am Leben erhalte – weil sich keiner traut zu sagen, dass es eigentlich keine Freundschaft mehr ist?

Markthalle oder Tempel – das war die Frage Jesu. Und es ist unsere Frage! Jesus konnte nicht mit ansehen, wie der heilige Raum – der Ort also, an dem der Mensch Gott und sich selbst ganz nahe ist – zweckentfremdet wird. Am Ende nämlich, am Ende steht da zwar ein fester Bau – aber das Leben in ihm – das ist verschwunden. Alles läuft nur noch irgendwie so. Die Gottes-beziehung – läuft nach Plan, pünktlich am Sonntagmorgen für eine Stunde. Die Beziehung zu anderen – läuft nach Plan, ohne besonderen Reiz, muss ja. Die Beziehung zu mir selbst – Ach ja, man wird auch nicht jünger … Ja, so kann’s gehen. Muss es aber nicht. Noch – noch ist Zeit!

Alexander Bergel
7. März
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Predigt am 2. Fastensonntag
zu Gen 22,1-18 und Mk 9,2-10

Schlimmer geht’s eigentlich nicht: „Nimm deinen Sohn, den einzigen, den du liebst, und bring ihn als Brandopfer dar.“ Wie schrecklich! Und was für ein Gott! Selbst wenn wir wissen, wie die Geschichte ausgeht, dreht sich einem der Magen um. Gott stellt Abraham auf die Probe. Warum nur? Ist das Leben nicht schon grausam genug? Muss Gott jetzt auch noch einen draufsetzen? Der Weg des Abraham mit seinem Sohn Isaak zum Berg Morija ist eine der dunklen Geschichten des Alten Testaments. Wenn ich sie lese, spüre ich, wie fremd mir Gott sein kann. Viel Dunkles, viele Schatten und noch mehr Fragen tauchen auf: Was ist das denn für ein Weg, den Gott mit uns geht? Wie finde ich mich da wieder? Was tue ich, wenn ich mich völlig überfordert fühle? Wenn mich das, was mir begegnet, zu Tode ängstigt?

Abraham, der Mann des großen Vertrauens, geht ihn, seinen Weg. Durch alle Höhen und Tiefen des Lebens hindurch. Seine Zukunft ist zwar immer bedroht. Aber: Er vertraut. Er vertraut, dass Gott trotz allem einen Plan für ihn hat. Sein Sohn soll leben. Beide werden eine Zukunft haben. Am Ende wird also alles wieder gut. Manche Bibelwissenschaftler sagen: In dieser Erzählung wird eine heilsame Entwicklung verarbeitet: die Abschaffung der Menschenopfer nämlich, die Gott ganz und gar nicht will. Natürlich – so kann man diese Geschichte auch lesen. Und vermutlich ist es auch so: Gott hat keine Freude an Opfern, an Menschenopfern schon gar nicht. Er will unser Herz. Wer sich so in diese alte Erzählung hineinbegibt, der sieht Gott von einer ganz anderen Seite. Die Bibel als verarbeitete Erfahrung, als Entwicklung gar von grausamen Kulten zu einer Liebesbeziehung, zu einem Miteinander auf Augenhöhe.

Ja, das will uns diese Erzählung sicher auch sagen: Gott geht gegen das Grausame in dieser Welt an. Er geht sogar so weit, dass er es selbst mit all dem Grausamen aufnimmt, um es von innen heraus zu verwandeln. Er wird Mensch. Kommt selbst in diese Welt. Aber ist seither alles gut? Natürlich nicht. Es wird ein langer Weg bleiben. Ein Weg aber, auf dem es uns auch wie Schuppen von den Augen fallen kann, wie nah uns Gott so manches Mal gekommen ist. So nah, dass wir diesen Moment festhalten möchten – wie Petrus auf dem Berg Tabor: „Herr, ich will drei Hütten bauen. Lass dieses Glück doch niemals aufhören!“ Doch dieses Hochgefühl ist meist schnell wieder vorbei. Jeder, der mit Gott unterwegs ist, weiß das.

Geschichten wie die des Abraham mit seinem Sohn Isaak zeigen mir, dass alle Versuche, Gott zu begreifen, ins Leere laufen. Sie mahnen mich, den Mund nicht zu voll zu nehmen und zu sagen: So und so ist Gott, das will und tut er aus dem und dem Grund. Gott bleibt ein großes Geheimnis. Eines, das mich nicht bequem werden lässt. Wer mit Gott unterwegs ist, wird ihn immer spüren, diesen Stachel. Den Stachel der bohrenden Fragen. Den Stachel der Ratlosigkeit. Den Stachel des Zweifels. Aber dabei müssen wir nicht stehen bleiben. Auf dem Berg Morija zeigt sich Gott als der Verborgene, schwer Zugängliche. Auf dem Berg Tabor strahlt das göttliche Licht durch alles hindurch – eine Ahnung von Ostern macht sich breit. Und wir? Irgendwo dazwischen. Was meinen Sie: Auf welchem Berg sitzen Sie wohl gerade?

