Kreuzweg

Impulse

Worte können heilen. Und zum Nachdenken bringen. Worte können Mut machen. Und neue Wege aufzeigen. Worte bringen Gefühle zum Ausdruck. Und Sorgen. Und Nöte. Glück und Unglück zeigen sich in ihnen ebenso wie Glauben und Hoffnung. Und natürlich Zuneigung und Liebe. Besonders schön ist es, wenn einem jemand solche Worte sagt. Wenn wir sie persönlich hören. Wenn wir spüren: Der meint mich!

In diesen Tagen können wir uns nicht mehr versammeln. Viele vermissen das schmerzlich. Aber lesen – das geht. Im neuen Format »Impulse« finden Sie künftig in loser Reihenfolge Gedanken, Erlebnisse, Deutungen, Diskussionsbeiträge, die uns im Pastoralen Team eingefallen sind. Oder die wir anderswo gefunden haben. Und die wir mit Ihnen teilen möchten. Solange wir uns nicht mehr sehen können. Und – warum eigentlich nicht? – auch darüber hinaus.

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Essays, Geschichten & Gedanken

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In diesen Tagen fallen die Ausgangsbeschränkungen und der lock-down wird zum open-up. #stayhome weicht der üblichen Abstandsregel. Alles wieder normal? Eher nicht. Die gegenwärtige Situation bleibt in vielerlei Hinsicht ein besonderer Zustand.

Kerstin Menzel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Praktische Theologie der Universität Leipzig, wagt einen persönlichen Ausblick. Ihren Beitrag vom 16. Mai können Sie hier lesen.
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Wie arbeiten Seelsorger eigentlich von zu Hause? Die Gedanken von Annika-Christine Weisheit, einer Pfarrerin im Homeoffice, vom 15. Mai finden Sie hier.
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»In der vergangenen Woche hat mich ein anderer Blogger angeschrieben. Er will die Auszeiten dieser Tage sinnvoll nutzen und zeigt Interesse an anderen Menschen. Auch an mir. Er fragt mich nach meinem beruflichen Werdegang, nach meiner Freizeit, aber dann doch immer wieder nach meinem Erleben der Coronakrise und nach Tipps, wie man sie (besser) bestehen kann. Ich versuche mal einige Antworten.«

Was Bischof Franz-Josef Bode im einzelnen denkt und was er rät, um in chaotischen Zeiten den Überblick einigermaßen zu behalten, verrät er in seinem Blog vom 12. Mai. Hier können Sie ihn nachlesen.
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Wie bist du verwurzelt, was gibt dir Kraft? Was lässt dein Leben gerade prickeln? Woher weißt du, was dein Ding ist?

Berufungs-Gedanken von Anne Wolters vom 3. Mai finden Sie hier.
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Manchmal denke ich, ich träume. Denn eigentlich kann das doch alles gar nicht wahr sein, oder? Doch, ist es. Es ist kein Traum. Im Gegenteil. Was wir in diesen Tagen erleben, wird mehr und mehr zum Alptraum. Wer Anfang des Jahres noch dachte: „Ach, das ist alles weit weg!“, wer Anfang März noch sicher war: „Na, so schlimm wird es schon nicht werden!“, wer zu Ostern traurig, vielleicht sogar allein im Schein der Osterkerze oder vor seinem Osternest saß und hoffe: „Aber bald – bald wird es besser!“, der merkt immer mehr: Dieser Ausnahmezustand wird uns noch lange begleiten.

Abstand halten, keine Besuche, jetzt sogar noch Mund-Nase-Masken! Egal wie lustig die auch aussehen mögen (ich habe zum Beispiel eine mit Katzenmotiv geschenkt bekommen, sonst eigentlich nicht so mein Style) – jeder spürt: Es ist wirklich ernst. Und wie lange soll das noch gehen? Keiner weiß es. Alle sind verunsichert. Vielen fällt die Decke auf den Kopf. Konflikte in Familien und Beziehungen, vielleicht lange unterdrückt, bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche. Eltern, alleinerziehende Väter und Mütter kommen an ihre Grenzen. Einrichtungen wie Schulen oder Kitas ebenso. Denn auch dort gibt es immer wieder neue Erlasse, manchmal fast stündlich. Unverständnis und Ängste bei den Betroffenen. Viele werden dünnhäutig und aggressiv. Und fragen: Wie lange noch?

All das wiegt schwer. Und macht Angst. Aber zum Glück gibt es auch viel Mut machendes! Wir erleben gerade – noch mehr als sonst –, was Menschen alles tun, damit es anderen gut geht. Menschen melden sich und fragen: „Wo kann ich helfen?“ Und sie fragen nicht nur, sondern tun es einfach: Vereine, Gruppen, Verbände, Kirchengemeinden, städtische Einrichtungen, Erwachsene, Jugendliche, Kinder. Auch da weiß keiner: Wie lange noch? Und werden wir es alles schaffen? Doch trotz alle dem: Sie machen mit. Gehen weiter. Suchen weiter. Helfen, dass nicht alles dunkel wird.

Ostern übrigens – Sie erinnern sich: die Sache mit der Auferstehung, nachdem eigentlich alles aus war, weil der, auf den viele ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, hingerichtet wurde –, Ostern, dieses kraftvollste aller Feste, habe ich in diesem Jahr so erlebt wie noch nie zuvor. Natürlich haben mir die Begegnungen mit den vielen Menschen gefehlt. Natürlich hätte ich mich gerne an das erinnert, was vor 2000 Jahren in Jerusalem geschehen ist. Natürlich hätte ich das gerne so gefeiert, dass die Erinnerung an die Ereignisse von damals ihre ganze Kraft auch heute entfalten kann. Natürlich … Aber es kam anders. Und weil es so anders kam – waren wir eigentlich ganz nah dran.

Nah dran? Warum? Weil diesmal nicht alles so war wie sonst. Wir wissen ja eigentlich ganz genau, wie die Geschichte ausgeht. Und müssen daher den schmerzhaften Karfreitag und den quälend langen Karsamstag nicht wirklich aushalten. Ostern kommt ja sicher, termingerecht nach Anbruch der Dunkelheit mit Halleluja und Glockenklang. Die Jüngerinnen und Jüngern damals aber, die wussten das alles nicht. Kein Fest. Nur Ratlosigkeit. Einsamkeit statt Jubel. Und Verzweiflung. Und ganz viele Fragen. Erst langsam, ganz langsam und vorsichtig, mit vielen Tränen und Zweifeln verbunden, haben die Freunde Jesu begriffen, was es bedeutet: Dass Jesus lebt. Dass der Tod den Kürzeren gezogen hat. Dass das Leben immer stärker ist, egal was geschieht. Es brauchte seine Zeit. Doch dann – dann haben sie es begriffen. Und wirklich gespürt. Diese Erfahrung konnte ihnen keiner mehr nehmen.

Wer heute, wer in dieser Krise nach Spuren Gottes sucht – durch all die Fragen hindurch, vielleicht auch mit Wut im Bauch, sicher aber mit Sorgen und Ängsten im Nacken –, wer allen Ernstes daran glaubt, dass Gott eine Realität ist, und zwar keine theoretische, sondern ganz praktisch erfahrbar, wer damit rechnet, dass dieser Gott auch heute seinen Platz im eigenen Leben hat – der hat das in diesen Tagen vielleicht neu verstanden. In der Einsamkeit dieser besonderen Ostertage. In Gesprächen, die sich möglicherweise darüber ergeben haben. Und in der Begegnung mit Menschen, die einfach handeln und nicht aufgeben. Die keine Träumer sind, sondern Anpacker. Fromm gesagt: Osterzeugen.

Alexander Bergel
28. April
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»Zwangspause mit Pausenzwang – ich habe mich erkältet und beobachte auf Weisung meiner Ärztin nun fleißig die Symptome. Zeit für eine erste Zwischenbilanz in der Coronazeit.«

Die Gedanken von Christian Bauer vom 26. April finden Sie hier.
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Die Emmaus-Geschichte.
Zwei auf dem Weg.
Weg von Jerusalem.
Einfach nur weg.

Die Emmaus-Geschichte.
Kennt jeder.
Aber so noch
nicht.

Hören Sie selbst.
Und zwar hier.
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So richtig Lust hatten sie keine. Warum auch? Macht sonst ja auch niemand. Aber irgendwie – irgendwie waren sie doch neugierig. Der große Bruder hatte gehört, wie jemand begeistert davon erzählte. Und so machen es die drei Geschwister also auch. Gehen los. Früh um halb 6. Alles ist dunkel. Und es ist Ostern.

Zwei Jahrtausende zuvor war schon einmal jemand unterwegs: Maria von Magdala. Auch sie sucht im Dunklen ihren Weg. Und kommt zum Grab vor den Toren der Stadt. Schreckliche Tage liegen hinter ihr. Was kommen würde? Sie weiß es nicht.

Man hört die ersten Vögel. Über den Feldern liegt Nebel. Der Weg der drei Geschwister führt über den Friedhof, am Grab des Großvaters und der Uroma vorbei. Dunkel ist es an diesem Ort des Todes. Es geht bergab, durchs Tor hinaus ins Weite. Bäume links und rechts. Welch wunderbarer Weg! Ganz langsam beginnt das erste Morgenrot zu glühen. Die Kälte bleibt. Die Nähe der anderen aber wärmt das Herz. In der Erinnerung bis heute.

Worüber sie gesprochen haben? Keiner weiß es mehr genau. Daran aber erinnern sie sich: tauschwer glitzernde Felder, zwitschernde Vögel in der Stille des anbrechenden Morgens – ein erstes Halleluja. Und dann die Sonne! Groß und rund steht sie am Himmel. Ihre Strahlen erfüllen alles, was war. Und prägen sich ein. 27 Jahre ist das her. Es begleitet mich bis heute. Unvergessen das Gefühl von damals: Er lebt!

»Machen« kann man das nicht. Und es ist auch kein Beweis. Natürlich nicht. Aber der Weg durchs Dunkle – er endet. Immer. Und daher lohnt es sich loszugehen. Nicht nur an Ostern. Aber vielleicht gerade da. Ich werde es – nach langer  Zeit – mal wieder tun. Am Ende dieser Osternacht. In aller Frühe. Wenn es noch dunkel ist. Und warten. Auf die Ostersonne!

Alexander Bergel
11. April
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Endlich ist es vorbei.
Endlich kommt was
Neues

Ostern

Neues Leben
Neue Liebe
Neues Glück

Ostern

Weg mit dem Leid
Weg mit dem Elend
Weg mit dem Tod

Ostern

Doch so einfach
geht es
nicht

Nie

In diesem Jahr
schon gar
nicht

Lang
wird er sein
der

Karsamstag

Länger
als
gedacht

Länger
als
zu ertragen

Länger
als
ich kann

Doch
lauf nicht weg
vor ihm

Nie

In diesem Jahr
erst recht
nicht

Lauf nicht weg
vor
ihm

Er gehört
zu dir
zu deinem Leben

Denn Ostern
kommt selten dann
wenn du es willst

Ostern
lässt sich
Zeit

Und die
braucht es
auch

Ostern kommt
sei dir
sicher

Aber
warten
musst du schon

Nicht
nur
in diesem Jahr

Lauf nicht weg
vor diesem
Tag

der sich anfühlt
wie eine
Ewigkeit

Halt
ihn
aus

Und plötzlich
fühlt er sich an
wie

Ostern

Und es ist mehr
als ein
Gefühl

Alexander Bergel
10. April
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Die Gedanken von Nils Stockmann vom 9. April finden Sie hier.
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Mit diesem Tag treten wir in die intensiven Feiern unseres zentralen Glaubens- und Lebensgeheimnisses ein. Die Decke der Welt liegt in diesem Jahr niedrig auf uns und dieser Woche. Am Gründonnerstag bündeln sich viele unterschiedliche Motive, Gestimmtheiten und Farben. Eine festliche, auch traurige Feierlichkeit liegt über diesem Abend. Die elementare Geste des gemeinsamen Mahles, der Riss, der durch diesen Abend und die Liturgie geht. Die Glocken fliegen nach Rom, wie man sagt, nachdem sie noch einmal festlich erklungen sind. Die Liturgie endet mit dem nackten Altar, der schmucklosen Kirche und dem leeren Tabernakel. Abschiedsstimmung und die Frage: Was bleibt?

Kennen wir diese Momente nicht, wenn wir Abschied nehmen mussten von geliebten Menschen, den Eltern und Freunden? In solchen Augenblicken bekommen wir ein Erbe, eine Hinterlassenschaft, die wir bewahren als kostbares Vermächtnis. Sie erhalten durch den Abschied eine besondere Kostbarkeit. Heute ist es diese Geste und Jesu Erbe: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Es bleibt nicht viel – und doch alles. Er sprach das Dankgebet. Brach das Brot und reichte es ihnen. Nehmt und esst, das ist mein Leib, gegeben für das Leben der Welt. Im bleibenden Vermissen bewahren wir dieses Vermächtnis seiner Gegenwart unter uns, von Generation zu Generation. Fast nichts – und doch alles.

Rite de passage: Vorübergehen und Bleiben, diese Erfahrung  machen wir Christen in der Eucharistie. Es ist das Geheimnis der Hingabe, das in einem Lied von Huub Oosterhuis  poetisch und elementar ausgedrückt wird: »Die Menschen müssen füreinander sterben, das kleinste Korn es wird zum Brot und einer nährt den andern. Den gleichen Weg ist unser Gott gegangen, und so ist es für dich und mich das Leben selbst geworden.«

Als mein Vater seinen 95. Geburtstag bei Kaffee und Kuchen im Seniorenheim feierte, nicht weit von seinem Tod, frug er mich anschließend, ob er ein Glas Bier haben könne. Klar doch. Und dann sagte er lächelnd zu mir: »Das bleibt: Ein Glas Bier und das Vater unser.«Kostbares Vermächtnis: Die Freude am Leben und ein tiefes Gottvertrauen.

Wir versammeln  uns an diesem Gründonnerstag nicht in den Kirchen, nicht in St. Franziskus. Aber vielleicht sind wir verbunden an diesem Abend beim Essen am Tisch in unseren Häusern, im glaubenden und betenden Vertrauen auch mit denen, die in diesen Tagen allein und isoliert sind oder sein müssen.

P. Hermann Breulmann SJ
8. April
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»Tagelang wartete ich darauf, dass ein Bischof öffentlich verkündete: Lest den Abendmahlsbericht, teilt Brot und Wein, erinnert euch und entdeckt darin Gottes Gegenwart.« Die »Gedanken eines Singles zur Karwoche« vom 6. April finden Sie hier.

