
Impulse
Worte können heilen. Und zum Nachdenken bringen. Worte können Mut machen. Und neue Wege aufzeigen. Worte bringen Gefühle zum Ausdruck. Und Sorgen. Und Nöte. Glück und Unglück zeigen sich in ihnen ebenso wie Glauben und Hoffnung. Und natürlich Zuneigung und Liebe. Besonders schön ist es, wenn einem jemand solche Worte sagt. Wenn wir sie persönlich hören. Wenn wir spüren: Der meint mich!
Sie finden auf dieser Seite Gedanken, Erlebnisse, Deutungen, Diskussionsbeiträge, die uns eingefallen sind. Oder die wir anderswo gefunden haben. Und die wir mit Ihnen teilen. In der Corona-Pandemie hat sich das bewährt, vielen Mut gemacht und Lust auf mehr. Das freut uns natürlich sehr. Und deshalb machen wir einfach weiter!
Essays, Geschichten & Gedanken
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So leer
wie einst
erdacht
So klar
dass nichts
den Blick verengt
So offen
weil alle
willkommen sind
Der Ort
wo du stehst
ist heiliger Boden
Er
wird es
bleiben
Alexander Bergel
1. März
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Franziskus bleibt
am Leben
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Abschied nehmen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Neu beginnen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Schritte wagen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Die Aussicht genießen
Weil Leben
wandern heißt
heißt es für uns
Nicht sterben sondern
am Leben
bleiben
Alexander Bergel
8. Februar
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Aus der Erinnerung an den Holocaust erwächst die Frage, wie religiöse Traditionen Verantwortung übernehmen, damit das »Nie wieder« mehr ist als eine Formel.
Ludger Hiepel, akademischer Rat auf Zeit am Institut für Biblische Exegese und Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und Beauftragter der Universität gegen Antisemitismus, reflektiert die bleibende Aufgabe von Christ:innen und Muslim:innen, den ihren religiösen Traditionen eingeschriebenen Antijudaismus aufzuarbeiten und zu überwinden.
Seine Gedanken vom 27. Januar auf der Seite feinschwarz.net können Sie hier lesen.
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Vorfreude ist spannend und ausdauernd. Das Danach verklingt allerdings schnell.
Ein deutsches Wort für »Nachfreude« gibt es gar nicht.
Ralf Meister, der Landesbischof der evangelischen Kirche Hannovers, würde sich aber genau das wünschen. Warum, können Sie in seinen Nachtgedanken vom 3. Januar lesen, die auf NDR 1 zu hören waren.
Alle Nachtgedanken in der Zeit vom 29. Dezember bis zum 4. Januar
können Sie hier lesen.
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Die Zeit zwischen den Jahren ist eine besondere Zeit.
Einige Gedanken von Martin Vorländer in der Sendung Feiertag vom 28. Dezember im Deutschlandfunk Kultur können Sie hier hören.
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Maria und Josef werden von einem Herbergsvater barsch abgewiesen, deshalb muss Maria ihr Baby in einem Stall zur Welt bringen. So wird die Weihnachtsgeschichte bis heute oft erzählt. Nicht so bei Annette Jantzen.
Die katholische Theologin aus Aachen schreibt in ihrem Buch »Das Kind in der Krippe« gegen diese Lesart der Weihnachtsgeschichte an.
Ihre Gedanken in der Sendung Tag für Tag vom 22. Dezember im Deutschlandfunk können Sie hier hören.
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Seht, euer Gott!
Er selbst kommt
und wird euch
retten.
Dann werden
die Augen der Blinden
aufgetan
und die Ohren der Tauben
geöffnet.
Dann springt
der Lahme
wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen
frohlockt.
Neue Sicht.
Echtes Verstehen.
Keine Barrieren mehr.
Pures Glück.
Gaudete!
Freut euch!
Alexander Bergel
12. Dezember
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Im Dunklen
das Licht
nicht vergessen
In all den Kriegen
den Frieden
nicht aufgeben
Im Trostlosen
den Tröster
erwarten
Im Untergang
den Neuanfang
erahnen
Im Lärm
die Stille
nicht abschreiben
Im Verkorksten
das Heile
suchen
Und dann
die Ohren
spitzen
und Gottes
Stimme
hören
Alexander Bergel
5. Dezember
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»Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht und sagt: Ich bin«, warnte er seine Leser. Stattdessen sollten sie es wagen, in schöpferischen, »glühenden« Augenblicken, Gott tief in ihrem Herzen zu erfahren, wo er immer schon am Wirken sei.
Rainer Maria Rilkes Verhältnis zur Religion war zwiespältig: Dogmen, Maßregelungen und vermittelnde Instanzen zwischen Himmel und Erde lehnte er rigoros ab. Aber sein ganzes Werk ist getragen von spirituellem Hunger und der Sehnsucht nach dem »sehr Verwandten, zu dem mein Leben hundert Wege weiß«.
Die Gedanken von Christian Feldmann vom 30. November auf NDR Kultur können Sie hier hören und lesen.
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Grau und nebelvoll
lässt
der November
uns zurück
Dunkel und erwartungsfroh
öffnet
jene Zeit die Arme
die nun kommt
Beide Zeiten
rühren Herzen an
mit ihrem Dunkel
und dem Licht
Trauer und Erwartung
Abschied und Neubeginn
Schmerz und Sehnsucht
Sterben und Geboren werden
Adventlich leben heißt
Im Grau die Farben
suchen
und sie
finden
Alexander Bergel
19. November
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Der Toten zu gedenken, hat sich als Ritual sehr verändert, doch es bleibt die Hoffnung,
sagt Stefan Rau zu Allerseelen.
Seine Gedanken vom 1. November finden Sie hier.
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Statements, Interviews & Diskussionen
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Max-Josef Schuster, Pastoralreferent im Ruhestand und systemischer Berater, lässt die übersehene Berufung der Frauen keine Ruhe.
Seinen Beitrag auf der theologischen Seite feinschwarz.net vom 6. Januar können Sie hier lesen.
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Die Brandmauer zur AfD muss »so lange halten, wie es geht«, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Die AfD sei »menschenverachtend«, denn sie vertrete einen »völkischen Nationalismus«, erklärt der Bischof von Limburg.
Das Interview im Deutschlandfunk vom 21. Dezember können Sie hier hören.
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Klöster können in einem säkularisierten Europa Gegen-Orte sein, die Stabilität und geistliche Tiefe vermitteln, sagt der Trappist und Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz, Bischof Erik Varden.
Im Gespräch mit Jan-Heiner Tück geht er dem Phänomen einer neu erwachenden Sehnsucht nach Erfahrungen der Transzendenz unter jungen Menschen nach.
Den Podcast der Zeitschrift Communio vom 19. November können Sie hier hören und lesen.
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Die Leseordnung in Gottesdiensten müsse geändert werden, sagt Annette Jantzen. Denn biblische Frauen kämen in den gelesenen Texten kaum vor – obwohl ihre Geschichten wichtig sind.
Im Podcast vom 1. Oktober spricht sie über Beispiele »herausgeschnittener« Frauen. Hier können Sie ihn hören.
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Nora Bossong ist im Hauptberuf Schriftstellerin. Rund ein Dutzend Bücher liegen vor – zuletzt der Roman Reichskanzlerplatz.
Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, sagt augenzwinkernd: Im Nebenberuf sei sie Ministrantin. Sie engagiert sich im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Der wichtigste Nebenberuf war eine Zeitlang das Studium der Katholischen Theologie. Manchmal zieht sie sich in Klöster zurück.
Religion und Literatur – sind das für Nora Bossong zwei Paar Schuhe? Oder wie integriert sie beides in ihrem Leben?
Ein Interview mit ihr im Deutschlandfunk vom 5. September können Sie hier hören.
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Elf Wochen nach Pfingsten, also am 24. August, feiert man in der evangelischen Kirche den sogenannten Israel-Sonntag. Früher sprach man vom Juden-Sonntag. Ein Tag mit einer wechselvollen Geschichte – über die Jahrhunderte hinweg.
Heute soll er die Verbindung des Christentums mit dem Judentum ausdrücken. Aber wie begeht man angesichts des Krieges in der aktuellen Situation so einen Gottesdienst?
Die Sendung Tag für Tag im Deutschlandfunk vom 13. August geht dieser Frage nach. Hier können Sie sie hören.
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Immer wieder ist in diesen Tagen die Rede von Kulturkampf. Vielen raucht der Kopf, wenn sie nachdenken über die Entwicklungen rund um die Wahl neuer Richter für das Bundesverfassungsgericht.
Die Wahl wurde vor genau einer Woche verschoben, weil eine Kandidatin, nämlich Frauke Brosius-Gersdorf, in die Kritik geraten ist. Es ging um ihre Positionen zu Corona und Kopftüchern, zum Gendern und zur Abtreibung oder – wie einige es formulieren – zum Schwangerschaftskonflikt. Die römisch-katholische Kirche war am Rande auch involviert und rückte dann immer weiter ins Zentrum. Rudert sie jetzt zurück?
Ein Gespräch dazu mit dem katholischen Theologen und Journalisten Joachim Frank vom 18. Juli können Sie hier hören.
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Der italienische Katholik Carlo Acutis war 15 Jahre alt, als er 2006 an Leukämie starb. Seitdem wird er in der katholischen Kirche immer stärker verehrt, im September will Papst Leo XIV. Acutis heiligsprechen.
Doch daran gibt es auch Kritik, denn Acutis hat Internetseiten programmiert und dort auch antijüdische Erzählungen weiterverbreitet. Ist die geplante Heiligsprechung daher ein Fehler?
Einschätzungen dazu im Live-Gespräch vom 16. Juli im Deutschlandfunk mit dem katholischen Theologen und Jesuiten Christian Rutishauser, Judaistik-Professor an der Universität Luzern und ständiger Berater des Papstes für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum, können Sie hier hören.
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Religionen sind Systeme menschlicher Sinnsuche: Wo kommen wir her, warum sind wir hier, wo wir sind? Aber sind diese Systeme obsolet, angesichts der Fortschritte zum Beispiel in der Astrophysik, die ja den Anfang unseres Universums inzwischen ebenso gut zu erklären vermag wie die Quantenmechanik die Geheimnisse des Allerkleinsten in der Materie?
Das Grundsatzgespräch vom 30. Juni im Deutschlandfunk mit dem Astrophysiker und Professor für Naturphilosophie und physikalische Grenzfragen, Harald Leschn, können Sie hier hören.
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Aus Eichenholz schnitzt Diakon und Holzbildhauer Ralf Knoblauch Königinnen und Könige, die durch die ganze Welt touren.
Wie er dazu gekommen ist und warum seine Arbeit auch etwas Spirituelles hat, erzählt er im Interview, vom 4. Juni, das Sie hier lesen und hören können.
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Predigten
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Predigt am 2. Fastensonntag
zu Gen 12,1-4a und Mt 17,1-9
„Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“ Sagt Gott zu Abraham. Und der macht sich auf, zieht los in der Hoff-nung, endlich einen guten Platz zum Leben zu finden. Er zieht los, wirklich los, lässt alles stehen und liegen – und wird reich belohnt. Ein Segen soll er sein. Und ein Segen wird er. Abraham – ein Mann, an dem wir bis heute ablesen können, wohin grenzenloses Vertrauen führen kann. Dieses grenzenlose Vertrauen in die eigene Kraft, die unstillbare Sehnsucht nach Leben – nach gelingendem, nach wirklichem, nach echtem Leben – und die unzerstörbare Hoffnung, dass auch ich das Recht habe, ohne Angst zu leben. All das kennen wir nur allzu gut. Und nicht nur wir.
Auch Menschen, denen es wirklich dreckig geht, Menschen, die nicht wie in einem Märchen aus 1001 Nacht durch beeindruckende Wüsten zur nächsten Oase wandern, Menschen, die in Krieg und tiefster Armut leben, dauernd in Angst, ob sie den nächsten Sonnenaufgang noch sehen werden – auch solche Menschen hören die Stimme der Sehnsucht und der Verzweiflung gleichermaßen, die ihnen sagt: „Geh weg aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus.“ Verzweifelte Menschen sind es, die heute an so vielen Orten dieser Erde auf der Flucht sind vor Krieg und Terror. Sie sind zum Spielball der großen Politik geworden, verjagt, zusammengepfercht in Lagern, sind sengender Hitze und klirrender Kälte schutzlos ausgeliefert. Unter ihnen viele Kinder. Perspektiven? Keine.
Wir hören heute die Geschichte eines Mannes, der aufbricht. Weil er in seiner Heimat keine Perspektive mehr hat. Wir hören die Geschichte eines Mannes, der im hohen Alter alles hinter sich lässt. Wir hören die Geschichte eines Mannes, der seinem Gott traut, der ihm alles zutraut, auch, dass er ihn rettet. Und ihm Wege zeigt, die in die Zukunft führen. Wir hören die Geschichte eines Mannes, in dem wir unser eigenes Leben erkennen können und sollen. Abraham und mit ihm Sara, sie sind zum Urbild des Aufbruchs geworden. Des Neuanfangs. Des Vertrauens. Abraham und Sara, die beiden Alten, sie sollen uns bis heute immer wieder daran erinnern, dass Leben Bewegung ist. Dass wir nie stehen bleiben dürfen. Dass wir in aller Ausweglosigkeit doch damit rechnen dürfen, dass der verborgene Gott mit einem neuen Plan um die Ecke kommt. Dass er die Geschichte nicht an die Wand fahren lässt, dass er uns am Leben hält.
All das hören wir. Immer wieder. Und wir hören auch und wissen es ja selbst, wie schwierig das ist. Das mit dem Aufbruch, dem Neuanfang. Dem Hinter sich lassen der Dinge, die nun mal vorbei sind. Aber dann, wenn wir uns selbst genug damit beschäftigt haben und vielleicht ein bisschen stolz darauf sind, was wir alles schon hinter uns gelassen und wo wir schon so viel Neues gewagt haben, wenn wir all das getan haben, dann sollten wir uns auch jener Geschichte stellen, die wir in unseren Tagen erleben: Da machen sich Menschen auf aus ihrem Elend, das nicht sie verschuldet haben, sondern andere. Dieses „Geh weg aus deinem Vaterland“ ist keine schöne religiöse Erbauungserinnerung, sondern ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die ein Herz haben.