Alexander Bergel
28. Februar
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Predigt am 1. Fastensonntag
zu Gen 9,8-15 und Mk 1,40-45

Ob Jesus wohl geahnt hat, was das bedeutet? Ziemlich direkt nach seiner Taufe geht er in die Wüste. Um allein zu sein. Und um zu klären, was das heißt: Gottes Sohn sein. Genau das hatte er dort gehört, drüben am Jordan. Doch nun, nun sitzt er da. Ganz allein. In dieser Steinwüste, in der man nichts anderes hört als seinen Herzschlag … Alles, was mich ablenkt, alles, was ich mir suche, um ja nicht meinem Leben auf den Grund zu gehen – all das ist plötzlich weg. Nur noch in bin da. Ich ganz allein. Wissen Sie, wie sich das anfühlt?

Schön ist das nicht! In diesem Moment kommen sie nämlich mit voller Wucht – die gefürch-teten, oft verdrängten Fragen: Wer bin ich eigentlich wirklich? Wofür lebe ich? Was wäre, wenn es mich nicht mehr gäbe? Hat das alles überhaupt einen Sinn? Von jetzt auf gleich erwischt es einen manchmal. Gerne mal mitten im Urlaub. Oder an großen Festen. Diese Fragen überfallen mich, wenn ich wirklich alleine, ganz alleine bin. Oder aber im Kreis von ganz vielen Menschen. Mit diesen Fragen im Nacken ist man dann plötzlich trotzdem der einsamste Mensch der Welt.

Was tut man dann? Weglaufen? Sicher. Man kann alles wegdrängen. Weitermachen wie bisher. Sich einreden: „Ach, so schlimm ist das nicht. Die depressive Phase vergeht schon wieder!“ Man kann sich noch mehr Arbeit suchen. Oder Ablenkungen. Der Markt ist voll davon. Nur – irgendwann reicht das auch nicht mehr. Das Übermaß an Arbeit kann zum Herzinfarkt oder Burnout führen, die beste Party ist irgendwann zu Ende oder langweilig. Die zur Routine erstarrte Beziehung ist am Ende keine mehr, nur noch Gewohnheit. Und schnell ist man älter, als es einem lieb ist. Und dann?

Jesus war vierzig Tage in der Wüste. Er hat sich von Grund auf infrage stellen lassen. Er ist seiner Sehnsucht auf den Grund gegangen, hat sich in die Abgründe seiner Existenz hinein begeben. Jesus hat gekämpft. Mit all dem Destruktiven, Aggressiven, Verkorksten in der Welt – und in sich selbst. Er hat am eigenen Leib erfahren, was zutiefst zum Menschen gehört: die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, die Sehnsucht nach Freiheit und Zukunft, die Sehnsucht nach einem gelingenden Leben.

Wie lange zuvor bereits Noah, der sich durch die Wassermassen des Todes hindurch quält, kämpft sich Jesus durch die Abgründe des Zweifels, der Angst, des Alleinseins hindurch. Und fasst Mut. Mut, dem Leben mehr zu trauen als der Fratze des Bösen. Sich nicht aufzugeben, auch wenn Hitze und Sand den Durst unerträglich werden lassen. Jesus gibt nicht auf. Im Gegenteil. Nach dieser quälenden Wüstenerfahrung geht es bei ihm erst richtig los. Vermutlich konnte er seinen Weg nur gehen, weil er vor sich selbst nicht davon gelaufen ist. Er hat es geschafft. Hat Heil erfahren und weiter geschenkt. Das war die Geschichte von Jesus in der Wüste. Und bei uns – wie sieht’s bei uns aus?

Alexander Bergel
21. Februar
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Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis
zu Mk 1,40-45

„Jesus hatte Mitleid mit ihm.“ Dieser kleine Satz sagt eigentlich schon alles. Jesus lässt die Welt nicht kalt. Ganz im Gegenteil. Immer wieder mischt er sich ein. Immer wieder bewegt er die Herzen von Menschen. Immer wieder wendet er sich ihnen zu. Immer wieder stellt er sich auf die Seite der Schwachen. Immer und immer wieder. Wer sich die Evangelien der letzten Sonntage anschaut, könnte meinen, Jesus habe sein Leben lang nur Kranke geheilt. Langsam kann man es schon nicht mehr hören: Nach der Heilung des psychisch Kranken, dann der Schwiegermutter des Petrus und vieler Leute, „die an allen möglichen Krankheiten litten“, nun die Heilung eines Aussätzigen.