Das, was sich die Autorin unter anderem für den Gründonnerstag wünscht, finden Sie übrigens bei uns in der Feier vom Letzten Abendmahl auf der Seite Ostern feiern.
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»Diese Fastenzeit der leeren und schweigenden Kirchen können wir entweder nur als ein kurzes Provisorium annehmen, das wir dann bald vergessen werden. Wir können sie jedoch auch als kairos annehmen – als eine Zeit der Gelegenheit, ‘in die Tiefen hinabzusteigen’ und eine neue Identität des Christentums in einer Welt zu suchen, die sich vor unseren Augen radikal verwandelt.«

Meint der tschechische Religionsphilosoph Tomáš Halík in seinem Essay vom 1. April in »Christ und Welt«, der Beilage der Wochenzeitung »Die Zeit«. Hier können Sie ihn lesen.
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Seit Anfang März wohne ich in der Lerchenstraße 91 neben der Kirche Heilig Geist. Durch die besonderen Umstände bedingt, habe ich bisher noch wenige Menschen aus der Pfarrei Christus König kennenlernen können und dürfen. Aber ich höre die Glocken von Heilig Geist. Während einer ersten Fahrradtour durch die Gemeinde mit Alexander Bergel hatten wir vom  Bürgerpark aus einen Blick auf die Glockentürme der Kirchen. Ich bin derzeit bei den Benediktinerinnen im Kloster Dinklage, auch da eine kleine Glocke, die zu den Gebetszeiten läutet.

Der Klang der Glocken regte mich zu einer kleinen Meditation über die Glocken und die Zeitangaben an, die sie uns anzeigen. Die Glocken erinnern uns daran, dass die Horizontale auch in diesen angespannten Zeiten nicht alles ist. Sie sind ein klangliches Symbol für unsere metaphysischen Antennen, die trotz aller Säkularität Ausschau halten nach einem Vorschein der Ewigkeit, einer anderen, vertikalen Zeit.

Der Klang der Glocken hat eine »mittlere« Reichweite, zwischen der globalen, synchronisierten Weltzeit auf unseren Smartphones und digitalen Uhren und der häuslichen Zeit in unseren Wohnungen. Ihr Klang erreicht unser Viertel, unsere Gemeinde und unsere Nachbarschaften, ob Christ oder nicht. Glockentürme und deren Klänge könnten mehr sein als »entlaubte Bäume in der postmodernen Landschaft« (Johann Baptist Metz). Vielleicht doch eine Erinnerung an die Vertikale, an unsere Sehnsucht nach einer Zeit, die nicht nur global und abstrakt ist, sondern Menschen erreicht, die sich in einem Viertel und einer Gemeinde beheimaten, die sich im Lokalen begegnen.

Derzeit müssen wir aus guten Gründen unser Leben disziplinieren, unsere Verhaltensregeln werden überwacht, aus guten Gründen, aber der Klang der Glocken morgens, mittags und abends erinnern uns auch daran, dass zur Überwachung und Disziplin in Corona-Zeiten die Fürsorge füreinander hinzukommen muss. Das Läuten der Glocken von Heilig Geist, Christus König und Sankt Franziskus erinnert mich an diese Dimension der Sorge, der Fürsorge und des Gebetes füreinander und daran, dass die Horizontale, auch in diesen verrückten Zeiten, nicht alles ist.

P. Hermann Breulmann SJ
30. März
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Dieses Bild sieht man selten. Und es wird sich einprägen. Vielleicht sogar ins kollektive Gedächtnis. Ein Mann, ganz in Weiß gekleidet, schreitet über den Petersplatz. Hinauf nach Sankt Peter. Dorhin geht er sonst auch. Der Papst. Aber an diesem Tag ist es ein einsamer Weg. Franziskus bittet Gott um Kraft und Leben für alle, die nicht mehr können. Die nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Die allein und isoliert sind. Oder tot.

Der Papst hat die ganze Welt eingeladen, mit ihm zusammen zu beten. Und die Leere auszuhalten, wie man sie auf dem Petersplatz sehen kann. Dieses Bild wird zum Symbol für jene Leere, die sich breit macht in den Herzen so vieler. Gleichzeitg erzählen die Kolonnaden, die den Platz im Zentrum Roms umschließen wie zwei weit geöffnete Arme, von den weit geöffneten Arme eines Gottes, »der sich der Menschen annimmt wie ein guter Vater und eine liebende Mutter«.

In seiner Predigt fragt Franziskus nach Gott, nach unserem Glauben, nach unserer Hoffnung. Und er macht Mut, nicht zu verzweifeln, sondern dem Auferstandenen zu vertrauen. Zu diesem Mut gehöre aber auch, sich durch diese Ereignisse in Frage stellen zu lassen. Uns und unseren Umgang mit der Welt. Für diese Welt und für alle, die auf ihr leben, bittet der Papst Gott um seinen Segen: »Urbi et orbi« – »der Stadt und dem Erdkreis«.

Die Live-Übertragung von Radio Vatican vom 27. März und die Predigt finden Sie hier.
Hier ein Video mit den besonderen Momenten dieses Abends auf dem Petersplatz.

Diese einzigartige Liturgie kommentiert aus der Sicht eines Theatermenschen und eines Liturgiewissenschaftlers.
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Kennen Sie Simson? Nein? Dann wird es Zeit! Simson war ein Held. Und was für einer! Einer mit langen Haaren. Und dem Hang zu Abenteuern. Kleinen und großen Katastrophen. Und Fettnäpfchen. Besser: Fettwannen. Das Buch der Richter im Alten Testament erzählt von ihm. Und von noch so manch anderen waghalsigen Männern und mutigen Frauen. Spannung pur. Simsons Geschichte in den Kapiteln 13-16 des Richter-Buchs beginnt so:

»Die Israeliten taten wieder, was in den Augen des HERRN böse ist. Deshalb gab sie der HERR vierzig Jahre lang in die Hand der Philister. Es war ein Mann aus Zora, aus der Sippe der Daniter, namens Manoach; seine Frau war unfruchtbar und hatte nicht geboren. Der Engel des HERRN erschien der Frau und sagte zu ihr: Siehe, du bist unfruchtbar und hast nicht geboren; aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Und jetzt nimm dich in Acht und trink weder Wein noch Bier und iss nichts Unreines! Denn siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Es darf kein Schermesser an seinen Kopf kommen; denn der Knabe wird vom Mutterleib an ein Gott geweihter Nasiräer sein. Er wird damit beginnen, Israel aus der Hand der Philister zu retten. Es darf kein Schermesser an seinen Kopf kommen.«

Simons Haare wachsen also. Und wachsen. Und wachsen. Sie sind Zeichen seiner Kraft. Einer Kraft, die von Gott kommt, der ihn – wie viele vor ihm und danach – braucht, um die Menschen zu führen, sie aus dem Gewohnten herauszulocken, ihr Verhalten in Frage zu stellen, sie in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen zu halten, Zukunft zu ermöglichen. Darum ging es damals in Israel. Darum geht es eigentlich immer.

In der Simson-Geschichte begegnen uns viele merkwürdige Situationen, teils sogar verstörende Ereignisse. Von einem Löwen ist da die Rede, den Simson mit bloßen Händen tötet, von gestohlenem Honig, von ausgestochenen Augen und einstürzenden Säulenhallen, von Liebe und Hass, Neid und Verrat. Als Simson unfreiwillig seine Haare – und damit seine Stärke – verliert, nimmt das Unheil seinen Lauf.  Am Ende ist auch Simson, der Held, nur ein fehlbarer, ein schwacher Mensch. So wie du und ich.

Wer sich in diese weit entfernte Welt hinein begibt, entdeckt eine Menge von sich selbst. Erfahrungen werden wach: Wenn alles ins Wanken gerät, wenn alles zugrunde geht, wenn die äußere Kraft abnimmt – wahre Stärke liegt doch woanders, oder? Die alten Geschichten behandeln unsere Themen. Und sie könnten Antworten geben. Durch die Jahrtausende hindurch erprobt. Aber lesen Sie selbst!

Bevor Sie jetzt zur Bibel greifen, noch eine kurze Frage: Machen Sie sich gerade Sorgen um Ihre Frisur? Immerhin sind die Friseure gerade alle dicht. Und werden es vermutlich lange bleiben … Trösten Sie sich – es geht allen so! Und wenn Sie dann in nächster Zeit beim Spazierengehen draußen oder morgens im eigenen Spiegel Haarlängen ungekannten Ausmaßes sehen – denken Sie an Simson und seine Mähne. Denken Sie an seine Kraft, die von Gott kam. Und stellen sich die Frage: Welche Kräfte schlummern eigentlich in mir?

Alexander Bergel
25. März
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Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Warum auch? Warum sie? Warum jetzt? Warum überhaupt? Nein, das passte nicht in ihr Konzept – wenn sie denn überhaupt eins hatte. Immerhin war sie gerade mal – gut, so ganz genau weiß man es heute nicht mehr, aber 15 war sie sicher noch nicht. Sie war jung. Hatte das Leben noch vor sich. Einen Mann gab es auch schon. Wenn sie alt genug wäre, sollten sie heiraten. So wie alle Mädchen es damals taten. Doch es kam anders.

Da war dieser Engel. Und diese Botschaft. Und mit ihr wurde alles anders. Von einem Moment zum nächsten. Sie solle Mutter werden. Jetzt schon. Aber nicht so, wie man es kennt. Gott war im Spiel. Gut, das ist er immer. Immer dann, wenn etwas Neues beginnt. Aber hier – hier war es dann doch irgendwie anders. Intensiver. Klarer. Mächtiger. Immerhin ging es auch um seinen Sohn. Mutter sollte sie werden. Mutter eines Kindes. Mutter eines Gotteskindes. Mutter eines Menschen, der die Welt auf den Kopf stellen würde.

All das konnte sie nur ahnen. Von wissen keine Spur. Und trotzdem sagt sie Ja. Ohne zu wissen, was passiert. Ohne die Folgen abschätzen zu können. Sicher, sie fragt nach: Wie soll das geschehen? Denn sie ist zwar jung, aber nicht naiv. Sie fragt nach, denkt nach – so wie sie es noch manches Mal tun wird. Die Antwort: Gottes Kraft wird dich verändern. Wird Dinge möglich machen, die unvorstellbar sind.

Und was tut sie? Sie macht mit. Geht Wege, die noch nicht sind. Dorthin, wo es gut ist. Neun Monate noch, dann würde sie ihr Kind zur Welt bringen. Eine lange Zeit. Alle Mütter und Väter dieser Welt wissen das. Aber es ist auch eine Zeit der Hoffnung. Dass Neues wachsen kann. Dass Dinge sich ändern lassen, ändern müssen, ändern werden. Maria ist ihren Weg gegangen. Den Weg der Fragen und der Unsicherheit. Den Weg des Vertrauens und der Kraft.

Ihr Weg wird durch einen Dornwald führen, wie es im Lied so schön poetisch heißt. Und dieser Dornwald wird blühen. In neun Monaten, was für eine lange Zeit, da ist Weihnachten. Die Dornen – sie werden bleiben, auf dem Weg dorthin und darüber hinaus. Denn so ist es nun mal, das Leben. Aber die Rosen – sie werden blühen. Und duften. Unvorstellbar schön! Diese Verheißung, die für viele bereits auch erlebte Erfahrung ist, feiern wir. An diesem Tag, da der Engel kam. Und etwas ganz Neues begann.

Alexander Bergel
25. März

Das Lied zum Nachhören finden Sie hier.
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Das Drama von Gründonnerstag bis Ostern spielt sich in diesen Tagen ganz anschaulich in der Welt ab, meint Dominik Blum auf katholisch.de. Ostern könne nicht verschoben werden, denn Ostern habe schon längst angefangen.

Den Artikel vom 23. März über das, was sich in diesen Tagen ereignet, ohne es kalendarisch passend in großer Runde feiern zu können, finden Sie hier.
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Vereinzelung ist das Gebot der Stunde – und womöglich wird sie wegen Corona noch verschärft. Doch Isolation kann auch eine Chance sein. Weise Menschen wie Jesus und Benedikt von Nursia, dessen Fest die Mönche am 21. März feiern, haben das selbst erfahren.

Die Gedanken von Markus Nolte aus der Münsteraner Kirchenzeitung »Kirche+Leben« vom 21. März können Sie hier nachlesen.
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Geplant war es nicht. Reiner Zufall. Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs. Und mit Pater Breulmann. Wer ist noch mal Pater Breulmann? Richtig – der neue Pastor, den wir eigentlich am letzten Wochenende begrüßen wollten. Was ja leider nicht ging – Corona sei Dank. Begrüßt wurde er aber trotzdem. Von den Jugendlichen beispielsweise, die mal eben »Hallo« sagen und hinterherschieben: »Wenn’s mal zu laut wird am Wochenende – einfach melden! Wir können auch leise!« Oder vom Ehepaar aus dem Haus quer gegenüber, Heilig-Geist-Urgesteine, die interessiert fragen: »Sind Sie der neue Pater?« Ja, das ist er. Und schwuppdiwupp ist er auch schon mitten im Gespräch. Wenn Hermann Breulmann davon erzählt, spürt man, wie ihn diese Begegnungen freuen. »Wirklich nett!« Das wird er noch öfter sagen. Auch als er mir das kleine Willkommensgeschenk zeigt. Es stand vor der Haustür. Einfach so.

Heute nun sind der neue Pater und der gar nicht mehr so neue Pastor also mit dem Fahrrad unterwegs. Unterwegs, um die Pfarrei kennenzulernen. Die Corona-Krise sorgt dafür, dass plötzlich mehr weiße Stellen im Kalender auftauchen als sonst. Ziemlich ungewohnt, aber auch ganz schön. Start ist am Pfarrhaus Christus König, Haster Weg links ab, Östringer Weg, die Berningstraße hoch. Kloster Nette schenken wir uns an diesem Tag, denn das kennt Hermann Breulmann bereits. Genauso wie seinen Ordenskollegen, Pater Eberhard Fuhge. Lange Zeit in Afrika zu Hause, lebt der freundliche Mann heute als Hausgeistlicher bei den Netter Schwestern. Oben auf dem Berg liegt der Haster Friedhof. Herrlicher Sonnenschein, ein wunderbarer Blick über alte Bäume und gepflegte Gräber hinab ins Tal. Wir fahren weiter und machen den nächsten Halt beim Kreuzweg nach Rulle. Pater Breulmann, die letzten Jahre in den Metropolen Deutschlands daheim, in Hamburg, München und Berlin, freut sich, dass es solche alten Wege und Traditionen hier noch gibt.

Die Paul-Gerhardt-Kirche können wir natürlich nicht links liegen lassen. Dieses schöne kleine Gotteshaus steht da inmitten zahlloser blühender Frühlingboten, alles wie immer liebevoll gepflegt. Nach einem kleinen Exkurs über das gute Miteinander der Konfessionen in unserer Stadt landen wir, nicht ohne vorher die Landschaftsarchitekten der Hochschule zu bestaunen, im Garten von St. Angela. Wie alle, die zum ersten Mal hier sind, ist auch Hermann Breulmann fasziniert von diesem riesigen Areal zwischen Bramstraße und der gerade ziemlich gut gefüllten Nette. Ein kleines Paradies am Rande der Stadt. Der Park ist menschenleer, Schulgeräusche gibt es heute keine – ohne Unterricht, der ausfallen muss, auch kein Wunder. Im großen Labyrinth geht eine Ordensschwester umher. Was sie wohl denkt? Erlebt hat sie in ihrem Leben sicher schon so manches. Aber eine Zeit wie diese, in der plötzlich so vieles so anders ist? Das ist vermutlich auch für sie ganz neu.