Natürlich, ich höre sie schon, die Frage: Was können wir denn tun? Und wie sollen wir diese Menschen alle aufnehmen? Und hat nicht der Rechtsruck in unserem Land mit all dem zu tun? Ja, all diese Fragen gibt es. Und wir müssen uns diesen Fragen stellen. Nicht naiv, sondern realistisch. Keiner hat auch je behauptet, dass die Welt einfach wäre. Und dass schnelle und einfache Lösungen auch wirkliche sind. Aber wenn wir als Glaubende unterwegs sind, wenn wir die alten Geschichten nicht einfach immer nur hören wollen, sondern uns von ihnen infrage stellen lassen, dann dürfen wir uns nicht gemütlich zurücklehnen, so wie Petrus es auf dem Tabor wollte mit seinen Hütten: den Moment festhalten, Gottes Nähe erfahren exklusiv und ohne Ende. Wenn wir als glaubhafte Menschen in der Spur Jesu unterwegs sein wollen, müssen wir uns mit der Realität auseinandersetzen. Müssen wir das Gespräch suchen. Müssen wir Zeit und vielleicht sogar Geld investieren, um etwas zu tun, was dem Elend den Kampf ansagt.
Was das sein kann und wie das funktioniert? Finden wir es heraus! Fangen wir an zu diskutieren. Da, wo wir auf andere treffen. Da, wo andere hetzen oder Angst machen oder verharmlosen. Vernetzen wir uns. Suchen wir Gleichgesinnte. Und Wege der Heilung und des Friedens. Es könnte ein Segen sein.
Alexander Bergel
1. März
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Predigt am 1. Fastensonntag
zu Gen 2,7-9.3,1-7 und Mt 4,1-11
Alles ziemlich märchenhaft: Eine sprechende Schlange, schlauer gar als alle anderen Tiere. Adam und Eva in einem schönen Garten mit erlaubten und verbotenen Früchten. Eine nebulöse Versucher-Gestalt bei Jesus in der Wüste, Flüge zum Tempel und andere Zauberkunststücke. Märchenhaftes zuhauf. Und überall dazwischen: der Versucher, der Durcheinanderbringer – das Böse. Wenn wir in unser eigenes Leben schauen – da ist das Böse alles andere als märchenhaft, nebulös. Im Gegenteil: Wer kennt sie nicht, die Fratze des Bösen, wenn Menschen von Bosheit und Hass und Eifersucht geschüttelt werden, wenn Neid und Missgunst das Herz ergreifen, wenn Menschen sein wollen wie Gott, Herren über Gut und Böse, über Leben und Tod? Und manchmal, ja manchmal sind es dann eben nicht nur die anderen, ist es nicht nur das Unheil, das in der großen weiten Welt geschieht. Manchmal ist es das, was bei mir zu Hause los ist. Dort, wo ich meist ziemlich genau weiß, was falsch ist und böse, verletzend und gemein. Und wo ich es trotzdem tue …
Weil das schon immer so war und so ist und vermutlich auch so bleiben wird – genau deshalb versucht die Bibel, uns immer wieder neu auf die Sprünge zu helfen. Beide Geschichten – Adam und Eva mit der Schlange im Paradies und Jesus mit dem Teufel in der Wüste – beide Geschichten konfrontieren den Menschen mit sich selbst. Aufgeklärten Zeitgenossen mag es zwar albern vorkommen, sich mit nackten Tatsachen im Schatten eines Baumes und mit einer sprechenden Schlange beschäftigen zu müssen. Ebenso grotesk werden es viele finden, allen Ernstes an eine dunkle Gestalt glauben zu sollen, die Jesus mal auf die Tempelmauern, mal auf einen hohen Berg zaubert. Und in der Tat: Es sind mythologische Geschichten. Ein Mythos, das muss man wissen, erzählt, was niemals war, aber immer ist. Was niemals war, aber immer ist. Also: Adam und Eva, die beiden hat es so nie gegeben. Doch es gab einen Anfang. Und von Anfang an gab es Adams und Evas Fragen. Fragen, die bis heute unser Leben bestimmen. In ihnen geht es um Glück und Unglück, um Gelingen und Scheitern, um Macht und Ohnmacht, um Ich und Wir, um Leben und Tod. Und um die Freiheit.
Die ersten Seiten der Bibel mit Adam und Eva, Kain und Abel, mit der Arche Noah, dem Turmbau zu Babel und auch manch andere Erzählung des Alten und Neuen Testaments sind bildhafte Versuche, uns die Welt so vor Augen zu führen, wie sie – wörtlich verstanden – vielleicht niemals war, aber doch immer ist. Und in genau dieser Welt erlebt sich der Mensch als ein In-Frage-Gestellter. Denn er muss sich entscheiden. Dieses Sich-entscheiden-Können, das Sich-entscheiden-Müssen ist zutiefst menschlich. Das Erkennen von Gut und Böse und die daraus resultierende Vertreibung aus dem Paradies ist also vielleicht gar nicht so sehr eine Frage des Ungehorsams Gott gegenüber, sondern die logische Konsequenz daraus, dass zum Erwachsen-Sein die Fähigkeit gehört, eigene Entscheidungen treffen zu können – und zu müssen. Allerdings ist das Ergebnis dabei nicht immer ein gutes. Immer dann, wenn eine Folge der Entscheidung bedeutet, sein zu wollen wie Gott, nimmt das Unheil seinen Lauf. Wohin dies führen kann, erleben wir Tag für Tag. Was Jesus ist der Wüste erlebt hat, ereignet sich auch heute noch. Immer und immer wieder.
Wer kommt auch nicht in Versuchung, wenn sich einem so verlockende Möglichkeiten bieten, wie die Bibel es von Jesus in der Wüste berichtet: Macht, Reichtum, Sein-Können wie Gott? Selbst Jesus war davon nicht frei. Er allerdings durchschaut das uralte Spiel. Er entlarvt die Macht-Spiele der Seele. Er lässt sich nicht einwickeln vom Netz des Bösen. Wie er das schafft? Jesus geht den Dingen auf den Grund. Er stellt Fragen, die tiefer gehen. Jesus lehnt es ab, mächtig zu sein um der Macht willen. Jesus befriedigt seinen Hunger nach Leben nicht mit vordergründigen Genüssen. Und er lehnt es ab, sich an die Stelle Gottes zu setzen. Was bei Adam und Eva begann, was Jesus am eigenen Leib erfahren hat, das hört niemals auf. Das Böse wird sich auch weiterhin durch unser Leben schlängeln. Und immer wieder wird es auch uns vor die Wahl stellen. Ja, diese Freiheit – sie ist wohl eine der größten Herausforderungen des Menschseins, das schwierigste Geschenk des Schöpfergottes an Adam und Eva. Eine Herausforderung bis heute. Aber wir haben alle Möglichkeiten. Irgendwo zwischen Adam und Eva auf der einen und Jesus auf der anderen Seite.
Die alten Geschichten der Bibel erinnern uns daran, was zwar nie so war, aber doch immer ist. Kein Märchen, sondern oft genug harte Realität. Zu dieser Realität gehört aber auch, dass Gott einen Ausweg bereithält. Ganz ohne Hexerei. Er hat uns einen Menschen geschenkt, der gezeigt hat, wie das gehen kann. Mit der Freiheit. Mit dem Leben. Und mit der Liebe. In seinem Namen sind wir hier versammelt. Und in seinem Namen könnten wir es doch noch mal versuchen, oder?
