Nach dem Terrorangriff auf dem CSD
in Berlin
Ein Mensch
ist gestorben.
Und viele
wurden verletzt.
Einfach so.
Weil einer es
wollte.
Weil einer wollte,
dass jemand,
der anders ist als er,
anders denkt,
anders fühlt,
anders liebt,
nicht mehr leben soll.
Es geschah.
Mal wieder.
Diesmal in Berlin.
Es könnte,
es kann jederzeit
geschehen.
Überall.
Ich höre
Betroffenheitsbekundungen
und sehe Trauermienen
auf vielen Seiten.
Manchen merkt man an:
Mehr Pflicht ist da
als ein Gefühl.
Vom rechten Rand gar
wird uns vorgegaukelt:
Wenn ihr uns wählt, passiert so was nicht mehr.
Denn mit uns herrscht wieder Ordnung.
Ja, für ihre Ordnung sorgen würden sie.
Einen Regenbogen hisst dann jedoch
keiner mehr.
Was kann
ich gegen all das tun?
Was kann
ich tun,
dass queere Menschen
keine Angst
mehr haben müssen?
Was kann
ich tun,
dass Menschen,
die Hand in Hand
durch unsere Straßen gehen wollen,
sich nicht
verstecken müssen?
Was kann
ich tun,
dass Menschen
sein können,
wie sie sind,
einfach weil sie
Menschen sind?
Ich kann:
Aufstehen.
Mitgehen.
Widersprechen.
Zuhören.
Mitleiden.
Die Liebe schützen.
Und
meine Kirche,
was kann
die
tun?
Sie könnte
aufhören.
Aufhören
mit gönnerischer Miene
unter
Umständen
»diesen Menschen«
Gottes Segen
zu gewähren.
Aufhören
zu unterscheiden
zwischen Menschen,
deren Liebe Gott enthält
und jenen,
wo nur ein bisschen Gott
zu spüren ist. Wenn überhaupt.
Aufhören
zu verleugnen,
dass sie
Menschen
schwer belastet hat
und das bis heute
tut.
Sie könnte aufstehen,
meine Kirche.
Sie könnte aufstehen
und um Verzeihung bitten.
Und Dinge beim Namen nennen.
Und sich schämen.
Und dann sagen, was so naheliegend ist:
Alle Menschen
sind geliebte Kinder Gottes.
Auch dann, wenn Männer Männer lieben und Frauen Frauen.
Auch dann, wenn jemand sein Geschlecht erst finden muss.
Auch dann, wenn jemand so ganz anders ist,
als man sich das naturrechtlich
zusammenreimt.
Sie könnte aufstehen,
meine Kirche.
Und immer mehr zu dem Ort werden,
nach dem sich jeder sehnt:
Ein Ort,
an dem ich sein darf.
Einfach so.
Hatte Jesus
sich das nicht mal so
gedacht?
Alexander Bergel