Weiter fahren wir in die Dodesheide. Nach der Kreuzung Lerchenstraße/Haster Weg geht’s über den kleinen Padd (wissen Sie, welchen ich meine?) zur Franziskus-Kirche. Schon bei seinem ersten Besuch im November hatte der Jesuit aus Berlin die Schwarzkirche ins Herz geschlossen: »Grandioser Bau«, staunt Hermann Breulmann auch heute wieder. Und schiebt eine Frage hinterher: »Mögen die Leute diese Kirche?« Meine Antwort: »Kommt drauf an, wen man fragt!« Eine Kirche wie diese polarisiert. St. Franziskus tut es auch. Und zwar von Anfang an. Ich glaube aber, dass sich da was verändert. In letzter Zeit haben wir uns sehr intensiv mit dieser Kirche beschäftigt – und tun es immer noch: Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat, Liturgieausschuss, Pastoralteam und viele andere. Weil wir diesen Ort erhalten, ihn stärken und behutsam renovieren wollen. Wir machen uns Gedanken: Warum ist das hier so? Welche Idee steckt eigentlich dahinter? Nicht nur wir, immer mehr Menschen fragen sich das. Und haben Lust, St. Franziskus, »Frisco«, wie viele diese Kirche liebevoll (!) nennen, neu zu entdecken. Pater Breulmann nickt zufrieden. Und freut sich. So wie ich.

Vorbei am Senionrenzentrum, das wir zum Schutz der alten Menschen nicht betreten dürfen, und vorbei am Kindergarten fahren wir zum Waldfriedhof. Wir sehen renovierte Reihenhäuser. Gut sehen sie aus. Doch der Schein trügt. So manche Armut verbirgt sich hinter der frisch getünchten Fassade. Wie mag es den Menschen dort wohl gehen?, frage ich mich. Wie den Kindern, die auf keiner Terrasse, in keinem großen Garten spielen können, sondern vielleicht zu fünft in drei Zimmern leben müssen? Wir schweigen. Und fahren weiter, bis wir im Schatten der riesigen Friedhofskapelle vom Rad steigen. Ein Betonbau, umgeben von frischem Grün und blühenden Bäumen. Auch in den kommenden Tagen und Wochen wird es hier Beerdigungen geben. Die Behörden sagen: »Trauerfeiern bis auf weiteres nur im kleinsten Kreis!« Verständlich ist das und auch richtig. Aber was das für die Angehörigen bedeutet und wie das gehen soll – keiner weiß es.

Wir sind auf der Knollstraße angekommen und fahren weiter Richtung Bürgerpark, stehen neben der Gertudenkirche und blicken über die Stadt mit ihren markanten Türmen: Marienkirche, Dom, St. Katharinen, Iduna-Hochhaus. Jede Zeit setzt halt ihre eigenen Akzente … Der Bürgerpark hat es Pater Breulmann sofort angetan. »Was für ein wunderbarer Ort«, schwärmt er. Ich ahne, dass man ihn hier öfter finden wird. Ein paar Meter vom Katharina-von-Bora-Haus entfernt (früher hieß es noch »Haus am Bürgerpark« und hatte in den 1960er und 70er Jahren eine begeisterte Kuchen- und Tortenbäckerin: meine Oma!), schaut man auf die Türme von Matthäus und Heilig Geist. Wie zwei Geschwister stehen sie da, die ganz selbstverständlich zueinander gehören.

Auf dem Wochenmarkt war Pater Breulmann schon des öfteren – ein Kleinod mitten auf dem Sonnenhügel –, wir fahren also weiter und stehen vor der Heilig-Geist-Kirche. Etwas Zeit ist noch, bevor der Spediteur mit den letzten neuen Möbeln kommt. Als wir den Raum betreten, spielt der Organist ein Lied, das kaum passender sein könnte als an diesem Ort, als zu dieser Zeit: »Heilger Geist, o Tröster mein, kehr in unsre Herzen ein!« Wir setzen uns. Hören zu. Und merken beide: ein ganz besonderer Moment. Gänsehaut.

Hätte mir vor zwei Wochen jemand gesagt, dass ich eine Gänsehaut kriege, wenn die Orgel ein altes Heilig-Geist-Lied spielt – ich hätte definitiv abgewunken. Und noch weniger gedacht, wir schnell mir das alles fehlen würde: das gemeinsame Feiern, die vertrauten Gesichter, die Messdiener, die mit Spaß dabei sind, die Lektorin, die so gerne Gottes Wort verkündet, der Blick in Reihe 5, wo ich schon weiß, wer da meistens sitzt … Aber so ist es gerade. Und nicht nur mir geht es so. Auch Hermann Breulmann erlebt das ähnlich. Noch weiß er zwar nicht, wer in Reihe 5 sitzt oder oben an der Orgel. Auch nicht, welchen Spaß man im Altarraum haben kann, wenn mal wieder irgendwer nicht den Kelch bringt, sondern das Handtuch oder wenn der Pastor – obwohl er es den Messdienern schon so oft erklärt hat – am Ende selbst falsch um den Altar läuft. Noch weiß Pater Breulmann es nicht – jedenfalls nicht aus dieser Gemeinde –, aber er wird es kennenlernen. Und er wird sie mögen – die Leute hier. Leute wie jene, die die Orgel von draußen  hören und mal eben gucken wollen, Leute, die eine Kerzen entzünden und sich freuen, jemanden zu treffen – an Tagen wie diesen …

Geplant war es nicht. Reiner Zufall. Dass wir aber just in dem Augenblick die Kirche betreten, da der Organist sie mit wunderbaren Klängen füllt – ist ein Geschenk. Eines, das wehmütig macht. Und froh. Wehmütig, weil gerade alles anders ist. Und froh, weil wir spüren, Hermann und ich: Bei allem, was ist, bei allem, was ins Wanken gerät – wir haben einen Grund, auf dem wir stehen. Und einen Gott, der uns zum Tröster wird. Als wir beide am Morgen losgefahren sind, hatten wir eine Fahrradtour geplant. Am Ende aber haben wir nicht nur viel gesehen – wir sind beschenkt worden. Durch viele Eindrücke. Orte. Menschen. Und ein Lied. Fahren Sie doch auch mal wieder mit dem Rad …

Alexander Bergel
17. März
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Bernhard Stecker, unser ehemaliger Pfarrer und seit September 2019 Propst in Bremen, denkt darüber nach, was Hoffnung ist. Und lädt dazu ein, etwas auszuprobieren, was ungewohnt, vielleicht sogar peinlich ist. Aber nicht nur das.

Seine ermutigenden Gedanken vom 16. März – verbunden mit einem herzlichen Gruß aus Bremen – finden Sie hier.
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»Im Ernst? Bis Ostern? Und sogar noch länger?! Das kann doch wohl nicht wahr sein …« Vielleicht denken Sie das gerade. Und können es nicht fassen. Alles dicht: Kirche, Pfarrheime, Jugendräume. Keine Gottesdienste, keine Treffen, keine Gruppenstunden, keine Sitzungen, nichts mehr. Schulen zu, Kitas geschlossen. Wer hat so etwas schon mal erlebt? Vermutlich niemand. Jedenfalls nicht so. Nicht in der Form. Nicht mit diesen Konsequenzen.

Es ist eine ziemlich irreale Zeit. Keiner will sie, die zunehmend um sich greifende Verunsicherung. Keiner will Hamsterkäufe, die Angst also, irgendwann nicht mehr genug zum Leben zu haben. Aber einfach so darüber hinweg gehen – das will auch keiner. Und es geht auch nicht. Also: Handeln. Besonnen handeln. Sich zurückziehen, so es denn geht. Und warten.

Vor einigen Jahren hatte das Bistum das »Jahr des Aufatmens« ausgerufen. »Schaut auf das, was wirklich wichtig ist«, lautete die Devise. »Schaltet einen Gang zurück. Macht die Dinge anders, vielleicht tiefgründiger. Lasst Überflüssiges weg!« Wie das mit solchen Aktionen oft ist – sie gelingen mehr oder weniger gut. Jetzt aber stehen wir in einer Zeit, in der wir nicht anders können als anzuhalten, einen Gang zurückzuschalten, Dinge zu lassen.

Das kirchliche Leben liegt fast brach. Nur das Nötigste wird noch stattfinden können: Einzelseelsorge, Krankensalbungen, Beerdigungen. Die großen und kleinen Gottesdienste fallen aus. Und dann stellt sie sich unweigerlich, die Frage: Halte ich das aus? Mehrere Wochen keine gemeinsame Feier. Kein gemeinsames Hören des Wortes Gottes. Kein Teilen von Brot und Wein. Wird mir was fehlen?

Vielleicht kann diese Zeit, von der noch keiner genau weiß, wie lange sie dauern wird, vielleicht kann diese Wüsten-Zeit zu einer Zeit der ganz besonderen Erfahrung werden. Der Blick in die Bibel zeigt: Wüsten-Zeiten – das sind harte Zeiten. Zeiten, die vieles ins Wanken bringen. Wüsten-Zeiten sind Zeiten der Suche, des Aushaltens, des Fragens, des Zweifelns – aber sie sind ebenso Zeiten des Findens, des Erfahrens und des Vertrauens.

Vielleicht finden Sie in dieser Zeit, in der Sie sich viele Sorgen machen um Ihre kleinen Kinder oder Ihre alten Eltern oder auch um sich selbst, vielleicht finden Sie in dieser Zeit der geistlichen Wüste in all dem und durch all das hindurch auch ganz neue Einsichten, neue Antworten. Vielleicht entdecken Sie an sich ganz neue, ungeahnte Kräfte. Und vielleicht finden Sie in diesen Tagen und Wochen ganz viel Neues, das Sie nicht erwartet hätten …

Bleiben Sie tapfer!
Und hoffentlich auch gesund!.

Alexander Bergel
13. März
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In jenen Tagen
waren Worte des Herrn selten,
Visionen waren nicht häufig.
Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen.

1 Sam 3, 1.3

An Tagen wie diesen,
an denen wir spüren,
wie verletzlich wir sind,

an Tagen wie diesen,
an denen wir nicht mehr gemeinsam
Gottes Wort hören,
nicht mehr gemeinsam
Brot und Wein miteinander teilen können,

an Tagen wie diesen,
an denen jeder
auf sich selbst geworfen ist –

auch
an Tagen wie diesen
ist seine Lampe
nicht erloschen.

Beim Tabernakel steht
und leuchtet
sie.

An Tagen wie diesen
könnten wir im Schein dieser Lampe versuchen,
dem verborgenen Gott
neu zu begegnen.
Ihm alles hinzuhalten,
was uns ängstigt und sorgt.
Und ihm die Menschen anzuvertrauen,
die krank sind
oder isoliert,
alle, die sich sehnen
nach Licht in ihrer Finsternis

Und wir könnten ihnen selbst
zu einem solchen Licht
im Dunklen werden.
Macht Not nicht auch erfinderisch?

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen
das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten,
die in Finsternis sitzen
und im Schatten des Todes.

Lk 1, 78

Alexander Bergel
13. März
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Predigten

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Predigt an Pfingsten
zu Gen 11, 1-9 und Apg 2, 1-11

„Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen!“ Das ist die Ausgangslage. Kennt man. Menschen machen sich selbst zum Maß aller Dinge. Und wollen es allen zeigen. Der Turm zu Babel erzählt bis heute davon. Wird sich das denn nie ändern? Vermutlich nicht. Aber der, den manche gerne spielen – Gott –, der gibt zwischendurch schon mal eine Antwort: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und jeder hörte sie in seiner Sprache reden.“ Schluss also mit dem ewigen Gekreise um sich selbst. Schluss mit dem Ausschließen anderer Stimmen. Schluss mit dem wahnsinnigen Blick nach oben, der nur dem eigenen Vorteil gilt.

Pfingsten ist die Antwort Gottes auf die zerstörerische Kraft der Potentaten, der Selbstüberschätzer, der Blender. Der menschlichen Ur-Versuchung, wie sie sich seit Babel in immer neuen Varianten zeigt, dieser Ur-Versuchung begegnet Gott mit einem Spektakel der besonderen Art: Die Kraft aus der Höhe, sein Geist, ja er selbst senkt sich herab in die verkapselten Herzen der Menschen. Er öffnet Augen und Ohren, damit sie die wirkliche Tiefe des Lebens entdecken. Und die findet sich nicht in gewaltiger Höhe. Die findet sich schon gar nicht in den Ellenbogen. Nein: Die Tiefe des Lebens findet der Mensch, der es wagt, dem anderen zu begegnen. Wirklich zu begegnen. Und das kann manchmal ganz schön verstörend sein: „Ein jeder hörte sie in seiner Sprache reden.“ Das bedeutet doch: Ich lasse mir etwas sagen. Auch wenn es mir fremd vorkommt. Das bedeutet: Ich versuche zu verstehen, was der, was die andere mir sagt. Das bedeutet: Ich kann meine Meinung nicht absolut setzen. Das bedeutet: Niemand weiß alleine, wie das Leben geht. Auch wir nicht.

Pfingsten meint uns. Und deshalb sollten wir vielleicht auch mal unsere Türme zu Babel anschauen. Unsere festgefügten Mauern. Unseren Drang nach oben. Unsere eingeschränkte Sicht. Unsere Allmachtsphantasien. Wenn wir hier und heute um die Kraft aus der Höhe bitten, um den Geist, der unser Herz erfüllt, dann hat das Konsequenzen. Anstrengende, wie so oft, sicher. Aber in erster Linie – das glaube ich ganz fest –, in erster Linie hat das Befreiung und Aufbruch zur Folge. Wir können natürlich immer und immer wieder auf das schauen, was alles nicht mehr geht, was vergangen ist oder dabei ist zu sterben. Wir können traurig sein über den Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft. Aber dann stehen wir wie die Babel-Turm-Erbauer vor unserem Werk und wundern uns, dass uns keiner mehr versteht.

Die Pfingstgeschichte – also Gottes Antwort auf alle Resignation, alle Selbstverliebtheit und alle Traurigkeit –, diese Geschichte geht dann weiter, wenn wir danach fragen: Wovon lebe ich? Und: Wovon leben die anderen? Pfingsten wird dann keine phantastische Geschichte bleiben, wenn wir uns aufmachen, nach Spuren Gottes in dieser Welt zu suchen. Wenn wir es wagen, auf das zu hören, was andere uns sagen – und sei das noch so verrückt. Pfingsten wird sich auch 2020 ereignen, wenn ich mich darüber freue, neue Sichtweisen zu bekommen. Pfingsten wird sich ereignen, wenn ich wieder Lust daran finde, Kirche zu sein und zu gestalten. Keinen Turm zu Babel, sondern einen Ort, an dem alle einen Platz finden, die Gott suchen. Denn um den geht es doch zuerst. Um ihn und um die Menschen. Die Menschen in all ihrer Buntheit.