Alexander Bergel
22. Februar
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Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis
zu Mt 5,17-37
Klare Kante. Das war sein Ding. Nicht „jaja“, auch kein „eventuell“ und kein „mal schauen“. Im Gegenteil. Er hat gesagt, was er dachte. Und das war meist ziemlich unbequem. Und sehr konkret. Nur – wie stellt er sich das vor? Wer hat ihn denn nicht? Den Bruder oder den Verwandten, den man am liebsten zum Mond schießen würde. Wer kennt sie nicht? Die Situation, in der man sich sehr schwertut, ehrlich zu sein. Oder wer kommt nicht an seine Grenzen, wenn jemand immer und immer wieder in derselben Wunde rumstochert und sich dann wundert, wenn das Ganze explodiert?
Vielleicht ging es Jesus manchmal selbst so. Denn er hat sie ja erlebt, die Menschen. Die Menschen mit ihren Grenzen und Abgründen. Die Menschen in ihrer Verlogenheit. Die Menschen mit ihrem Hass und dem ewigen Drang, es allen zeigen zu wollen. Vielleicht hatte er sogar Verständnis. Verständnis für alle, die das nicht mehr aushalten. Verständnis für die, die sich wehren wollen. Verständnis für jeden, der resigniert und zurückschlägt.
Und trotzdem sagt Jesus: Nein! Bleib bei dir! Lass dich nicht einwickeln von der Tücke des anderen! Lass dich nicht entmutigen von den vielbeschworenen Dingen, die man ja doch nicht ändern kann. Doch, sagt er, man kann die Dinge ändern! Es ist möglich, den Kreislauf des Bösen zu durchbrechen. Und zwar indem du nicht nur jemanden nicht tötest, sondern dem, der dir so querkommt, keine Macht mehr über dich gibst. Es ist möglich, ehrlich zu sein. Lebe so, dass man dir traut. Auch auf die Gefahr hin, dass andere es ausnutzen.
Natürlich, es gibt sie. Die vielen Gründe, immer und immer wieder benannt, warum das alles doch nur Phantasterei und Wunschdenken naiver Weltverbesserer ist. Warum Jesus ja auch nicht ohne Grund am Kreuz gelandet ist, Auferstehung hin oder her. Warum sich seither nichts grundlegend verändert hat. Nicht mal in der Kirche. Wir müssen uns doch nur umschauen, wie sehr auch in der Kirche gelogen und vertuscht wird, wie sehr auch hier die Macht des Stärkeren gilt und so vieles starr und unbeweglich bleibt bis zum Jüngsten Tag.
Jesus fordert uns heraus. In Zeiten wie diesen, in denen die Kirche, wenn sie ehrlich ist, nicht mehr strahlend in den Spiegel schauen darf, in Zeiten wie diesen, in denen mitten in Europa ein für unmöglich gehaltener Krieg tobt, in Zeiten wie diesen, in denen durch gezielte Desinformation und Fake News Machthaber Spaltung und Hass säen, in Zeiten wie diesen, in denen überall auf der Welt Menschen an Hunger und Krankheit sterben und viele einfach keine Hoffnung mehr haben, in Zeiten wie diesen, in denen alles den Bach runterzugehen scheint.
In Zeiten wie diesen brauchen wir den Mut und die Kraft, die Jesus denen verheißt, die ihm vertrauen. Und die dann – trotz allem – dabeibleiben. Und mitgehen. Und gestalten. Und sich blutige Nasen holen. Weil sie wissen, wofür sie es tun. Ohne Ja ja, ohne nein nein – sondern mit einem klaren Kompass. Kennen Sie Ihren eigentlich noch?
Alexander Bergel
15. Februar
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Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis
zu Jes 58,7-10 und Mt 5,13-16
Ich sehe ihn noch genau vor mir. Immer dann, wenn ihm etwas besonders wichtig war, legte er das Manuskript zur Seite und fing an, sich in Rage zu reden. Auch in seiner Vorlesung mit der programmatischen Überschrift ‚Kirchenräume – Kirchenträume‘ hat er dies getan: Klemens Richter, mein Lehrer im Fach Liturgiewissenschaft in Münster. Seine tiefe Überzeugung: Es gibt keinen Ort, an dem Gott nicht gegenwärtig ist. Daher sei auch die Rede von ‚sakralen‘, also ‚heiligen‘ Orten, Orten, an denen Gott mehr zu finden sei als im ‚profanen‘, im ‚weltlichen‘ Bereich, irreführend. Im Gegenteil: Die ganze Welt, Gottes gute Schöpfung, so Klemens Richter, sei Gottes Wohnstatt.
Auch der Blick ins Neue Testament zeige doch sehr deutlich: Das Heil, das Menschen in der Gestalt Jesu ganz konkret erfahren haben, war auf keine ausgesonderten Orte beschränkt. Jesus begegnet dem Menschen dort, wo er lebt und arbeitet, feiert und trauert, am Krankenbett der Schwiegermutter des Petrus genauso wie bei der Hochzeit zu Kana.
Lange ist es her, dass mich diese Gedanken zum ersten Mal erreicht haben. Aber sie berühren mich immer noch. Und treffen mich heute in ganz neuer Weise. Denn heute verabschieden wir uns von dieser Kirche. Wir werden sie – kirchenrechtlich korrekt – ‚profanieren‘, sie also ihrer ‚sakralen‘ Funktion entziehen und dem ‚profanen‘ Bereich überantworten. Rein rechtlich ist das so. Aber das war es dann auch. Denn St. Franziskus war – Weihe hin, Weihe her – dem ‚Weltlichen‘ niemals entzogen. Von Anfang an war diese Kirche – auch wenn sie architektonische Avantgarde, Begegnungsraum zwischen Himmel und Erde und Rückzugsort in einem sein sollte – immer Teil der Welt: Mitten in der Welt sollte sie stehen, und mitten in der Welt stand sie auch. Rudolf und Maria Schwarz, die beiden Erfinder und Denker dieses Raumes, hatten sich zum Ziel gesetzt, keinen abgekapselten Ort zu schaffen, sondern mitten in der Dodesheide ihrer Idee eine Gestalt zu geben.
Wie es der Zufall will, finden wir einen Aspekt dieser Idee im Evangelium des heutigen Tages – nicht ausgewählt, weil er so passend ist, sondern gelesen, weil die Leseordnung uns diese Worte Jesu vorlegt: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.“ Die Franziskuskirche steht zwar nicht auf einem Berg – aber in der Mitte. Fügt sich ein in das, was damals entstanden ist. St. Franziskus liegt wie ein altes Kloster oder ein Gehöft inmitten der Siedlung, umschlossen von Schule und Kita, Jugendheim und Seniorenzentrum.
Eine solche Stadt „kann nicht verborgen bleiben“. Nein, sie steht sichtbar für das, was das Zweite Vatikanische Konzil, die große Erneuerungsbewegung der katholische Kirche Anfang der 60er-Jahre, so auf den Punkt bringt: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Obwohl Rudolf und Maria Schwarz diese Worte noch nicht kannten, ist ihr Bau doch Ausdruck einer solchen Sicht auf Gott und den Menschen. St. Franziskus sollte ein Ort werden, der den Menschen hilft, zum Wesentlichen vorzudringen.