„Wir haben es ja verstanden!“, möchte mancher da vielleicht einwenden. Aber haben wir das wirklich? Haben wir wirklich begriffen, nicht nur vom Kopf, sondern auch mit Herz und Bauch, dass Jesu Hartnäckigkeit Methode ist? Gott rückt dem Menschen immer wieder auf die Pelle. Er meint mich. Mit allem Kranken. Mit allem Gebrechen. Mit aller Angst. Mit aller Sorge. Ich merke, mir tut es gut, mich daran erinnern zu lassen. Nichts anderes tun gläubige Juden bis heute, wenn sie sich immer und immer wieder daran erinnern, wie sie Gott – oft in tiefster Not – erfahren haben.

Auch wir können uns im Licht dieses Glaubens auf die Suche machen nach Gott, nach seinen Spuren in unserem Leben. Neugierig geworden? Dann lesen Sie diese Geschichten doch einfach mal nach. Beginnen Sie Ihre Schatzsuche beispielsweise mit dem Markus-Evangelium. Versetzen Sie sich in das Leben der Menschen, denen Sie da begegnen: den Schwachen und Zukurzgekommenen, den Erfolgreichen, den Kranken, den Gesunden, den Komischen, den Verrückten – all denen, die da sind. Vielleicht blicken Sie dort ja wie in einen Spiegel! Und sind mitten drin – in einem großen Abenteuer …

Alexander Bergel
14. Februar
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Gebet, Musik & Poesie

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Ostersonntag.
.  Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karsamstag.
.  Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.
.  Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.

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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zur Nacht auf den Karfreitag.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Palmsonntag.
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Exerzitien im Alltag sind kein neues Format. Es gibt sie in unterschiedlicher Ausprägung und mit unterschiedlicher Akzentsetzung. In unserer Gemeinde haben wir bereits seit einigen Jahren in der Fastenzeit dieses geistliche Angebot, das sich in seiner Dynamik an Ignatius von Loyola orientiert. Über insgesamt fünf Wochen werden die Teilnehmer*innen in ihrem Alltag durch Glaubensimpulse zu verschiedenen Themen begleitet, angeregt oder auch herausgefordert.

Während es zu Beginn der Exerzitien zunächst darum geht, ein gutes Fundament für die geistliche Auseinandersetzung zu legen, werden im weiteren Verlauf die verschiedenen Dimensionen menschlicher Erfahrung in den Blick genommen und mit dem eigenen Leben in Beziehung gesetzt: Dabei steht zu Beginn jeder Auseinandersetzung immer das Offen werden für die Liebe Gottes, die sich im eigenen Leben bisher gezeigt hat und vielleicht neu zeigen will: Was gibt meinem Leben Halt, Freude und Kraft? Wo spüre ich in meinem Leben die Liebe Gottes – und die Freiheit, mit der ich von ihm ausgestattet wurde?

Erst in einem nächsten Schritt werden dann auch herausfordernde Momente des eigenen Lebens in den Blick genommen und reflektiert: Welche krisenhaften Lebenserfahrungen hatte ich – und wie kann ich diese mit meinem Christusglauben in Beziehung setzen? Lasse ich mich von Christus rufen? Wie kann ich mich auch in krisenhaften Momenten voll auf ihn ein- und verlassen. Es gilt: Nichts Menschliches ist fremd in der geistlichen Auseinandersetzung mit Christus. Neben den schönen Momenten im Leben, finden auch Erfahrungen von Zweifel, Leid, Schuld oder Tod Raum in den fünf Wochen der Exerzitien.

Begleitet werden die Exerzitienteilnehmer*innen dabei von einem festen Team, das ihnen nicht nur die täglichen Impulse an die Hand gibt, sondern darüber hinaus auch für persönliche Gespräche und einen Austausch in Kleingruppen zur Verfügung steht. Es ist ein besonderes Angebot, das vielleicht gerade in dieser Zeit dabei helfen kann, den eigenen Blick zu weiten und sich wieder neu auf Gott und die eigene Spiritualität auszurichten. Wenn Sie nun neugierig geworden sind, es aber in dieser Fastenzeit verpasst haben, sich für die Exerzitien im Alltag anzumelden – vielleicht wäre es ja ein spannendes Experiment für das nächste Jahr? Herzliche Einladung!

Und für alle, die noch auf der Suche nach geistlichen Impulsen für die Karwoche sind, hat Schwester M. Rita aus dem Team der Exerzitien im Alltag hier einige Anregungen für die persönliche Auseinandersetzung gesammelt:

Impuls: Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
(Lukasevangelium 22,14-23)

14 Als die Stunde gekommen war, legte er sich mit den Aposteln zu Tisch. 15 Und er sagte zu ihnen: Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. 16 Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis es seine Erfüllung findet im Reich Gottes. 17 Und er nahm einen Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt diesen und teilt ihn untereinander! 18 Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt. 19 Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! 20 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. 21 Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert, ist mit mir am Tisch. 22 Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er ausgeliefert wird! 23 Da fragte einer den andern, wer von ihnen das wohl sei, der dies tun werde.