Ganz viel von dem erlebe ich hier bei uns ja schon. Ich erlebe Menschen, die anpacken. Menschen, die sich um Schwache und Bedürftige sorgen. Menschen, die über ihren Glauben sprechen und darum ringen. Die Diskussion um die Frage: Feiern wir wieder Gottesdienste oder nicht? hat auf beeindruckende Weise gezeigt, was Menschen darüber denken. Selten habe ich so viel Tiefsinniges über den Wert der Liturgie und über die Sehnsucht nach Eucharistie gehört wie in der letzten Zeit. Was für ein Schatz! Nicht nur in diesen Tagen erlebe ich bei uns Menschen, die eine Vision haben. Von einer Kirche, die hört und sieht, die Menschen beteiligt und über den eigenen Tellerrand hinausgeht. Mir haben die letzten Monate gezeigt, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Wie sehr wir uns gegenseitig brauchen. Wie wichtig uns manches allzu Selbstverständliche oder in Vergessenheit geratene wirklich ist. Vielleicht führt all das dazu, neu durchzustarten. Neu zu entdecken, warum es uns eigentlich gibt. Und worum es wirklich geht. Die Jünger damals haben ganz neu durchgestartet. An diesem ersten Pfingsttag. Dann können wir das doch auch, oder?

Alexander Bergel
30. Mai
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Predigt am 7. Ostersonntag
zu Joh 17, 1-11a

Ja
mittendrin
da stehen wir
mittendrin
in dieser Welt
mit einem Auftrag
im Gepäck

Hört in euch hinein
hört aufeinander
sprecht von dem
was ihr erfahren habt
und dann
dann geht
hinaus

Beachte
die Reihenfolge
wenn Du
die
Verhältnisse
ändern
willst

Krisengeschüttelt
die Welt
krisengeschüttelt
dein Leben
krisengeschüttelt
alles um dich
herum

So war es
eigentlich
immer
schon
so wird es
wohl auch
bleiben

Doch eines
sei dir sicher
eines bleibt
genauso wahr
alleine
bist du
nicht

Immer wieder
gibt es da
den
einen
der so
denkt
wie du

Immer wieder
gibt es da
die
eine
die ganz anders
denkt
als du

Beide retten
dich
vor dem
Abgrund
beide helfen dir
den Weg zu finden
deinen Weg

Den Weg
der zum
Leben führt
ja
das Leben
selber
ist

Und sein Geist
sein Rückenwind
der kommt
vielleicht nicht heute
vielleicht auch nicht
gleich morgen
wart es nur ab

Denn sein
Versprechen
gilt
ich lasse dich
ohne Beistand
sicher nicht
zurück

Mach dich also
auf die Suche
noch ist
Zeit
und gewiss nicht
aller Tage
Abend

Alexander Bergel
23. Mai
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Predigt an Christi Himmelfahrt
zu Apg 1, 1-11

Nun ist er endgültig weg. Auf und davon. Nicht mit einer Rakete, das dürfte allen klar sein, aber doch mit einigem Aufsehen. Weg geht er, weit weg in den Himmel. Und die Jünger? Und wir? Wir bleiben zurück. Wie so oft. Und müssen sehen, wie es weiter geht. Ja, wie geht es denn weiter? Was bleibt von dieser unglaublichen Botschaft? Was bleibt von Jesus? Was bleibt von ihm, wenn er weg geht? Es bleibt erst einmal die Frage: Bin ich bereit, ihm zu folgen? Ihm, der vom Frieden nicht nur sprach, sondern ihn lebte. Ihm, der mit jeder Faser seiner Existenz davon überzeugt war, dass die Liebe immer die stärkeren Argumente hat. Ihm, der barmherzig war. Und mutig. Und kraftvoll. Und am Ende tot.

Bin ich bereit, einem zu folgen, der alles gegeben hat, sogar sich selbst? Und bleibt es für mich nicht nur eine fromme Episode längst vergangener Zeiten, von der man auch nicht so richtig weiß, wie man sich das vorzustellen hat – bleibt es für mich nicht nur eine alte Geschichte, sondern reale Erfahrung, dass der, der starb, fürchterlich zugerichtet am Kreuz, dass genau der von den Toten auferstanden ist? Und macht es mir Mut, gibt es mir Kraft, darauf mein ganzes Leben zu gründen?

Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten – wann und wie auch immer vor 2000 Jahren der Tote als Lebender erfahren wurde, wann und wie auch immer er ganz zu seinem Vater heimging, wann und wie auch immer die Kraft aus der Höhe alles durcheinander gewirbelt hat, wann und wie auch immer das alles war – auf eines kommt es an: Gehe ich den Weg Jesu weiter? Traue ich mir das zu? Wenn ja, dann könnten wunderbare Dinge passieren: Was sich vernichtend durch mein Leben schlängelt, machtvoll und heimtückisch – es verliert seine Kraft. Was Beziehungen und Geschichten vergiftet – es endet nicht mehr tödlich. Krankes wird gesund, die Enge wird zur Weite, der Blick verändert sich. Keine Macht der Welt wird stärker sein als diese Freiheit, die der geben kann, der sich selbst verschenkt hat.

Heute spüren wir, welche Kraft von Ostern ausgeht: Einer stirbt, damit alle leben. Einer lebt, damit wir nicht ins Dunkle sinken. Einer sprengt die Dimensionen dieses Lebens auf, damit wir weit werden im Denken, Fühlen und Handeln. Einer sendet seinen Geist, damit das alles nicht in Vergessenheit gerät, sondern eine Zukunft hat. Doch Vorsicht: All das könnte frommes Gerede bleiben. Und zur bloßen Folklore verkommen. Oder zum vermuteten Kennzeichen einer kulturellen Identität. Es könnte aber auch anders sein. Es könnte uns packen. Wieder neu. Mich, Sie und viele mehr. Es könnte. Und dann? Ja, was wäre wohl dann?

Alexander Bergel
20. Mai
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Predigt am 6. Ostersonntag
zu Joh 14, 15-21

Es dauert nicht mehr lange, dann ist er weg. Dann müssen sie selbst sehen, wie sie klar kommen. Keiner mehr, der die Dinge regelt. Keiner mehr, der an alles erinnert. Keiner mehr, der eine Ahnung davon gibt, was das heißt: Gott ist nicht weit weg, sondern mitten in der Welt. Irgendwann musste es so weit kommen. Aber jetzt? So plötzlich? Damit hatten sie nicht gerechnet, die Jünger. Und so sitzen sie da und müssen es erst einmal begreifen lernen, was das heißt, wenn Jesus sagt: „Ich gehe zum Vater.“

Es hat ziemlich lange gedauert, aber irgendwann war sie weg. Die gewohnte Idylle der kleinen, überschaubaren Pfarrei. Im Laufe der Jahrzehnte haben wir uns gut eingerichtet. Alles lief gut, jeder kannte seinen Platz, alle wussten, wie es funktioniert. Eine schöne heile Welt, so sollte es bleiben! Aber so blieb es nicht. Die Dinge verändern sich. Seit Jahren schon. Keine überschaubare Gemeinde mehr, sondern eine immer größer werdende. Keine eingespielten Muster mehr, sondern neue Herausforderungen. Keine Klarheit mehr, was das heißt, katholisch zu sein, sondern fließende Übergänge. Kein: „Wir machen das hier aber so!“, sondern die Frage: „Wie könnten wir es denn mal neu versuchen?“

Die Jünger damals erleben: Jesus geht weg. Wir heute spüren: Viel Gewohntes verschwindet, das, was Halt gegeben hat, ist nicht mehr sicher. Auf die Spitze getrieben erleben wir das in diesen Monaten der Krise. Aber in all dem steckt auch eine Aufforderung: Mensch, trau dir etwas zu! Bleib nicht stehen! Geh selber deinen Weg. Such ihn neu, Tag für Tag! Das, was dir vertraut war – es ist nicht mehr. Aber – das Leben erwartet dich!

Anders wäre es einfacher gewesen, damals wie heute. Jesus hätte doch noch einige Jahre so weiter machen können, den Frauen und Männern um ihn herum weiter von Gott erzählen, ihnen weiter den Weg bahnen können. Aber nein, das tut er nicht. „Ihr wisst alles, was ihr wissen müsst. Nun geht euren Weg!“

Und heute? Hätte nicht lieber doch alles so bleiben können, wie es war? Nein. Die Welt hat sich verändert. Und die Kirche auch. Manche sehen darin nur Abbruch, Verlust, Untergang. Andere aber das Wirken des Heiligen Geistes. Und der steht für Aufbruch, Offenheit und neue Kraft. Aber bevor etwas Neues kommen kann, muss das Alte vergehen!

Doch was bedeutet das nun? Es bedeutet: Mensch, verlass dich nicht auf andere. Nicht auf die religiösen Profis, nicht auf die Strukturen, nicht auf das, was die Leute sagen. Vertrau darauf, dass Gott zu dir spricht. Dass er dich braucht. Und du ihn. Trau dich, über deinen Glauben zu reden. Und über deine Zweifel. Trau dich, deinen Glauben nicht einzufrieren. Sondern immer neu zu suchen, was er für dein Leben bedeutet. Trau dich! Egal wie alt du auch bist: Trau dich, neu anzufangen! Und hab keine Angst! Denn: Du bist nicht allein. Und der Geist Gottes – der ist schon unterwegs!

Alexander Bergel
16. Mai
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Predigt am 5. Ostersonntag
zu Joh 14, 1-14

Keiner weiß,
wohin
die Reise geht.
Nicht nur in
Corona-Zeiten
ist das so.

Der Weg durch’s Leben –
er wird immer
voller Überraschungen sein.
Voller Sackgassen
und Seitenwege.

Wie oft schon
hab ich mich verlaufen.
Wie oft schon
ganz neu angesetzt.
Versucht,
durch all das Chaos,
durch Rückschläge
und Enttäuschungen
hindurch
zu ahnen,
wie das Leben
wirklich
funktioniert.
Genau verstanden
hab ich’s bis heute
nicht.

Wie oft schon
waren aber plötzlich
Menschen da.
Menschen,
die wussten,
wo es lang geht.
Meist dort,
wo ein Weg
sich gabelte
oder Mauern
unbezwingbar schienen.
Auch dort waren sie
zur Stelle,
wo die Straße sich
in dunkler Nacht
verlor.

Nicht nur einmal
waren plötzlich
weite Strecken
wie im Flug
geschafft.
Und nicht nur einmal
stellte es sich ein –
dies unbeschreibliche Gefühl:
Es ist so
schön,
dies wunderbare
Leben!
Den Weg dorthin –
den kennt ihr.
Ja,
mitunter schon …

Zum Glück
hat Thomas
noch mal
nachgefragt.
Denn so konnte er
hören,
dass
sein großes Vorbild,
sein Meister,
sein Freund
bei allem
mit von der Partie
war.
Und ist.
Und bleiben wird.
Egal,
was kommt.

Dass er selbst
der Weg ist.
Und die
Wahrheit auch,
die mich
all das
erkennen lässt.
Kurz:
Ein ganzes
volles
Leben.

Wenn ich’s
zulasse
auch

meins!

Alexander Bergel
9. Mai
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Predigt am 4. Ostersonntag
zu Joh 10, 1-10

Was sollte er machen? Er verstand ihn einfach nicht. Zu weit waren sie auseinander. Was ihm wichtig war, ahnte er wohl. Aber ihm so begegnen, dass sein Gegenüber sich wirklich verstanden, ja mehr noch: dass er sich wieder wohl, gar zu Hause fühlte – das ging nicht. Jedenfalls nicht im Augenblick. Die Tür – zu.

Wir alle wissen wohl, wie sich so was anfühlt. Und auch Jesus kennt sie: verschlossene Türen. Wie oft schon hat er vor ihnen gestanden. Wie oft schon ist es ihm nicht gelungen, die Türen der Herzen zu öffnen. Wie oft schon aber hatten sich auch die, die ihm eigentlich ganz nahe waren, verbarrikadiert, die Schotten dicht gemacht. Angst, Unvermögen – alles kam da zusammen.Vor Ostern. Und auch danach.

Aber: Jesus gibt nicht auf. Er macht weiter. Sucht nach Wegen. Immer wieder. Weil sie ihm am Herzen liegen. Die Menschen. So, wie sie sind. Mit all ihrer Angst. Mit all ihrem Unvermögen. Mit ihrer Überforderung. Und mit ihrem Hass, ihrem Abscheu, ihrer Ablehnung. Jesus gibt sie nicht auf. Er gibt uns nicht auf.

Hirte will er sein. Einer, der lockt. Einer, der Mut macht. Einer, der Wege kennt und sie zeigt. Dann, wenn alles aussichtslos scheint. Und noch eins will er sein: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. Er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Jesus ist eine offene Tür. Einer, der sich öffnet. Sich und sein Herz. Auch darin will er uns Vorbild sein:

„Mensch, schließe deine Türen niemals für immer. Auch wenn du vielleicht Grenzen ziehen musst, damit du leben kannst. Auch wenn du nicht allen Erwartungen gerecht werden kannst, weil du sonst untergehst. Auch wenn nicht jeder und jede immer und zu jeder Zeit bei dir ein- und ausgehen darf, weil du auch nicht alle und jeden retten kannst. Auch wenn das alles so ist: Verschließe die Tür deines Herzens niemals endgültig!“

Wir wissen genau: Das ist oft genug harte Arbeit. Oft tut das auch ganz schön weh. Und es kostet immer das eigene Leben. Aber es hilft uns auch dabei. Es hilft uns, wirklich zu leben. Denn leben kann man nicht hinter verschlossenen Türen. Gerade in Zeiten wie diesen spürt das wohl jeder.

Jesus, die Tür – kein nettes Bild also für gemütliche Stunden, sondern ein knallharter Auftrag. Und so steht am Ende mal wieder eine Frage: Welche Tür wartet bei mir darauf, dass sie sich öffnet?

Alexander Bergel
2. Mai
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Predigt am 3. Ostersonntag
zu Joh 21, 1-14

Wohin nur?
Wohin nur soll ich gehen?
Weg.
Weit weg!
Am besten dorthin,
wo man weiß,
wie’s läuft.

Zurück heißt das,
zurück also in die Vergangenheit:
Lasst uns fischen gehen.
Da wissen wir,
wie’s geht,
früh zur Arbeit,
spät nach Haus.

Ob’s das bringt?
Einer muss es tun.
Und von irgendwas
muss jeder leben.

Ja, Mensch,
das stimmt.
Doch das,
das wird dir auch zur Frage:
Wovon lebst du?
Wovon lebst du wirklich?

Denn:
Dein Netz ist leer.
Und die Nacht war lang.
Wie sich das anfühlt,
das weißt du nur zu gut.
Gerade in diesen
Zeiten.

Doch da:
Ein Fremder kommt.
Gibt seinen Rat:
Mach‘s anders!
Tu es so, wie nie zuvor!