Über viele Jahrzehnte hinweg haben Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche rund um die Franziskuskirche dieses Wesentliche gesucht und gefunden. Sie haben gefeiert und gelacht, diskutiert und geweint, Gutes und Schweres miteinander geteilt und dabei vielleicht sogar etwas von dem erfahren, was der Prophet Jesaja so beschreibt: „Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest, den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf.“
All das wirkt bis heute. Und doch: Die Zeiten haben sich geändert. Als Christin und als Christ zu leben, bedeutet heute nicht mehr, Teil der Mehrheitsgesellschaft zu sein. In Deutschland sind wir mittlerweile in der Minderheit. Man kommt nicht mehr Sonntag für Sonntag zusammen, weil alle es tun. Nein, christlich zu leben, bedeutet heute: Ich muss mich entscheiden! Und damit sind wir dem Ursprung des Ganzen – eine gute Nachricht, wie ich finde – wieder sehr viel näher als in den letzten 1.600 Jahren Kirchengeschichte, als es zum guten Ton gehörte, Teil der Kirche zu sein.
Wie geht es weiter? Es geht – im wahrsten Sinne des Wortes – ‚weiter‘! Noch weiter als bisher. St. Franziskus war immer schon als ‚Ort für alle‘ gedacht. In den 60er-Jahren bedeutete dieser ‚Ort für alle‘ jedoch vor allem ein ‚Ort für alle Katholiken‘. Wenn wir heute Orte schaffen wollen, die für alle eine Anziehung, eine Kraft haben, dann müssen wir noch ‚weiter‘ denken. Menschen, die religiös gebunden sind genauso in den Blick nehmen wie jene, die es nicht sind. In einem großen und breitangelegten Beteiligungsprozess haben wir mit vielen Interessierten aus der Pfarrei, aus der Ökumene und der Stadtgesellschaft geschaut, was hier neu entstehen kann. Und irgendwann war klar: Unsere Antwort auf die Frage: ‚Was brauchen wir heute?‘ ist die Errichtung eines Kolumbariums, einer Begräbnisstätte für Urnen.
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Dieses Konzilswort ist uns Richtschnur und Antrieb, St. Franziskus neu zu denken. Wichtig: All das, was bisher hier gewesen ist, ist ja nicht verschwunden. Es prägt diesen Ort bis heute. Und auch nach diesem Gottesdienst wird St. Franziskus ein lebendiger Teil unserer Pfarrei bleiben. Nicht nur, weil sich die Jugend weiterhin im Jugendheim treffen wird, nicht nur, weil auch künftig Kita und Schule hier ihre Gottesdienste feiern werden, nicht nur, weil im Seniorenzentrum Menschen leben, die im Schatten dieser Kirche alt geworden sind.
St. Franziskus wird unserer Pfarrei noch einmal ganz neue Impulse geben. Dann nämlich, wenn hier Menschen zusammenkommen, um Abschied von ihren Angehörigen zu nehmen und auf Menschen treffen, die im Umfeld von Abschied und Trauer einfach da sind: als Gesprächs-partner, als Helferinnen und Helfer bei Trauercafés, bei kulturellen Veranstaltungen rund um das Thema Tod und Trauer und und und …
Auf diese Weise wird ein zweites Wort Jesu für uns bedeutsam: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ Diese Gefahr besteht immer dann, wenn eine Idee ins Leere läuft, wenn eine Vision ihre Kraft verliert, kurz: wenn die Kirche nur um ihren eigenen Erhalt kreist.
Genau das aber tun wir nicht. Was heute beginnt, ist kein Kreisen um sich selbst, kein Festhalten an der Vergangenheit, so schön sie auch für viele war, sondern der Beginn eines neuen Weges – auf neue Weise hin zu den Menschen. Denn die Menschen unserer Tage, ihre Art zu leben, ihre Art zu glauben oder auch nicht zu glauben, ist der ‚Ort‘, an dem Gott sich finden lässt. Die Worte ‚profan‘ und ‚sakral‘ spielen dabei keine Rolle.
„Noch immer stehen viele Gemeinden vor der Aufgabe, das vom Konzil Angestoßene zu verwirklichen, damit es kein Traum bleibt.“ Das sagt Klemens Richter, mein Liturgielehrer, mit Blick auf die Umgestaltung von Kirchen im Geist des Konzils in den 90er-Jahren. Wir leben in einer neuen Zeit. Mit neuen Träumen. Und neuen Wegen. Danke, dass Sie mit dabei sind!
Alexander Bergel
8. Februar
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Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis
zu Joh 1,29-34
Er hat es kommen sehen. Vielleicht schon geahnt. Nein, nicht vielleicht, ganz sicher sogar. Johannes wusste: Einmal, da wird es so weit sein. Und er, der die Rettung bringt, er, der neue Perspektiven zeigt, er, der aufrichtet, nicht verurteilt – genau der wird eines Tages kommen. Nur wann und wie – das wusste er lange nicht. Bis zu diesem einen Tag.
Plötzlich steht da dieser Mann. Unaufgeregt, einfach so. Zwischen vielen anderen. Und Johannes spürt: Das ist er. Das ist der, auf den sie alle gewartet haben. Doch was würde er tun? Nicht viel. Jesus stellt sich in den Jordan und lässt sich taufen. Das war’s eigentlich schon. Und doch hat dies alles verändert. Johannes begegnet Jesus im Jordantal. Und Jesus entdeckt an diesem Ort, wer er ist.
Auch da: Geahnt hatte er es schon länger, nein, nicht nur geahnt. Ihm wurde wohl immer deutlicher, dass sein Weg der Weg Gottes ist. Dass sein Leben ein Spiegelbild dessen würde, was Gott mit den Menschen vorhat. Ja, dass Gott selbst auf völlig neue Weise den Menschen begegnen will: auf Augenhöhe, mit einem menschlichen Gesicht, mit Herz und Verstand, mit Haut und Haaren. Nicht als gewaltiger Herr betritt er die Weltbühne, sondern als sensibler Mensch, auf dessen starken Schultern aber alles ruhen kann. Ein Mensch – friedfertig wie ein Lamm.
Mitten im Unerwarteten aufzutauchen – das scheint Gottes Methode zu sein, sich dem Menschen zu nähern. Die Wochen nach Weihnachten buchstabieren das Schritt für Schritt durch. Denn Weihnachten muss sich bewähren im ganz normalen Leben. Die Kraft von Weihnachten kann dann ihre ganze Kraft entfalten, wenn ich mich umschaue. Und suche. Und mich irritieren lasse. Und neue Möglichkeiten entdecke. Mich aus dem Konzept bringen lasse. Und nicht aus dem Blick verliere, warum ich Christin, warum ich Christ bin.
Und was bedeutet das? Vielleicht dies: Wie Johannes warten, dass sich was tut. Wie Johannes sensibel sein für den, der vor mir steht. Wie Johannes die Zeichen richtig deuten. Wie Johannes Dinge beim Namen nennen. Wie Johannes bereit sein für den, der kommt, meinen Lebensweg mit mir zu teilen. Und dann loszugehen, mit ihm an meiner Seite. Ermutigt und bestärkt, dem Bösen die Stirn zu bieten. Und der Macht des Faktischen. Und so manch bürgerlicher Enge. Und den Erwartungen an ein anständiges Leben. Johannes jedenfalls hat es so gemacht. Und Jesus sowieso. Was meinen Sie: Werden wir ihm begegnen auf unserem Weg?
