Karnevalsgottesdienst in Haste
mit politischer Botschaft in Reimform
Diakon Hans Ulrich Schmiegelt preist den Karneval als friedliche und fröhliche Zeit ohne Hass und Hetze aber mit klaren Botschaften, die auch über die Narrenzeit hinaus Ausstrahlung haben.
Bunt und fröhlich geht es jedes Jahr am Sonntag vor Rosenmontag in der gut gefüllten Christus-König-Kirche zu. Der bereits traditionelle Karnevalsgottesdienst zieht viele Menschen von Nah und Fern nach Haste: Jecken und Karnevalsfreunde, Prinzen und Gardetänzerinnen, Jung und Alt, verkleidet oder in Zivil. Sie zeigen beeindruckend: Kirche und Karneval, Beten und Fröhlichkeit, Amen und Helau, Besinnung und närrisches Treiben – das schließt sich nicht aus, sondern ergänzt sich wunderbar.
Mit karnevalistischen Klängen zogen auch diesem Jahr wieder Fahnenträger, Karnevalisten und Diakon Hans Ulrich Schmiegelt in die Kirche ein und prägten fortan das bunte Bild am Altar. Die Karnevalszeit, sagte Schmiegelt zur Begrüßung, sei gerade für Christen eine besondere Zeit: Sie sei gelebter Spaß an der Freude. Und die Freude stehe auch in der Botschaft Jesu im Mittelpunkt. Im Karneval wie in der christlichen Botschaft gehe es um die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt: bunt und fröhlich, friedlich und gemeinschaftlich.
Der Höhepunkt des Gottesdienstes und von vielen mit Spannung erwartet: die Büttenpredigt des Diakons und begeisterten Karnevalisten. „Heute ist es an der Zeit, Gott zu danken für die Heiterkeit“, so begann er und ging auf die Aussagen der Bergpredigt ein, in der Jesus Egoismus und Ausgrenzung verurteilt, Nächstenliebe, Frieden und Freiheit propagiert: „Selig, wer Gewalt vermeidet und Frieden auf der Welt verbreitet“ – aktueller kann die Botschaft kaum sein.
Im Karneval wie in der Bergpredigt gehe es um Kritik an Macht und gesellschaftlichen Entwicklungen, so Schmiegelt. Die Narrenzeit habe dem Volk geholfen, sich gegen die Willkür der Mächtigen zu wehren, blickte er auf die allerersten Anfänge zurück. Dieses Erbe trage der Karneval weiter. Die Narrenfreiheit preist er als ein hohes Gut: „Im Karneval ist die Wahrheit frei, ganz ohne Angst und Scheu! Seid stolz auf dieses Recht und hütet es fein, es darf niemals nur Erinnerung sein.“ Rechte und populistische Entwicklungen kritisiert der Diakon hart. Die Zeit habe sich verschärft, sagt er und fordert die Karnevalisten auf, einzustehen „mit Herz und Verstand für die Würde aller Menschen im Land“. Sie sollten ruhig einmal Menschen „die Meinung geigen oder auch die rote Karte zeigen“.
Jecken, so Schmiegelt, lebten ein friedliches und fröhliches Miteinander vor – manchmal auch quer zum Trend. „Hass und Hetze haben hier keinen Platz.“ Und vielleicht brauche man die Narrenzeiten „um auch mal etwas Neues zu erreichen“.
Für Stimmung sorgte nicht nur die Predigt, sondern auch die musikalischen Beiträge: Die Orgel spielte karnevalistische Klänge und Märsche, der MGV Liederkranz Haste sang „Ein Traum“ von Bosse und Jörg Herzog und die „Prinz Twins“ performten gemeinsam mit der Gemeinde lautstark „Halleluja“ von Brings.
Bei Getränken und Grillwurst klang der 14. Karnevalsgottesdienst im Johannes-Prassek-Haus gemeinschaftlich aus, die Kollekte wurde für das Projekt des Stadtprinzen Frank II. gehalten und geht an Frauen in Not.
Astrid Fleute
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Einige Bilder des Nachmittags
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