Ausstellung über jüdisches Leben in Osnabrück

Noch bis zum 30. August
im Kulturgeschichtlichen Museum

Im Jahr 2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Die Ausstellung erinnert an diese frühe Phase jüdischer Geschichte in der Stadt, die von etwa 1260 bis 1430 bestand. In dieser Zeit lebten Jüdinnen und Juden über viele Generationen hinweg in Osnabrück und prägten das wirtschaftliche, soziale und religiöse Leben mit – bis ihr Aufenthalt im 15. Jahrhundert ein jähes Ende fand.

Auslöser war ein tiefgreifender Wandel: Nachdem das kirchliche Zinsverbot für Christ:innen aufgehoben wurde, verloren jüdische Geldgeber ihre wirtschaftliche Bedeutung. Das Stadtregiment nutzte den Wechsel auf dem Bischofsstuhl, um den Schutz für die jüdische Bevölkerung aufzuheben. 1424 bestätigte der neue Bischof Johann III. von Diepholz schriftlich, dass Osnabrück und die Feldmark künftig „von Juden unbelastet“ bleiben sollten – ein Ausdruck der Ausgrenzung und Verfolgung jener Zeit. Der Verzicht wurde 1425 erneuert, 1426 endeten mit den letzten Steuerzahlungen auch die Spuren der ersten jüdischen Gemeinde.

Die Ausstellung erinnert an eine von gesellschaftlichen wie religiösen Konflikten geprägte Phase des Nebeneinanders von christlicher Mehrheitsgesellschaft und jüdischer Minderheit in Osnabrück, die knapp zwei Jahrhunderte währte (ca. 1260 bis 1430).Sie veranschaulicht, wie eng religiöse, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen miteinander verflochten waren – und wie fragile Toleranz und offene Ablehnung nebeneinander bestehen konnten.

Anhand von historischen Dokumenten und Objekten eröffnet die Schau einen differenzierten Zugang zu einem wichtigen Kapitel Osnabrücker Stadtgeschichte.

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Ecclesia und Synagoge auf dem Gellenbecker Hochaltar

Dienstag, 18. August
18 Uhr
Vortragssaal

Die allegorischen Figuren Ecclesia und Synagoga waren seit dem Mittelter Ausdruck der Aufwertung des Christentums bei gleichzeitiger Abwertung des Judentums, bis hin zu schlimmer Diffamierung.

In der 1915 eingeweihten Kirche in Gellenbeck wurden sie noch 1923 auf dem neuen Hochaltar der Kreuzigungsgruppe zugeordnet. Im Vortrag geht es um die Bedeutung und Problematik der Figurengruppe sowie das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum.

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Jud Süß

Dienstag,  25. August
18 Uhr
Vortragssaal

1940 schuf Veit Harlan im Auftrag der deutschen Reichsregierung den nationalsozialistischen Propagandafilm Jud Süß. Der Antisemitische Spielfilm ist an die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer (1698–1738) angelehnt, entspricht jedoch nicht den überlieferten Quellen. Diese legen nahe, dass Süß Oppenheimer lediglich als Sündenbock für die Verfehlungen des Herzogs Karl Alexander von Württemberg (1684–1737) büßen musste.

In der Veranstaltung wird diskutiert, inwieweit Bilder des mittelalterlichen Judenhasses in der NS-Propaganda aufgenommen und weitertransportiert wurden.

Jud Süß gehört zu den Vorbehaltsfilmen der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die in Deutschland nicht für den Vertrieb freigegeben sind und nur mit Zustimmung der Stiftung unter den von der Stiftung festgelegten Bedingungen gezeigt werden dürfen.

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Alle Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung
finden Sie hier.

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Bild: Sechs Juden verzehren das Pessach-Lamm
Antijüdische Darstellung aus dem um 1300 in Rulle entstandenen
Codex Gisle