Ich suche mir einen Ort, an dem ich ungestört bin
und finde mich mit dem Text ein.

Einige Augenblicke der Stille helfen mir,
an meinem Gebetsort anzukommen.

Ich lese den biblischen Text laut.
Lese nochmals.
Schließe meine Augen …

Ich stelle mir den Raum vor,
in dem Jesus mit seinen Jüngern zu Tisch liegt.

Die Tischgemeinschaft,
Jesus,
die Jünger,
den gedeckten Tisch
die Atmosphäre im Raum,
Gerüche,
die Geräuschkulisse.

Wo ist mein Platz
in dieser Tischgemeinschaft,
in diesem Raum?

Welches Wort Jesu spricht mich an?
Was löst es aus?

Ich bringe mit meinen Worten vor Gott zum Ausdruck,
was mich an diesem Schrifttext bewegt,
fragen
oder auch still sein lässt
und schließe mit einem Zeichen (z.B. Kreuzzeichen)
die Gebetszeit ab.

Bevor ich in den Alltag zurückgehe,
lasse ich meine Gebetszeit einen Augenblick nachklingen.

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Impuls: Betender Tagesrückblick

Der betende Tagesrückblick gehört zu den wichtigsten Übungen in den Exerzitien.
Ignatius von Loyola bezeichnet ihn als die wichtigste Viertelstunde des Tages.

Diese Übung hilft, aufmerksam zu werden für Gottes Gegenwart im eigenen Leben.
Ich finde mich ein und werde still,
stelle mich z.B. mit einem Kreuzzeichen oder dem Entzünden einer Kerze
bewusst in Gottes Gegenwart
und bitte ihn um einen ehrlichen Blick auf die vergangenen Stunden des Tages.

Mit Gottes liebenden Augen gehe ich in Gedanken meinen Tag durch:
Wo kann ich SEINE Spur entdecken?
in Menschen, in Situationen, …

Ich danke für Empfangenes.
Ich bitte um Vergebung und Heilung.
Ich schaue voraus auf den nächsten Tag,
bete ein Vaterunser und bitte um Gottes Segen für Vergangenes und Kommendes.
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Anne Burgard
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O Gott,
komm mir zu
Hilfe.

Mit dieser Bitte beginnt die Liturgie der Tagzeiten, das Gebet der Psalmen und der biblischen Lieder, Tag für Tag. Eine kraftvolle, bildreiche Poesie erwartet einen da. Am Morgen. Am Mittag. Am Abend. Zur Nacht. Und auch noch zwischendrin. Die Bitte um Gottes Hilfe, seinen Beistand, sein Weggeleit – sie durchdringt alles.

Manchmal reicht es vielleicht, nur diese Bitte im Herzen zu haben. Dann, wenn die Worte fehlen. Oder man zu müde ist, um überhaupt noch irgendwas zu sagen, zu denken, zu fühlen. Sie finden hier einen kleinen Gebetszettel. Vier Seiten. Für zuhause. Für zwischendurch. Für Sie.

O Gott – Teil 1
O Gott – Teil 2
O Gott – Teil 3
O Gott – Teil 4

Als pdf-Datei zum Ausrucken

O Gott – Außenseite
O Gott – Innenseite
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Es wär so schön
mein Gott
wenn wir doch wüssten
wohin die Reise geht

Es wär so schön
mein Gott
wenn meine Sorgen sich
in Wohlbefinden wandeln würden

Es wär so schön
mein Gott
wenn Klarheit herrschte
statt des dichten Nebels überall

Es wär so schön
mein Gott
wenn meine Schwermut
du zum Teufel jagen könntest

Schön wär’s
Doch was geschieht?
Vielleicht das eine:
dass du

in aller Schwermut
im dichten Nebel
bei allem Sorgen
Teil der Reise bist

Alexander Bergel
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herr
rühme mich
denn ich habe viel ausgehalten
ohne ein zeichen von dir

vielleicht bist du nur das echo von meinem schrei

doch dann hilf mir
aus meiner klage ein lied zu machen
an dem sich kommende fremde erwärmen können

SAID
Psalmen
München 2007
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Schaukasten-Gedanken

… können für einen kurzen Augenblick ansprechen oder irritieren
oder einfach nur Freude bereiten.

Hier finden Sie die schönsten Exemplare, die vor unseren Kirchen hängen,
zum Anklicken.
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