Alexander Bergel
18. Januar
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Predigt an Erscheinung des Herrn
zu Mt 2,1-12
Die meisten Dinge haben ja zwei Seiten. Bei Weihnachten ist das nicht anders. In der Mitte steht immer das Kind. Aber die, die sich aufmachen, um dieses Kind zu sehen, haben sehr unterschiedliche Wege zu gehen. Die Hirten kommen aus unmittelbarer Nähe. Die Weisen aus dem Morgenland vom Ende der Welt.
Am Heiligen Abend sind wir mit den Hirten zur Krippe gegangen. Es ist der naheliegende Weg. Und den kennen wir gut. Viele freuen sich auf diese Nacht, denn sie schenkt uns den warmen Schein des Lagerfeuers und den lieblichen Gesang der Engel. Balsam für unsere gestressten und geschundenen Seelen.
Heute nun geht es nicht um das Naheliegende, sondern um das, was einem vielleicht gar nicht so sehr liegt. Wer sich in diese anrührende Geschichte hineinfallen lässt, in die Geschichte von denen, die alles stehen und liegen lassen, weil sie ihrer Sehnsucht folgen, der wird konfrontiert mit der Frage: Was bin ich bereit, hinter mir zu lassen, wenn mir ein Licht aufgeht und ich spüre: Es gibt noch so viel mehr als das, was ich schon kenne?
Wir hören von weiten Wegen. Von Umwegen. Und Sackgassen. Wir begegnen dem zynischen Machtmenschen Herodes. Leute wie ihn – Menschen, die über Leichen gehen, Machthaber, denen es nur um ihren Machterhalt geht –, die gab und gibt es zu allen Zeiten. Für mich heißt das: Ich muss mich positionieren, ich muss eine Haltung entwickeln, vielleicht sogar lernen, taktisch zu denken. Für manche eine ungewohnte Erfahrung.
Die Weisen aus der Ferne ziehen los, aber sie laufen nicht davon. Denn sie haben ein Ziel. Indem sie sich aufmachen, entdecken sie – mitten in ihrem Leben, mitten in den Spielen der Macht, mitten in all dem, was sich auf einer langen Lebensreise an Bedrohung zeigt: Genau dort finde ich mich selbst. Genau dort finde ich einen Sinn. Genau dort finde ich vielleicht sogar Gott.
Die Weisen aus der Ferne gehen los, ohne zu wissen, was sie erwartet. Sie sind Träumer, aber keine Traumtänzer. Sie sind Menschen mit einer Vision, aber keine, die unrealistischen Hirngespinsten hinterherlaufen. Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht und Myrrhe der Schmerzen – das haben sie im Gepäck. Mehr nicht. Offenbar reicht das.
Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht, Myrrhe der Schmerzen. Damit kommen sie an. Treffen auf ein Kind. Und entdecken: Das Losgehen – es hat sich gelohnt. Wir haben eine Antwort gefunden. Nicht die naheliegende. Dafür aber eine, die trägt. Was für eine Erfahrung!
Wofür machen Sie sich eigentlich noch auf den Weg?
Alexander Bergel
3. Januar
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Predigt zum Jahreswechsel
zu Lk 2,16-21
Neuanfänge sind oft nicht leicht. Manchen machen sie sogar Angst: Was wird wohl werden? Warum kann nicht alles so bleiben, wie es ist? Ich kann das gut verstehen. Und doch: Ohne Neuanfänge würde es nicht weitergehen. Es gäbe keine Entwicklung, keine neuen Ideen und immer dieselben Antworten. Neben manchen Fragen, die immer dieselben bleiben, weil sie zutiefst menschlich sind (Wer bin ich? Werde ich geliebt? Worin liegt eigentlich der Sinn des Ganzen?) warten immer wieder neue Fragen auf eine Antwort. Und denen müssen wir uns stellen.
Ganz gut sehen können wir das an unserer Franziskuskirche. Vor 60 Jahren gebaut, war sie die steingewordene Antwort auf die Frage nach Gott in der längst angebrochenen Moderne. Klare Formen, neue Baumaterialien, keine Schnörkel. Selbst Bilder waren nicht vorgesehen. St. Franziskus, so die Architekten, sollte eine Hülle sein für Menschen, die zusammenkommen, um Gott zu feiern, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Versammelt um den Altar, den Blick gerichtet auf eine Wand – nur eine Wand, kein Kreuz. Warum? Zum Gottesdienst sollte ein Kreuz herein- und danach wieder herausgetragen werden. Symbol für die Überzeugung: Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene, geht unsere Wege mit. Er kommt herein, ist zugegen, wenn wir uns versammeln, und geht dann mit uns zurück in den Alltag.
Lange hat man dieses Konzept in St. Franziskus nicht durchgehalten. Und in der Tat: Immer auf eine leere Wand zu schauen, die einen dazu animieren soll, sich ein eigenes Bild von Gott zu machen, ist gar nicht so leicht. Als wir im Zuge der Vorbereitungen für die Umgestaltung das große Kreuz hinter dem Altar abnehmen mussten, ist mancher Besucherin und manchem Besucher der Kirche klargeworden, wie schwer auszuhalten es sein kann, wenn dort nichts mehr ist, vor allem, wenn dort das Vertraute nicht mehr ist. Der Neuanfang in St. Franziskus, der Umbau von einer Kirche zu einer Begräbnisstätte für Urnen, hat nun ein vorübergehendes Symbol gefunden: diese leere Wand.
Auch hier spüren wir: Neuanfänge sind nicht leicht. Was wird wohl kommen? Ganz praktisch können wir sagen: Es werden 1.776 Urnenplätze kommen. Der Altarraum bleibt bestehen. Sein Grundriss wird wieder so sein wie von den Architekten ursprünglich gedacht. Tabernakel und Ambo werden entfernt. Der Taufbrunnen mit dem Osterleuchter bleibt erhalten. Im Mittelschiff werden Stühle stehen, die flexibel zu stellen sind. Im Eingangsbereich stehen einige Tische und Stühle für Ruhepausen und Gespräche zur Verfügung. Der Umbau wird vermutlich nach Ostern beginnen und ungefähr ein Jahr dauern.
Das sind die nackten Fakten. Und die Emotionen? Mein Eindruck ist: Viele können sich mit dieser Entwicklung anfreunden. Wir spüren ja alle: So, wie es einmal war, ist es nicht mehr. Keine volle Kirche, keine vier Messen am Sonntag allein in St. Franziskus wie noch in den Siebzigerjahren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Und so heißt es nun, nach vorne zu schauen und Antworten zu suchen, die Menschen heute weiterhelfen. Eine dieser Antworten ist das künftige Kolumbarium.
Doch mit der Errichtung eines neuen Gebäudes ist es nicht getan. Wer für ein Kolumbarium verantwortlich ist, ist gleichzeitig verantwortlich für die Menschen, die dort die Asche ihrer Verstorbenen beisetzen. Wir werden also schauen, welche Angebote wir an diesem Ort machen können. Begegnungs- und Begleitungsangebote, Trauercafés, Gedenkfeiern und und und … Vielleicht haben auch Sie Lust, sich daran zu beteiligen und sich im neuen Kolumbarium zu engagieren?!