Wirf das Netz neu aus.
Wage den Schritt,
den Schritt
ins Unbekannte.

Dort wartet es,
das Leben.
Und ein Feuer,
das dir brennt.
Vielleicht sogar
in dir.

Und ein Verwundeter,
der dir zur Antwort wird.
Und ein Gott,
der neue Wege weist.

Er sagt dir:
Du darfst,
du sollst,
ja, du wirst
leben!

Mach dich also auf!
Geh einfach los!
Und denke dran:
Du musst es nicht
alleine tun.

Er ist da.
Und wir ja auch.
Sieh dich nur um!
Was meinst du –
zusammen könnte es doch gehen.
Das mit dem Leben.
Mit dem neuen Aufbruch.
Mit der Freude.
Und der Kraft.

Ostern ist möglich.
Du musst es wollen,
wirklich wollen.
Und wagen auch.
Einer wartet schon.
Und viele
gehen mit.

Alexander Bergel
25. April
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Predigt am 2. Ostersonntag
zu Joh 20, 19-31

Genannt: Didymus,
Zwilling.

Vielleicht bist du das wirklich,
Thomas.

Mein Zwilling.
So wie ich.

Du fühlst und denkst genau
wie ich.

Auch ich
will es sehen.
Will es spüren.
Ich will dabei sein.
Nicht einfach aufs Hörensagen
alles gründen.

Und ja,
Beweise suche ich.
Zumindest aber
ein kleines Zeichen,
dass es wahr ist.

Und nun spreche ich.
So, wie du es tust:

Ach, Jesus,
vertrauen würd ich Dir so gern.
Dir glauben,
dass es stimmt,
was du gesagt hast.
All die Jahre.
Auf all den Wegen.
Zu all den Menschen.

Auch zu
mir.

Ich würde sie so gerne spüren,
deine Auferstehung.
Meine Zukunft.

Aber all das
ist weit weg.

Sieh sie dir doch an,
die Welt.
Die große.
Und auch
meine kleine.

Sieh sie dir doch an,
die Menschen
mit ihrer Angst.
Vor sich.
Und all den anderen.
Und vor dem Tod.

Was muss ich tun,
dass Ostern wird?

Da hör ich deinen
Rat:

Frage.
Zweifle.
Gib dich nicht zu schnell zufrieden.

Erwarte aber keinen Helden.
Nimm das Leben wahr,
wie es durch meine Wunden leuchtet.
Und durch die deinen auch.

So wird Ostern.
So geht Leben.
Spürbar heute schon.

Nicht voller Glanz und Gloria.
Aber voller Kraft.
Voller Zukunft.
Voller Leben.

Ja, Jesus,
ein Verwundeter bist du,
so sagst Du‘s mir.

Aber einer,
der lebt.

In all meinem Chaos.
In al meinem Zweifel.
In all meiner Angst.
Mitten im Tod.

Zweifeln, so sagst du’s mir,
Jesus,
zweifeln hält lebendig.
Vertrauen aber –
Vertrauen sprengt die Grenzen.

Hab also Mut,
Thomas.
Halt mir deine Wunden hin.
Und lebe!

Alexander Bergel
17. April
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Predigt an Ostern
zu Joh 20, 1.11-18

Es hätte so schön werden können. Nach all dem Drama. Nach all dem Chaos. Nach all der Verzweiflung. Sie war gerade dabei zu verstehen, wirklich zu verstehen: Er ist tot. Der, der ihr so nahe war wie niemand sonst – er lebt nicht mehr. Hingerichtet. Ausgelöscht. Zerstört. Ein ganzes Menschenleben. Und nicht nur seins. Wie viele hatten auf ihn gehofft? Wie viele hatten sich danach gesehnt, dass seine Idee vom Leben, von der Welt – wie sehr hatten sie alle gehofft, dass er sich durchsetzen würde? Dass keine Macht der Welt das je verhindern könnte? Dass Ungerechtigkeit und Hass und Unterdrückung verschwinden vom Angesicht dieser Erde? Und alles, wirklich alles neu würde?

Ja, so viele hatten es gehofft. Auch sie. Maria aus Magdala. Sie hatte es doch schon gesehen. Sie hatte gesehen, wie Menschen ihr Leben änderten, weil Jesus zu ihnen sprach. Sie hatte gesehen, wie verkorkste Biographien eine neue Richtung bekamen. Ihre eigene auch. Sie hatte gesehen, wie Menschen wieder aufrecht gehen, neu sehen und hören lernten. Sie hatte gesehen, wie Lazarus wieder ins Leben zurück fand. Immer wieder und immer öfter hatte sie, hatten so viele gespürt: Da bringt einer neues Leben in die Welt. Da bleibt Gott keine wage Idee, keine Geschichte – nein: Gott bekommt Hand und Fuß. Die alten Geschichten von der Befreiung – damals in der Arche, damals am Roten Meer, damals nach der Verschleppung ins Exil –, diese Geschichten gehen weiter. Und bekommen ein weiteres Kapitel hinzu. Und ein Gesicht. Und Hände, die berühren, kraftvoll und zärtlich zugleich.

All das ging ihr unter die Haut. Und nun das. Alles war zusammen gebrochen am Nachmittag dieses schrecklichen Tages auf Golgota. Da hing er. Zwischen Himmel und Erde. Jesus. Und schrie seine Verzweiflung heraus. Als alle weg waren, als sich alle auf und davon gemacht haben – aus Panik, aus Angst, aus Verzweiflung –, da legt sie ihn ins Grab. Josef und Nikodemus waren auch dabei. Und seine Mutter. Und der, den Jesus liebte. Und ein paar andere Frauen. Noch einmal berühren. Noch einmal nahe sein. Noch einmal in dieses Gesicht blicken. In ein Gesicht, an dem sich so viel ablesen ließ. Aber nun – nun ist er tot. Das Grab ist voll. Stein davor. Aus und vorbei.

Nach einem langen quälenden Tag, der voller Fragen war, nach diesem Tag aus Blei macht sie sich auf. In aller Frühe. Dunkel war es noch. Die Sehnsucht treibt sie durch die Straßen und Gassen hinaus vor die Stadt. Zu ihm. Einmal noch – einmal noch möchte sie ihn berühren. Ihn salben mit duftendem Öl. Um den Gestank des Todes zu vertreiben. Nur einen kurzen Moment. Nur noch ein einziges Mal. Doch dann – der Stein ist weggerollt. Und Jesus? Fort! Frau, warum weinst Du? Hört sie. Und sieht in strahlendem Weiß jemanden, der sie das fragt. Sie will wissen, wo er ist. Und dreht sich um. Und sieht – einen Gärtner? Sag mir, wo du ihn hingelegt hast! Seine Antwort: Maria!

Was für eine Szene! Die tränenschweren Augen brauchen lange, bis sie im Tod den Lebenden erkennen. Aber wenn es dann geschehen ist, gibt es kein Halten mehr: Rabbuni, lieber Meister, ruft sie aus – und will ihn berühren, ihn in ihre Arme schließen. Aber das geht nicht. So schmerzhaft es auch ist: Wer dem Tod entronnen ist, lässt sich nicht mehr so einfach anfassen. Wer die Grenze des Todes überschritten hat, ist auf eine andere Weise da. Nicht greifbar. Was für eine Enttäuschung! Welch schreckliche Grenze zwischen Jesus und Maria. Wo sie doch so glücklich war, ihn wieder zu haben. Es hätte so schön werden können.

Berühren verboten! Das erleben wir in diesem Jahr. Wir feiern Ostern auf Abstand. Dürfen keine Menschen in die Arme schließen, die uns so nahe sind. Und wertvoll und kostbar. Menschen sterben allein, weil niemand da ist, nicht da sein darf, der ihre Hand hält. Menschen werden im kleinsten Kreis beigesetzt. Manche können sich nicht einmal von ihren Verstorbenen verabschieden. Kein letztes Bild, keine letzte Berührung. Was für ein Schmerz! Viele wünschten sich, an diesem Osterfest – wie immer an Ostern –, einander in den Armen zu liegen, auf das Leben anzustoßen, zu feiern bis der Morgen kommt, bis die Sonne aufgeht und die Schatten des Todes verblassen. Es geht nicht …

Maria am Grab. Vor ihr der, den ihre Seele so sehr liebt. Berührung ausgeschlossen. Sie kann ihn nicht festhalten. Denn er ist schon einen Schritt weiter gegangen. Und was macht sie? Sie schaut ihn an. Spürt seine Liebe. Und die Kraft, die von ihm ausgeht. Trotz allem. Und durch all das hindurch. Und geht los. Gestärkt von seinem Blick. Von seinen Worten. Von seinem Lächeln. Maria rennt los. Und erzählt, was geschehen ist: Ich habe den Herrn gesehen! Berühren konnte sie ihn nicht. Aber die ganze Welt hat es dennoch erfahren. Weil sie so berührt war. Voll von seiner Kraft. Und einfach losging. Berühren verboten! Berührt sein nicht. Könnte so vielleicht doch Ostern werden?

Alexander Bergel
11. April
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Predigt am Karfreitag

Die Welt,
wie wir sie kannten,
gibt es nicht mehr.

Unsere Sicherheiten?
Weg.
Unser Durchblick?
Vorbei.
Unsere Macht?
Dahin.

Was bleibt,
sind Ängste.
Und Fragen.
Viele Fragen.
Wie so oft.
Wie geht es weiter?
Was kommt danach?
Und: Werde ich überleben?

Vor einem Jahr
lag eine Kirche in Trümmern.
Notre-Dame brannte.
Lichterloh.
Im Herzen von Paris.
Schutt und Asche überall.
Und mittendrin:
ein Kreuz.

Für manche wurde es
zum Bildnis.
Für das, was nicht mehr ist.
Es steht noch immer da.
Und strahlt golden.
Das Kreuz in Schutt und Asche.
Doch – wer sieht es noch?

In diesen Wochen –
da strahlt rein gar nichts mehr.
Ängste – wohin man blickt.
Einsamkeit – nicht nur im Altenheim.
Tod – all überall.
Hier noch nicht.
Doch – wer weiß?

Bilder von dem, was ist,
ziehen an uns vorüber.
Jeden Abend neu.
Und wenn da einer fragt:
Warum? –
dann steht es wieder da,
das Kreuz.
Nur nicht strahlend.
Sondern leidgetränkt.

Heute ist Karfreitag.
Der Tag,
an dem einer es
herausschreit:
Warum,
ja, mein Gott, warum?
Warum das alles?
Warum nur
hast du mich
verlassen?

Jeder kennt sie,
diese Frage.
Und jeder hat sie.
Oder nicht?

Es ist die Frage,
auf die es keine Antwort gibt.
Auch wenn viele es
versuchen.

Zu schnell,
viel zu schnell
kommt mir die Antwort oft
daher.

Egal, was ist.
Egal, was ich erleide.
Egal, was mir zwischen den Händen zerrinnt.
Egal, welcher Tod mein Leben durchkreuzt
oder das meiner Lieben.
Oder das der vielen,
deren Name ich nicht kenne.
Die aber einen haben.
Und Menschen, die um sie trauern.

Egal, woran ich auch verzweifle –
wer kann schon sagen:
Darum ist es geschehen!

Nein,
Leid hat keinen Sinn.
Leid ist zerstörerisch.
Leid folgt keinem Plan.
Einem göttlichen schon gar nicht.

Aber wenn die Erde brennt,
wenn alles ins Wanken gerät,
wenn unsere Sicherheiten keine sind,
wenn alles, was wir kennen, anders wird,
wenn Menschen gehen – einfach so,
wenn sie sterben müssen,
wenn wir sterben müssen –
was bleibt denn dann?

Es bleibt ein Gott,
der keine Antwort gibt.
Es bleibt ein Gott,
der nicht erklärt,
warum es gut war
oder hilfreich
oder pädagogisch wertvoll.

Glaubt niemandem,
der euch das
einreden will!

Es bleibt ein Gott,
der schreit.
Und zweifelt.
Der
– selbst Mensch –
zwischen Himmel und Erde hängt,
ausgelacht und angespuckt,
verhöhnt und lächerlich gemacht,
von oben herab
den Platz des Letzten einnimmt,
der selbst fragt:
Warum, Vater,
warum?

Und keine Antwort findet.
Der verlassen
und elendig da hängt.
Und stirbt.
Und tot ist.

So einfach.
So grausam.

Doch –
auch wenn es keiner glaubte,
bis auf ein paar vielleicht,
die genauso fragten
wie er:
Warum?
Und die es sahen,
wie er endete.
Und die nichts tun konnten.

Genau diese Menschen
kamen wieder.

Obwohl die Fakten dagegen sprachen –
wie so oft
und wie immer wieder
und immer noch –
diese Menschen kamen
wieder.
Am dritten Tag.

Und fanden ihn nicht.
Sie fanden auch keine Antwort.
Kein: Darum!

Aber sie spürten plötzlich –
oder vielleicht auch erst
viel später,
dass der,
dem sie trauten,
der,
dem sie folgten,
der,
der bis zum Schluss aushielt,
nicht mehr tot war.

Sondern lebte.

Ob das die Antwort ist?
An diesem Tag?
An allen anderen Tagen auch?

Ob dies
die Antwort Gottes ist?
Dass da einer
alles durchgemacht,
mitgemacht
zu Ende gebracht hat?

Damit wir nicht verzweifeln?
Nicht im Sinnlosen untergehen?
Sondern weiter gehen?
Am Ende gar auferstehen?

Und nicht erst am Ende –
sondern auch schon hier
und jetzt?

Alexander Bergel
10. April
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Predigt am Gründonnerstag
zu Joh 13, 1-15

Jesus lehrt.
Und die Jünger –
begreifen
nichts.
Kämpfen um
Ansehen
und Macht.

Also wird Jesus
handgreflich.
Legt sein Gewand ab.
Und eine Schürze an.

Begreift ihr,
was ich an
euch
getan habe?

Petrus?
Jakobus?
Johannes?
Judas?

Dirk?
Klara?
Elisabeth?
Nils?

Er kniet sich
in den
Dreck.
In den
Abgrund.
Und schaut uns
an.

Begreift ihr es
jetzt?

