Rückblick auf eine überwältigende
Spendenaktion

Im März haben wir an dieser Stelle die desolate Gesamtsituation auf Kuba, besonders auch für die Menschen in unserer Partnergemeinde, beschrieben. Was ist seitdem geschehen? Über die Grenzen unserer Kirchengemeinde hinaus haben wir eine Spendenbereitschaft erlebt, für die wir uns an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken möchten. Eine Fülle an Sach- und Geldspenden hat uns erreicht und sicher interessiert es viele, ob diese Hilfe bereits auf Kuba angekommen ist.

Die Antwort ist: Eine erste Lieferung, die wir im Mai losgeschickt hatten, ist in dieser Woche in der Gemeinde eingetroffen und konnte verteilt werden, ein kleiner Container wurde Mitte Juli verschifft und eine weitere, größere Containerlieferung ist für Oktober geplant. Im Mai konnten wir fünf Kisten mit Solarpaneelen, Powerbanks, Lampen, Medikamenten und Hygieneartikeln schicken, die wir mit Geld von unserem Spendenkonto finanziert haben.

Ein wenig Licht im Dunkeln – im wahrsten Sinne des Wortes

Im Juni wurden große Mengen an Sachspenden gesammelt, die wir in zwei Garagen der ehemaligen Holzhandlung der Familie Bernholt annehmen und lagern durften. Und nicht nur das, die Familie half uns tatkräftig beim Sortieren, Verpacken und Stapeln! Ein großes Dankeschön!

Für unseren Kreis war es die erste Aktion dieser Größenordnung und, zugegeben, wir hatten den Ansturm unterschätzt. Viele Menschen haben uns spontan Hilfe angeboten, sonst hätten wir es kaum geschafft. 50 Fahrräder, 30 Rollatoren, 50 Gehhilfen, 20 Kinderwagen, 25 Blutdruckmessgeräte, weitere Solarpaneelen, Lampen, 130 Kartons mit Kleidung und Schuhen … Das ist nur ein Ausschnitt aus der Packliste, die wir für den Zoll erstellen mussten.

Die Spenden gehen in der Menge über das hinaus, was in der Gemeinde San Judas verteilt werden kann. Dank der Zusammenarbeit mit Ulrich Kleinert vom Verein Asociacion Envios de Paz ist gewährleistet, dass alle Hilfsgüter bedarfsgerecht an andere Gemeinden, Senioren- und Kindereinrichtungen und Krankenhäuser in Havanna und Umgebung ausgegeben werden. Die Not ist überall sehr groß! Herr Kleinert verfügt über jahrelange sehr gute Kontakte zum dortigen Bistum und hat uns motiviert, uns umfangreich an einer Containerladung zu beteiligen.

Nur noch eine Reederei fährt nach Kuba

Ursprünglich sollten alle gesammelten Hilfsgüter in einem großen Container Mitte Juli Rotterdam in Richtung Kuba verlassen. Reedereien, die Transporte nach Kuba durchführen, müssen derzeit mit drastischen Sanktionen der USA rechnen. Es gibt, so Herr Kleinert, nur noch eine kleinere Reederei, die überhaupt Frachtschiffe von Europa nach Kuba fahren lässt. Aufgrund des begrenzten Platzes wurden deshalb unserer Spenden auf mehrere Schiffscontainer aufgeteilt.

So konnten wir an einem heißen Julitag erstmal einen kleinen Container mit einer Auswahl an Gütern beladen, der zwar in Kuba angekommen ist, aber noch nicht durch den Zoll abgefertigt wurde. Ende September wollen wir dann endlich die Fahrräder, Kleidung, Rollstühle und Photovoltaikelemente auf den Weg schicken.

Aktuelle Lage auf Kuba

Daira, ein Mitglied des Freundeskreises Osnabrück in Havanna, schreibt in einer aktuellen Nachricht: »Wundert euch nicht über die Uhrzeit, zu der wir uns melden.« (Es war 4 Uhr morgens). »Wenn der Strom eingeschaltet wird, stehen viele von uns auf, um Maschinen anzustellen, damit wir Wasser holen, kochen und manchmal sogar waschen können.«

Im regelmäßig erscheinenden Kuba-Brief schreibt der Journalist Andreas Knobloch im Juli zu diesem Thema: »In Deutschland kürt eine Jury jedes Jahr das Unwort des Jahres. In Kuba braucht es dafür keine Jury. Das Unwort ist seit einiger Zeit: Desconexion total del SEN (Sistema Eléctrico Nacional), was so viel heißt wie: vollständige Abschaltung des Nationalen Stromnetzes oder kurz: landesweiter Stromausfall. Anfang Juli gab es einen solchen gleich dreimal innerhalb von zehn Tagen.«

Situation noch mal verschärft

Die Situation hat sich in den letzten Monaten noch verschärft. Ohne Strom kein Wasser, alles Verfügbare wird inzwischen zu Wasserbehältern umfunktioniert, um Vorräte anzulegen. Ohne Strom kein Geld, denn die Bankautomaten funktionieren nicht. Und wer es nach oft stundenlangem Anstehen bis zum Automaten geschafft hat, darf z. Zt. umgerechnet maximal sieben Euro abheben.

Müllentsorgung findet aufgrund mangelnden Sprits kaum noch statt, Müllberge türmen sich überall, auch direkt an den Mauern der Kirche San Judas. Als sei das nicht schon schlimm genug, wurde diese Müllhalde bereits mehrfach angezündet. Nur durch Nachbarschaftshilfe konnten größere Schäden an der Kirche noch verhindert werden, denn die Feuerwehr kam jedes Mal erst sehr verspätet.

Die Ende Juni beschlossenen 176 Reformvorhaben der kubanischen Regierung zum Umbau der Wirtschaft können kaum auf den Prüfstand gestellt werden, denn sie stehen einer harten Realität gegenüber: Der Verschärfung der Sanktionen durch die USA. Neben der fortgesetzten Ölblockade ziehen sich durch angedrohte Sanktionen immer mehr ausländische Unternehmen aus Kuba zurück – große Hotelkonzerne, internationale Reedereien, die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard, um nur einige zu nennen.

Wie geht es für uns weiter?

Die Ablehnung der oben genannten Kreditkartenunternehmen betrifft uns konkret: Die online bestellten Lebensmittellieferungen für unsere Partnergemeinde können wir nicht mehr wie bisher mit unseren gängigen Kreditkarten bezahlen. Zudem sind die Kosten für angebotene Lebensmittel explodiert, sodass wir diesen Weg der Hilfe vorübergehend einstellen mussten. Nun ruht unsere Hoffnung, und die wollen wir nicht aufgeben, auf einem weiteren Gelingen der Containerlieferungen.

Jede Rückmeldung aus der Gemeinde, wenn Hilfsgüter ihr Ziel erreicht haben, motiviert uns, weiterzumachen. Jedes einzelne Teil, so schreibt Daira, sei nützlich, hilfreich, wecke Freude und das Gefühl der Menschen, nicht vergessen zu sein. Unsere Solidarität, ganz konkret und im Gebet, kann etwas bewirken und bringt Licht ins Dunkel.

Der Freundeskreis Kuba