Rückblick auf einen Erzählabend
im Gedenken an die Opfer des NS-Terrors

Stille. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Es war für mich ein besonderer Erzählabend. Die Christus-König-Gemeinde hatte mich mit meinem Erzählprogramm »Himmelsweit – Erzählen gegen das Vergessen« in das Johannes-Prassek-Haus in Osnabrück eingeladen.

Zwischen der Dunkelheit des NS-Terrors und dem Licht der Hoffnung, dass so etwas niemals wieder geschehen möge, wob ich meinen Erzählfaden. Im Mittelpunkt standen Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden – Menschen, die hier in dieser Stadt lebten und ihre Stimme nicht mehr erheben können, weil der Terror sie ermordet hat. Nicht meine Geschichten, nicht meine Erzählkunst standen im Mittelpunkt, sondern diese Menschen.

In solchen Momenten wird Erzählen zu mehr als einer Geschichte. Worte bauen Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und für einen Augenblick waren sie wieder im Raum – nicht nur als historische Figuren, sondern als Menschen, deren Leben hier in Osnabrück seinen Platz hatte.

Während ich erzählte, wurde mir bewusst, wie zerbrechlich Erinnerung ist – und wie kraftvoll. Solange wir ihre Geschichten erzählen, sind diese Menschen nicht vergessen

Erinnerung bleibt nicht in der Dunkelheit stehen. Sie kann ein Licht sein – ein leises, beharrliches Licht gegen das Vergessen.

Sabine Meyer
Erzähltheater Osnabrück