Alexander Bergel
9. April
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Predigt am Palmsonntag
zu Joh 11, 45-57

Die Stimmung ist aufgeheizt. Viele spüren: Es liegt etwas in der Luft. „Das Paschafest der Juden war nahe, und viele zogen schon vor dem Paschafest aus dem ganzen Land nach Jerusalem hinauf, um sich zu heiligen. Sie suchten Jesus und sagten zueinander, während sie im Tempel zusammenstanden: Was meint ihr? Er wird wohl kaum zum Fest kommen. Die Hohenpriester und die Pharisäer hatten nämlich, um ihn festnehmen zu können, angeordnet: Wenn jemand weiß, wo er sich aufhält, soll er es melden.“

Die Sehnsucht der Menschen ist groß. Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Sehnsucht nach Würde. Die Sehnsucht nach gutem, gelingendem Leben. Und so warten Menschen aller Zeiten darauf, dass einer kommt, der all das möglich macht. Die Menschen damals warteten auf einen, der die Römer zum Teufel jagt. Der dem religiösen Establishment zeigt, wie verlogen und korrumpiert das System geworden ist. Der die Herrschaft Gottes aufrichtet, die alles völlig verändern wird. Viele sehen in Jesus den, der genau das tun kann. Aber wird er kommen? Wird er es wagen, sich in dieser aufgeheizten Situation in Jerusalem zu zeigen? „Was meint ihr, er wird wohl kaum zum Fest kommen.“

Die Sehnsucht der Menschen ist groß. Auch heute. Die Sehnsucht danach, sich begegnen zu können. Die Sehnsucht danach, sich an das zu erinnern, was damals war. Und es zu feiern. Mit vielen anderen. Damit die Kraft der Ereignisse von damals auch heute spürbar wird. Damit das, was Jesus für die Menschen damals war, sich auch heute ereignet. „Er wird wohl kaum zum Fest kommen.“ Das ist die Situation. Denn das Fest ist abgesagt. Vielen tut das weh. Viele vermissen es. Denn seien wir doch ehrlich: Wer kann schon ohne die anderen leben? Wer kann sich schon selbst das Wort sagen, das tröstet und befreit? Keiner kann das. Dabei ist es in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Doch wenn wir genau hinschauen – all das passiert gerade. Oder?

Wer hätte gedacht, wie erfinderisch Menschen werden können, wenn es darum geht, sich zu begegnen. Nicht von Angesicht zu Angesicht. Aber auf andere Weise. Menschen schreiben plötzlich wieder Briefe. Und telefonieren. Entdecken neue Medien für sich und nutzen sie. Menschen haben Zeit füreinander. Kümmern sich um Alte und Kranke. Gehen einkaufen. Erledigen Unaufschiebbares. Sind auf eine Weise da, wie man es kaum für möglich gehalten hätte. Und entwickeln Perspektiven für die Zeit danach.

„Was meint ihr, er wird wohl kaum zum Fest kommen.“ Doch. Er kommt. Damals war er jedenfalls da. Und alles wurde anders. Allerdings – und damit muss man bei Jesus immer rechnen – nicht so, wie viele es erwartet hatten. Nur wenige konnten das ertragen. Und heute? Ich glaube, er ist da. Wie gewohnt auf seine Weise. Vielleicht hat er schon längst Einzug gehalten. In unserer Stadt. In meiner Straße. Bei mir zuhause. Vielleicht hat er schon längst angefangen, die Rettung zu bringen, auf die wir so sehnsuchtsvoll warten. Vielleicht ist sein Einzug von einer Art, die mehr verändern kann, als wir heute meinen. Stiller als sonst. Aber nicht wirkungslos. Anders halt. Typisch Jesus eben. „Wenn jemand weiß, wo er sich aufhält, soll er es melden.“

Alexander Bergel
4. April
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Predigt am 5. Fastensonntag 
zu Joh 11, 1-45

Krank war er. Und bald darauf tot. Weggepackt. Mit Stein davor. Lazarus von Bethanien. Weg war er. Einfach nicht da. Auf und davon. Wie so oft. Jesus von Nazareth. „Auf, mach dich auf, du Menschensohn, komm doch! Komm und sieh. Sieh, was geschehen ist. Sieh, was immer geschieht: Menschen sterben. Träume zerbersten. Hoffnungen liegen brach.“ Ja, so ist sie wohl, die Welt. Und mittendrin die Frage: Wo warst du? Und noch mehr: Wo bist du? Ja, wo bist du, Gott? Ach, wärest du doch hier gewesen. Hättest du doch eingegriffen …

Ja, Herr, warum tust du es nicht? Du siehst doch die Welt. Die Welt, wie sie ist: Krankheit und Tod, wohin man blickt. Beziehungen, die zerbrechen, weil keiner mehr weiß, wie es gehen kann. Eltern, die den Draht zu ihren Kindern verlieren. Kinder, die darauf warten, dass ihnen einer sagt: Ich hab dich lieb. Menschen, die sich das Leben zur Hölle machen. Ach, Herr, wärest du da gewesen … Warst du aber nicht. Und so geht sie weiter, die Suche nach dem Leben.

In allem Zerbrochenen. In all dem Schmerz. In all der Angst. In der Angst vor einer Diagnose. Vor der Wahrheit. Vor dem Abbruch. Vor dem Tod. Doch, Moment – wie war das noch gleich? „Herr, wärest du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben!“ Marta geht einen Schritt weiter. Sie bleibt nicht stehen bei dem, was alle sehen. Nein, sie glaubt. Und vertraut. Sie schenkt Jesus ihr Herz, denn sie spürt: Er bleibt auch nicht stehen. Er bleibt nicht stehen bei dem, was alle sehen. Jesus lässt sich berühren. Ist im innersten erschüttert. Und weint. „Seht, wie lieb er ihn hatte.“ Und dann geschieht das Unfassbare: Der Tote kommt heraus. All das, was ihn fesselte, fällt ab von ihm. Die Maske des Todes – weg!

Welch phantastische Wendung. Typisch Bibel eben. Doch – was ist mit uns? Mit unserer Angst, unserer Sprachlosigkeit? Was ist mit den Fakten, die unbarmherzig dagegen sprechen? Es sind Fakten. Aber wer hindert uns daran, in allem Scheitern, in all dem Kaputten, ja selbst im Tod einen Gott zu erkennen, der zutiefst erschüttert ist von meinem Leid? Was hindert mich daran, trotz der Gegenargumente ihm mein Herz zu schenken? Was hindert mich daran, zu glauben, dass da einer mit mir weint? Dass da einer den Kerker meines Herzens öffnet? Dass da einer meine Angst durchdringen will mit seinem Blick? Dass da einer ist, der mir sagt: „Lebe, Mensch, lebe!“?

Ach ja, Herr, zeige dich doch! Ich warte so sehr darauf. Maria und Marta – sie haben dir vertraut. Und Lazarus lebt! Der Blinde – er hat dir geglaubt und konnte wieder sehen. Die Frau am Jakobsbrunnen – sie hat dir ihr ganzes chaotisches Leben gezeigt, und du hast ihr einen neuen Blick geschenkt. Ja, du hast Menschen verändert, bewegt, geheilt. Oft ziemlich unspektakulär. Immer aber verbunden mit einer Frage: Glaubst du mir?

Alexander Bergel
28. März
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Predigt am 4. Fastensonntag 
zu Joh 9, 1-41

Sie zieht sich in die Länge, die Heilungsgeschichte des Blinden. So wie kaum eine andere. Sonst geht es meist recht schnell: „Glaubst du, dass ich dir helfen kann?“, fragt Jesus oft. Und wenn der Kranke antwortet: „Ja, ich glaube, dass du mich gesund machen kannst!“, ist es auch schon passiert. Hier ist es anders. Allerdings nicht zufällig. Indem Johannes lang und breit das Umfeld der Heilung beschreibt und viele Nebengeschichten erzählt, macht er eines deutlich: Sich von Gott berühren zu lassen, das geht nicht nebenbei.

Wenn Gott wirklich in unser Leben dringt, dann tut er es ganz. Alles wird davon erfüllt. Meine Vergangenheit, meine Gegenwart, meine Zukunft. Das Umfeld, in dem ich lebe. Meine Gewohnheiten. Meine Denkstrukturen. Meine Unbeweglichkeit. Alles. Und einen weiteren Grund gibt es: Jeder hat seine „blinden Flecken“. Was für den einen völlig klar, gar kein Thema ist – für den anderen wird es zu einer Herausforderung. Und so lade ich Sie ein, sich auf die Suche zu machen nach Ihren „blinden Flecken“. Und damit auch auf die Suche nach Ihren Heilungschancen! Drei Richtungen der Heilungsgeschichte können uns dabei helfen. Vielleicht bleiben Sie ja bei einer hängen:

Die Jünger fragen Jesus: „Wer hat gesündigt, so dass dieser Mann blind ist – er oder seine Eltern?“ Grausame Frage. Denn Gott ist kein Strafender, der Krankheiten verteilt. Auch wenn manche so denken … Aber: Wie oft passiert es, ja wie einfach ist es, Verantwortung für eigenes Handeln auf andere abzuschieben. Oder unbedingt einen Schuldigen finden zu wollen, den es manchmal aber gar nicht gibt. Neige ich dazu?

„Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält.“ Es gibt sie immer wieder: jene Menschen, die genau zu wissen meinen, wo es lang geht. Was richtig ist und was falsch. Wie Gott ist und wie nicht. Gehöre ich zu diesen Leuten?

„Der Blinde antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich: Dass ich blind war und jetzt sehen kann.“ Wer kennt das nicht? Man hält sich bei Nebensächlichkeiten auf. Und verliert den Blick für das, was wirklich zählt. Der Blinde setzt die richtigen Prioritäten. Tue ich das auch?

Verantwortung auf andere abwälzen – in eigenen Denkstrukturen gefangen sein – nur das Schlechte sehen: dies können „blinde Flecken“ sein. Krankheiten, von denen Menschen geheilt werden müssten. Wie sieht das bei mir aus? Müsste ich mich dem vielleicht mal stellen?

Alexander Bergel
21. März
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Predigt am 3. Fastensonntag 
zu Joh 4, 5-42

Sonne.
Glühend heiß.
Und mittendrin:
ein Brunnen.

Nicht
Jerusalem.
Nein:
Irgendwo.

Zwei
begegnen sich.
Keine Nachricht
wert.

Die Hitze
aber
ändert
das.

Trinken
wollen sie.
Der eine
wie die andere.

Nur:
Was
löscht
den Durst?

Den Durst nach Liebe
Den Durst nach Leben
Den Durst nach Sinn
Den Durst nach …

Was löscht den Durst?
Mehr Fragen sind es
– mal wieder –,
mehr Fragen,
als Antworten
zur Stelle wären.

Die üblichen
Frage-Antwort-Spiele
aber –
sie sind es nicht:

Wie geht`s, wie steht`s?
Danke.
Muss ja.
Schönen Tag noch.

Nein, er geht
ans Eingemachte.
Und sie
auch.

Er weiß
was war.
Sie sucht
was ist.

Umständlicher
geht`s wohl kaum.
Leichter
auch nicht.

Denn
das Leben
ist
nicht einfach.

Wer bin ich?
Wer war ich?
Wer werde ich
sein?

Hält Gott
die Wüste meiner Fragen aus?
Halte ich
sie aus?

Wann erlebe ich es?
Dass mir einer zuhört?
Dass mir einer sagt, was läuft?
Dass mir einer seine Nähe schenkt,
die alles verändert?

Sonne.
Glühend heiß.
Und mittendrin:
ein Brunnen.

Nicht
Jerusalem.
Nein:
Irgendwo.

Zwei
begegnen sich.
Keine Nachricht
wert.

Die Hitze
aber
ändert
das.

Trinken wollen
sie.
Der eine
wie die andere.

Was aber löscht denn nun
den Durst?
Noch besser:
Wer?

Alexander Bergel
14. März
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Statements, Interviews & Diskussionen

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Der Jesuit Bernd Hagencord, Leitender Redakteur bei Vatican News, schreibt: »Wir erleben gerade so etwas wie eine ‘Entkirchlichung auf Probe’. Was wir im Augenblick durchlaufen, wird in zehn Jahren normal sein. […]

Wir können das nun als Bedrohung wahrnehmen. Eine Bedrohung des Status, der Relevanz, der Bedeutung. Oder aber als Realitätscheck, um zu fragen, wie genau wir eigentlich Kirche sein wollen im 21. Jahrhundert.«

Den Artikel vom 1. Mai können Sie hier lesen.
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»In Zeiten einer Pandemie wird […] Aberglaube, wenn er auf naive Seelen trifft, im wahrsten Sinn des Wortes gemeingefährlich.« Meint Dr. Gunter Prüller-Jagenteufel, Professor für Theologische Ethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Seinen Artikel vom 2. Mai können Sie hier lesen.
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Die Diskussion nimmt immer mehr Fahrt auf: Sollen wir wieder öffentlich Gottesdienst feiern? Und wenn ja: wie? Während manche sehr laut und sehr stark fordern, dass es bald wieder losgehen müsse, fragen sich andere, ob das sinnvoll ist. Sehr spezielle Regeln wären die Folge: Teilnehmerbegrenzung, massive Hygieneregelungen und vieles mehr.

Nun hat die Niedersächsiche Landesregierung die Feier öffentlicher Gottesdienste wieder erlaubt. Das Bistum hat in einem Maßnahmenkatalog vom 5. Mai Kriterien festgelegt, nach denen solche Gottesdienste ab dem 11. Mai wieder möglich sind. Die Gemeinden vor Ort werden sich dazu verhalten und dann Entscheidungen treffen müssen – für oder gegen den Wiederbeginn öffentlicher Gottesdienste.

Im Pastoralen Team haben wir darüber beraten, auch in den Gremien ist es Thema. Eine Entscheidung für unsere Pfarrei ist nun gefallen. Immer ging und geht es um Fragen wie diese: Was ist sinnvoll? Was verantwortungsbewusst? Was hilft uns weiter? Und: Wenn es wirklich wieder öffentliche Gottesdienste geben soll, muss es dann die Eucharistiefeier sein? Der Blick auf die massiven Hygienevorschriften legt diese Frage nahe. Sind andere Formen daher nicht vielleicht sinnvoller: Wort-Gottes-Feiern, Tagzeitenliturgie? Und etwas grundsätzlicher: Wie können wir in dieser Krise als Kirche glaubhaft das tun, was wichtig und richtig ist? Wie stehen gefeierte Liturgie und verkündeter und gelebter Glaube in einem positiven Spannungsfeld?

Sie finden hier einige Beiträge und Meinungen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Wir werden diese Seite in der kommenden Zeit laufend ergänzen.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki fordert die baldige Erlaubnis zur Feier öffentlicher Gottesdienste. Einen Bericht vom 15. April über seine Maßnahmen und die Meinung anderer Bischöfe lesen Sie hier.

Sind unsere Gottesdienstausfälle nicht Luxusprobleme? Mit dieser Frage beschäftigt sich Gerhard Feige, der Bischof von Magedburg. Seine Gedanken dazu vom 20. April können Sie hier lesen.

In einem weiteren Beitrag vom 27. April spricht Feige gar von einem Pyrrhussieg. Das Interview im Wortlauf finden Sie hier.

Einen Bericht über den ersten öffentlichen Gottesdienst in Leipzig vom 21. April finden Sie hier.

Auch andernorts stellen sich die Verantwortlichen dieser Frage. Einen Bericht über Gottesdienste in unseren Nachbarländern vom 22. April finden Sie hier.

»Was ist mit Lieschen Müller?« In seinem Video vom 22. April stellt sich Carsten Leinhäuser diese Frage. Und gibt ein paar Antworten.