St. Franziskus und wie wir mit diesem Raum umgehen ist nur eine Antwort auf die vielen Dinge, die sich in der Kirche und auch in der Gesellschaft verändern. Um uns herum spüren wir so viel Angst und Verunsicherung, so viel Armut und Einsamkeit, so viel Unfrieden und Polemik, dass wir als christliche Gemeinde doch gar nicht anders können, als hier andere Akzente zu setzen. Zumindest sollten wir es versuchen! Die Begegnung mit dem neugeborenen Gottessohn in Betlehem hat die Hirten in völlige Euphorie versetzt. Alle sollten es hören. Und die, die es hören wollten, haben es auch gehört: Gott ist real! Und er hat sich gezeigt. Gezeigt in einem wehrlosen Menschenkind.
Was heißt das für uns? Es könnte heißen, dass unsere Gemeinde immer mehr zu einem Ort wird, an dem Menschen keine Angst haben müssen, auch keine Angst davor, schwach zu sein. Zu einem Ort, an dem jeder angenommen ist. Zu einem Ort, an dem wir uns bemühen, das Verbindende zu suchen und nicht auf das Trennende fixiert zu sein. Zu einem Ort, an dem wir Menschen zusammenführen, die in ihrer Einsamkeit unterzugehen drohen. Zu einem Ort, von dem andere sagen: Schau mal, wie die leben. Da möchte ich auch sein! Denn die gehen anders miteinander um. Und sie haben einen Gott, dem sie sich ganz nahe fühlen.
Die graue Wand in St. Franziskus ist nun wieder so, wie sie ursprünglich gedacht war. Nach der Renovierung auch wieder ohne Flecken. Der Raum dieser Kirche wird künftig anders genutzt. Die Frage aber, die bleibt, die immer bleibt, wenn Christinnen und Christen sich engagieren, ist: Welche Rolle spielt Jesus eigentlich in meinem Leben? Der, um den sich bei uns alles dreht. Eine Frage, die sehr persönlich ist und nur von jedem und jeder persönlich beantwortet werden kann. Eine Frage aber, die darüber entscheiden wird, ob wir als Christen in diesem Land noch eine Zukunft haben werden.
Alexander Bergel
31. Dezember
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Predigt am Fest der Heiligen Familie
zu Mt 2,13-25.19-23
Kaum geboren, da geht’s auch schon los: Weg, schnell weg, alles hinter sich lassen, Angst, Verfolgung, Flucht. Doch Josef behält einen kühlen Kopf. Er hört auf seine innere Stimme. Nimmt Maria und das Kind. Und geht los. Ohne zu wissen, was passiert, wo sie ankommen werden – und ob überhaupt. Und ob es eine Rückkehr geben wird. Josef hatte nicht viel im Gepäck. Fragen wie diese schon. Und noch etwas wird ihn wohl beschäftigt haben: Warum hatte er sich überhaupt auf all das eingelassen? Die Sache war doch von Anfang an schwierig gewesen. Was würde ihm dieses Kind, was würde ihm Jesus sonst noch alles einbrocken?
Ja, so ist das von Anfang an. Wer es mit Jesus zu tun bekommt, der bleibt sein Leben lang unterwegs. Der muss immer mit neuen Herausforderungen rechnen. Der wird sich nie gemütlich zurücklehnen können und sagen: Jetzt hab ich’s geschafft. In diesen weihnachtlichen Tagen hören wir viel von Konsequenzen. Von Menschen, die mit ihrem Leben dafür bezahlen, diesem Jesus zu vertrauen. Von Kindern, die ermordet werden, weil sie den Mächtigen im Wege stehen. Von Fluchtursachen und Ohnmachtsgefühlen. Aber wir hören auch von Menschen, die trotz allem vertrauen. Und hoffen. Und sich nicht beirren lassen. Wir hören von Josef, der die Sachen packt und losgeht. Und geht. Und geht. Und geht. Und irgendwann ankommt. Denn mehr und mehr spürt er: Ich habe ein Ziel. Und einen Gott an meiner Seite, der mit mir geht.
Hört sich naiv an. Hat aber funktioniert. Denn Jesus kehrte zurück. Wurde erwachsen. Und hat mit seiner Botschaft die Welt verändert. Bis heute. Wenn auch wir den Druck haben, weg zu müssen, zu fliehen – wovor auch immer –, wenn auch wir nicht da bleiben können, wo wir sind – weil andere es so wollen oder die Umstände es fordern –, wenn wir vertrieben werden aus dem Zuhause unserer Kindheit oder unserer Familie oder von unserem Arbeitsplatz oder einer Freundschaft oder einer Beziehung oder wenn wir selbst etwas davon hinter uns lassen müssen, weil es einfach nicht mehr geht – vielleicht erinnern wir uns dann an die Flucht dieser kleinen Familie nach Ägypten. Sie hatten ein Ziel, sie hatten einen Begleiter, sie hatten sich – und sie kamen irgendwann zurück. Nicht ins alte Leben, aber in ein neues!
Alexander Bergel
28. Dezember
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Predigt an Weihnachten
zu Lk 2,1-15
Meine Königin ist eine von vielen König:innen, die der Diakon und Künstler Ralf Knoblauch geschaffen hat. Sie repräsentieren die Menschenwürde – er hat sie gebildet aus seinen Erfahrungen mit den Menschen, die ihm täglich begegnen in sozialen Brennpunkten seiner Umgebung. Sie wollen sagen: Auch du bist eine Königin, ein König. Meine Königin ist verletzt – aber sie steht aufrecht, ihre Krone auf dem Kopf. Sie lässt sich berühren, anfassen, sie wird be-greif-bar.
Was feiern wir heute? Gott wird Mensch – menschlich – in diesem Baby, das da von Maria geboren in Betlehem zur Welt kommt, als Mensch unter Menschen, also ganz nahe, greifbar, er will den Menschen begegnen, uns begegnen. Genau wie meine Königin, die sich berühren lässt, anfassend, be-greif-bar wird: ja – ich bin wertvoll, bin angenommen, ich bin auch ein König, eine Königin.
Die strahlenden Gesichter, die glücklichen Augen müsstest ihr mal selbst sehen, die die ich erlebt habe – an den verschiedenen Orten, wo meine Königin Menschen begegnet ist: eine eher schüchterne Schülerin nimmt sie ganz fest in den Arm, ein kleiner Schüler greift sie zunächst vorsichtig und hebt sie dann ganz stolz ganz hoch über sich, eine ältere Frau mit nur noch ganz wenig Sehkraft tastet sich an ihr entlang, erfühlt die halbgeschlossenen Augen, den lächelnden Mund und den verletzten Arm …
Und jetzt im Oktober hat meine Königin uns, eine Gruppe aus der Christus-König-Gemeinde begleitet nach Auschwitz und Birkenau. An diesen Orten des Todes und der menschenverachtenden Gewalttaten hat sie uns, die gesamte Gruppe – sichtbar in meinem Rucksack auf meinem Rücken oder im Arm von Einzelnen festgehalten oder aufrecht stehend am Mahnmal für die Ermordeten in Birkenau – erinnert an die jedem Menschen zugesagte Würde, die zu achten und zu schützen unser aller Aufgabe und Verantwortung ist.
Weil Gott an Weihnachten in der Krippe einer von uns geworden ist, ist die Würde eines jeden Menschen unantastbar. Erfüllt von dieser Weihnachtsbotschaft „Gott ist einer von uns – er ist Mensch wie wir!“ können wir nun auch in unserem Alltag einen Hauch von Menschlichkeit spüren und verbreiten.
