Ein Interview über Inklusion, Begegnung und die Idee
hinter dem »Konzert in Bewegung«
Manchmal beginnt etwas Großes mit einem einzigen Gedanken. Mit einem Wunsch. Mit der Hoffnung, Menschen zusammenzubringen. So begann auch die Geschichte des Konzerts in Bewegung, welches die Caritas-Gruppe unserer Pfarrei gemeinsam mit der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) am 31. Mai veranstaltet hat.
Den ersten Impuls gab Katja Lehmberg: »Wir kennen die Herausforderung, das unangepasstes Verhalten bei einigen Veranstaltungen im Publikum nicht gut ankommen. Dazu gehören unter anderem oft auch klassische Konzerte. Viele Familien mit beeinträchtigten Kindern vermeiden dann einen Besuch dieser Konzerte, um nicht absehbar in unangenehme Situationen zu geraten. Gleichzeitig wünscht man sich aber Orte, an denen Menschen einfach miteinander sein dürfen“, erzählt sie. »Ohne Unsicherheit. Ohne Berührungsängste. Ohne das Gefühl, anders zu sein. Musik hat diese besondere Kraft. Sie fragt nicht nach Einschränkungen oder Unterschieden. Musik verbindet einfach.«
Musik fragt nicht nach Einschränkungen
Mit dieser Idee brachte sie Menschen zusammen, die dieselbe Vision teilen. Kerstin Kerperin von der Christus-König-Gemeinde, HHO-Markenbotschafterin Lisa Kuppelmayr sowie die Bremer Initiative »Inklusik« mit dem Kammerensemble Konsonanz, Katrin Anders von Miteinanders | Kultur • Barrierefrei •Inklusiv sowie der Initiatorin Dr. Gerhild Alf.
Bereits beim ersten Austausch wurde schnell klar: Dieses Konzert in Osnabrück würde etwas Besonderes werden. »Von Anfang an war da ein ganz besonderer Vibe zwischen allen Beteiligten«, erzählt Katrin Anders. »Man hat direkt gespürt, dass hier Menschen zusammenkommen, die dieselbe Haltung teilen und wirklich etwas bewegen möchten. Musik schafft Begegnungen, die man nicht planen kann. Wenn Menschen gemeinsam lachen, zuhören, mitsingen oder einfach den Moment teilen, dann entsteht etwas Echtes. Genau darum geht es bei unseren Inklusik-Konzerten: nicht nur um musikalisch-künstlerische Perfektion, sondern auch um Menschlichkeit.«
Inklusion beginnt dort, wo Menschen sich gesehen fühlen
Auch für Kerstin Kerperin, war sofort spürbar, wie viel Kraft in diesem Projekt steckt. »Inklusion beginnt dort, wo Menschen sich wirklich gesehen fühlen. Kirche sollte genau so ein Ort sein. Dieses Konzert zeigt, wie Gemeinschaft aussehen kann: offen, warmherzig und selbstverständlich. Nicht, wir und die anderen, sondern einfach ein gemeinsames Wir.«
Für Lisa Kuppelmayr spiegelt das Konzert genau das wider, wofür die HHO jeden Tag steht: Menschen in ihrer Einzigartigkeit wahrzunehmen und ihnen echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. »Teilhabe bedeutet für mich, dass jeder Mensch dazugehören darf. Bei dem Konzert in Bewegung konnten sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, gemeinsam Musik, Freude und Gemeinschaft erleben. Und genau darin liegt die Vision der HHO: Barrieren abzubauen und Räume zu schaffen, in denen jeder Mensch gesehen wird und sich wohlfühlen kann. Ich wünsche mir, dass Menschen nach solch einer Veranstaltung nach Hause gehen und etwas im Herzen behalten. Vielleicht einen neuen Blick aufeinander. Vielleicht das Gefühlt, dass Vielfalt nichts Trennendes ist, sondern etwas Wunderschönes. Für mich war genau das am 31. Mai in der Christus-König-Kirche spürbar.«
Keine großen Worte, sondern offene Herzen
So ist das »Konzert in Bewegung« weit mehr geworden als nur eine musikalische Veranstaltung. Es war eine Einladung: zum Zuhören, zum Begegnen und zum gemeinsamen Erleben. Ein Nachmittag, der gezeigt hat, dass Inklusion nicht aus großen Worten besteht, sondern aus offenen Herzen.
Für Kerstin Kerperin gehört dazu auch der große ehrenamtliche Einsatz vieler Menschen, ohne den ein solcher Nachmittag kaum möglich wäre. »Mich hat sehr berührt, mit wie viel Herzblut sich so viele Menschen eingebracht haben – ganz selbstverständlich auch im Hintergrund«, sagt sie. »Und besonders schön war, dass auch die Helfergruppe selbst inklusiv war: Menschen mit und ohne Behinderung haben Hand in Hand gearbeitet, aufgebaut, organisiert und sich gegenseitig unterstützt. Genau das macht für mich Inklusion aus. Gerade solche Veranstaltungen leben davon, dass Menschen Zeit schenken, mit anpacken und Verantwortung übernehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Zu erleben, wie viele bereit sin, sich für Gemeinschaft und Teilhabe einzusetzen, macht Mut und erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.«
Und genau darin liegt für sie auch die Hoffnung für die Zukunft: »Ich wünsche mir sehr, dass aus diesem Projekt noch viele weitere Begegnungen entstehen. Die Zusammenarbeit zwischen der HHO und unserer Gemeinde hat gezeigt, wie viel möglich wird, wenn Menschen mit Offenheit und gegenseitigem Vertrauen aufeinander zugehen. Solche Momente verbinden – und sie wirken oft noch lange nach. Vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Konzert: dass es nicht mit dem letzten Lied endet.«
Kerstin Kerperin
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Einige Bilder des Konzerts
finden Sie hier.