Wenn es wieder zu öffentlichen Gottesdiensten kommt, geht das nicht ohne entsprechende Hygienemaßnahmen. Was das bedeutet, zeigt der Blick auf die Verordnung des Bistums Erfurt vom 23. April. Einen Bericht darüber können Sie hier lesen.

Ähnlich lesen sich die Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz zur Feier der Liturgie in Zeiten der Corona-Krise vom 24. April. Das Dokument finden Sie hier.

Eine grundsätzliche liturgietheologische Überlegung unter der Überschrift »Das Coronavirus als liturgischer V-Effekt« finden Sie hier.

Kirchliches Leben in Zeiten von Corona – darüber macht sich Stefan Heße, der Erzbischof von Hamburg, Gedanken. Auch zur Frage öffentlich gefeierter Gottesdienste äußert er sich sehr differenziert. Das Video können Sie hier anschauen.

»Hinten anstellen!« Im Wort zum Sonntag vom 25. April legt Christian Rommert seine Sicht der Dinge dar. Hier können Sie es hören.

Sonntags wieder Messe feiern? Zu dieser Frage äußert sich auch Martin Stuflesser, Professor für Liturgiewissenschaft in Würzburg. Den Artikel vom 28. April finden Sie hier.

Vorerst keine Eucharistiefeiern! Welchen Weg das Bistum Würzburg beschreiten will, lesen Sie hier.

»Es wäre ein befreiendes Zeichen der Solidarität, wenn Kirche noch auf öffentliche Gottesdienste verzichtet.« Meint Bernd Hillebrand, Professor für Praktische Theologie in Freiburg. In seinem Artikel vom 28. April können Sie lesen, warum.

Hier lesen Sie einen Bericht über den ersten öffentlichen Gottesdienst im Kölner Dom vom 3. Mai.

Wie es aussieht, wenn ein Bischof ernst macht und auf Gottesdienste vorerst verzichtet, können Sie im Hirenbrief von Bischof Gerhard Feige vom 6. Mai nachlesen.

»Kein Bischof verordnet böswillig eucharistische Diät«, sagt Martin Stuflesser, Professor für Liturgiewissenschaft in Würzburg. Er berichtet von ersten Erfahrungen mit öffentlich gefeierten Gottesdiensten, freut sich über viel Kreativität in den Gemeinden, gibt aber auch zu bedenken, welche Gefahren ein Gottesdienstbesuch nach wie vor mit sich bringt. Den Artikel vom 19. Mai finden Sie hier.

Er habe nach wie vor »große Bedenken«. Dennoch lässt der Bischof von Magedburg in seinem Bistum wieder öffentliche Gottesdienste zu. Wenngleich er einen Verzicht auch weiter für möglich und angemessen hält. Den Artikel vom 22. Mai können Sie hier lesen.

Sie möchten darüber ins Gespräch kommen oder Ihre Meinung sagen? Schreiben Sie uns gerne einen Brief, rufen Sie uns an oder schreiben Sie eine Mail an alexander.bergel@christus-koenig-os.de.oder an pgr@christus-koenig-os.de
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Im Ausnahmezustand der Pandemie hat der Staat die Religionsfreiheit beschränkt. Anders als in religionsfeindlichen Diktaturen hat er aber weder allein das Glaubensleben noch einen bestimmten Glauben untersagt. Es wurde verboten, sich in Kirchen, Synagogen und Moscheen zu versammeln, andere Versammlungen sind gleichfalls verboten. Gottesdienstzelebranten und ihre Gemeinden werden also nicht spezifisch benachteiligt. Das Flatten-the-Curve-Ziel mutet allen Entbehrungen zu, auch den Fußballclubs, den Unternehmen und der freien Kunstszene. Die Kirchen haben keinen Grund, besonders laut zu jammern.

Meint Christiane Florin. Ihren Artikel vom 18. April über die aktuelle Diskussion, öffentliche Gottesdienste und andere noch grundsätzlichere Themen finden Sie hier.
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Das Gebet als Ernstfall der Gottesfrage? Der Wiener Fundamentaltheologe und Philosoph Kurt Appel unternimmt angesichts der Corona-Pandemie eine Reflexion auf das Gebet und stellt die Frage nach dem Gottesverständnis: An welchen Gott glauben Christinnen und Christen eigentlich?

Die Gedanken vom 16. April finden Sie hier.
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Ist die Corona-Pandemie eine Chance für die Kirche? Für mehr Verkündigung, mehr Nächstenliebe oder mehr Frauen? Nein, kommentiert Björn Odendahl – und warnt vor einer Verzweckung der aktuellen Krise.

Den Kommentar vom 15. April finden Sie hier.
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Er findet es nicht so gut, wenn in der Coronakrise jeder Priester aus irgendeiner kleinen Kapelle oder aus dem Wohnzimmer streamt, sagte Heiner Wilmer am 12. April im Interview der Woche im Deutschlandfunk.

Wie er Seelsorge in dieser speziellen Zeit versteht und was ihm leere Kirchenbänke für die Zeit danach sagen, darüber spricht der Bischof von Hildesheim mit Christiane Florin. Das Interview finden Sie hier.
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Ostern feiern, wie wir es gewohnt sind, ist in diesem Jahr nicht möglich. Da ist es vielleicht ganz gut, sich daran erinnern zu lassen, dass wir nicht nur einmal im Jahr Ostern feiern können und auch nicht nur einmal in der Woche am Sonntag – sondern täglich.

Was das genau bedeutet, verrät Ingrid Fischer aus dem Erzbistum Wien hier.
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Im Interview erläutert der Kölner Liturgiewissenschaftler Alexander Saberschinsky, warum Palmzweige so beliebt sind. Er beschreibt die Kraft, die von ihnen ausgehen kann und warnt vor magischen Missverständnissen.

Das Interview vom 5. April auf domradio.de finden Sie hier.
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Die Krise ist virulent. Corona prägt unseren Alltag und Feiertag, auch weil Grenzen erfahrbar werden. Unser durchgetaktetes Leben ist aus dem Rhythmus geraten. Das Virus rüttelt lautlos und zugleich vehement an Tabus, an den Gefühlen menschlicher Schwäche und Begrenztheit. Reduktion allenthalben. Plötzlich prägt der Verzicht die Fastenzeit auf eine religiöse und zugleich säkulare Weise. Ist das alles einfach nur verrückt oder zeigt die Corona-Krise auch, wie es vielleicht anders ginge?

Das Gespräch von Florian Breitmeier mit dem Theologen Gotthard Fuchs auf NDR Kultur vom 22. März können Sie hier hören und nachlesen.
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Erst kamen die Nachrichten darüber, was alles ausfällt: Sonntagsgottesdienste, Erstkommunionen, Konfirmationen, Hochzeiten, Karfreitag und Ostern. Und natürlich alle Gruppentreffen vom Chor über den Seniorenkaffee bis zu den Pfadfindern. Im Tiefschlaf versunken sind die Kirchen trotzdem nicht. Im Gegenteil. Im Gespräch mit Susanne Haverkamp berichten evangelische und katholische Geistliche von ihren Erfahrungen der letzten Tage. Und was trotz allem noch möglich ist.

Den Artikel vom 21. März können Sie im Original auf der Homepage der NOZ oder – wenn Sie keinen Online-Zugang haben – auch direkt hier lesen:

Erst kamen die Nachrichten darüber, was alles ausfällt: Sonntagsgottesdienste, Erstkommunionen, Konfirmationen, Hochzeiten, Karfreitag und Ostern. Und natürlich alle Gruppentreffen vom Chor über den Seniorenkaffee bis zu den Pfadfindern. Im Tiefschlaf versunken sind die Kirchen trotzdem nicht. Im Gegenteil.

„Ich fahre nachher nochmal unsere Kirchen ab“, sagt Alexander Bergel. Drei gehören zu seiner Pfarrei, neben Christus König in Haste auch Heilig Geist und St. Franziskus in der Dodesheide und im Stadtteil Sonnenhügel. „Alle Türen stehen offen, weit offen sogar“, sagt er, „und ich habe den Eindruck, dass noch mehr Kerzen brennen als sonst.“ Wenn er auf dem Vorplatz oder in der Kirche jemanden sieht, hält er natürlich Abstand. „Aber die Leute freuen sich trotzdem über ein freundliches Nicken oder ein kurzes Gespräch.“

Auch telefoniert werde im Moment viel. „Wir haben es uns im Team aufgeteilt, Gemeindemitglieder anzurufen, besonders die älteren und die, die sonst die Krankenkommunion bekommen.“ Andere rufen von sich aus an. „Die Anliegen reichen von Einsamkeit bis zur Angst vor dem Weltuntergang“, sagt Pfarrer Bergel.

Die Krankenkommunion, die sonst regelmäßig ins Haus gebracht wird, fällt im Moment genauso aus wie Geburtstagsbesuche. „Die Leute wollen uns gar nicht bei sich haben“, sagt Christoph Baumgart, Pfarrer in St. Elisabeth (Weststadt, Hellern, Hasbergen). „Die haben viel zu viel Angst, dass wir etwas anschleppen.“ Richtig schwer würde es für die Leute, die eine Hochzeit planen oder einen Trauerfall in der Familie haben. „Montag hatte ich ein Brautpaar da“, sagt Baumgart. „Die Braut hat so geweint, als ich ihr sagte, dass die Trauung verschoben werden muss.“ Gleich danach bricht er auf zum Friedhof. „Wir gehen nur ans Grab mit dem engsten Familienkreis. Das ist für die Leute schon schwer.“

Das hat auch Andrea Kruckemeyer, Pastorin in der evangelischen St. Katharinen-Gemeinde, schon erlebt. Und sie will Augenmaß walten lassen. „Wir hatten gerade einen alten Herrn, dessen Frau gestorben ist. Da können wir das Trauergespräch nicht am Telefon abhandeln, da müssen wir hin!“ Und weil die Trauerfeier auf dem Friedhof so kurz ist, plant die Gemeinde schon jetzt für Nach-Corona-Zeiten. „Wir werden einen großen Gedenkgottesdienst für alle, die jetzt versterben, anbieten. Dann kommen wir auch nochmal mit den Angehörigen in Kontakt.“ Denn dass Todesfälle jetzt so unter ferner liefen abgehandelt werden, „das geht einfach nicht.“

Auch Dirk Hartung greift auf bewährte Methoden zurück. Der evangelische Diakon ist in der Südstadtgemeinde für die Seniorenarbeit zuständig. 350 Seniorinnen und Senioren hat er auf seiner Liste, die sonst sehr aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, an der Seniorenakademie zum Beispiel oder an diversen Fahrten. „Dass die jetzt zu Hause bleiben müssen, trifft sie natürlich besonders hart.“ Denn dass sie am besten gar nicht raus sollen, ist für Hartung keine Frage. „Wir halten unsere Kirche bewusst geschlossen, damit sie kein Ziel für Spaziergänge ist.“ Für alle, die dennoch vorbeikommen oder in Sichtweite wohnen, hat die Gemeinde einen hellen Stern ans Portal gehängt: „Die Kirche darf trotz dunkler Zeiten nicht im Dunkeln stehen.“

Ansonsten setzt Dirk Hartung auf die Post. „Ich habe gerade 200 Briefmarken gekauft“, sagt er und lacht. Zuerst haben alle, die sich für eine Fahrt angemeldet haben, die Absage per Postkarte im Briefkasten gefunden. Und jetzt sind die Ehrenamtlichen dran. „Ich suche für jede und jeden eine passende Postkarte aus und schreibe sie mit der Hand“, sagt der Diakon. „Die Leute sollen wissen, dass wir da sind.“

Soviel zur klassischen persönlichen Seelsorge. Ansonsten setzen die Gemeinden stark auf Digitales. Christoph Baumgart zum Beispiel begrüßt jeden Morgen seine Gemeinde mit einem kurzen Videoclip aus dem Pfarrhaus. „Ein kleiner Gedanke in den Tag, bevor ich zusammen mit unserem Diakon, der auch hier im Haus lebt, die Messe feiere“, sagt er. Auf der Gemeindehomepage, über Facebook und ganz frisch auf einem eigenen Youtube-Kanal wird das Video verbreitet. „Ich bin erstaunt, wie viele Rückmeldungen ich bekomme“, sagt Baumgart. „Die Leute freuen sich wirklich über jeden Kontakt.“ Auch die Erstkommunionkinder, die jetzt gelangweilt zu Hause hocken. „Wir haben das Material für die Vorbereitung digitalisiert und an die Familien gemailt“, sagt Baumgart. „Jetzt können sich die Familien gemeinsam damit beschäftigen.“

Auch die St. Katharinen-Gemeinde setzt auf Digitales. „Wir sind auf Instagram“, sagt Pastorin Andrea Kruckemeyer. „Da laden wir jetzt jeden Tag ein Morgengebet zusammen mit einem passenden Foto hoch.“ Über die Facebook-Seite kann sich jeder melden, der Hilfe braucht und es gibt jetzt zweimal wöchentlich einen Newsletter. „Darin stehen nicht nur Neuigkeiten, sondern vor allem auch geistliche Impulse, kurze Bibeltext und Gebete. Gerade sonntags und auf Ostern hin wollen wir Anregungen geben, wie Christen auch zu Hause diese Tage feiern können.“ Die Glocken, die zur üblichen Gottesdienstzeit geläutet werden, laden dazu ein.

Guten Besuch auf der Homepage hat auch Alexander Bergel zu verzeichnen. Unter www.christus-koenig-os.de findet sich eine Fülle von Anregungen zum privaten geistlichen Leben. Ob es der Bibeltext des Tages ist, die Sonntagspredigt zum Lesen, Links zu Radio- und Fernsehgottesdiensten oder Anregungen für kleine Tischgottesdienste zu Hause. Zum Beispiel jeden Abend um 6, wenn es läutet. „Dann hätten wir ganz schnell ein Gebetsnetz quer durch unsere Stadtteile“, sagt der Pfarrer. „Die Leute haben ja jetzt Zeit, und mir scheint, die Sehnsucht danach ist groß.“

Langeweile gibt es für das pastorale Personal also nicht. Videos und Telefonate, Briefe und geistliche Worte füllen die Zeit. „Jetzt haben sich bei mir zwanzig Gruppenleiter gemeldet und wollen Senioren helfen“, sagt Christoph Baumgart. „Das kann ich gar nicht alles wuppen.“ Zum Lesen, sagt er, sei er jedenfalls noch nicht gekommen.
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Die Vorsitzenden der katholischen sowie der orthodoxen Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland haben am 20. März ein »Gemeinsames Wort in der Corona-Krise« veröffentlicht.

Den Wortlaut können Sie hier lesen.
Ein Video mit kurzen Statmentes der drei Bischöfe auf Facebook finden Sie hier.
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Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, macht sich Gedanken über das, was alles nicht mehr geht. Er entwirft aber auch ein Bild für »die Zeit danach«. Und er gibt denen eine klare Antwort, die in der Corona-Krise die Apokalypse heraufziehen sehen.