Andrea Tüllinghoff
24. Dezember
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Predigt an Weihnachten
zu Lk 2,1-15
Im Anfang, so heißt es, war ein Wort. Kein leeres, kein drohendes, kein zerstörendes Wort. Auch kein spaltendes, kein hassendes, kein wertendes, kein hetzendes, kein schlagendes, kein böses Wort. Nein, im Anfang, da war ein gutes Wort. Und das Wort, so heißt es weiter, das Wort war Gott selbst. An Weihnachten erinnern wir uns: Dieses göttliche Wort ist pure Liebe. Mehr noch, wir feiern: Es gibt einen Menschen, der diese Liebe verkörpert wie kein anderer. Wir feiern die Geburt eines Kindes, das voll von Gottes Kraft war und als Erwachsener die Menschen dazu ermutigt hat, so zu leben wie er. Das Verbindende zu suchen, nicht das Trennende. Der Liebe Raum zu geben, nicht dem Hass.
Hört sich gut an! Idealer Stoff für eine Weihnachtspredigt. Aber wie soll das gehen, so ganz konkret? Vielleicht wäre einer der ersten Schritte, dem zu folgen, was Angela Merkel, die Altkanzlerin, einmal mit Blick auf unsere Kommunikation gesagt hat: „Achtet auf die Sprache! Denn die Sprache ist die Vorform des Handelns.“ Achtet auf die Sprache … Ja, wie ist das mit unserer Sprache? Wie reden wir miteinander? Wie sprechen wir über andere? Warum gehen so viele die Wände hoch, wenn sie in einer Diskussion merken: Wir kommen nicht auf einen Nenner? Warum ist es oft so schwer, die Meinung des anderen stehen zu lassen?
Wir erleben in vielen Teilen der Welt, auch bei uns, vielleicht sogar in diesen weihnachtlichen Tagen unterm Tannenbaum, wieviel Offenheit und Ehrlichkeit und manchmal auch Mut es kostet, in einen wirklichen Dialog zu treten. Familien, Freundeskreise, Gruppen, Kollegien, ja, ganze Gesellschaften, auch die Kirchen, drohen, daran zu zerbrechen, dass immer mehr immer öfter sagen: „Mit dem kann man ja nicht reden! Die ist ja sowas von drüber!“ Woher kommt diese Polarisierung? Warum wird der Ton so oft immer rauer? Weshalb flüchten sich immer mehr Menschen in ihre sichere Burg, in ihre Community, in ihre Bubble?
„Achtet auf die Sprache! Denn die Sprache ist die Vorform des Handelns.“ Das stimmt. Denn irgendwann geht es nicht mehr einfach nur um unterschiedliche Meinungen. Wenn der Gesprächsfaden abgerissen ist und man in seiner festen Burg die Kanonen auf die Brüstung stellt, kommen Argumente nicht mehr an. Dann wird das Gegenüber zum Feind, den man besiegen muss. Doch nicht nur das.
Wenn wir darauf schauen, wie antisemitische Erzählungen in den letzten Monaten wieder salonfähig geworden sind, Erzählungen, die Menschen überall auf der Welt, nur weil sie jüdisch sind, an den Pranger stellen und immer öfter um ihr Leben fürchten lassen, wenn wir zunehmend Zeuginnen und Zeugen davon werden, wie Menschen anderer Herkunft, anderer Hautfarbe, anderer Art zu leben, zu lieben oder zu glauben ihre uneingeschränkte Würde abgesprochen wird, wenn in unseren Nachbarschaften Kinder und Frauen immer häufiger Opfer häuslicher Gewalt und nicht selten einfach getötet werden – dann stellt sich die Frage: Was können wir tun?
Wer Weihnachten feiert, wer also feiert, dass Gott Mensch geworden ist, der muss sich doch – zumindest dann, wenn dieses Fest mehr sein soll als ein paar gemütliche Stunden –, der muss sich doch inspirieren lassen von dem, den wir feiern. Der muss schauen, welche Worte er gefunden hat, wie seine Worte Dinge beim Namen genannt, vor allem aber wie seine Worte jeden Menschen wahr- und erstgenommen, wie sie Menschen geheilt und befreit haben.
Konkret: Was wäre, wenn wir an diesem Weihnachtsfest eine neue Sprache finden würden? Eine Sprache, die nicht abwertet, sondern aufrichtet. Eine Sprache, die nicht spaltet, sondern zusammenführt. Eine Sprache, die nicht hetzt, sondern Frieden schenkt. Weihnachten ist das Fest der Erlösung, so heißt es. Weil Gott einen Schritt auf die Menschen zugegangen ist. Was hindert uns daran, das auch zu tun?
Alexander Bergel
24. Dezember
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Gebet, Musik & Poesie
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»Komm, Heiliger Geist, komm!« Dieses gesungenes Gebet zu Pfingsten
hören Sie hier.
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»Veni Sancte Spiritus!« Den kraftvollen Pfingsthymnus aus Notre-Dame de Paris
hören Sie hier.
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Am 2. Ostersonntag begegnet uns Jahr für Jahr der zweifelnde Thomas. Durch allen Zweifel hindurch ist er doch der sehnsuchtsvoll Glaubende. Oder wird es immer mehr. Thomas begegnet dem Auferstandenen, der ihm seine Wunden hinhält. »Sei nicht ungläubig, sondern gläubig«, ruft ihm Jesus zu. Und die Antwort? »Mein Herr und mein Gott!«
Von diesem Ringen, von dieser Sehnsucht und ihrer Erfüllung ist der Gesang »Adoro te devote – Gottheit tief verborgen« von Thomas von Aquin durchdrungen:
Kann ich nicht wie Thomas schaun die Wunden rot,
bet ich dennoch gläubig: Du mein Herr und Gott!
Tief und tiefer werde dieser Glaube mein,
fester lass die Hoffnung, treu die Liebe sein.
Sie finden diesen Gesang im Gotteslob unter der Nummer 497.
Hören können Sie ihn hier (Strophe 4, 2:42).
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»Weib, was weinest du?« Einer der berührendsten Gesänge zum Osterfest.
Es gäbe sicher nach wie vor so manches, was nicht nur Frauen in dieser Kirche zu beweinen hätten. Aber es gab und es gibt sie dennoch immer noch: die Verkünderinnen dieser einen unglaublichen Botschaft. Sollte deren Kraft, die schon einmal nicht nur Felsen vor Grabhöhlen in Bewegung brachte, nicht auch heute Steine wegzuräumen in der Lage sein?
Den Gesang aus den Osterdialogen von Heinrich Schütz können Sie hier hören.
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Ein Sehnsuchtslied – hier können Sie es hören.
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Hier hören Sie einen Gesang des Osnabrücker Jugendchors zum Karsamstag.
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Ein Klassiker zu Epiphanie.
Hier können Sie ihn hören
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Ein kleines musikalisches Juwel – entstanden in unserer Gemeinde.
Hier können Sie es hören.
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Erwartung bewegt …
Maria durch ein Dornwald ging,
Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.
Was trug Maria unter ihrem Herzen?
Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.
Da haben die Dornen Rosen getragen,
Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.
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Lied im Gotteslob Nr. 224
Text: August von Haxthausene
Das gesungene Lied finden Sie hier.
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Schaukasten-Gedanken
… können für einen kurzen Augenblick ansprechen oder irritieren
oder einfach nur Freude bereiten.
Hier finden Sie die schönsten Exemplare, die vor unseren Kirchen hängen,
zum Anklicken.
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