Ein Bericht vom Freundeskreis Kuba

Mit großer Sorge schauen wir – der Freundeskreis Kuba unserer Pfarrei – auf die Nachrichten, die in bisher unbekannter Häufigkeit von der Lage auf Kuba berichten.

Kuba befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden wirtschaftlichen und infrastrukturellen Krise, die den Alltag der Bevölkerung stark belastet. Besonders kritisch ist die Stromversorgung. In vielen Regionen kommt es regelmäßig zu langanhaltenden Stromausfällen, die teilweise mehrere Stunden oder sogar Tage andauern. Inmitten eines Erdbebens kam es in der letzten Woche auf der Insel zu einem erneuten totalen Ausfall des nationalen Stromnetzes. Mehr als neun Millionen Menschen waren landesweit ohne Strom, Telefon und Internet.

Es mangelt an allem

Ursache dafür ist vor allem die veraltete Energieinfrastruktur in Kombination mit fehlendem Treibstoff für Kraftwerke. Die Folgen sind weitreichend: Kühlung von Lebensmitteln ist nicht möglich, Lebensmittel verderben, Betriebe müssen ihre Arbeit einstellen, und auch die Wasserversorgung wird beeinträchtigt, da elektrische Pumpen ausfallen.

Die Versorgung mit Wasser ist daher vielerorts unzuverlässig. Haushalte erhalten teils nur stundenweise Zugang zu fließendem Wasser und sind gezwungen, Vorräte anzulegen oder alternative Lösungen zu finden. Ohne Wasser und Strom muss dann auch immer wieder der Schulunterricht ausfallen.

Gleichzeitig ist die Lebensmittelversorgung stark eingeschränkt. Grundnahrungsmittel sind knapp, staatliche Rationen reichen nicht aus, und lange Warteschlangen vor Geschäften prägen das Straßenbild. Transportprobleme und fehlender Treibstoff erschweren die Verteilung von Waren im Land.

Medizinische Versorgung am Limit

Auch die medizinische Versorgung ist betroffen. Es mangelt an Medikamenten, medizinischem Material und teilweise auch an Personal. Stromausfälle erschweren den Betrieb von Krankenhäusern, und notwendige Behandlungen können nicht zuverlässig durchgeführt werden.

Der öffentliche Nahverkehr funktioniert nur eingeschränkt, da es an Treibstoff fehlt. Die Menschen wissen oft nicht, wie sie zur Arbeit kommen sollen. Müllentsorgung und andere kommunale Dienstleistungen sind ebenfalls reduziert. In Havanna liegen Berge von Müll in einigen Straßen. Die Folgen sind vorstellbar: Gestank und gefährliche Krankheitserreger liegen in der sehr warmen Luft. Häufig werden die Abfälle angezündet und schwarzer Qualm zieht durch die Straßen.

In vielen Bereichen ist Improvisation notwendig, um grundlegende Abläufe aufrechtzuerhalten. Für die Menschen bedeutet dies einen Alltag, der von Unsicherheit, Organisation und Anpassung geprägt ist. Gekocht wird oft auf der Straße mit Holzfeuern.

Da die Kubaner:innen nie wissen, wann und wie lange es Strom gibt, richtet sich die Tagesorganisation sehr spontan nach diesen wertvollen Stunden, in denen Handys geladen, Herde und Öfen oder andere Geräte angestellt werden und Arbeiten erledigt werden können. Besonders die Nächte sind meistens ohne Strom und entsprechend dunkel. Ein Fahrrad ist ein kostbares Transportmittel – unabhängig von Strom und Benzin.

Keine offene Kommunikation möglich

Von unseren Freunden in der Partnergemeinde in Havanna hören bzw. lesen wir sehr wenig in Bezug auf ihre Lebenssituation. Es ist eben nicht möglich, offen zu kommunizieren. Wir wissen nicht, welche Nachrichten zu ihnen durchdringen, was bspw. die internationale Politik betrifft. Die Bedrohung aus den USA ist enorm und beängstigend, andere Länder wie bspw. Venezuela werden daran gehindert, Treibstoff zu liefern, Costa Rica hat die Botschaft auf Kuba geschlossen. Es kommen kaum noch Flugzeuge auf der Insel an, weil der Treibstoff fehlt. Inzwischen ist der Tourismus, früher eine wichtige Einnahmequelle, komplett zum Erliegen gekommen. Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Kuba ab.

Hin und wieder erfahren wir, welche Produkte des täglichen Lebens besonders vermisst werden. Wir bemühen uns, für Online-Bestellungen einen Supermarkt in Havanna zu finden, bei dem wir noch Lebensmittel oder Hygieneartikel bestellen und in unsere Partnergemeinde liefern lassen können. Das ist nicht so einfach, da durch das US-Embargo nicht jede Kreditkarte akzeptiert wird und nur noch wenige Supermärkte die Möglichkeit haben, Waren zu transportieren. Und die Auswahl der angebotenen Ware ist ebenfalls sehr eingeschränkt.

Wir wünschten, wir könnten Fahrräder und Solarstromaggregate nach Havanna schicken. Das wäre eine so wertvolle Hilfe! Das ist momentan nicht möglich, aber mit den oben genannten Einkäufen können wir mit Hilfe Ihrer Spenden die Not ein ganz kleines bisschen lindern. Ihre Spenden werden sehr geschätzt und benötigt.

Trotz allem herzliche Nachrichten

Und trotz dieser beängstigenden Situation erhalten wir in unserer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe herzliche Nachrichten von unseren Schwestern und Brüdern in San Judas. Wir beten füreinander und miteinander, und die gegenseitige Anteilnahme an unserem Gemeindeleben hier und drüben geben Stärke und Hoffnung.

Daira schreibt: „Wir danken euch von ganzem Herzen, dass ihr uns immer in euren Gebeten und Feiern im Gedächtnis behaltet. Wir bleiben im Gebet mit euch verbunden, und es freut uns zu wissen, dass wir inmitten der Situation, in der wir uns befinden, auf die Unterstützung und die Gebete von Freunden und Brüdern wie euch zählen können.“

Sie möchten helfen?

Wenn Sie helfen möchten, freuen sich der Freundeskreis Kuba und damit auch der Freundeskreis Osnabrück in Havanna über jede finanzielle Spende! Sachspenden können leider nicht versandt werden.

Kath. Kirchengemeinde Christus König Osnabrück
IBAN DE64 2655 0105 0000 7425 44
Spendenzweck: Freundeskreis Kuba