Das Interview mit Bischof Overbeck vom 20. März können Sie hier nachlesen.
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Messe feiern alleine? Dass viele Geistliche dies während der Corona-Krise wieder tun, finden gleich mehrere Liturgiewissenschaftler problematisch. Sie fürchten eine »doppelte Exklusion« der Laien. Ihre Thesen, unter anderem verfasst von Dr. Stephan Winter, Professor für Liturgiewissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster sowie Liturgiereferent des Bistums Osnabrück und Mitglied unserer Pfarrei, veröffentlicht am 18. März, finden Sie hier.

Es war zu erwarten, dass diese Sicht der Dinge nicht unwidersprochen bleibt. Hier finden Sie die Entgegnung von Dr. Helmut Hoping, Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau vom 19. März.

Die theologische Diskussion geht weiter. Die Liturgiewissenschaftler Gerhards, Kranemann und Winter stellen am 24. März positive Beispiele vor, wie Kirche in Corona-Zeiten Communio leben kann. Den Artikel können Sie hier nachlesen.

Noch radikaler stellt sich die Frage, wie die Liturgie der Heiligen Woche unter den Bedingungen dieser Krisenzeit zu feiern ist. Ist es wirklich sinnvoll, die Gottesdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen, nur mit dem Priester und ein paar anderen? Oder gibt es gute Gründe, darauf zu verzichten? Dr. Johann Pock, Professor für Pastoraltheologie und Kerygmatik an der Universität Wien, hat dazu eine klare Meinung. In seinem Artikel vom 2. April, in dem er die vorangegangene Diskussion mit Fachkollegen aufgreift und zusammenfasst, bezieht er Stellung. Hier können sie ihn lesen. In unserer Pfarrei gehen wir den Weg, den er empfiehlt.
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Warum hat die Kanzlerin in Ihrer Ansprache nicht die Kirchen erwähnt? Was kann die Theologie sinnvoll zu Corona sagen? Wie verändert sich Kirche-Sein in der aktuellen Situation? Darüber und über manches mehr hat Christiane Florin im Deutschlandfunk mit dem Freiburger Theologen Magnus Striet gesprochen.

Nicht schnell zu lesen, auch kein Snack für Zwischendurch – dafür aber gespickt mit Denkanstößen für alle, die sich – vielleicht gerade mehr als sonst – Zeit nehmen können, um theologisch in die Tiefe zu gehen.

Das Gespräch vom 19. März finden Sie hier.
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Gebet, Musik & Poesie

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»Veni Sancte Spiritus!« Den kraftvollen Pfingsthymnus aus Notre-Dame de Paris hören Sie hier.
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»Komm, Heiliger Geist, komm!« Dieses gesungenes Gebet zu Pfingsten hören Sie hier.
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»Ich möchte mich mit dem Wasser erfrischen, das der Heilige Geist gibt. Ich möchte ausruhen in deinen Verheißungen, und ich sehne mich danach, bei dir satt zu werden.«

Die kubanische Sängerin Narjara Portal drückt in ihrem neuen Lied die Sehnsucht nach einer neuen Erfrischung durch den Heiligen Geist aus. Hier können Sie es sehen und hören. Weitere Infos finden Sie hier.
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Der Herr ist mein Hirte – von John Rutter vertont. Hier können sie es hören.
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Ein Sehnsuchtslied in Zeiten der Fragen und Angst – hier können Sie es hören.
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Rat

Verabschiede die Nacht
mit dem Sonnenhymnus
auch bei Nebel

hol dir die ersten
Informationen aus den
Liedern Davids
dann höre die
Nachrichten und lies
die Zeitung

beachte die Reihenfolge
wenn du die Kraft
behalten willst
die Verhältnisse zu ändern

Wilhem Bruners
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Das Lied »Lobe den Herren« können Sie – leicht aktualisiert – hier hören – und sehen.
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Am 2. Ostersonntag begegnet uns Jahr für Jahr der zweifelnde Thomas. Durch allen Zweifel hindurch ist er doch der sehnsuchtsvoll Glaubende. Oder wird es immer mehr. Thomas begegnet dem Auferstandenen, der ihm seine Wunden hinhält. »Sei nicht ungläubig, sondern gläubig«, ruft ihm Jesus zu. Und die Antwort? »Mein Herr und mein Gott!«

Von diesem Ringen, von dieser Sehnsucht und ihrer Erfüllung ist der Gesang »Adoro te devote – Gottheit tief verborgen« von Thomas von Aquin durchdrungen:

Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot,
bet ich dennoch gläubig: Du mein Herr und Gott!
Tief und tiefer werde dieser Glaube mein,
fester lass die Hoffnung, treu die Liebe sein.

Sie finden diesen Gesang im Gotteslob unter der Nummer 497.
Hören können Sie ihn hier (Strophe 4, 2:42).
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Ostern fällt dieses Jahr in eine ungewohnte Zeit. Eine Zeit voller Fragen, Unsicherheiten und Ängsten. Eine Zeit voller Stille. Micha Kunze macht sich Gedanken.

Hier können Sie sie hören.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Ostersonntag.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karsamstag.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karfreitag.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zur Nacht auf den Karfreitag.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Palmsonntag.
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Ein alter Psalm, an den ich gestern erinnert wurde.
Ich hatte von einer Kollegin ein Lied zugeschickt bekommen.
Von Wilhelmine.
»Solange du dich bewegst« heißt das.
Und irgendwie erinnerte mich
dieses fröhliche kleine Lied
an die alten Worte aus Psalm 139:

»Von hinten und von vorn
hast du mich umschlossen,
hast auf mich deine Hand gelegt.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen,
zu hoch, ich kann es nicht begreifen.«

Allerdings singt Wilhelmine
in umgekehrter Perspektive.
Und in moderner Sprache:

»Ich mach die Arme für dich auf.
Du ist gut so, wie du bist.
Es gehen Arme für dich auf.
Solange du dich bewegst,
du dich bewegst.«

Warum sich also nicht mal
durch ein Gute-Laune-Lied daran erinnern lassen,
dass wir alle wunderbar
und staunenswert geschaffen sind
und von Gott behütet werden?

Warum nicht mal
dieses Lied zum Anlass nehmen,
um Psalm 139 wirken zu lassen?

Warum also nicht mal
durch die Wohnung tanzen
und die Zusage Gottes groß werden lassen?

»Ey dein Lächeln steht dir so gut!
Du  bist gut so, wie du bist!«

Das passende Lied dazu gibt’s hier.
Und hier den Psalm:

HERR, du hast mich erforscht und kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du kennst es.
Du durchschaust meine Gedanken von fern.
Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen.
Du bist vertraut mit all meinen Wegen.

Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge,
siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt.
Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen,
hast auf mich deine Hand gelegt.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen,
zu hoch, ich kann es nicht begreifen.

Wohin kann ich gehen vor deinem Geist,
wohin vor deinem Angesicht fliehen?
Wenn ich hinaufstiege zum Himmel – dort bist du;
wenn ich mich lagerte in der Unterwelt – siehe, da bist du.

Nähme ich die Flügel des Morgenrots,
ließe ich mich nieder am Ende des Meeres,
auch dort würde deine Hand mich leiten
und deine Rechte mich ergreifen.

Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen
und das Licht um mich soll Nacht sein!
Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir,
die Nacht leuchtet wie der Tag,
wie das Licht wird die Finsternis.

Du selbst hast mein Innerstes geschaffen,
hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert
und wunderbar gestaltet bin.
Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.

Dir waren meine Glieder nicht verborgen,
als ich gemacht wurde im Verborgenen,
gewirkt in den Tiefen der Erde.
Als ich noch gestaltlos war,
sahen mich bereits deine Augen.

In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage,
die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war.
Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott!
Wie gewaltig ist ihre Summe!

Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand.
Ich erwache und noch immer bin ich bei dir.
Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten!
Ihr blutgierigen Menschen, weicht von mir!

Sie nennen dich in böser Absicht,
deine Feinde missbrauchen deinen Namen.
Sollen mir nicht verhasst sein, HERR, die dich hassen,
soll ich die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
Ganz und gar sind sie mir verhasst,
auch mir wurden sie zu Feinden.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne meine Gedanken!
Sieh doch, ob ich auf dem Weg der Götzen bin,
leite mich auf dem Weg der Ewigkeit!

Anne Wolters
26. März
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Getrost
und getröstet
können wir gehen
wir sind nicht allein

getrost
und getröstet
können wir das Leben wagen
da ist einer
der mit uns ist

getrost
und getröstet
können wir uns
auf den Weg machen
da ist einer
der für uns ist

da ist einer
der uns beschützt
der seine bergende Hand
über uns hält
über dich und mich
und uns und diese Stadt
unser Land und unsere Welt

der uns behütet
schläft nicht
er nimmt uns in seine Obhut
in ihm
können wir getrost sein

er
der uns Vater und Mutter ist
Frieden und Gerechtigkeit
Hoffnung und Grund
der uns kennt und liebt
und will und mag
der
schläft nicht

der
schaut nach uns
der
gibt auf uns acht
der
geht uns nach
der
lässt uns nicht los

der uns behütet
schläft nicht

deshalb
vertrau ich mich
ihm an
deshalb
verlass ich mich
auf ihn

der uns behütet
schläft nicht

der uns behütet
will unsere Lebendigkeit
der uns behütet
will unsere Freiheit
der uns behütet
will unser Wachsen

der uns behütet
schläft nicht
aber er macht es uns
nicht nur nett
der will was
für uns
der will was
von uns

der uns behütet
der fordert uns
der uns behütet
will mich

der will was
von mir
und der will was
von dir

er ist Wort
und will Antwort

weil er
mich hält und trägt
weil er mit mir ist
bin ich getragen
und getröstet

und kann ich
Antwort geben

kann tragen
und trösten

und kann gehen
in seinem Namen
getragen und getröstet
und tragen
und trösten

behütet von dem
der für das Leben ist
kann ich gehen
für das Leben

behütet und getröstet
von dem
der das Leben will
lasst uns aufbrechen und gehen
dem Leben entgegen

weil wir das Leben mit uns tragen
lasst uns das Leben
zu den Menschen bringen

getragen und getröstet
von dem
der das Leben ist.

Andrea Schwarz
Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen
Freiburg 2008
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Er ist mein Hirt.
Und mir fehlt nichts.
Er gibt mir Licht und Leben.
Es ist wie am Wasser.
Er stillt meinen Durst.
Er sagt mir, wie’s weitergeht.
Er ist der Gott, auf den ich
hoffte.

Auch dann, wenn ich durch eine Nacht
muss (meine Nacht),
gerade dann hab ich keine Angst.
Vor nichts.
Denn es ist einer bei mir:
Und das bist DU.
Du gehst mir voraus.
Das ist meine Hoffnung.
Du deckst mir den Tisch.
Meine Feinde sehen es
und können nichts machen.
Du machst mich schön.
Es ist ein Fest!
Und so wird es weitergehen,
solange ich am Leben bin
und sein darf,
bei IHM.

Psalm 23

Arnold Stadler
»Die Menschen lügen. Alle.« Und andere Psalmen
Frankfurt 1999
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In der letzten Woche sind zwei sehr gute Freunde von mir zum ersten Mal Eltern geworden. Als ich die Nachricht auf meinem Handy sah, war die Freude riesig – und die Entfernung zwischen mir und meinen Freunden in Brandenburg für einen Moment vergessen. Es wurden freudige Nachrichten und Fotos ausgetauscht, ich schickte ein Willkommenspäckchen an die frischgebackene Familie. Konnte ich auch nicht selbst vor Ort sein, um die neue Erdenbürgerin gebührend zu begrüßen, so war ich doch mit meinen Gedanken und guten Wünschen bei ihr. Kleine Zeichen der Nähe in einer gezwungenermaßen distanzierten Zeit.

In den Tagen nach der Geburt kam mir ein Lied in den Sinn, das ich schon des Öfteren bei Taufen oder in Firmgottesdiensten gesungen hatte. »Gott segne dich« von Martin und Jennifer Pepper. Obwohl ich dieses neugeborene Kind noch nicht kannte, erschienen mir die Segenswünsche so wunderbar passend. Also sang ich diesem unbekannten Kind in den letzten Tagen immer wieder vor mich hin dieses Segenslied:

Ich wünsch dir Gottes Segen,
ich wünsch dir seine Nähe,
seine Kraft.
Ein reich erfülltes Leben,
über dem die Hand des Höchsten wacht.
Liebe und Wärme,
Gelassenheit in allem,
was du tust.
Dass du auch in Stürmen
sicher und im Frieden mit dir ruhst.
Ich wünsch dir diesen Segen.

Ich wünsch dir Gottes Segen,
Geborgenheit in Vater, Sohn und Geist.
Glaube, wie ein Feuer,
das wärmt und nicht in den Augen beißt.
Sehnsucht und Hoffnung,
Menschen, die dich in die Weite führen.
Freunde, die dich tragen,
Gedanken, die die Seele inspirieren.
Ich wünsch dir diesen Segen.

Gott segne dich,
behüte dich,
erfülle dich mit Geist und Licht.
Gott segne dich!
Erhebe dich,
und fürchte nichts,
denn du lebst vor seinem Angesicht.
Gott segne dich.

Ich wünsch dir Gottes Segen.
Entfalte alles, was du in dir spürst.
Die Dinge, die dir liegen.
Auch wenn du mal gewinnst und mal verlierst.
Wag neue Wege,
probier dich einfach immer wieder aus.
Lass dich nicht verbiegen,
Lebe mutig offen geradeaus.
Ich wünsch dir diesen Segen.

Gott segne dich,
behüte dich,
erfülle dich mit Geist und Licht.
Gott segne dich!
Erhebe dich,
und fürchte nichts,
denn du lebst vor seinem Angesicht.
Gott segne dich.

Manchmal ist die Hand vor unseren Augen
gar nicht mehr zu sehen.
Und wir hoffen nur noch,
dieses Dunkel irgendwie zu überstehen.
Doch kein Schatten, den wir spüren,
kann das Licht in uns zerstören.

Gott segne dich,
behüte dich,
erfülle dich mit Geist und Licht.
Gott segne dich!
Erhebe dich,
und fürchte nichts,
denn du lebst vor seinem Angesicht.
Gott segne dich.

Was für schöne Wünsche für ein Neugeborenes. Und je öfter ich dieses Lied in den letzten Tagen vor mich hin sang, desto häufiger dachte ich: Das sind nicht nur schöne Segenswünsche für ein Neugeborenes, das sind auch Segenswünsche, die wir alle gerade gut gebrauchen können.Gottes Segen, seine Nähe und Kraft tun gerade in ungewissen Zeiten besonders gut.

Ich wünsch mir auch für mich und uns in diesen Tagen Gelassenheit und Geborgenheit in Vater, Sohn und Geist. Und ich wünsche uns allen die Gewissheit, dass wir trotz allen durchkreuzten Plänen, trotz abgesagten Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen von Gott gesegnet und behütet sind. Kommen Sie gut durch diese besondere Zeit!

Hier können Sie sich selbst eine Portion Segenswünsche abholen.

Anne Wolters
19. März
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